RSS

Kais Serientagebuch – „The Handmaid´s Tale – Der Report der Magd“ Staffel 1 (USA, 2017)

Kais Serientagebuch – „The Handmaid´s Tale – Der Report der Magd“ Staffel 1 (USA, 2017)

Es heißt ja, man solle keine Bücher verschenken, die man nicht selbst gelesen hat, ebenso wie man keiner Statistik glauben solle, die manch nicht selbst gefälscht habe. Nur, zumindest ersterem kann ich doch insofern widersprechen, als dass ich der Meinung bin, dass man ruhig ein nicht-selbstgelesenes Buch verschenken kann, weiß man genügend über Inhalt und die zu beschenkende Person. So kam es nun also, dass ich meiner Mutter „Der Report der Magd“ dereinst zu, ich glaube es war Weihnachten, schenkte. Sie fand es gut, so gut, dass sie mir im Gegenzug die erste Staffel der Serie zukommen ließ, im Gegenzug ohne eigene Sichtung. Es war also beide Male ein, naja, nicht Blindflug, mehr so, wie ein Flug durch einen nicht ganz so dichten Nebel, und sämtliche Radarsysteme funktionierten ohne Probleme.

Die Geschichte dürfte mittlerweile einem ziemlich breiten Publikum bekannt sein, war doch die Serie vor ein paar Jahren ein ziemlicher Hit, daher werde ich nur kurz beschreiben, worum es geht.

Die vereinigten Staaten gibt es nicht mehr, an ihre Stelle ist ein Regime namens Gilead getreten. Dieses ist ein fundamentalistischer Staat, mit grob christlichen Wurzeln, welche aber nicht deckungsgleich mit unserer Bibelauslegung sein dürfte. Das liegt vor allem daran, dass die Weltbevölkerung dieser nicht allzu-fernen Zukunft ziemlich unfruchtbar geworden ist. Warum genau, weiß man nicht, man kann aber davon ausgehen, dass der schlechte Zustand der Natur mit ein Grund ist. Hinzukommt eine wirtschaftliche Krise, ein bisschen Getrickse mit einem Anti-Terror-Gesetz, und schwupps sind die Fundis an der Macht (okay, es brauchte auch noch etwas Waffengewalt). Jedenfalls werden die letzten fruchtbaren Frauen zusammengetrieben und in Lager gesteckt, wo eine Gehirnwäsche dafür sorgen soll, dass sie sich ihrem gottgewollten Schicksal ergeben, nämlich der Elite als Gebärmaschinen zu dienen und sämtliche persönliche Interessen völlig in den Hintergrund zu stellen, um nicht zu sagen völlig zu unterdrücken. Alles natürlich im Namen Gottes.

Die Handlung folgt dabei einer dieser Mägde. Dabei wird hier mehrgleisig vorgegangen. Zum einen wird gezeigt, wie sie sich in der neuen Situation und Umgebung zurecht finden muss, zum anderen werden auch Teile ihrer Vergangenheit gezeigt, also nicht nur, wie es im Umerziehungslager war, sondern auch, wie ihr Leben noch kurz vor der Machtergreifung ausgesehen hatte. Da merkt man dann auch, was für ein schleichender Prozess das gewesen ist. Es hat mit kleinen Dingen des Alltags angefangen, wuchs sich immer mehr zu beinahe segregierenden Maßnahmen aus (alleinstehende Frauen wurden immer schiefer angesehen und beleidigt, schließlich ist ja nur eine verheiratete Mutter Gottes Wunsch), wie Berufsverboten für Frauen. Daher kann ich gut verstehen, warum die Geschichte vor allem beim weiblichen Geschlecht solchen Anklang findet. Ja, bis relativ gesehen vor kurzem waren alleinstehende unabhängige Frauen kein so verbreitetes Bild, jedenfalls nicht so sehr, als das diese sich keine dummen Sprüche hätten anhören müssen. Wobei die Entstehungszeit des Buches (das von Margaret Atwood stammt, aus dem Jahr 1985) da wohl auch nicht mehr so schlimm war. Zumindest in unserem Teil der Welt, woanders mag es auch heutzutage noch ganz anders aussehen.

Dennoch finde ich es etwas zu kurz gedacht, würde man die Geschichte nur darauf beschränken, als Spiegel für die Frauensituation der Welt zu dienen. Allgemein wird hier auch gezeigt, wie man auch in einem System der totalen Kontrolle und Unterdrückung immer noch Hoffnung schöpfen kann, und auch muss, um als Mensch nicht nur vor sich hin zu vegetieren. Somit hat die Serie, bzw. das Buch auch noch eine allgemeinere Thematik.

Erstaunlich ist ja auch, dass niemand glücklich ist mit der Situation. Nicht die eigentlichen Ehefrauen der Elitemänner, da diese keine eigenen Kinder bekommen können und ebenso unter der Rolle leiden, die Frauen zugedacht werden. Die Mägde sowieso nicht. Aber auch die Männer flüchten sich in die alten Muster zurück und halten sich nicht strikt an die Vorgaben ihrer eigenen Religion (was man ja auch von einigen Kirchenmännern unserer Welt behaupten könnte). Die Einzige, die etwas zufrieden mit dem System zu sein scheint, ist die Vorsteherin der Mägde.

Eine etwas positivere Note bekommt das ganze auch noch dadurch, dass – Spoiler voraus – im Buch wohl klar ist, dass die Republik Gilead den Zahn der Zeit nicht überlebte, sogar nur recht kurzlebig war. Denn dort wird das Erzählte als Aufzeichnungen der Protagonistin Offred dargestellt. In dem Zusammenhang sei auch noch bemerkt, dass das Buch ziemlich genau so aufhört, wie die erste Staffel der Serie. Offred wird in einen Lieferwagen gepackt, und man weiß nun nicht, ob sie immer noch in den Fängen der Republik …gefangen ist..äh…oder ob sie von Widerständlern gerettet werden konnte. Das ist auch der Grund, warum ich es erst mal bei dieser Staffel belassen werde. Wie Game Of Thrones zeigte, kann eine Serie arg in die Binsen gehen, wenn keine Vorlage mehr da ist. Und ja, ich weiß, dass Margaret Atwood mittlerweile eine Fortsetzung geschrieben hat („The Testaments – Die Zeuginnen“, 2019). Darin geht es aber nicht, soweit ich weiß, um den weiteren Verlauf von Offred. Außerdem kam das Buch ja auch erst nach den nächsten Staffeln heraus. Es kann dennoch sein, dass das immer noch eine gute Serie geblieben ist, ich habe aber das Gefühl, sie hat nicht mehr so einen Eindruck gemacht, wie noch am Anfang.

Von der produktionstechnischen Seite kann man der Serie keinerlei Vorwurf machen. Das Kostümdesign ist schlicht, aber ziemlich genial. Da braucht es einen nicht zu wundern, dass die Uniformen der Mägde zu politischem Protest genutzt wurden. Schnell zu kopieren und ein totaler Blickfang.

Die Farbentsättigung passt zur Stimmung, auch wenn es in meinen Augen viel zu viel davon zur Zeit zu sehen gibt. Wären volle Farben nicht ein noch größerer Kontrast zum gezeigten System und würden es dadurch noch mehr bloß stellen?

Dadurch, dass Offred oft nicht sprechen darf, gibt es viele Großaufnahmen, um die Emotionen einzufangen. Zudem nimmt man so auch sehr häufig ihren Blickwinkel ein, wodurch die Umgebung noch bedrohlicher/bedrückender wirkt.

Elisabeth Moss muss, wie erwähnt, viel Emotion ohne Worte rüberbringen. Das schafft sie ziemlich gut, auch wenn es für den Zuschauer manchmal etwas klaustrophobisch wirkt, sie so häufig direkt im Gesicht zu haben. In „The West Wing“ spielte sie die jüngste Präsidententochter, der große Durchbruch gelang ihr dann aber in „Mad Men“, eine gestandene Serienreckin also. Auf die große Leinwand (wie lange man das wohl noch schreibt, angesichts von Corona, Kinoschließungen und direct-to-streaming-Veröffentlichungen?) hat sie es auch geschafft, lange allerdings nur in kleinere Rollen. Dieses Jahr jedoch schon in der Hauptrolle von „The Invisible Man“, einer Neuauflage des klassischen „Der Unsichtbare“, und bald auch in einem Wes Anderson-Werk zu sehen. Dennoch sollte ihre Beteiligung in „Suburban Commando“ nicht verschwiegen werden, einem Hulk Hogan – Kinderfilm, in dem sie allerdings nicht einmal einen Rollennamen spendiert bekam.

Joseph Fiennes spielt den Gegenspieler Offreds. Also nicht nur ihren derzeitigen Hausherren, sondern stellt auch das Gesicht für das gesamte System dar. Nach außen hin ein treuer Prinzipienreiter, aber eigentlich genauso verkommen, wie die ganze Elite Gileads. Er schafft es gut, immerzu eine Bedrohung aufzubauen, auch, wenn er eigentlich nur eine Partie Scrabble spielen will. Joseph Fiennes ist der jüngere Bruder von Ralph Fiennes (und eine gewisse Familienähnlichkeit kann man nicht verschweigen), aber braucht sich hinter diesem nicht verstecken. Man sieht ihn oft in historischen, oder historisch angehauchten Filmen, wie „Elizabeth“, „Shakespeare In Love“ oder „Der rote Baron“ (ja genau, der mit dem Schweigerhöferschen Duo…)

Yvonne Strahovski hat die Rolle der eigentlichen Ehefrau des Haushalts,die zwar unfruchtbar ist, aber dennoch auf Seiten des Systems steht. Wobei sie eigentlich zwischen den Stühlen steht. Als eigentliche Mitbegründerin der Religion um Gilead hat sie mittlerweile nicht mehr viel mehr zu tun, als darauf zu hoffen, dass ihre Magd bald ein Kind gebärt, um das sie sich dann kümmern kann. Passend dann also die wechselnden Gefühle, die sie gegenüber der Magd hegt. Strahovski war in „Chuck“ und „Dexter“ dabei, und letztens erst in „The Predator“, wo sie aber nur die eher kleine Rolle der Mutter hatte. Wobei man diesen Film nun nicht wirklich im Portfolio haben müsste. Dann schon eher die Beteiligung an der „Mass Effect“-Videospielreihe.

Alexis Bledel, die ewige Rory Gilmore, spielt eine lesbische Magd, die Teil des Widerstandes zu sein scheint, und kommt wohl auch in späteren Staffeln noch vor. Ihr Charakter in der ersten Staffel ist zunächst streng und zurückhaltend, taut dann aber irgendwann auf.

Ann Dowd ist Tante Lydia, die Vorsteherin der Mägde. Sie ist zwar einerseits für Gehirnwäsche, Umerziehung und Bestrafung zuständig. Andererseits nimmt man ihr ab, dass sie wirklich an Gilead und dessen Ideale und Notwendigkeit glaubt und so vermutlich die einzige ehrliche Figur des Systems. Gleichzeitig aber auch so unglaublich hassenswert. Ann Dowd verkörpert das auch unglaublich gut. Man könnte sie in „Philadelphia“ mit Tom Hanks und Denzel Washington gesehen haben, oder in „Bushwacked“, einer ganz furchtbaren „Komödie“, in der Daniel Stern seinen Charakter aus den Kevin allein – Filmen anders zu vermarkten versucht, sehen. Oder in einer ganzen Reihe anderer Filme. Vor zwei Jahren war sie zum Beispiel auch im Hexenhorror „Hereditary“ dabei.

Samira Wileys größter Erfolg vor „The Handmaid´s Tale“ dürfte „Orange Is The New Black“ gewesen sein. Sie spielt hier die ehemals beste Freundin Offreds, die zunächst gegen die Gileadaner rebelliert, später dann aber in einer gänzlich unrebellischen Lage endet.

„The Handmaid´s Tale“ bietet also keine leichte Popcorn-Unterhaltung. Man muss sich Zeit nehmen für die Serie und kann sie nicht so nebenher schauen. Die 10 Folgen der ersten Staffel sind aber spannend und nehmen einen mit. Ich kann es empfehlen. Zum einen wird hier eine ziemlich unschöne Welt gezeigt, aber es schwingt auch ein hoffnungsvoller Ton mit. Nicht immer, aber hin und wieder.

Wer weiter schauen möchte, kann das gerne machen, drei Staffeln wurden bislang veröffentlicht und die vierte sollte eigentlich gerade gedreht werden, Corona-bedingte Verzögerungen müssen aber eingerechnet werden.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - Juni 18, 2020 in Serientagebuch

 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Kais Buchtagebuch – Wolf Haas – „Auferstehung der Toten“ (Deutschland, 1996)

Kais Buchtagebuch – Wolf Haas – „Auferstehung der Toten“ (Deutschland, 1996)

So, mittlerweile sind Urlaub, Praxisbesuche und Berichte überstanden. Nun kann ich mich wieder den Tagebüchern widmen. Es ist einmal mehr etwas Kriminalistisches geworden.

„Auferstehung der Toten“ ist der erste Roman von Wolf Haas, und ebenso der erste Brenner-Fall, den Haas veröffentlichte.

Simon Brenner ist ein ehemaliger Kriminalinspektor der Wiener Polizei, der zur Zeit als Detektiv einer Versicherungsagentur arbeitet. Den Dienst hatte er quittiert, weil er mit seinem neuen Vorgesetzten nicht klar kam, oder umgekehrt. Zumindest spielten Brenners wasserblaue „Tschechenaugen“ eine Rolle im Konflikt.

Der erste Fall, den Brenner nun bearbeiten muss, ist zufälligerweise genau der letzte Fall, den er in seiner Eigenschaft als Polizist bearbeitet hatte. In Zell am See war ein älteres, amerikanisches Ehepaar in einem Skilift gefunden worden. Dummerweise hatten sie die Nacht in diesem verbringen müssen, und dümmererweise war es tiefster Winter. Die beiden waren also gut durchgefrorene Eisblöcke, ohne Puls und Atem.

Das Ehepaar waren die Schwiegereltern des Dorfbonzen Vergolder. Eigentlich Antretter, aber alle nannten ihn nur Vergolder. Vermutlich seiner Profession wegen, und seines Geldes.

Brenner jedenfalls hat nur wenig bis gar keine Spuren. Weder als Polizist, noch ein dreiviertel Jahr später als Detektiv. Stört ihn eigentlich nicht so sehr, sein Geld bekommt er dennoch. Aber dann führt er doch noch einige Gespräche, die er bislang nicht führte, und lernt einige Leute kennen, die er bisher nicht kannte. Und nach und nach tun sich vereinzelte kleine Risse auf, die sich immer weiter vergrößern und das Geheimnis enthüllen.

Der Brenner ist schon eine spezielle Figur. Meistens mürrisch, von Migräne geplagt, und etwas maulfaul. Dennoch scheint er eine unwiderstehliche Anziehung auf das weibliche Geschlecht haben. Seine Gedanken scheinen oft abzuschweifen, und sich an Nebensächlichkeiten aufzuhalten, was einer der Gründe für das Missfallen seines Vorgesetzten ist. Nun mag man geneigt sein, Übereinstimmungen zwischen Brenner und Haas zu suchen. Da ich den Autoren nicht kenne, kann ich da kaum etwas dazu sagen, wohl aber dies: Brenner ist ca. 10 Jahre älter als Haas, weil diesem dieses Alter fremd ist und es ihn darum interessiert. Wenn man nun kein Herz für einen kleinen Grummler hat, wird man sich als Leser mit Brenner etwas schwer tun.

Etwas anderes, woran mancher sich gewöhnen muss, ist Haas´ Schreibstil. Das ganze liest sich nicht wie ein üblicher Roman, sondern mehr wie eine Geschichte, die ein kauziger Kerl in einer Kneipe erzählt. Kurze Sätze, Umgangssprache, dialektische Einfärbungen, ständige Abschweifungen. Das widersetzt sich nicht nur den üblichen (Krimi-)Lesegewohnheiten, sondern lässt auch manchen Hinweis auf den Fall im allgemeinen Gemurmel untergehen. Da schadet es nicht, aufmerksam zu sein. Und es schadet nicht, das Büchlein noch ein zweites mal zu lesen. Denn es ist ganz interessant zu sehen, was sich alles schon andeutet, und zudem macht es ja auch Spaß. Denn letzten Endes ist das ein guter, aber auch recht kurzer Roman, der kauzige Charaktere zu bieten hat, und viel Atmosphäre verströmt.

Die Brenner-Reihe hat es mittlerweile schon auf 8 Einträge geschafft. Der letzte („Brennerova“) erschien vor 6 Jahren. Bislang sieht es nicht nach einem neunten Buch aus, aber wer weiß. Immerhin kündigte Haas schon einmal an, keine mehr zu schreiben (zugegeben, das war ein fiktiver Wolf Haas, der das sagte). Also gilt es, die Hoffnung nicht aufzugeben.

Gelesen habe ich die Ausgabe des Rowohlt Taschenbuch Verlags, welches von einem sehr hübschen Cover geziert wird, für das Notburga Stelzer verantwortlich ist. Die Illustration stammt von Jürgen Mick.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - März 11, 2020 in Buchtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

Schlagwörter: , , , , , , ,

Kais Filmtagebuch – „Basta – Rotwein oder Totsein“ (Deutschland/Österreich, 2004)

Hui, jetzt kommt was aus den Untiefen meiner Festplatte. Ist schon ein paar Tage her als ich es schrob…

Hin und wieder kommt es vor, dass ich einen Film in meiner Merkliste habe, den ich schon komplett vergessen habe. Und dann stolpert man auf einmal über dieses gute Stück das einem dereinst empfohlen wurde. Also macht sich der pflichtbewusste Tagebuchschreiberling natürlich sofort ans Werk, schaut „Basta“ an und tut der Welt seine Meinung kund.

Der Film beginnt, wo andere Filme aufhören, nämlich beim dramatischen Höhepunkt einer Geiselnahme vor der Gefängnistür. Die Polizisten haben die Waffen schon gezückt, und der Geiselnehmer (Oskar, unser Held), hat seine Geisel im Schwitzkasten. Seine Kumpels wollen ihn gerade abholen kommen, bzw. warten auf der Straße im Fluchtwagen. Das Einzige, was Oskar davon abhält, abzudampfen, ist Maria. Diese ist nicht nur die Gefängnispsychologin, sondern führt auch ein eher privates Verhältnis zu ihrem Patienten. Sie legt ihm Nahe, die Waffe sinken zu lassen, und zwei Jahre hinter Gittern zu sitzen, denn dann würde sie auf ihn warten. Im anderen Fall würde er sie nie bekommen. Nach kurzem Zögern hört Oskar auf die Gute und lässt sich überwältigen.
Als nächstes sehen wir das traute Zusammenwohnen der beiden Süßen. Das heißt Oskar kocht und Maria putzt Zähne. Ganz offensichtlich sind die 2 Jahre schon vergangen. Und sie unterhalten sich darüber, dass Oskar mit seiner verbrecherischen Laufbahn abschließen soll, und das Paar dann von dannen fährt. Zwei Polizisten, einer schweigsam, der andere japanisch lernend, hören die beiden ab. Die haben wohl sehr viel Vertrauen in die heilende Wirkung eines Gefängnisaufenthalts.
Schnitt auf ein Auto in dem zwei Heinis sitzen. Der eine ist Moritz Bleibtreu, wird in Zukunft aber Valentin genannt, der andere ist Belmondo, ein gut beleibter Gangster mit stark wienerischem Akzent (wen wundert’s, spielt die ganze Chose doch auch in Wien). Beide warten auf Oskar, um dann zu tun, was das Gangsterleben erfordert. Dieser jedoch hat gerade noch ein Gespräch mit der Verlegerin (und Freundin von Maria) Diana. Was genau in Oskars Buch „Secréts“ stehen soll, wird uns (noch) nicht verraten. Nach einem Handyanruf von Valentin macht sich Oskar auf den Weg zu den beiden, die schon ohne ihn anfangen dürfen. Auftrag des Dreiergespanns ist die Beschaffung der toten Tochter ihres Chefs/Mafiaoberhaupts Konstantin.
Beim Abliefern der Toten stellt Konstantin klar, dass er den Drogendealer Leo, frischgebackener Witwer und sein ehemaliger Schwiegersohn, nun gerne, da ja seine Tochter tot sei, auch unlebendig gemacht sehen will. Dazu beauftragt er Oskar und stellt ihm seinen Neffen Valentin zur Seite. Doch bevor es soweit kommen kann, müssen die beiden erst noch Schutzgeld eintreiben (die beiden Polizisten natürlich immer hinterher). Dabei kommen sie auch bei Dianas Verlag vorbei, denn Oskar will ihr sein Manuskript vorbeibringen. Valentin weiß nichts von Oskars Buchplänen, und ist auch nicht im Zustand, das mitzubekommen, verliebt er sich doch sofort in Diana.
Dass es mit Diana und Valentin was Ernsteres werden könnte, sieht man auch schon daran (mal abgesehen von einem Kuss), dass er sie zur Beerdigungsfeier der Gangstertochter eingeladen hat (obwohl da eigentlich der ganze Cast dabei ist, also ist es vielleicht doch nichts Besonderes). Im Zuge der Totenfeier und des Leichenschmauses bittet Oskar Konstantin darum, den Leo-Mord nicht machen zu wollen, sondern seine illegale Laufbahn beenden zu dürfen. Konstantin besteht aber darauf, dass er die Leo-Angelegenheit praktisch als letzten Auftrag ausführt.
Als Maria von dem Angebot erfährt, ist sie nicht begeistert. Ihr wäre es lieber, sie und Oskar würden gleich fliehen, ohne dass jemand sterben müsste. Der Streit artet derart aus, dass sie sich verabschiedet und die Nacht bei Diana zu verbringen gedenkt.
Die ist aber gerade mit dem Valentin in ihrem Bett beschäftigt. Er trägt ihr sogar ein selbstverfasstes Gedicht vor, aber sie ist vielmehr an seiner Waffe interessiert. Im Gegensatz zu Maria nämlich steht sie den verbrecherischen Tätigkeiten ihres Schatzies offenbar offen gegenüber. Die traute Zweisamkeit wird jäh von Marias Türklingeln unterbrochen. Während Diana versucht, ihre Freundin im Wohnzimmer zu trösten, entdeckt Valentin beim Ankleiden Oskars Manuskript und vermutet Verrat (ich meine, ein Mafiosi, der sein Buch „Secréts“ nennt, ist selbst schuld, wenn es Komplikationen gibt). Da allerdings im Manuskript nur die Danksagung steht, kann er auch nicht weiter eruieren, worum es geht. Aber angepisst ist er jetzt. Missgelaunt stapft Valentin ins Wohnzimmer, gibt Maria Leos Adresse (weil sie lieb gefragt hat vermutlich. Jetzt jedenfalls kann sie versuchen Leo zu warnen) und verpasst Diana eine ordentliche Watschen.
Natürlich fährt Valentin schnurstracks zu Konstantin und erzählt dort vom Verräterbuch. Der ist mehr als nicht begeistert und möchte gerne das gesamte Manuskript (das sich im Verlag befindet) in seinem Besitz wissen. Gleichzeitig fände er es auch echt knorke, wenn Oskar das Zeitliche segnen würde.
Leo dieweil ahnt, dass er nicht mehr lange zu leben hat und erwartet sogar schon Oskar als Assassine. Sein Plan zum Selbstschutz: Entführung von Oskars Freundin. Zum Glück klingelt die gerade an der Tür (da sie ja Leo zur Flucht bewegen will). Da kommt es auch noch gerade recht, dass Oskar anruft, und ein Treffen ausmachen will. Also gibt es ein kleines Gangstermeeting in einem Parkhaus zwischen Oskar und Valentin (der noch nicht wirklich an Verrat glauben mag) und Leo und seinen Bubis. Oskar bietet Leo an, dass er ihn entkommen lässt (damit Maria nicht mehr wütend auf ihn ist), aber Leo dreht den Spieß um, führt seine Mariageisel vor, der es sichtlich nicht gut geht, und fordert von Oskar, dass dieser verschwindet.
Auf der Rückfahrt ist Oskar nicht gut drauf. Valentin konfrontiert ihn mit dem Verräter-Verdacht. Es kommt zu einem Unfall. Als Oskar wieder aufwacht, liegt er in einem offenen Sarg und blickt in die Mündungen verschiedener Waffen und in die missgelaunten Gesichter von Konstantin, Valentin, Belmondo und Co. Oskar gesteht auf Nachfrage, dass er ein Buch geschrieben hat und gern veröffentlichen möchte, es sei allerdings ein Kochbuch. Das glaubt natürlich niemand. Konstantin trollt sich und gibt Valentin die Lizenz zum Töten, um nach verrichteter Arbeit gemeinsam mit Belmondo das Buch aus dem Verlag zu holen. Oskar jedoch gelingt es, Valentin von seiner Unschuld zu überzeugen, oder zumindest ihm eine Frist zu geben, bis er (also Valentin) einen Blick in das Buch geworfen hat.
Valentin und der wienerische Belmondo fahren also zum Verlag, um dort mit Diana zu reden und das Manuskript zu holen. Valentin möchte sich bei Diana entschuldigen, doch leider mischt sich Belmondo immer wieder ein. Irgendwann reicht es Diana und sie erschießt Belmondo. Das führt nicht nur dazu, dass dieser tot ist, sondern auch zur Versöhnung zwischen Diana und Valentin.
Leo inzwischen ruft Oskar an und möchte von ihm zusätzlich zu seinem Verschwinden auch noch gerne ne Millionen. Und Oskar solle sich beeilen, denn er wisse nicht, wie lange Maria noch das Waterboarding (und andere Folterei) aushält. Oskar selber hat natürlich nicht so viel Geld. Deshalb hebt er es von Konstantins Privatkonto ab. Als Konstantin davon erfährt, ist er noch unbegeisteter und befiehlt eine mafiöse Großrazzia.
Oskar trifft, von Valentin angerufen, im Verlag ein. Die drei überlegen sich einen Plan, wie sie den dicken Belmondoleichnam loswerden können. Doch gerade mitten in der schönsten Leichenschieberei kommen die zwei Superbullen. Allerdings nur, um Diana ein Manuskript zu geben, dass der schweigsamere der beiden über den Polizeialltag geschrieben hat. Nach kurzem Gerede verziehen sich die beiden auch wieder.
Oskar macht mit Leo die Geldübergabe in der Küche eines ihm bekannten Restaurants ab. Dieser kommt natürlich auch gleich mit seinen Leuten (die er allerdings vor der Hintertür stehen lässt). Während also Leo und Oskar über alte Zeiten reden (scheinbar erschoss Leo einen Freund von Oskar), befreien Diana und Valentin Maria aus Leos leichtbewachtem Versteck (nur zwei Heinzls sind da um aufzupassen). Nach dem Anruf Valentins schnappen sich Oskar und die Köche Leo, fesseln ihn und legen ihn auf einen Tisch.
Frohes Wiedersehen von Maria und Oskar in der Restaurantsküche. Maria entdeckt den zu backen fertig bereiteten noch lebenden Leo, und beschließt, ihn, wenn er durch ist, zu essen. Oskar allerdings hatte nie vor, in zu Tode zu backen, sondern ihm nur Angst zu machen.
Währenddessen betreten im Essbereich des Restaurants die beiden Polizisten das Gebäude, die nun von Valentin und Diana daran gehindert werden, in die Küche zu gehen. Das ist den Polizisten egal, das wollten die nämlich ohnehin nicht. Sie haben noch ein zweites Manuskript für Diana dabei. Schließlich betritt auch noch Konstantin mit seinen Schergen das Restaurant. Doch bevor er die Polizisten, deren Manuskript eine detaillierte Beschreibung der Wiener Mafiawelt ist, aufmischen kann, schiebt Oskar den halbgaren Leo herein (schön im Blätterteigmantel). Eine angespannte Situation mit vielen gezogenen Waffen. Maria, die Leo ein Messer ins Bein rammt, da sie ihn immer noch essen will, löst die Katastrophe aus. Leo nämlich, da ja nicht tot, schreit auf und alle schießen auf ihn. Jetzt ist er tot, und kann somit nicht miterleben, wie seine treuen Mannen durch die Schußgeräusche aufgeschreckt hereinstürmen und eine Schießerei entbrennt. Am Ende bleibt nur Oskar, als einzig Überlebender übrig.
Doch keine Angst, das ist gar nicht passiert. Wir befinden uns wieder bei der anfänglichen Geiselnahme, die ganze Handlung danach war nur die Vision von Oskar. Nachdem er den dramatischen Ausgang erkannt hat, beschließt er, doch lieber mit seinen Jungs (Valentin wie wir jetzt wissen) abzuhauen und nicht mit Maria zusammen zu kommen.
Der Abspann zeigt dann Szenen, wie sie in dieser Version der Geschichte passieren (so lernen sich Valentin und Oskar dennoch richtig kennen, nur unter anderen Umständen, und Leo kokst sich in den Tod).
Ich wollte eigentlich aus dem Film nur einen recht kurzen Tagebucheintrag machen. Leider bin ich daran gescheitert, obwohl ich schon etliche Szenen weggelassen habe (nicht nur, um nicht so viel schreiben zu müssen, sondern auch, um die Gags nicht zu verraten).
Der Film ist nicht schlecht, aber etwas surreal, naja, vor allem das Ende. Das Drehbuch wartet mit einigen kuriosen Einfällen auf, die gut zu Unterhalten wissen. Leider zünden nicht alle Dialoge. Wenn sich Valentin und Oskar beim Autofahren über den Einfluss des Kochens auf die Kultur unterhalten, und Amerika deswegen als kulturlos bezeichnen, merkt man dem ganzen zwar an, dass es gerne ein Pulp Fiction sein möchte (Stichwort Quarterpounder with Cheese), aber das kommt ein wenig unvermittelt und wird auch nicht auf eine ganz so coole Weise rübergebracht. Auch Marias Entschluss, ihren ehemaligen Peiniger unbedingt essen zu wollen, wirkt ein wenig zu abgehoben und wirkt auch nicht wie ein nachvollziehbarer Charakter-Turn. Immerhin stand sie ja immer für eine gewaltfreie Lösung ein. Gut, wer sich mit einem Mafiosi einlässt und sich dann beschwert, dass er das verbrecherische Tun nicht sein lassen kann, hat vielleicht ohnehin einen an der Waffel.
Das heißt jetzt nicht, dass der Film unlustig ist. Es gibt gute Pointen, vor allem wenn der österreichische Humor und der wienerische Dialekt in den Vordergrund treten, aber man merkt oft, dass der Film gerne noch ein wenig mehr wäre.
Das liegt nicht unbedingt an den Schauspielern. Henry Hübchen (bekannt aus „Alles auf Zucker“, „Commisario Laurenti“ und mehr) gibt den Mafiosi Oskar, dem kochen über töten geht. Er ist eher ruhig und gesetzt. Beides Eigenschaften, die nicht unbedingt zu Mafiosi oder Koch passen, aber immerhin ein Sympathieträger.
Corinna Harfouch (Maria) hat im Prinzip nicht zu tun. Am Anfang ist sie friedliebend, gerät dann in die Fänge eines Folterknechts und möchte ihn daraufhin essen. Wie gesagt, mit diesem seltsamen Umschwung tu ich mich schwer. Jemanden zu essen wirkt schon arg übertrieben. Dafür kann Frau Harfouch selbst ja nichts, aber sie kann eben auch nur wenig zeigen, wird sie ja hauptsächlich gefoltert. Als Magda Göbbels in „Der Untergang“ hat sie mir deutlich besser gefallen.
Zu Moritz Bleibtreu (Valentin) muß ich ja wohl nicht mehr viel sagen. Hier wirkt er routiniert, aber er glänzt nicht auf. Dennoch ist es immer wieder nett, ihn auf der Mattscheibe zu sehen.
Und Nadeshda Brennicke (Diana) sieht nicht nur ziemlich gut aus, sondern spielt auch richtig gut. Schade, dass sie nicht in größeren Produktionen spielt, sondern größtenteils für TV-Produktionen arbeitet. Ein Film in ihrer Vita interessiert mich dann aber dennoch, nämlich „Der Bär ist los! Die Geschichte von Bruno“, aber mehr aus kuriositätischen Gründen.
Noch ein Wort zur Musik. Diese klingt oftmals balkanesk, was ja verständlich ist, ob der osteuropäischen Mafia. Allerdings fehlt ein Lied, das im Ohr hängen bleibt. Das hätte die eine oder andere Szene vielleicht zusätzlich aufgepeppt.
Den Film darf man ruhig einmal anschauen. Und auch zweimal. Auch wenn nicht alles unbedingt so funktioniert, wie sich die Macher das vielleicht gedacht haben, kann man nicht sagen, dass es schlecht ist, oder nicht zu unterhalten weiß.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - November 14, 2019 in Filmtagebuch

 

Schlagwörter: , , , , , ,

Kais Buchtagebuch – Elizabeth George – „Wer Strafe verdient“ (USA, 2018)

Kais Buchtagebuch – Elizabeth George – „Wer Strafe verdient“ (USA, 2018)

Meine ersten Begegnungen mit Inspector Linley hatte ich damals, als die Filme Sonntagabends im ZDF liefen. Ich schaute die zusammen mit meiner Mutter an, wobei es sich später mit den Barnaby-Filmen abwechselte. Irgendwann gab es dann keine neuen mehr, aber da waren die gemeinsamen Fernsehabende ohnehin schon fast passé. Jedenfalls habe ich dann irgendwann angefangen, die Bücher zu lesen, und fand diese auch ganz gut. Dennoch werde ich immer den TV-Linley vor meinem inneren Auge haben, und nicht den blonden Schönling, der im Buch beschrieben wird.

In der Kleinstadt Ludlow, nahe der englisch-walisischen Grenze stirbt ein Diakon. Aber nicht einfach so, sondern durch Selbstmord. Und auch das ist noch nicht alles, denn der Diakon befand sich in Polizeigewahrsam. Dennoch braucht es noch die Intervenierung des Vaters des Toten, der mit seinem Geld und seinen Kontakten genügend Einfluss ausüben kann, dass New Scotland Yard in den Fall eingeschaltet wird.

Jetzt ermitteln aber nicht wie gewohnt Linley und Havers. Stattdessen wird deren Vorgesetzte Ardery mit dem Fall betraut. Diese nimmt sich zwar Barbara Havers mit, aber weniger zur Unterstützung, sondern mehr zur Kontrolle. Insgeheim würden die oberen Etagen (Ardery eingeschlossen) Havers gerne loswerden, wegen persönlicher Animositäten, und weil sie zu oft Regeln und Gepflogenheiten gekonnt ignoriert.

Die Ermittlungen gestalten sich also zäh. Zu der angespannten Arbeitsatmosphäre (Havers versucht krampfhaft, jeden Fehler zu vermeiden) gesellen sich Arderys regelmäßiger Griff zur Flasche (unter anderem wegen Scheidungs-/Sorgerechtsproblemen), sowie der Unwille der örtlichen Polizei, die sich auf den Schlips getreten fühlt, weil die eigenen Ermittlungsergebnisse in Frage gestellt werden.

Nebenbei werden einige mehr oder weniger Verdächtige Figuren eingeführt und deren mehr oder weniger dunklen Familiengeheimnisse.

Und dann endlich darf das Dreamteam persönlich ran, was aber leider bis zur zweiten Buchhälfte dauert.

Ich hatte mich gefreut, zur Abwechslung mal einen aktuellen Elizabeth George-Roman beschafft zu haben. Bislang hatte ich immer ältere Modelle vor mir liegen. Darum bin ich natürlich nicht ganz auf dem Laufenden, was die serieninterne Geschichte betrifft. Was mir aber bei aller liebe einfach nicht in den Kopf will, ist, warum die Vorgesetzten von Barbara Havers sie immer noch als Dorn im Auge empfinden. Seit vielen Jahren ist sie an erfolgreichen Ermittlungen beteiligt und wird ständig nur wegen ihres Aussehens und ihrer Umgangsformen angefeindet. Dass Havers dann noch irgendwelche Regeln übertreten hatte scheint nur die Kirsche auf dem Eisbecher der Vorwürfe zu sein. Klar, die Engländer sollen hier als die steifen Traditionalisten dastehen, wie man sie sich gerne vorstellt, aber so langsam wirkt das übertrieben. Dass sich die Autorin aber die Engländer wirklich so vorstellt, kann ich nicht glauben. Sie ist zwar gebürtige Amerikanerin, hat mittlerweile jedoch genügend Zeit dort verbracht. Die Engländer, die ich so kenne, geben sich jedenfalls anders.

Wie bereits erwähnt zieht sich das Geschehen ziemlich, was nicht nur an der ungewohnten und unfruchtbaren Konstellation liegt, sondern auch daran, dass sich Havers antrieb, immer weiter zu forschen, lange nur auf allerkleinste Verdachtsmomente stützt, bzw. ungute Gefühle, die sie bei der einen oder anderen Person empfindet. Erst recht spät stößt sie auf eine Lücke von 10 Tagen, die zwischen Meldung eines Verbrechens und der Festsetzung des Dekans liegen. Und von da an kommen dann endlich ein paar vernünftige Ergebnisse zu Stande. Nur leider müssen die beiden Ermittlerinnen zunächst wieder nach London. Aufgrund der alkoholischen Ergüsse Arderys wird Havers wieder hingeschickt, diesmal mit Inspector Linley im Gepäck. Und so klappern sie einige schon bekannte Stationen nochmals ab.

Mir ist klar, dass echte Polizeiarbeit auch meistens sehr zäh ist (und sowieso anders läuft als hier) und mir ist auch klar, dass hier Havers Spürnase und Verbissenheit unter Beweis gestellt werden soll, aber es ist eben schon etwas anstrengend, sich mit ihr durch diese Querelen zu kämpfen. Von dem her kommt es wahrscheinlich wie gedacht herüber, aber irgendwie macht das Lesen dann nicht so viel Spaß.

Vor allem, wenn sich dazu dann noch ein Schreibstil gesellt, der oft indirekte Rede verwendet. Das ist wohl eher ein persönliches Problem meinerseits, dass mir das nicht gefällt. Anders sieht es mit der zum Teil ziemlich gestelzten Redensweise der Personen aus. Das wirkt (wie die englische Steifigkeit) übertrieben und beinahe lächerlich.

Etwas lächerlich ist auch die küchenpsychologische Art, wie sich Ding, eine der wichtigeren Nebenfiguren, ihre Beziehungsunfähigkeit, bzw. eingebildete Beziehungsunfähigkeit erklärt. Aber gut, die Figur ist eben keine Psychiaterin. Noch lächerlicher ist allerdings die Art, wie ihr Vater gestorben ist. Die ganze Zeit denkt man, die unterdrückten Kindheitserinnerungen wären irgendwas furchtbar düsteres, und dann war es ’nur‘ der Tod des Vaters…durch autoerotische Asphyxiationsspielchen. Tut mir leid, das kann ich einfach nicht ernst nehmen, und ich möchte nicht in ihrer Haut stecken…aber das ist so doof und wirkt, als hätte Elizabeth George irgendwas aus den mehr oder weniger jüngeren Schlagzeilen genommen. Eher weniger jung. Aus derselben Quelle stammt sicher auch das Komasaufen unter Jugendlichen, wobei die Jugendlichen hier schon an der Uni sind. Sicher, das gibt es noch, und womöglich ein edler Versuch, da noch etwas Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken, aber es wirkt, vor allem angesichts der Themen, die heute die Öffentlichkeit beschäftigen, wie aus der Zeit gefallen und relativ harmlos.

Die zentralen Themen sind da zum Glück eher zeitloserer Natur, als da der Konflikt zwischen Eltern und Kind, und im speziellen zwischen übervorsichtigen und kontrollierenden Müttern, schwachen Ehemännern und Vätern, und Kind. Dieser führt dann auch zu Missverständnissen, Behinderungen bei den Ermittlungen und zur großen Katastrophe. Naja, das, und ein Riesenarschloch, dessen Täterschaft eher schwach motiviert ist. Nebenbei wird auch noch Drogen- und Alkoholmissbrauch thematisiert, aber auch hier schwingt wieder einiges an vereinfachender Psychologie mit. Leider lässt sich nicht immer alles erklären, und vor allem nicht schnell überwinden.

Elizabeth Georges Lynley-Romane zeichnen sich nicht durch ein hohes Tempo aus, sondern durch eine gute Figurenzeichnung und ein Interesse an den Hintergründen der Täter. Für „Wer Strafe verdient“ braucht man aber nochmal eine Extraportion Sitzfleisch. Ein Fall für Komplettisten, aber der gelegentliche Krimileser sollte eher mit einem anderen ihrer Romane vorlieb nehmen.

Gelesen habe ich die Ausgabe des Goldmann Verlags, für die Umschlaggestaltung zeichnet die UNO Werbeagentur München verantwortlich, unter Verwendung eines Entwurfs von Darren Haggar. Das Motiv der Wolken stammt von Getty Images/ Stijn Dijkstra/ EyeEm, das der Stadt von Andrew Compton/ Alamy Stock Foto. Übertragung ins Deutsche erfolgte durch Charlotte Breuer, Norbert Möllemann und Marion Matheis.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - Oktober 8, 2019 in Buchtagebuch

 

Schlagwörter: , , , , ,

Kais Filmtagebuch – „Sakuya – The Demon Slayer“ aka „Sakuya: yokaiden“ aka „Sakuya: Slayer Of Demons“ (Japan, 2000)

Kais Filmtagebuch – „Sakuya – The Demon Slayer“ aka „Sakuya: yokaiden“ aka „Sakuya: Slayer Of Demons“ (Japan, 2000)

Die japanische Filmindustrie kann vieles, aber am besten wohl Miniaturen zerstören und Monsteranzüge erschaffen. Das schöne ist ja, dass japanische Monster für westliche Augen so ungewöhnlich aussehen, weil sie aus einer für die meisten von uns ziemlich unbekannten Mythologie entstammen. Immerhin habe ich schon gelernt, dass die Welten der bösen Geister Fluch, Neid und Hass sind, somit also Welten,, die die Menschen überhaupt erst erschaffen. Aber naja…es geht hier ja nicht um Geister sondern um Monster (die Macher machen da einen Unterschied).

Im Japan des Jahres 1707 ist so einiges im argen. Das liegt vor allem daran, dass der Fujiyama ausgebrochen ist und Horden von Dämonen auf Japan losgelassen wurden. Zum Glück gibt es eine Familie von Dämonenjägern. Diese besitzt nämlich ein verfluchtes Schwert, welches zwar Dämonen mir nichts dir nichts vernichten kann, dafür aber auch immer ein wenig Lebensenergie des Trägers konsumiert (man kennt das ja aus diversen Videospielen). Der jetzige Schwertschwingmeister zerlegt gerade eine Hand voll Kappas (Flussgeister, sehen Schildkröten oft ähnlich), als ihm das letzte bisschen Lebenskraft ausgepresst wird. Nun sieht sich also Sakuya, einziger Nachkomme und somit Erbin des Schwertes, gezwungen, die Klinge zu ergreifen und dem restlichen Viehzeug zu Leibe zu Rücken. Nun, nicht allem, denn ein kleines Kappa-Kind erweicht ihr Herz und sie nimmt ihn auf um ihn fortan als ihren Bruder Taro zu erziehen.

Die Jahre ziehen ins Land und die Dämonenplage nimmt einfach kein ende, sondern wird zum Teil schlimmer. Es wird also der tollkühne Plan gefasst, zum Fujiyama zu reisen und dort für Ordnung zu sorgen, in der Hoffnung, das Unheil an der Wurzel bekämpfen zu können. Klar, dass ihr kleiner Bruder sie begleiten muss, auch wenn er von anderen Menschen ob seines mythologischen Ursprungs immer wieder angefeindet wird. Außerdem gesellen sich noch zwei gestandene Krieger zu dem Duo. Einer hat eine ausklappbare Armbrust am Arm, der andere kann sich in einen seelenlosen Stahlbolzen, eh, ich meine in einen Holzklotz verwandeln. Das bringt ihm sicher viele Vorteile, nur fällt mir keiner ein, der so richtig nützlich im Kampf gegen Dämonen wäre…

So geht jedenfalls die lustige Reise los. Unterwegs begegnet die Truppe noch ein paar hübschen Gestalten, wie einem gruseligen Puppenmacher. Dieser verwandelt zwar junge hübsche Mädchen in weniger hübsche Puppen, ist aber an sich kein Dämon. Die im selben Haus wohnende Oma dann aber schon, schließlich kann sie sich in ein mannhohes, angriffslustiges Katzenmonster verwandeln.

Später kann das Heldengrüppchen zwar in einer von lethargischen grauen Menschen bewohnten Stadt ein erfrischendes Bad nehmen, muss sich dann aber mit Geisterkriegern und Banditen herumschlagen.

Natürlich gibt es aber auch gute oder zumindest fröhliche Geister und Dämonen, die im Wald singen und tanzen (darunter auch der bekannte, unglaublich seltsame Schirmdämon).

Insgesamt wirkt das alles wie Episoden, in denen immer stärkere Gegner bekämpft werden müssen. Und wieder kommt Videospiel-Feeling auf. Letzten Endes begegnet man der Königin der Erdspinnen.

Diese möchte das genaue Gegenteil dessen, was unsere Helden zu erreichen suchen, nämlich die totale Monsterherrschaft. Zu diesem Zweck legt sie der Gruppe also nicht nur jede Menge monströse Steine in den Weg, sondern versucht auch einen Keil zwischen Bruder und Schwester zu treiben (in Form einer Musicaleinlage…das war unerwartet). Das funktioniert sogar so einigermaßen, jedenfalls treibt Taro (der nutzloseste Flussdämon aller Zeiten übrigens, er kann nämlich gar nicht schwimmen) Sakuya einen Dolch zwischen die Rippen. Aber ist ja nur ne Fleischwunde, nichts, was eine Dämonenjägerin von Rang und Namen aufhalten könnte, und so nimmt sie dennoch den Kampf gegen die mittlerweile mehrere Stockwerke große Erdspinnenkönigin auf (der übrigens erst im Verlauf des Kampfes widerliche riesige Spinnenbeine wachsen). Sakuya muss aber ordentlich einstecken, und gerade als alles verloren scheint, taucht Taro wieder auf, geläutert und auf magische Weise auf einmal fähig, schwimmen zu können. Vielleicht ist er aber auch nur sehr weit gesprungen, man weiß es nicht, da diese Kleinigkeit dem Zuschauer vorenthalten wird. Wie dem auch sei, er nimmt das verfluchte Schwert an sich, rammt es der riesigen, bösen Frau in die Stirn. Dies löst einen Skybeam (das, was auch am Ende einiger Marvel-Filme in den Himmel schießt) aus, der Fujiyama scheint geheilt und alle können sich nun in den Armen liegen.

Wie man merkt, gewinnt die Geschichte keine Originalitätspreise, bedient sie sich doch ebenso fleißig am japanischen Monster-Sammelsurium, wie an Fantasy-Klischees. Nicht selten fühlt man sich an einen Anime erinnert, und die episodenhafte Struktur sowie die Steigerung der Gegnerstärke (sowohl zahlen-, als auch kräftemäßig) lässt an ein Videospiel denken. So entsteht wenigstens nur ein Logikloch, über das man nur mit viel guten Willen hinwegsehen kann, und das wäre die Flussüberquerung von Taro. Gut, es ist nicht so sehr die Logik, die hier leidet, aber schon eine große Verwunderung darüber, dass man diese Szene, in der der kleine Kappa seine Unzulänglichkeiten überkommen muss, nicht zu sehen bekommt. Ich denke mal, da wurde dann das Geld knapp, denn als große Überraschung kann es ja wohl nicht geplant gewesen sein.

Bleibe ich doch eben bei Taro. Dieser ist die typische Figur des nervigen Kindes, wie man sie in (japanischen) Filmen für ein jüngeres Publikum häufig um die Ohre geschlagen bekommt. Gleichzeitig dient die Figur hier auch oftmals als comic-relief, begleitet von Zeichentrick-artigen Effekten. Und schließlich ist er auch noch der Dreh- und Angelpunkt der oberflächlich behandelten Frage, ob Dämonen und Menschen friedlich zusammen leben könnten. Shuichi Yamauchi kommt immerhin nicht ganz unsympathisch rüber.

Bei Sakuya fragte ich mich die ganze Zeit, warum sie das Dämonen-Kind überhaupt als ihren Bruder aufgenommen hat. Sonst hat sie jedenfalls keine Bedenken, wenn es darum geht, Monster zu metzeln. Nur gegen Menschen möchte sie nicht so wirklich mit ihrem verfluchten Schwert ran (dessen Deal mit dem Großvater mir auch nicht ganz klar ist…). Nozomi Ando macht ihre Arbeit ordentlich, vor allem wenn man bedenkt, dass sie anfangs zunächst lernen musste, wie sie ein Schwert zu ziehen habe. Nach Sakuya folgten noch weitere Genre-Rollen, unter anderem in einer Tomie-Verfilmung (nein, nicht diese) oder in einem weiteren Dämonenjäger-Film (allerdings nicht als Sakuya…und nicht als Hauptrolle).

Als Königin der Erdspinnen tritt Keiko Matsuzaka auf, eine Schauspielerin, die schon lange im japanischen Filmgeschäft tätig ist, deren Filme mir aber leider nur wenig bis nichts sagen. Hier hatte sie sicher einen ziemlich anstrengenden Job, schließlich musste sie für die Zeitlupenaufnahmen doppelt so schnell schauspielern. Und das in dem ziemlich beeindruckenden Kostüm. Dennoch scheint ihr es Spaß zu machen.

Kyusaku Shimada, der den Armbrust-Kämpfer spielt, passt optisch gut in die Rolle und hat sich auch schon einmal in einen Tomie-Film verirrt.

Der wahre Star dieses Filmes sind aber die Kostüme und Kreaturen. Die sind alle sehr liebevoll und in Handarbeit gestaltet, auf Computertricksereien wird nur im Notfall zurückgegriffen (zum Beispiel beim Skybeam am Ende). Das merkt man, und das gibt Pluspunkte. Da stört es mich nicht einmal so sehr, dass die Kämpfe Mensch gegen Monster ob der eingeschränkten Bewegungsfähigkeit der Kostümierten relativ unspektakulär aussehen, auch wenn ich zugeben muss, dass es zwischendurch deswegen zu kleinen Längen kommt, weil das Dargebotene nicht so interessant ist, wie die Auseinandersetzung auf dem Papier zu versprechen scheint. Das einzige Kostüm, bei dem ich mir immer noch nicht sicher bin, ob es großartig ist, oder Augenkrebs auslöst, ist das von Sakuyas Vater. Das wirkt sehr…befremdlich. Und dieser seltsame Schirmdämon ist auch…speziell. Andererseits, wie will man so ein Getier sonst zeigen? Gut, ‚gar nicht‘ wäre eine akzeptable Antwort. Die Macher sind so überzeugt von ihren Puppen, dass sie sogar ne Krähenpuppe statt einer Echten auffahren.

Wie es sich für einen anständigen Monsterfilm aus Japan gehört, gibt es auch ein schickes Set, welches die Erbauer scheinbar mit Freude in die Luft jagten. Zumindest vermeint das Regisseur Tomoo Haraguchi bei diesen zu erkennen. Dieser scheint ein Gefallen an Monster- und Dämonenjäger-Filmen zu haben, hat er doch noch einen mit einem Werwolf als Monstertöter, oder einen mit dem schönen Titel „Death Kappa“ im Portfolio. Seine Ursprünge in der Spezialeffekte-Ecke kann er nicht verbergen.

Die Stimmung ist für einen eher an ein jüngeres Publikum gerichteten Film oft ziemlich düster. Vor allem die Darstellung des Puppenmachers und des Dorfes, in der die Helden auf die Geisterkrieger treffen könnte Stoffe für angenehme Träume sein. Ich finde das gut.

„Sakuya – The Demon Slayer“ könnte allen gefallen, die auch schon „Inu Yasha“ und Konsorten mochten, oder eine Schwäche für handgemachte Effekte und Gummimonster haben. Einer der Kreaturendesigner nannte den Film einen „Historienfilm mit Monstern, quasi Fantasy“.

 

Als Schmankerl noch der Kampf mit den untoten Kriegern.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - Juli 24, 2019 in Filmtagebuch

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,