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Kais Buchtagebuch – C.R. Neilson – „Das Walmesser“ (Großbritannien, 2014)

Kais Buchtagebuch – C.R. Neilson – „Das Walmesser“ (Großbritannien, 2014)

Krimis, die an skandinavisch-nordeuropäischen Schauplätzen spielen, sind unglaublich beliebt, da erzähle ich hier ja wohl niemandem etwas neues. Und warum auch nicht, die harschen Lebensbedingungen bringen ein ganz eigentümliches Völkchen hervor, manchmal vielleicht einen Tick zu depressiv gestimmt. Und die Landschaft spielt natürlich auch oft eine Rolle, vor allem in den Islandkrimis. Oder eben bei einem, der auf den Färöern spielt, wie dieser hier.

Der heutige Protagonist läuft unter dem Namen John Callum und kommt frisch auf den Färöern an. Dort versucht er eigentlich nur, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen und nicht allzu sehr aufzufallen. Das funktioniert schon nur einigermaßen gut, weil solch abgelegene Gemeinschaften ja gerne und vor allem in Krimis leicht fremdenfeindliche Individuen hervorbringen. Als er ein Verhältnis mit Karis anfängt, kommt das bei ihrem Exfreund und ihrem Vater alles andere als gut an. Die Konflikte steigern sich, und dann geschieht ein Mord und John findet sich nach einer durchzechten Nacht mit einem blutverschmierten Walmesser in der Jackentasche wieder. Jetzt gilt es zum einen herauszufinden, was passiert ist, und zum anderen, nicht von den Behörden des Mordes überführt zu werden.

Fangen wir mal mit dem Besten an dem Buch an. Die Färöer sind ein schicker und unverbrauchter Hintergrund. Dazu kommt die passende Beschreibung der Bevölkerung, mit ihren Macken und den rauen Traditionen (vor allem, was den Walfang betrifft).

Die Hintergrundgeschichte von John Callum wird nach und nach aufgedeckt, so dass man das Interesse nicht verliert, ähnliches gilt für den Mordfall. Nur, wie dieser dann aufgeklärt wird, ist ärgerlich.

Dazu sollte man zuerst erwähnen, dass die Geschichte aus der Ich-Perspektive John Callums erzählt wird. Das ist anfangs nichts schlechtes, allerdings werden dem Leser immer wieder Informationen vorenthalten, was eben in dieser Erzähl-Perspektive seltsam wirkt. Entweder werden Dinge nur indirekt beschrieben, mit Sätzen wie „..erinnerte ihn an die Sache von damals“. Oder Szenen werden mit einem Cliffhanger beendet, und im nächsten Kapitel denkt John nicht, oder wieder nur indirekt darüber nach. Am schlimmsten ist jedoch, wie er auf die Lösung des Mordfalles kommt (Spoiler ahead). Er spricht mit derjenigen Person, die er für den Täter hält. Und einige Kapitel später wird enthüllt, dass er in diesem Gespräch schon erkannte, dass die Person nicht der Täter sein konnte, weil Sie bei der Enthüllung der Näheren Täterbeschreibung überrascht reagierte (ha…gar nicht mal so sehr gespoilert). Das ist meiner Meinung nach eher lazy writing als clever writing und es hat mich etwas geärgert, dass dem Leser wichtige Informationen vorenthalten werden, und dieser so nicht selbst auf die Lösung kommen kann. Das ist doch eine der Hauptgründe, einen Krimi zu lesen, zumal, wenn der Protagonist kein Sympathiebolzen ist.

Denn John Callum wird nicht gerade sympathisch dargestellt. Leicht paranoid (immer spürt er Blicke, bevor er die betreffende Person sieht oder zu sehen glaubt), aufbrausend und seine Wut immer nur schwer unter Kontrolle haltend, wirkt er nicht wie eine Person, der man den Lehrerberuf zutraut. Außerdem verstehe ich nicht, warum er dem örtlichen Kommissar nicht ein wenig mehr Vertrauen schenkt, da dieser ihm offensichtlich helfen will. Dass er ihn nervig findet, ist für mich nicht Grund genug sich selbst das Leben schwer zu machen. Nicht einmal seiner Anwältin erzählt er alles, er möchte unbedingt alles alleine klären, und macht das auf eine ziemlich selbstjustizhafte Weise.

Etwas, das ich nur erwähne, weil es mir eben aufgefallen ist, sind die vertauschten Rollen beim Fund einer Selbstmordleiche. Der Kommissar nimmt einen passiven Part ein, während John den Erhängten birgt. Das scheint mir nicht zu passen.

Alles in allem kann man schon sagen, dass „Das Walmesser“ spannend ist, man will immer wissen, was als nächstes geschieht, und die Färöer geben einen guten und atmosphärischen Hintergrund ab, aber der wenig sympathische Protagonist, der Informationen-zurückhaltende Schreibstil und auch die Art und Weise, wie der Fall gelöst wird, haben mich zu sehr verstimmt, um eine wirkliche Empfehlung aussprechen zu können. Leute, die große Färöer-Fans sind, oder die die besseren nordischen Krimis schon durch haben, können womöglich einen Blick riskieren.

Ach ja, am Ende gibt es kurioserweise noch ein Glossar, welches die paar Brocken Färöisch erklärt, die vorkommen, aber das ist völlig unnötig, da diese schon aus dem Text und Kontext heraus erklärt werden.

Gelesen habe ich die Ausgabe des Heyne Verlags, welches von einem stimmungsvollen Cover geziert wird, für welches Johannes Wiebel und punchdesign München verantwortlich ist, unter Zuhilfenahme von Motiven von Andrey Yurlov. Übersetzt wurde es aus dem (ausdrücklich erwähnten) schottischen Englisch von Ulrich Thiele.

 
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Verfasst von - Juni 19, 2017 in Buchtagebuch

 

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Kais kurzes Filmtagebuch – „7eventiy 5ive“ aka „Dead Tone“ aka „Bloodred Massacre“ (USA, 2007)

Selten habe ich einen Film gesehen mit bescheuerteren Protagonisten.

Irgendwie macht die jugendliche Bande den Eindruck, als wolle sie unbedingt vom axtschwingenden Irren umgebracht werden. Sie schalten dass Licht aus, wenn er kommt, bleiben an Ort und Stelle nachdem sie ihm die Adresse verraten haben und sind sich zu fein die Polizei zu rufen, da diese ja immerhin 45 Minuten brauchen würde um zu kommen. Da kann man ja nur für den Killer sein.
Dann ist noch die Prämisse des Films mehr als doof. Ein Telefonstreich, bei dem man die angerufene Person 75 Sekunden am Hörer halten soll. Wer das nicht schafft ist raus. Und das soll besser sein, als das Trinkspiel, dass sie zuerst gespielt haben? Das bezweifele ich.
Dann noch die Titelsequenz, die mehr als missraten ist. Es ist ja okay, wenn man eine Anfangsszene unterbricht, um Titel und Regisseur einzublenden, aber doch nicht im Sekundentakt bitte. Vor allem dann nicht, wenn selbige Szene ein Mordszenario beschreibt, das durch die ständigen Unterbrechungen nur an Drive verliert und ungewöhnlich langgezogen wirkt.
Der einzige Grund, dessentwegen ich den Film schauen wollte, war Rutger Hauer. Und leider reiht auch er sich als Dumbatz in das Gesamtgeschehen ein. Nicht nur, dass er ab der zweiten Filmhälfte nicht mehr vorkommt, wo doch die beiden Erzählstränge anfangs gleichberechtigt behandelt worden waren. Auch die Polizei, der er ja angehört, ist selten doof und finden die Identität eines Opfers erst heraus, als es schon längst in den Nachrichten bekannt gegeben wird, wer eigentlich der Tote ist.
Fazit: Doofer Film, viele Schwachmatigkeiten. Kein Wunder dauerte es zwei Jahre, bevor der Film auf die Öffentlichkeit los gelassen wurde. Wer einen ernsthaften Film sehen will, sollte die Finger davon lassen, wer aber kein Problem hat, für den Killer zu sein und sich an den Fehlern/Blödheiten ergötzen kann, wird seinen Spaß haben.

 
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Verfasst von - Juni 19, 2017 in Filmtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

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Kais Buchtagebuch – Scott McCloud – „Der Bildhauer“ (USA, 2015)

Huch, das Buch hatte ich jetzt aber eine ganze Weile lang ausgeliehen. Wenn ich mich nicht täusche, ist in der Zeit sogar der Besitzer umgezogen. Wenigstens habe ich im Ausgleich den guten Hawkeye verliehen. Vielleicht bekomme ich den ja irgendwann wieder, wenn ich den Bildhauer hier abhandele.

Protagonist ist David, und er ist völlig überraschenderweise ein Bildhauer. Nun ja, einer, der nur sehr mäßigen Erfolg hat. Und so sitzt er einsam und alleine in einem Diner und ertränkt seine Sorgen in Köstlichkeiten, bis, nun ja, bis sein alter Onkel herein spaziert. David geht zwar das Licht nicht gleich auf, aber stellt dann doch noch fest, dass dieser Onkel eigentlich schon tot sein sollte. Dieser macht ihm ein verführerisches Angebot. Alles so formen zu können, wie er will und damit die tollsten Kunstwerke schaffen zu können, aber dafür nur noch 200 Tage Zeit zu haben. Ohne allzu große Überlegungen schlägt David ein. Doch wie es bei solchen Pakten nun mal der Fall ist, findet er bald darauf die Liebe seines Lebens.

Scott McCloud präsentiert in seiner ersten Graphic Novel eine in Teilen ungewöhnliche Geschichte mit einem nicht wirklich sympathischen Hauptcharakter. David ist eine schwierige Künstlerseele, der streng an seinen Prinzipien festhält (so zum Beispiel möchte er keine Almosen annehmen, was es für andere sehr schwer macht, ihm zu helfen). Zudem scheint er sich selbst nicht ganz sicher zu sein, wofür er seine Kunst macht. Um sich selbst zu verwirklichen und um der Kunst willen, das ist es, was er sich selbst gerne einredet. Allerdings spricht dagegen, dass ihn mangelnde Anerkennung so sehr gegen den Strich geht.

Wie gesagt, David verliebt sich zum unpassendsten Moment in Meg, die auch in den Künstlerkreisen verkehrt. Allerdings ist sie (mäßig erfolgreiche) Schauspielerin. Für sie schafft David es dann auch einige Prinzipien über Bord zu werfen. Neben all ihren lebensbejahenden Seiten hat sie zuweilen jedoch tief-depressive Phasen.

Wie man sieht, erwarten einen in „Der Bildhauer“ alles andere als bloße Setzkastenfiguren. So ist es auch mit der Geschichte, die eine etwas andere Mischung aus Beziehungsdrama und schräger Künstlerfantasie darstellt (ich meine, die meisten Bildhauer dürften von den Kräften, die David zuteil werden, nur träumen). Gegen Ende wird es jedoch so tragisch, dass es beinahe schon kitschig ist (wenn man irgendwie nachvollziehen kann, was ich damit meine). Es passiert quasi alles schlechte, das passieren kann, was etwas übertrieben ist.

Es ist offensichtlich, welches die Hauptthemen der Graphic Novel sind, nämlich, was richtige Kunst ausmacht (Anerkennung und Erfolg, oder nur zu machen, wonach einem ist) und was man aus seiner gegebenen Zeit macht. Zudem wird ein nicht unkritisches Bild der Künstlerszene gezeichnet.

Scott McCloud verwirklichte mit „Der Bildhauer“ nicht nur ein lang gehegtes Vorhaben (immerhin 5 Jahre Entwicklungszeit). Er verarbeitet auch Themen seiner Familiengeschichte. Diese erläutert er im Nachwort, und sie ist nicht weniger traurig, als das Werk an sich. Ja, ich gestehe, ich musste gegen Ende mal zu einem Taschentuch greifen. Dennoch verstecken sich auch immer wieder humoristische Töne in dem Buch, sonst wäre das ja aber auch nicht auszuhalten.

„Der Bildhauer“ ist definitiv einen Blick wert, auch für Leute, die sich ansonsten eher weniger für Comics begeistern können.

 
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Verfasst von - März 11, 2017 in Buchtagebuch

 

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Kais Filmtagebuch – „El Superbeasto“ aka „The Haunted World Of El Superbeasto“ (USA, 2009)

Wer Rob Zombie kennt, der weiß, dass der Kerl eine unheimliche Vorliebe für B-Splatter-Horror-Filme hat, und diese nicht nur in Songtexten einarbeitet, sondern auch selber gerne mal hinter der Kamera steht („Haus der 1000 Leichen“, die „Halloween“-Neuauflage von 2007). Was in seinen Filmen ebenso deutlich wird, ist seine ganz spezielle Art von Humor. Irgendwann dachte sich Herr Zombie, es wäre doch toll, einen Comic zu machen, und irgendwann später fand er es noch viel toller, daraus einen abendfüllenden Trickfilm ab 18 zu machen.

Drei Jahre lang hat es gedauert, bis das Projekt das Licht der Bildschirme erblickte. Das lag unter anderem an Rechtsstreitigkeiten, andererseits daran, dass zwischenzeitlich noch besagter Halloween-Film abgedreht werden musste, liegen. Es lag aber definitiv nicht an der zeichnerischen Qualität des Films.
Der Zeichenstil ist nämlich eine Mischung aus Ren & Stimpy, Scoobydoo und Spongebob, mit dem Unterschied, dass mehr Blut und Gedärme, und viel mehr Titt…ich meine weibliche, sekundäre Geschlechtsmerkmale zu sehen sind.
Allerdings darf man den Humor nur wenig mit dem der oben genannten Serien vergleichen. Der ist hier nämlich noch flacher und beschränkt sich hauptsächlich nur auf sexuelle Anspielungen. Ich muss jedoch zugeben, dass ich den Film aus technischen Gründen nur auf Deutsch sehen konnte, möglicherweise zünden die Sprüche im Originalton eher. Ein Beweis dafür wären die Songs (ja, es werden andauernd Lied-Montagen gebracht),diese sind im Originalton erhalten, und konnten mich, im Gegensatz zum Rest des Films gut unterhalten. Ich würde „El Superbeasto“ ja gerne unterstellen, dass er im angetrunkenen Zustand unterhaltsamer sei, aber auch das wage ich zu bezweifeln, Meines Erachtens nach ist der Film einfach nur öde (wohlgemerkt auf Deutsch, wenn ihn jemand mal auf Englisch anschauen sollte, kann er sich ja dazu äußern). Immerhin laufen im Hintergrund zahlreiche bekannte Horrorcharaktere herum, und, wie schon gesagt, die Lieder sind ganz gut.
Die Geschichte ist übrigens mehr als bescheuert und eigentlich nicht erwähnenswert, darum nur kurz: Dr. Satan will eine Frau mit besonderem Mal heiraten, um der Superteufel zu werden, aber El Superbeasto will die Alte knallen und deshalb auch retten.

So, genug gesagt. Ich werde mir den Film jedenfalls nicht nochmal anschauen.

 
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Verfasst von - Februar 27, 2017 in Filmtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

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Kais Buchtagebuch – Pascal Mercier – „Nachtzug nach Lissabon“ (BRD, 2004)

Kais Buchtagebuch – Pascal Mercier – „Nachtzug nach Lissabon“ (BRD, 2004)

Inhaltsangaben auf Buchrücken sind häufig etwas mit Vorsicht zu genießen, diese sind ja schließlich mehr Werbung für das Buch als richtige Zusammenfassungen. Das ist ja irgendwie schon in Ordnung, treibt aber manchmal seltsame Blüten. Hier zum Beispiel hört der Text auf mit „(…)doch was Gregorius erkennt, könnte ihn schließlich das Leben kosten…“. Das klingt beinahe schon nach Krimi. Wer so etwas erwartet liegt aber sehr weit daneben.

Hauptfigur des Romans ist Raimund Gregorius, ‚Mundus‘ genannt, ein Altphilologe ersten Ranges. Tote Sprachen liegen ihm. Und so ist er zufrieden damit, seinen Schülern in einem Berner Gymnasium Latein, Altgriechisch oder auch Hebräisch näher zu bringen, jedenfalls bis zu dem Tag, an dem er eine junge Frau von einem möglichen Selbstmord abhält. Die Gründe oder ihren Namen erfährt er nicht, wohl aber, dass sie Portugiesin ist. Das verleitet ihn dann schließlich in eine spanisch- und portugiesischsprachige Buchhandlung zu gehen, vor allem, weil ihn das hingehauchte „português“ so bezauberte. Dort findet er dann den „Goldschmied der Worte“, das Buch, welches den letztendlichen Ausschlag für Gregorius Reise nach Lissabon gibt, um mehr über den Autoren zu erfahren.

Spätestens von da an gibt es drei Erzählebenen. Da wäre zum einen die Reise des Raimund Gregorius vom heimatlichen Bern nach Lissabon, und wie er sich dort verändert. Durch neue Kleidung und ein neues, moderneres Brillengestell erfährt er eine optische Generalüberholung. Durch die Beschäftigung mit den Gedanken Amadeu Inacio De Almeida Prados, des Autoren des Goldschmieds, bekommt er einen neuen Blick auf sein Leben. Nicht, dass er sein bis jetziges Lehrerdasein nicht als gut empfand, aber scheinbar hat die Lektüre einen Drang nach mehr in ihm geweckt. Er kann es aber selbst nicht genau beschreiben, und so ist er immer wieder versucht, wieder in sein altes Leben zurückzukehren.

Die zweite Ebene wären die Aufzeichnungen Prados, zum Teil sehr philosophische Texte über das, was Sprache und Worte ausmacht, über das, was ein Mensch darstellen und sagen möchte, und wie er von anderen wahrgenommen wird. Aber auch, wie er von anderen beeinflusst wird, zu werden, wie er ist, beziehungsweise, wie unbewusst fremdbestimmt man in seinen Entscheidungen ist. Diese Passagen erfordern zum Teil die volle Aufmerksamkeit des Lesers.

Als letztes gäbe es noch die Lebensgeschichte Prados, die Gregorius nach und nach aufdeckt, mit Hilfe des Buches und vor allem in Gesprächen mit alten Freunden und Familienangehörigen des Autoren. Diese beinhaltet zwar schon das ein oder andere Geheimnis, aber von einem kriminalistischen Spannungsroman ist „Nachtzug nach Lissabon“ weit entfernt.

„Nachtzug nach Lissabon“ ist in einem sehr ruhigen, entspannten, manchmal fast schon behäbigen Tempo geschrieben. Es gab ein, zwei Stellen, die man auch getrost hätte kürzen können, vor allem gegen Ende. Darum, und auch wegen der Ausführungen in „Ein Goldschmied der Worte“ eignet sich der Roman nur wenig, um immer mal wieder Stücke daraus auf dem Weg zur Arbeit zu lesen. Man sollte sich Zeit nehmen, um sich richtig darauf einlassen zu können. Natürlich wiegt sich auch gerade der Punkt, dass Gregorius seinen Job hinschmeißt und einfach Weg fährt, etwas negativ auf die eigene Arbeitsmotivation aus. Ganz so direkt sollte man sich den Knaben allerdings nicht zum Vorbild nehmen, da dieser über mehr als genug Rücklagen zur Verfügung hat, um sich so etwas auch leisten zu können. Wäre man böse könnte man sagen, dass es wahre Selbstverwirklichung nur für die gibt, die es sich leisten können. Aber das bin ich ja nicht.

Raimund Gregorius teilt sich den Hauptprotagonistenplatz eigentlich mit Prado, da dessen Charakterisierung mindestens genau soviel Raum einnimmt. Im Gegensatz zum Berner Lateinlehrer stammt Prado aus einer wohlhabenden Adelsfamilie. Eigentlich ist er ja Arzt, aber auch begeisterter Leser und Autor und vor allem ein schwermütiger Denker. Es verwundert nicht, dass beide Figuren Züge des Autors tragen. Hinter dem Pseudonym Pascal Mercier steht der schweizerische Philosoph Peter Bieri, der mindestens eben so viele Sprachen beherrscht wie Gregorius und dessen philosophischem Gedankengut er durch Prado Ausdruck verleiht und diese auch in den Mittelpunkt stellt. Die Geschichten um Prado und Gregorius sind nur schmuckes Beiwerk.

Pascal Mercier verzichtet auf Kitsch und romantischen Pathos. Das bekommt man dann dafür, so wie es scheint, in der gleichnamigen Verfilmung von 2013. Ich habe mir jedenfalls das Ende angeschaut (nicht den ganzen Film) und das geht in eine völlig andere Richtung. Am gravierendsten ist Wohl, dass dort das Schicksal der anfänglichen Portugiesin weiter verfolgt wird, wohingegen sie ihm Buch nicht wieder vorkommt. Dafür verdichten sich dort die Hinweise auf eine Hirnerkrankung bei Gregorius. So wird zum Schluss noch das Thema des selbstbestimmten Sterbens angeschnitten, was konform geht mit einem der zentralen Themen des Buches, nämlich ob man seinen Lebensweg selbst in der Hand hat.

„Nachtzug nach Lissabon“ ist ein Roman für geduldige Leser, die vor Philosophie nicht zurückschrecken. Aber es ist gewiss kein Spannungsroman. Dafür eignet es sich sehr gut zum entspannten Lesen an einem trüben Tag.

Gelesen habe ich die Ausgabe des btb Verlags, welches von einem stimmungsvollen Cover geziert wird, für welches das Design Team München verantwortlich ist, unter Zuhilfenahme eines Fotos von Peter-Andreas Hassiepen.

 
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Verfasst von - Januar 30, 2017 in Buchtagebuch

 

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Kais Filmtagebuch – „Conan“ (USA, 2011)

Kais Filmtagebuch – „Conan“ (USA, 2011)

Manche Filme haben schon von Haus aus einen schweren Stand beim Publikum, weil sie eine enorme Last mit sich rumschleppen. Jeder neue James Bond, Star Wars oder Indiana Jones muss gewisse Erwartungen erfüllen, sonst gehen die Zuschauer enttäuscht nach Hause, zu viel davon, und man hat das Gefühl, die Macher hätten sich nichts Neues ausdenken wollen, um leichter an das Geld der Fans zu kommen (Star Wars VII ging in die letztgenannte Richtung, wobei man da ja schon froh war, dass es nicht der Prequel-Trilogie glich). Wenn ein Film dann auch noch so ziemlich den gleichen Titel trägt, wie es bei „Conan“ der Fall ist, wird es schwierig, die Kinogänger für sich zu gewinnen und ständige Vergleiche mit der Schwarzenegger-Version werden quasi provoziert, auch wenn man eine völlig andere Geschichte erzählt.

Na gut, völlig anders ist übertrieben, gewisse Parallelen gibt es dann doch. Bevor der Film beginnt, gibt es einen etwas längeren Prolog. Conans Mutter stirbt gewaltsam. Dann wird er von seinem Vater großgezogen bis er 10 Jahre alt ist. Erst dann wird das Dorf überfallen und alle außer Conan sterben, sodass er nun auf seinen Rachefeldzug gehen kann. Also nicht direkt danach, denn ab der nächsten Szene begleiten wir den erwachsenen Barbaren. Offensichtlich wurde er von Piraten aufgenommen und aufgezogen, und er hat mit diesen schon einige Abenteuer erlebt, bevor er rein zufällig einen der Offiziere (oder so etwas in der Art) des Oberbösen trifft, die seinen Papa auf dem Gewissen haben. Von da an kann man sich jetzt schon im Prinzip vorstellen, wie es weitergeht. Und da es keine hanebüchenen und vollkommenen bescheuerten Ideen mehr gibt, sei das mal als Inhaltsangabe ausreichend, was nicht heißt, dass es keine Kopfpatschmomente gibt (ich meine, wer hebt sein Neugeborenes mitten auf dem Schlachtfeld in die Höhe, wo allerlei Geschosse rumfliegen können?).

„Conan“ hat also keine neue oder klischeebefreite Geschichte zu erzählen, aber eine in vielen Belangen doch andere, als der Film aus den 80ern. Das liegt vor allem an den Figuren.

Conan ist hier alles andere als der stumme Krieger, den man sonst vor Augen hat. Er redet gerne und hat sichtlich Freude an blutigen Matschereien, man könnte fast schon grausam sagen, wenn es die bösen Kerle nicht verdient hätten. Allerdings scheint er auch den Tod von Sklaven, die er eigentlich retten wollte, billigend in Kauf zu nehmen. Wie sonst käme er auf die Idee, riesige Felsbrocken mitten durch die Menge Rollen zu lassen.

Sehr seltsam ist, dass er mir nichts dir nichts von einer Vergiftung geheilt wird. Gegen Filmende kommt er mir auch etwas zu schnell von A nach B, aber nun ja, man will ja auch irgendwann mit dem Dreh fertig werden, nicht?

Leo Howard, der Conan in jungen Jahren zeigt, wirkt überzeugend und nicht einmal nervig, etwas, dass ich befürchtet hatte.

Jason Momoa („Game of Thrones“, „Stargate Atlantis“) liefert einen physisch eindrucksvollen erwachsenen Conan ab, der aber auch recht jung wirkt. Ich hoffe, im normalen Leben trägt Momoa immer Bart. Beeindruckend ist auch, dass er eine Menge seiner Stunts selber machte.

Tamara, die weibliche Hauptrolle, weiß sich zwar auch zu helfen, am Ende aber ist sie doch nicht viel mehr, als die zu rettende Prinzessin. Sie darf nicht einmal die Tochter von Khalar Zym, dem bösen Obermacker, alleine erledigen.

Dargestellt wird sie von der hier verdammt gut aussehenden Rachel Nichols („Continuum“, „Criminal Minds“), die zum Schluss zeigen darf, wie toll sie schreien kann, und sonst auch ein gewisses Talent zur Komödie zeigt.

Wo wir schon bei Khalar Zym sind, er möchte nicht (nur) die Welt beherrschen, sondern auch sein Hexenfrauchen wiederbeleben. Das erhofft er mit Hilfe einer unglaublich hässlichen Maske zu erreichen. Was ich nicht verstehe, ist, warum er überall hin sein Schiff mitnehmen muss. Das erscheint mir wenig effektiv, das immer von einem Dutzend Elefanten tragen zu lassen. Immerhin hat er ein interessantes Schwert.

Stephen Lang („Gettysburg“, „Avatar“) hatte sichtlich Spaß daran, wieder einmal einen Bösen zu spielen. Da sieht man dann auch gerne zu. Er scheint auch ein begabter Schwertkämpfer zu sein.

Seine ebenso hexisch begabte Tochter Marique steht den Wiedererweckungsplänen etwas negativer gegenüber, möchte sie doch ihren Vater für sich alleine haben. Das wirkt zwar befremdlich, verleiht ihr aber doch etwas mehr Tiefe, als man erhoffen durfte.

Rose McGowan („Charmed“, „Planet Terror“) ist kaum zu erkennen unter ihrer Maske. In der Tat hat diese wohl am Anfang nicht richtig gepasst, sodass man ihr am ersten Drehtag noch einen schwarzen Balken ins Gesicht geschminkt hat, um die Übergänge zu vertuschen. McGowan hätte den Elektrakomplex (wie Ödipuskomplex nur mit vertauschten Geschlechterrollen) wohl gerne noch etwas weiter ausgebaut, aber da ging dann das Studio dazwischen. Auch sie spielt mit sichtlicher Freude und konnte aus dem eigentlich geplanten „Farique“ beim Casting eine „Marique“ machen.

Die restlichen Bösen bekommen nicht wirklich Namen, aber sehen doch alle unterschiedlich hässlich aus. Irgendwie scheint man aber zu viele erdacht zu haben, da zumindest einer davon mehr so nebenbei erledigt wird. Achja, Ron Perlman ist Conans Vater, likeable wie eh und je.

Regisseur Marcus Nispel scheint ein Faible für Neuauflagen von Filmen zu haben, gehen doch auch der 2009er „Friday, the 13th“ und der Michael Bay produzierte „The Texas Chainsaw Massacre“ auf sein Konto. Zum Glück entscheidet er sich, bzw. bringt es durch, einen blutigen Barbarenfilm zu drehen.

„Conan“ ist ein Film fürs Auge, nicht fürs Hirn. Es gibt viele verschiedene Völker zu sehen, die auch noch alle verschiedene Masken und Kostüme tragen. Dazu gibt es einen Haufen wirklich großartiger Matte Paintings zu sehen, und wenn es die nicht hat, dann eine hübsche bulgarische Landschaft. Wenn man es schafft, den „Conan“ hier nicht ständig mit dem Schwarzenegger-Vehikel zu Vergleichen, dann kann man die kurzweilige Unterhaltung gut goutieren. Ein Meisterwerk ist es nicht, aber doch besser, als ich dachte, solider oberer Durchschnitt. Wäre er nur anders betitelt worden („Sword of Conan“ vielleicht, oder „Conan – A New Tale“).

Achja, ich habe „Conan“ nicht in 3D gesehen, dazu kann ich also nichts sagen.

 
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Verfasst von - Dezember 11, 2016 in Filmtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

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Kais Filmtagebuch – „The Machine Girl“ (Japan, 2008)

Kais Filmtagebuch – „The Machine Girl“ (Japan, 2008)

Heute wird zum wiederholten Mal ein Film von Noboru Iguchi besprochen, darum lohnt es sich vielleicht, kurz ein paar Worte zum Regisseur selbst zu sagen. Noboru Iguchi (man beachte das Bild) stammt aus der Präfektur Tokio, ist 47 Jahre alt und nun knapp über 20 Jahre im Geschäft. In den meisten, wenn nicht sogar in allen (will sagen in, die ich kenne) seinen Filmen spielt das weibliche Geschlecht eine Hauptrolle. Das dürfte schon in seinen anfänglichen Werken so gewesen sein, immerhin waren das ja pornografische Filme. Da es dort aber auch schon einen gab, in dem einem Mädel Gewehre aus den Brüsten gewachsen sind, lässt sich ein gewisses Thema feststellen. Hübsche Mädchen werden in seinen Filmen gerne mal technisch verfeinert (siehe auch „Robo Geisha“, „Zombie Girl“ fällt etwas raus, weil er hierfür nicht die Geschichte schrieb), was auch immer das über ihn aussagt. Nun sei noch erwähnt, dass „The Machine Girl“ in den ersten Entwürfen keine Maschinengewehrprothese bekommen sollte und der Titel auch nur „One Armed Busty Girl“ lautete. Eine Information, die völlig unnötig ist.

Anfangen tut der Film mit einer Art Wilhelm Tell, nur dass hier viele Schüler Messer auf einen Mitschüler werfen und dabei versuchen den Apfel auf seinem Kopf zu treffen. Gerade, als alle gleichzeitig werfen wollen, kommt das Machine Girl und unterbindet die schönste Schinderei. Allerdings kommt sie nicht (nur), um das Opfer zu retten, sondern sie möchte ihren toten Bruder Yu rächen. Also hackt sie einem der Jungs die Hand ab, nur fair, da sie selbst ja auch nur eine hat. Was dann allerdings wieder unfair ist, ist die Tatsache, dass sie sich an ihren Stumpen eine Gatling schnallt und damit den Kopf des ent-handten in viele Funken zerschießt (plus meterhohe Blutfontäne, die aus seinem Hals spritzt). Die anderen Gestalten sind auch schnell beseitigt (und das anfängliche Opfer ist ziemlich undankbar). Zeit für einen Rückblick. Damit ist dieser Film genau so aufgebaut, wie Robo Geisha, wo man auch mit einer Actionsequenz beginnt, die, wie sich dann zeigt, gar nichts mit der Handlung an sich zu tun hat.

Nun dürfen wir Ami beim Basketball spielen zu schauen. Nur, damit man mich richtig versteht, sie spielt mit sich selber, neben ihr her rennt zwar ihre Freundin, aber da diese keine Sportsachen, sondern nur ihr normales Schuloutfit trägt, glaube ich nicht, dass sie großartig am Sport teilnimmt. Und dann macht es den Eindruck, als würde sie gerne mehr als ’nur‘ die Freundin von Ami sein. Ich schätze aber eher, dass das nur für uns Westler so rüber kommt. Dann ist auch genug mit dem Korbball, denn Amis Bruder Yu steht an der Tür. Er möchte sie gerne abholen. Wie sich herausstellt nicht aus purer Nächstenliebe, sondern, weil er Schwesterchen anpumpen möchte.

Wie wir Zuschauer schnell feststellen können, wir er das Geld aber nicht für Videospiele ausgeben. Er und sein Kumpel Takeshi werden von einer Grunde Teenie-Gangster bedroht und müssen dort die Kohle abliefern. Dummerweise ist es zu wenig, weswegen es Haue gibt, auch wenn das Chefchen der Truppe das Geld eigentlich gar nicht will, er möchte nur Leute leiden sehen.

Am nächsten Morgen entdeckt Ami natürlich schnell, dass Yu verprügelt wurde. Dieser wiegelt natürlich ab, woraufhin es ein wenig Hintergrundgeschichte gibt. Die Eltern der beiden wurden des Mordes angeklagt und haben sich darum umgebracht. Vorher ließen sie sich aber von ihren Kindern versprechen, aufeinander aufzupassen. Ich meine, einem schönen Suizid ist man in Japan nicht unbedingt abgeneigt, aber bloße Anklage doch ein etwas schwacher Grund. Wenn sie denn wenigstens verurteilt worden wären, würde ich es vielleicht noch einsehen.

Auch andernorts beginnt der Tag. Sho Kimura (der Anführer der Bande) stellt sich als Sohn eines Yakuza heraus. Und nicht nur das, sein Vater ist ebenso das Oberhaupt des Hattori-Hanzo-Ninjaclans (wobei dieser Clan hier so ziemlich gar nichts mit der berühmten historischen Vorbild gemeinsam haben dürfte, halt doch, es sind alles Japaner). Vater und Sohn liefern sich ein kleines Sparringkämpfchen und dann soll Sho etwas vom Blut seines Vaters trinken, um so die Verbindung noch zu stärken. Im übrigen sei hier angemerkt, dass dies die einzige Szene sein dürfte, in der der Yakuza-Jüngling nichts mit Leoprint trägt, dieser modebewusste Schönling. Während dieses Rituals stört ein Hausmädchen. Etwas, was sie aber nicht mehr lange bereuen muss. Als Sho das Haus verlässt, verabschiedet er sich nämlich liebevoll von seiner Mutter, die das Mädel währenddessen ins Jenseits schickt.

Yu lauert indes vor eben diesem Anwesen herum und beobachtet Sho, wie er sich auf den Schulweg macht. Da er aber offensichtlich jenem aus dem Weg gehen will (er läuft dann nämlich in die genau entgegengesetzte Richtung) erschließt sich mir nicht, warum er dort überhaupt rumlümmelt. Jedenfalls muss er für seine Doofheit büßen, denn er wird von Mitgliedern von Shos Gang entdeckt (das sind auch Schüler, nicht die ‚richtigen‘ Yakuza, die vor der Hütte Wache stehen, etc.). Yu rennt davon und zu seinem Kumpel Takeshi nach Hause. Er wohnt direkt über einer Autowerkstatt, was ganz praktisch für seine Eltern ist, da diese dort arbeiten (und das Ding auch besitzen). Takeshis Mutter (namens Miki) findet den Umgang des Sohnes alles andere als töfte, weil Yus Eltern ja des Mordes angeklagt waren.

Ami ist wieder am Basketball spielen, doch als sie Yu und Takeshi vor den bösen Jungs wegrennen sieht, rennt sie gleich hinterher. Weit kommt sie allerdings nicht, den sie stößt mit Rumlungerern zusammen, die sie dann gerne stoßen wollen, zur Not mit Gewalt. Und auch die beiden Jungs geraten in Bredouille, in einem Rohbau (vermutlich demselben wie zu Anfang) werden sie gestellt und verprügelt. Erst als Sho Yus Schwester in Zusammenhang mit Bordellen erwähnt, wehrt er sich und verpasst dem Yakuzasöhnchen eine. Parallel dazu wischt Ami mit den Strolchen den Fußboden auf. Wie sich zeigt, ist das Geschwisterpaar im Kampf geübt. Bei Yu reicht es leider nicht ganz, am Ende werden er und sein Freund aus dem (unfertigen) Fenster geworfen (oder ist es ein Balkon?) und verabschieden sich aus der Welt der Lebenden und der Handlung. Ami kommt zu spät.

Etwas später ist Ami verzweifelt in Yus Zimmer. In ihrer Trauer schlägt sie seine Notizhefte vom Tisch und findet in einem eine Namensliste, auf der Mitschüler stehen, die ihm übel zugespielt haben. Am nächsten Morgen findet sie sich also (mit gerahmter Yu-Fotografie) bei Ryota zu Hause ein. Die Mutter bereitet gerade das Frühstück zu (es gibt Frittiertes). Ami befragt den Jungen nach dem Verantwortlichen für den Mord, dieser wiegelt aber nur ab und geht. Ami darf sich noch die Tirade des Vaters anhören, der Polizist ist, und daher genauestens über Amis schändliche Familie Bescheid weiß. Dann greift er sie mit einem Golfschläger an (weil sie den Sohn beschuldigt) und auch die Mutter, rein optisch Hausfrau as Hausfrau can be, greift in den Kampf ein. So verwundert es nicht, dass Amis Arm in der Fritteuse landet, und die Mutter nur irre kichert. Am Ende hat Ami einen leckeren Tempuraarm und kann gerade noch entkommen. Der Vater schwört, sie eigenhändig und ohne polizeiliche Hilfe zu erledigen. Er scheint ja ziemliche Angst um den Ruf seiner Familie zu haben, ach so, stimmt ja, es spielt ja in Japan.

Abends kommt Ami wieder, durch des Polizistensohnes Fenster, doch nicht in romantischer Absicht. Es sei denn, man zählt Rachegelüste als romantisch (wer täte das nicht?). Mit ihren überragenden kämpferischen Fähigkeiten prügelt sie aus dem jungen Mann die Namen heraus, die sie braucht. Eigentlich ja nur einen Namen, Sho Kimura, der Yakuza-Jüngling. Nun könnte man meinen, sie hat was sie wollte, doch nein, erst wird der Sohn enthauptet, dann die Mutter erdolcht, und schließlich bekommt der Vater in der Wanne ein ganz besonderes Haarpflegeprodukt, nämlich das Blut des eigenen Lendenspross´ praktisch herausgepresst aus dem Torso, der hier tatsächlich wie eine Shampooflasche zu funktionieren scheint.

Auf dem Weg durch die Stadt ist Ami fest entschlossen, solange zur Mörderin zu werden, bis sie Blutrache genommen hat.

Bei Yakuzas wird zu Abend gegessen im Kreis der Familie, jedenfalls solange, bis der Koch dem Leoprint-Fanatiker Sho Suppe in den Schoß kippt. Klar, dass das Ärger gibt. In Zuge der Bestrafung erweist sich die Mutter (die innerhalb des Films keinen Namen bekommt, jedenfalls keinen, den ich mitbekommen hätte) als besonders unnachgiebig. Der Koch darf sich seine Finger abhacken und sie als Sushi essen, was mit besonders ekligen Knack-Geräuschen untermalt wird.

Währenddessen betritt Ami das Gebäude, richtet den ein oder anderen Yakuza, und schafft es beinahe auch, an Sho ran zukommen, doch sie wird entdeckt, und nach kurzer Zeit gestellt, gefangen genommen und gefoltert. Dabei werden ihr erst die Finger, und dann, weil der Yakuza-Chef von seiner Frau ein Bein gestellt bekommt, der ganze Arm abgeschnitten.

Früh am nächsten Morgen, als sie eine Spritze gegen die Schmerzen bekommen soll, kann sie entkommen (weil ihr Aufpasser ihr unter den Rock schauen will…und weil sie ja nur noch an einer Hand angekettet ist) und schafft es immerhin bis vor die uns schon bekannte Werkstatt, wo sie dann zusammenbricht. Übrigens ist es in dieser Zeit, in der sie noch keine Geschützprothese trägt, sehr offensichtlich, dass die Schauspielerin ihren „fehlenden“ Arm unter dem T-Shirt versteckt hält. Das sieht sehr unproportioniert aus.

Jedenfalls werden ihre Wunden von Mikis Ehemann versorgt (der kann das nämlich, hat nämlich auch eine eher zweifelhafte Vergangenheit), und Miki lässt sich überreden, Ami zunächst so lange da zu behalten, bis es ihr besser geht. Als es ihr dann besser geht, gibt es wieder Stunk zwischen den beiden Grazien. Schließlich kommt es zum Kampf und zum Armdrücken, wodurch die beiden, in bester Männerfilmklischeehaftigkeit, zu den besten Freunden werden, die es auf der großen weiten Welt gibt. Und nun endlich beginnt der Ehemann mit dem Bau der Gatling. Es folgt eine Trainingsmontage, schließlich gibt es erstens keinen guten Film ohne Montage, und zweitens muss man sich auf den Kampf gegen die Yakuzafamilie vorbereiten.

Miki will wohl die Lage checken und geht zum Haus der Kimuras, muss aber feststellen, dass diese weggezogen sind. Aufmerksam wie sie ist, bemerkt sie nicht den Angestellten des Hauses, der drei Meter neben ihr steht, mitbekommt, wie sie sich über die Yakuza informiert und sicher 1 und 1 zusammen zählen kann, bzw. irgendeiner aus der Sippschaft wird es dann wohl machen, das Rechnen meine ich. Und so bleibt nur noch Zeit für einen kurzen Charaktermoment in der Werkstatt (Miki kann keine weiteren Kinder mehr bekommen) bevor auch schon die Gangster angreifen. Wobei halt, das stimmt nicht, es sind Ninjas. Ninjas in roten Adidas-Trainingsanzügen, die einen speziellen Auftritt hinlegen, in dem sie sich vorstellen (ähm…irgendwas mit Ninjagruppe der Oberstufe, also auch Mitschüler), bevor sie mit dem Kampf beginnen. Miki, bewaffnet mit einem Rohr, und Ami, bewaffnet mit einem Hauch von nichts, unterliegen beinahe den Wurfsternwerfern, wenn nicht der Gönnergatte Mikis gerade rechtzeitig Amis Waffe fertiggestellt hätte. Nun, ausgerüstet mit einem riesigen Maschinengewehr als Arm (ungefähr so groß wie sie selbst), wendet sich das Blatt und mit den Ninjas wird der Boden aufgewischt…naja, eigentlich genau das Gegenteil, der Boden wird besplattert. Einem der Kerle wird ein riesiges Loch in den Wanst geschossen. Dumm nur, dass ein paar verirrte Shuriken den Weg durch Mikis Mann gefunden haben, und dieser in bester Resident Evil – Manier (den ersten Film meine ich jetzt im Speziellen) nach kurzer Verzögerung auseinander fällt. Immerhin kann ein Henchman der Familie Kimura gefangengenommen werden.

Die Kimuras brauchen neues Kanonenfutter, und so rekrutieren sie die Eltern der bislang ums Leben gekommen Schüler (also der Ninja), der Polizist ist ohnehin mit von der Partie. Der gefangene Yakuza wird von unseren Heldinnen genagelt, also, im wortwörtlichen Sinne. Nach einigen Nägeln in der Birne verrät er, wo die Verbrecherfamilie zu finden ist, nämlich bei irgendeinem abgelegenen Schrein. Es wird langsam Zeit für den Showdown. Für Ami wird ein Magazin extra-starker Munition eingepackt, die aber vermutlich die Waffe unbrauchbar macht, und eine Kettensägenprothese. Für Miki gibt es das bewährte Rohr. Bevor nun aber die Familie geplättet werden kann, stehen noch die rekrutierten Eltern im Weg, geschützt durch eine kugelsichere Football-Rüstung (nur nicht derjenige, der mit bloßem Oberkörper durch die Gegend rennt) und mit Maschinenpistole und Schwert bewaffnet. Diese stellen sich überraschenderweise gar nicht mal so blöd an, und Ami verschießt ihre ganze Munition, ohne auch nur einen einzigen ausgeschaltet zu haben. Miki hingegen hat sich im Verlauf des Kampfes dann doch erst für die Kettensäge, die auch von nicht Einarmigen bedient werden kann, und dann für einen abgetrennten Arm als Waffe entschieden. Anstatt sich in Ruhe zurückzulehnen und zu delegieren, betritt nun auch das Familienoberhaupt der Kimuras die Bühne, mit einer fliegenden Guillotine bewaffnet. In dieser landet zunächst der Kopf eines Elternteils, Teile von Amis Oberteil und schließlich auch ein Fuß von Miki, bevor Ami es endlich schafft, die Supermunition zu laden und den Yakuza mitsamt ihrer Waffe in den Orkus zu blasen. Miki tötet unterdessen noch das letzte Elternteil mit der Kettensäge, die sie an ihren Fußstumpf geschnallt hat, bevor auch sie selbst in die jenseitige Welt übertritt. Nun trägt Ami die Kettensäge, und begibt sich ins Innere des Schreins.

Dort findet sie Sho, der jedoch drei unschuldige Schüler um sich herum aufgestellt hat, um dahinter Schutz zu finden. Außerdem drängt sich Shos Mutter als nächste Gegnerin auf. Die Kettensäge prallt an ihrem Metall-BH ab und landet auf dem Boden. Dieser BH ist nicht nur unkaputtbar, sondern kann auch bohren. So versenkt die Mutter ihre Oberweite in Amis Oberweite (so ein schöner Satz). Ami gelingt es gerade noch rechtzeitig, also bevor es zu mehr als nur oberflächlichen Schäden kommt (jedenfalls wirkt es so), Mama Yakuza von sich und in eine Pinkelpfütze zu werfen, die einer der Schutzschildjungs hinterlassen hat. Das verursacht einen Kurzschluss im Drill Bra. Sho verlässt dummerweise seine Deckung, um seiner Mutter zu helfen, und so kann Ami beiden gleichzeitig horizontal den Kopf halbieren.

Ami schickt die drei Schüler los, um die Polizei zu holen, wobei die jetzt vermutlich auch nur noch wenig helfen kann. Sie selbst bleibt alleine zurück. Sie setzt schon zum rituellen Selbstmord an, doch ein Geräusch lenkt sie ab und sie stellt sich zum Kampf bereit. Ende.

„The Machine Girl“ erzählt eigentlich eine recht konventionelle Rachegeschichte, die ohne Umschweife oder besondere Nebenhandlungen abläuft (mal abgesehen vom Prolog, der mit dem restlichen Film nur wenig zu tun hat). Dabei ist es interessant, dass er, im Gegensatz zu „Robo Geisha“, mit nur wenig Blödsinnigkeiten auskommt. Kamen in dem einen noch riesige Pagodenroboter, Geishapanzer, Kniepistolen und ähnliches vor, hat man hier eigentlich „nur“ das Gatling-Prothesen-Gimmick (okay, man hat auch dieses eigenwillige Bluttrinkritual). Auch die Handlungen der Personen wirken nicht so überzogen (aber immer noch überzogen genug), wie ich es von anderen Iguchi-Filmen gewohnt bin. So ist das vielleicht ein guter Einstiegsfilm. Eine andere Möglichkeit wäre natürlich, dass ich mich schon daran gewöhnt habe, aber davon möchte ich lieber nicht ausgehen, wer weiß, mit was für Folgen man da noch rechnen müsste.

Etwas, das natürlich völlig übertrieben ist, sind die Effekte. Es ist zum Teil zwar eine richtig gute Puppen- und Requisitenarbeit, aber das Blut spritzt und sudelt nur so vor sich hin. Es scheint so, als würden in dieser Welt Menschen nur aus Blut bestehen, welches mit Hochdruck durch den Körper rast. Der Bohrer-BH (übrigens tatsächlich elektrisch), die fliegende Guillotine und auch Amis Gatling können ihre plastikartige Herkunft auch nie gänzlich verbergen, wohingegen der Tempuraarm überzeugend wirkt, in dem Sinne, dass es wie echtes Essen aussieht, eine Kunst, die die Japaner bekanntlich beherrschen. Noboru Iguchi sagt von sich, er sei sehr von Geisterhäusern aus Vergnügungsparks beeinflusst worden, und so sehen die Effekte dann auch aus. Realistisch ist der Film also nicht, aber will er ja auch nicht sein, sondern nur ein alberner Spaß. Darum stört es auch nicht, dass die Kampfchoreographie oftmals behäbig wirkt. Schade und unverständlich ist dann, dass der Film derart geschnitten wurde, dass es am Ende beinahe keinen richtigen Spaß mehr macht zuzusehen, weil man sich vieles zusammenreimen muss. Immerhin gibt es auch eine unzensierte deutschsprachige Alternative.

Es überrascht einen bei solch einem Spaßprojekt auch kritische Töne raus zuhören. So wird zum Beispiel der Rachefeldzug der Damen nicht nur in einem positiven Licht dargestellt. Dadurch, dass sie Leute umbringen, entstehen auch wieder neue Gegner, die ihrerseits auf Rache aus sind. So bildet sich der oft zitierte Teufelskreis. In diesem Sinne hätte ich einen Selbstmord Amis am Ende doch tatsächlich gut gefunden (so seltsam sich das auch anhört), weil sie sieht, dass Gewalt immer nur mehr Gewalt hervorruft. Nicht umsonst hatte sie ihren Eltern versprochen, darauf eigentlich zu verzichten. Wobei diese Eltern ja auch Pfeifen sind, So wie ich das verstanden habe, haben diese sich wegen der bloßen Anklage das Leben genommen, nicht einmal wegen eines Schuldspruchs. Wenn dann der Polizist meint, dass deren Selbstmord quasi ein Geständnis sei, dann kann man darin auch kritische Töne sehen, und Suizid ist ja etwas, das in der japanischen Gesellschaft durchaus auch mal akzeptiert ist.

„The Machine Girl“ ist ein unterhaltsamer, japanischer Funsplatterer, der im Vergleich mit anderen Werken des Regisseurs, nicht ganz so Wahnsinnig wirkt. Hat man die Möglichkeit einer ungeschnittenen Fassung, sollte man wohl eher zu dieser greifen, aber auch so weiß der Film zu unterhalten. Kleiner Spaßfakt noch am Ende: Auf meiner DVD befindet sich ein Extra namens „Info“ unter welchem nur ein Link zur Publisher-Seite zu finden ist.

 
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Verfasst von - November 1, 2016 in Filmtagebuch

 

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