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Kais Filmtagebuch – „Basta – Rotwein oder Totsein“ (Deutschland/Österreich, 2004)

Hui, jetzt kommt was aus den Untiefen meiner Festplatte. Ist schon ein paar Tage her als ich es schrob…

Hin und wieder kommt es vor, dass ich einen Film in meiner Merkliste habe, den ich schon komplett vergessen habe. Und dann stolpert man auf einmal über dieses gute Stück das einem dereinst empfohlen wurde. Also macht sich der pflichtbewusste Tagebuchschreiberling natürlich sofort ans Werk, schaut „Basta“ an und tut der Welt seine Meinung kund.

Der Film beginnt, wo andere Filme aufhören, nämlich beim dramatischen Höhepunkt einer Geiselnahme vor der Gefängnistür. Die Polizisten haben die Waffen schon gezückt, und der Geiselnehmer (Oskar, unser Held), hat seine Geisel im Schwitzkasten. Seine Kumpels wollen ihn gerade abholen kommen, bzw. warten auf der Straße im Fluchtwagen. Das Einzige, was Oskar davon abhält, abzudampfen, ist Maria. Diese ist nicht nur die Gefängnispsychologin, sondern führt auch ein eher privates Verhältnis zu ihrem Patienten. Sie legt ihm Nahe, die Waffe sinken zu lassen, und zwei Jahre hinter Gittern zu sitzen, denn dann würde sie auf ihn warten. Im anderen Fall würde er sie nie bekommen. Nach kurzem Zögern hört Oskar auf die Gute und lässt sich überwältigen.
Als nächstes sehen wir das traute Zusammenwohnen der beiden Süßen. Das heißt Oskar kocht und Maria putzt Zähne. Ganz offensichtlich sind die 2 Jahre schon vergangen. Und sie unterhalten sich darüber, dass Oskar mit seiner verbrecherischen Laufbahn abschließen soll, und das Paar dann von dannen fährt. Zwei Polizisten, einer schweigsam, der andere japanisch lernend, hören die beiden ab. Die haben wohl sehr viel Vertrauen in die heilende Wirkung eines Gefängnisaufenthalts.
Schnitt auf ein Auto in dem zwei Heinis sitzen. Der eine ist Moritz Bleibtreu, wird in Zukunft aber Valentin genannt, der andere ist Belmondo, ein gut beleibter Gangster mit stark wienerischem Akzent (wen wundert’s, spielt die ganze Chose doch auch in Wien). Beide warten auf Oskar, um dann zu tun, was das Gangsterleben erfordert. Dieser jedoch hat gerade noch ein Gespräch mit der Verlegerin (und Freundin von Maria) Diana. Was genau in Oskars Buch „Secréts“ stehen soll, wird uns (noch) nicht verraten. Nach einem Handyanruf von Valentin macht sich Oskar auf den Weg zu den beiden, die schon ohne ihn anfangen dürfen. Auftrag des Dreiergespanns ist die Beschaffung der toten Tochter ihres Chefs/Mafiaoberhaupts Konstantin.
Beim Abliefern der Toten stellt Konstantin klar, dass er den Drogendealer Leo, frischgebackener Witwer und sein ehemaliger Schwiegersohn, nun gerne, da ja seine Tochter tot sei, auch unlebendig gemacht sehen will. Dazu beauftragt er Oskar und stellt ihm seinen Neffen Valentin zur Seite. Doch bevor es soweit kommen kann, müssen die beiden erst noch Schutzgeld eintreiben (die beiden Polizisten natürlich immer hinterher). Dabei kommen sie auch bei Dianas Verlag vorbei, denn Oskar will ihr sein Manuskript vorbeibringen. Valentin weiß nichts von Oskars Buchplänen, und ist auch nicht im Zustand, das mitzubekommen, verliebt er sich doch sofort in Diana.
Dass es mit Diana und Valentin was Ernsteres werden könnte, sieht man auch schon daran (mal abgesehen von einem Kuss), dass er sie zur Beerdigungsfeier der Gangstertochter eingeladen hat (obwohl da eigentlich der ganze Cast dabei ist, also ist es vielleicht doch nichts Besonderes). Im Zuge der Totenfeier und des Leichenschmauses bittet Oskar Konstantin darum, den Leo-Mord nicht machen zu wollen, sondern seine illegale Laufbahn beenden zu dürfen. Konstantin besteht aber darauf, dass er die Leo-Angelegenheit praktisch als letzten Auftrag ausführt.
Als Maria von dem Angebot erfährt, ist sie nicht begeistert. Ihr wäre es lieber, sie und Oskar würden gleich fliehen, ohne dass jemand sterben müsste. Der Streit artet derart aus, dass sie sich verabschiedet und die Nacht bei Diana zu verbringen gedenkt.
Die ist aber gerade mit dem Valentin in ihrem Bett beschäftigt. Er trägt ihr sogar ein selbstverfasstes Gedicht vor, aber sie ist vielmehr an seiner Waffe interessiert. Im Gegensatz zu Maria nämlich steht sie den verbrecherischen Tätigkeiten ihres Schatzies offenbar offen gegenüber. Die traute Zweisamkeit wird jäh von Marias Türklingeln unterbrochen. Während Diana versucht, ihre Freundin im Wohnzimmer zu trösten, entdeckt Valentin beim Ankleiden Oskars Manuskript und vermutet Verrat (ich meine, ein Mafiosi, der sein Buch „Secréts“ nennt, ist selbst schuld, wenn es Komplikationen gibt). Da allerdings im Manuskript nur die Danksagung steht, kann er auch nicht weiter eruieren, worum es geht. Aber angepisst ist er jetzt. Missgelaunt stapft Valentin ins Wohnzimmer, gibt Maria Leos Adresse (weil sie lieb gefragt hat vermutlich. Jetzt jedenfalls kann sie versuchen Leo zu warnen) und verpasst Diana eine ordentliche Watschen.
Natürlich fährt Valentin schnurstracks zu Konstantin und erzählt dort vom Verräterbuch. Der ist mehr als nicht begeistert und möchte gerne das gesamte Manuskript (das sich im Verlag befindet) in seinem Besitz wissen. Gleichzeitig fände er es auch echt knorke, wenn Oskar das Zeitliche segnen würde.
Leo dieweil ahnt, dass er nicht mehr lange zu leben hat und erwartet sogar schon Oskar als Assassine. Sein Plan zum Selbstschutz: Entführung von Oskars Freundin. Zum Glück klingelt die gerade an der Tür (da sie ja Leo zur Flucht bewegen will). Da kommt es auch noch gerade recht, dass Oskar anruft, und ein Treffen ausmachen will. Also gibt es ein kleines Gangstermeeting in einem Parkhaus zwischen Oskar und Valentin (der noch nicht wirklich an Verrat glauben mag) und Leo und seinen Bubis. Oskar bietet Leo an, dass er ihn entkommen lässt (damit Maria nicht mehr wütend auf ihn ist), aber Leo dreht den Spieß um, führt seine Mariageisel vor, der es sichtlich nicht gut geht, und fordert von Oskar, dass dieser verschwindet.
Auf der Rückfahrt ist Oskar nicht gut drauf. Valentin konfrontiert ihn mit dem Verräter-Verdacht. Es kommt zu einem Unfall. Als Oskar wieder aufwacht, liegt er in einem offenen Sarg und blickt in die Mündungen verschiedener Waffen und in die missgelaunten Gesichter von Konstantin, Valentin, Belmondo und Co. Oskar gesteht auf Nachfrage, dass er ein Buch geschrieben hat und gern veröffentlichen möchte, es sei allerdings ein Kochbuch. Das glaubt natürlich niemand. Konstantin trollt sich und gibt Valentin die Lizenz zum Töten, um nach verrichteter Arbeit gemeinsam mit Belmondo das Buch aus dem Verlag zu holen. Oskar jedoch gelingt es, Valentin von seiner Unschuld zu überzeugen, oder zumindest ihm eine Frist zu geben, bis er (also Valentin) einen Blick in das Buch geworfen hat.
Valentin und der wienerische Belmondo fahren also zum Verlag, um dort mit Diana zu reden und das Manuskript zu holen. Valentin möchte sich bei Diana entschuldigen, doch leider mischt sich Belmondo immer wieder ein. Irgendwann reicht es Diana und sie erschießt Belmondo. Das führt nicht nur dazu, dass dieser tot ist, sondern auch zur Versöhnung zwischen Diana und Valentin.
Leo inzwischen ruft Oskar an und möchte von ihm zusätzlich zu seinem Verschwinden auch noch gerne ne Millionen. Und Oskar solle sich beeilen, denn er wisse nicht, wie lange Maria noch das Waterboarding (und andere Folterei) aushält. Oskar selber hat natürlich nicht so viel Geld. Deshalb hebt er es von Konstantins Privatkonto ab. Als Konstantin davon erfährt, ist er noch unbegeisteter und befiehlt eine mafiöse Großrazzia.
Oskar trifft, von Valentin angerufen, im Verlag ein. Die drei überlegen sich einen Plan, wie sie den dicken Belmondoleichnam loswerden können. Doch gerade mitten in der schönsten Leichenschieberei kommen die zwei Superbullen. Allerdings nur, um Diana ein Manuskript zu geben, dass der schweigsamere der beiden über den Polizeialltag geschrieben hat. Nach kurzem Gerede verziehen sich die beiden auch wieder.
Oskar macht mit Leo die Geldübergabe in der Küche eines ihm bekannten Restaurants ab. Dieser kommt natürlich auch gleich mit seinen Leuten (die er allerdings vor der Hintertür stehen lässt). Während also Leo und Oskar über alte Zeiten reden (scheinbar erschoss Leo einen Freund von Oskar), befreien Diana und Valentin Maria aus Leos leichtbewachtem Versteck (nur zwei Heinzls sind da um aufzupassen). Nach dem Anruf Valentins schnappen sich Oskar und die Köche Leo, fesseln ihn und legen ihn auf einen Tisch.
Frohes Wiedersehen von Maria und Oskar in der Restaurantsküche. Maria entdeckt den zu backen fertig bereiteten noch lebenden Leo, und beschließt, ihn, wenn er durch ist, zu essen. Oskar allerdings hatte nie vor, in zu Tode zu backen, sondern ihm nur Angst zu machen.
Währenddessen betreten im Essbereich des Restaurants die beiden Polizisten das Gebäude, die nun von Valentin und Diana daran gehindert werden, in die Küche zu gehen. Das ist den Polizisten egal, das wollten die nämlich ohnehin nicht. Sie haben noch ein zweites Manuskript für Diana dabei. Schließlich betritt auch noch Konstantin mit seinen Schergen das Restaurant. Doch bevor er die Polizisten, deren Manuskript eine detaillierte Beschreibung der Wiener Mafiawelt ist, aufmischen kann, schiebt Oskar den halbgaren Leo herein (schön im Blätterteigmantel). Eine angespannte Situation mit vielen gezogenen Waffen. Maria, die Leo ein Messer ins Bein rammt, da sie ihn immer noch essen will, löst die Katastrophe aus. Leo nämlich, da ja nicht tot, schreit auf und alle schießen auf ihn. Jetzt ist er tot, und kann somit nicht miterleben, wie seine treuen Mannen durch die Schußgeräusche aufgeschreckt hereinstürmen und eine Schießerei entbrennt. Am Ende bleibt nur Oskar, als einzig Überlebender übrig.
Doch keine Angst, das ist gar nicht passiert. Wir befinden uns wieder bei der anfänglichen Geiselnahme, die ganze Handlung danach war nur die Vision von Oskar. Nachdem er den dramatischen Ausgang erkannt hat, beschließt er, doch lieber mit seinen Jungs (Valentin wie wir jetzt wissen) abzuhauen und nicht mit Maria zusammen zu kommen.
Der Abspann zeigt dann Szenen, wie sie in dieser Version der Geschichte passieren (so lernen sich Valentin und Oskar dennoch richtig kennen, nur unter anderen Umständen, und Leo kokst sich in den Tod).
Ich wollte eigentlich aus dem Film nur einen recht kurzen Tagebucheintrag machen. Leider bin ich daran gescheitert, obwohl ich schon etliche Szenen weggelassen habe (nicht nur, um nicht so viel schreiben zu müssen, sondern auch, um die Gags nicht zu verraten).
Der Film ist nicht schlecht, aber etwas surreal, naja, vor allem das Ende. Das Drehbuch wartet mit einigen kuriosen Einfällen auf, die gut zu Unterhalten wissen. Leider zünden nicht alle Dialoge. Wenn sich Valentin und Oskar beim Autofahren über den Einfluss des Kochens auf die Kultur unterhalten, und Amerika deswegen als kulturlos bezeichnen, merkt man dem ganzen zwar an, dass es gerne ein Pulp Fiction sein möchte (Stichwort Quarterpounder with Cheese), aber das kommt ein wenig unvermittelt und wird auch nicht auf eine ganz so coole Weise rübergebracht. Auch Marias Entschluss, ihren ehemaligen Peiniger unbedingt essen zu wollen, wirkt ein wenig zu abgehoben und wirkt auch nicht wie ein nachvollziehbarer Charakter-Turn. Immerhin stand sie ja immer für eine gewaltfreie Lösung ein. Gut, wer sich mit einem Mafiosi einlässt und sich dann beschwert, dass er das verbrecherische Tun nicht sein lassen kann, hat vielleicht ohnehin einen an der Waffel.
Das heißt jetzt nicht, dass der Film unlustig ist. Es gibt gute Pointen, vor allem wenn der österreichische Humor und der wienerische Dialekt in den Vordergrund treten, aber man merkt oft, dass der Film gerne noch ein wenig mehr wäre.
Das liegt nicht unbedingt an den Schauspielern. Henry Hübchen (bekannt aus „Alles auf Zucker“, „Commisario Laurenti“ und mehr) gibt den Mafiosi Oskar, dem kochen über töten geht. Er ist eher ruhig und gesetzt. Beides Eigenschaften, die nicht unbedingt zu Mafiosi oder Koch passen, aber immerhin ein Sympathieträger.
Corinna Harfouch (Maria) hat im Prinzip nicht zu tun. Am Anfang ist sie friedliebend, gerät dann in die Fänge eines Folterknechts und möchte ihn daraufhin essen. Wie gesagt, mit diesem seltsamen Umschwung tu ich mich schwer. Jemanden zu essen wirkt schon arg übertrieben. Dafür kann Frau Harfouch selbst ja nichts, aber sie kann eben auch nur wenig zeigen, wird sie ja hauptsächlich gefoltert. Als Magda Göbbels in „Der Untergang“ hat sie mir deutlich besser gefallen.
Zu Moritz Bleibtreu (Valentin) muß ich ja wohl nicht mehr viel sagen. Hier wirkt er routiniert, aber er glänzt nicht auf. Dennoch ist es immer wieder nett, ihn auf der Mattscheibe zu sehen.
Und Nadeshda Brennicke (Diana) sieht nicht nur ziemlich gut aus, sondern spielt auch richtig gut. Schade, dass sie nicht in größeren Produktionen spielt, sondern größtenteils für TV-Produktionen arbeitet. Ein Film in ihrer Vita interessiert mich dann aber dennoch, nämlich „Der Bär ist los! Die Geschichte von Bruno“, aber mehr aus kuriositätischen Gründen.
Noch ein Wort zur Musik. Diese klingt oftmals balkanesk, was ja verständlich ist, ob der osteuropäischen Mafia. Allerdings fehlt ein Lied, das im Ohr hängen bleibt. Das hätte die eine oder andere Szene vielleicht zusätzlich aufgepeppt.
Den Film darf man ruhig einmal anschauen. Und auch zweimal. Auch wenn nicht alles unbedingt so funktioniert, wie sich die Macher das vielleicht gedacht haben, kann man nicht sagen, dass es schlecht ist, oder nicht zu unterhalten weiß.

 
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Verfasst von - November 14, 2019 in Filmtagebuch

 

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Kais Buchtagebuch – Elizabeth George – „Wer Strafe verdient“ (USA, 2018)

Kais Buchtagebuch – Elizabeth George – „Wer Strafe verdient“ (USA, 2018)

Meine ersten Begegnungen mit Inspector Linley hatte ich damals, als die Filme Sonntagabends im ZDF liefen. Ich schaute die zusammen mit meiner Mutter an, wobei es sich später mit den Barnaby-Filmen abwechselte. Irgendwann gab es dann keine neuen mehr, aber da waren die gemeinsamen Fernsehabende ohnehin schon fast passé. Jedenfalls habe ich dann irgendwann angefangen, die Bücher zu lesen, und fand diese auch ganz gut. Dennoch werde ich immer den TV-Linley vor meinem inneren Auge haben, und nicht den blonden Schönling, der im Buch beschrieben wird.

In der Kleinstadt Ludlow, nahe der englisch-walisischen Grenze stirbt ein Diakon. Aber nicht einfach so, sondern durch Selbstmord. Und auch das ist noch nicht alles, denn der Diakon befand sich in Polizeigewahrsam. Dennoch braucht es noch die Intervenierung des Vaters des Toten, der mit seinem Geld und seinen Kontakten genügend Einfluss ausüben kann, dass New Scotland Yard in den Fall eingeschaltet wird.

Jetzt ermitteln aber nicht wie gewohnt Linley und Havers. Stattdessen wird deren Vorgesetzte Ardery mit dem Fall betraut. Diese nimmt sich zwar Barbara Havers mit, aber weniger zur Unterstützung, sondern mehr zur Kontrolle. Insgeheim würden die oberen Etagen (Ardery eingeschlossen) Havers gerne loswerden, wegen persönlicher Animositäten, und weil sie zu oft Regeln und Gepflogenheiten gekonnt ignoriert.

Die Ermittlungen gestalten sich also zäh. Zu der angespannten Arbeitsatmosphäre (Havers versucht krampfhaft, jeden Fehler zu vermeiden) gesellen sich Arderys regelmäßiger Griff zur Flasche (unter anderem wegen Scheidungs-/Sorgerechtsproblemen), sowie der Unwille der örtlichen Polizei, die sich auf den Schlips getreten fühlt, weil die eigenen Ermittlungsergebnisse in Frage gestellt werden.

Nebenbei werden einige mehr oder weniger Verdächtige Figuren eingeführt und deren mehr oder weniger dunklen Familiengeheimnisse.

Und dann endlich darf das Dreamteam persönlich ran, was aber leider bis zur zweiten Buchhälfte dauert.

Ich hatte mich gefreut, zur Abwechslung mal einen aktuellen Elizabeth George-Roman beschafft zu haben. Bislang hatte ich immer ältere Modelle vor mir liegen. Darum bin ich natürlich nicht ganz auf dem Laufenden, was die serieninterne Geschichte betrifft. Was mir aber bei aller liebe einfach nicht in den Kopf will, ist, warum die Vorgesetzten von Barbara Havers sie immer noch als Dorn im Auge empfinden. Seit vielen Jahren ist sie an erfolgreichen Ermittlungen beteiligt und wird ständig nur wegen ihres Aussehens und ihrer Umgangsformen angefeindet. Dass Havers dann noch irgendwelche Regeln übertreten hatte scheint nur die Kirsche auf dem Eisbecher der Vorwürfe zu sein. Klar, die Engländer sollen hier als die steifen Traditionalisten dastehen, wie man sie sich gerne vorstellt, aber so langsam wirkt das übertrieben. Dass sich die Autorin aber die Engländer wirklich so vorstellt, kann ich nicht glauben. Sie ist zwar gebürtige Amerikanerin, hat mittlerweile jedoch genügend Zeit dort verbracht. Die Engländer, die ich so kenne, geben sich jedenfalls anders.

Wie bereits erwähnt zieht sich das Geschehen ziemlich, was nicht nur an der ungewohnten und unfruchtbaren Konstellation liegt, sondern auch daran, dass sich Havers antrieb, immer weiter zu forschen, lange nur auf allerkleinste Verdachtsmomente stützt, bzw. ungute Gefühle, die sie bei der einen oder anderen Person empfindet. Erst recht spät stößt sie auf eine Lücke von 10 Tagen, die zwischen Meldung eines Verbrechens und der Festsetzung des Dekans liegen. Und von da an kommen dann endlich ein paar vernünftige Ergebnisse zu Stande. Nur leider müssen die beiden Ermittlerinnen zunächst wieder nach London. Aufgrund der alkoholischen Ergüsse Arderys wird Havers wieder hingeschickt, diesmal mit Inspector Linley im Gepäck. Und so klappern sie einige schon bekannte Stationen nochmals ab.

Mir ist klar, dass echte Polizeiarbeit auch meistens sehr zäh ist (und sowieso anders läuft als hier) und mir ist auch klar, dass hier Havers Spürnase und Verbissenheit unter Beweis gestellt werden soll, aber es ist eben schon etwas anstrengend, sich mit ihr durch diese Querelen zu kämpfen. Von dem her kommt es wahrscheinlich wie gedacht herüber, aber irgendwie macht das Lesen dann nicht so viel Spaß.

Vor allem, wenn sich dazu dann noch ein Schreibstil gesellt, der oft indirekte Rede verwendet. Das ist wohl eher ein persönliches Problem meinerseits, dass mir das nicht gefällt. Anders sieht es mit der zum Teil ziemlich gestelzten Redensweise der Personen aus. Das wirkt (wie die englische Steifigkeit) übertrieben und beinahe lächerlich.

Etwas lächerlich ist auch die küchenpsychologische Art, wie sich Ding, eine der wichtigeren Nebenfiguren, ihre Beziehungsunfähigkeit, bzw. eingebildete Beziehungsunfähigkeit erklärt. Aber gut, die Figur ist eben keine Psychiaterin. Noch lächerlicher ist allerdings die Art, wie ihr Vater gestorben ist. Die ganze Zeit denkt man, die unterdrückten Kindheitserinnerungen wären irgendwas furchtbar düsteres, und dann war es ’nur‘ der Tod des Vaters…durch autoerotische Asphyxiationsspielchen. Tut mir leid, das kann ich einfach nicht ernst nehmen, und ich möchte nicht in ihrer Haut stecken…aber das ist so doof und wirkt, als hätte Elizabeth George irgendwas aus den mehr oder weniger jüngeren Schlagzeilen genommen. Eher weniger jung. Aus derselben Quelle stammt sicher auch das Komasaufen unter Jugendlichen, wobei die Jugendlichen hier schon an der Uni sind. Sicher, das gibt es noch, und womöglich ein edler Versuch, da noch etwas Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken, aber es wirkt, vor allem angesichts der Themen, die heute die Öffentlichkeit beschäftigen, wie aus der Zeit gefallen und relativ harmlos.

Die zentralen Themen sind da zum Glück eher zeitloserer Natur, als da der Konflikt zwischen Eltern und Kind, und im speziellen zwischen übervorsichtigen und kontrollierenden Müttern, schwachen Ehemännern und Vätern, und Kind. Dieser führt dann auch zu Missverständnissen, Behinderungen bei den Ermittlungen und zur großen Katastrophe. Naja, das, und ein Riesenarschloch, dessen Täterschaft eher schwach motiviert ist. Nebenbei wird auch noch Drogen- und Alkoholmissbrauch thematisiert, aber auch hier schwingt wieder einiges an vereinfachender Psychologie mit. Leider lässt sich nicht immer alles erklären, und vor allem nicht schnell überwinden.

Elizabeth Georges Lynley-Romane zeichnen sich nicht durch ein hohes Tempo aus, sondern durch eine gute Figurenzeichnung und ein Interesse an den Hintergründen der Täter. Für „Wer Strafe verdient“ braucht man aber nochmal eine Extraportion Sitzfleisch. Ein Fall für Komplettisten, aber der gelegentliche Krimileser sollte eher mit einem anderen ihrer Romane vorlieb nehmen.

Gelesen habe ich die Ausgabe des Goldmann Verlags, für die Umschlaggestaltung zeichnet die UNO Werbeagentur München verantwortlich, unter Verwendung eines Entwurfs von Darren Haggar. Das Motiv der Wolken stammt von Getty Images/ Stijn Dijkstra/ EyeEm, das der Stadt von Andrew Compton/ Alamy Stock Foto. Übertragung ins Deutsche erfolgte durch Charlotte Breuer, Norbert Möllemann und Marion Matheis.

 
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Verfasst von - Oktober 8, 2019 in Buchtagebuch

 

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Kais Filmtagebuch – „Sakuya – The Demon Slayer“ aka „Sakuya: yokaiden“ aka „Sakuya: Slayer Of Demons“ (Japan, 2000)

Kais Filmtagebuch – „Sakuya – The Demon Slayer“ aka „Sakuya: yokaiden“ aka „Sakuya: Slayer Of Demons“ (Japan, 2000)

Die japanische Filmindustrie kann vieles, aber am besten wohl Miniaturen zerstören und Monsteranzüge erschaffen. Das schöne ist ja, dass japanische Monster für westliche Augen so ungewöhnlich aussehen, weil sie aus einer für die meisten von uns ziemlich unbekannten Mythologie entstammen. Immerhin habe ich schon gelernt, dass die Welten der bösen Geister Fluch, Neid und Hass sind, somit also Welten,, die die Menschen überhaupt erst erschaffen. Aber naja…es geht hier ja nicht um Geister sondern um Monster (die Macher machen da einen Unterschied).

Im Japan des Jahres 1707 ist so einiges im argen. Das liegt vor allem daran, dass der Fujiyama ausgebrochen ist und Horden von Dämonen auf Japan losgelassen wurden. Zum Glück gibt es eine Familie von Dämonenjägern. Diese besitzt nämlich ein verfluchtes Schwert, welches zwar Dämonen mir nichts dir nichts vernichten kann, dafür aber auch immer ein wenig Lebensenergie des Trägers konsumiert (man kennt das ja aus diversen Videospielen). Der jetzige Schwertschwingmeister zerlegt gerade eine Hand voll Kappas (Flussgeister, sehen Schildkröten oft ähnlich), als ihm das letzte bisschen Lebenskraft ausgepresst wird. Nun sieht sich also Sakuya, einziger Nachkomme und somit Erbin des Schwertes, gezwungen, die Klinge zu ergreifen und dem restlichen Viehzeug zu Leibe zu Rücken. Nun, nicht allem, denn ein kleines Kappa-Kind erweicht ihr Herz und sie nimmt ihn auf um ihn fortan als ihren Bruder Taro zu erziehen.

Die Jahre ziehen ins Land und die Dämonenplage nimmt einfach kein ende, sondern wird zum Teil schlimmer. Es wird also der tollkühne Plan gefasst, zum Fujiyama zu reisen und dort für Ordnung zu sorgen, in der Hoffnung, das Unheil an der Wurzel bekämpfen zu können. Klar, dass ihr kleiner Bruder sie begleiten muss, auch wenn er von anderen Menschen ob seines mythologischen Ursprungs immer wieder angefeindet wird. Außerdem gesellen sich noch zwei gestandene Krieger zu dem Duo. Einer hat eine ausklappbare Armbrust am Arm, der andere kann sich in einen seelenlosen Stahlbolzen, eh, ich meine in einen Holzklotz verwandeln. Das bringt ihm sicher viele Vorteile, nur fällt mir keiner ein, der so richtig nützlich im Kampf gegen Dämonen wäre…

So geht jedenfalls die lustige Reise los. Unterwegs begegnet die Truppe noch ein paar hübschen Gestalten, wie einem gruseligen Puppenmacher. Dieser verwandelt zwar junge hübsche Mädchen in weniger hübsche Puppen, ist aber an sich kein Dämon. Die im selben Haus wohnende Oma dann aber schon, schließlich kann sie sich in ein mannhohes, angriffslustiges Katzenmonster verwandeln.

Später kann das Heldengrüppchen zwar in einer von lethargischen grauen Menschen bewohnten Stadt ein erfrischendes Bad nehmen, muss sich dann aber mit Geisterkriegern und Banditen herumschlagen.

Natürlich gibt es aber auch gute oder zumindest fröhliche Geister und Dämonen, die im Wald singen und tanzen (darunter auch der bekannte, unglaublich seltsame Schirmdämon).

Insgesamt wirkt das alles wie Episoden, in denen immer stärkere Gegner bekämpft werden müssen. Und wieder kommt Videospiel-Feeling auf. Letzten Endes begegnet man der Königin der Erdspinnen.

Diese möchte das genaue Gegenteil dessen, was unsere Helden zu erreichen suchen, nämlich die totale Monsterherrschaft. Zu diesem Zweck legt sie der Gruppe also nicht nur jede Menge monströse Steine in den Weg, sondern versucht auch einen Keil zwischen Bruder und Schwester zu treiben (in Form einer Musicaleinlage…das war unerwartet). Das funktioniert sogar so einigermaßen, jedenfalls treibt Taro (der nutzloseste Flussdämon aller Zeiten übrigens, er kann nämlich gar nicht schwimmen) Sakuya einen Dolch zwischen die Rippen. Aber ist ja nur ne Fleischwunde, nichts, was eine Dämonenjägerin von Rang und Namen aufhalten könnte, und so nimmt sie dennoch den Kampf gegen die mittlerweile mehrere Stockwerke große Erdspinnenkönigin auf (der übrigens erst im Verlauf des Kampfes widerliche riesige Spinnenbeine wachsen). Sakuya muss aber ordentlich einstecken, und gerade als alles verloren scheint, taucht Taro wieder auf, geläutert und auf magische Weise auf einmal fähig, schwimmen zu können. Vielleicht ist er aber auch nur sehr weit gesprungen, man weiß es nicht, da diese Kleinigkeit dem Zuschauer vorenthalten wird. Wie dem auch sei, er nimmt das verfluchte Schwert an sich, rammt es der riesigen, bösen Frau in die Stirn. Dies löst einen Skybeam (das, was auch am Ende einiger Marvel-Filme in den Himmel schießt) aus, der Fujiyama scheint geheilt und alle können sich nun in den Armen liegen.

Wie man merkt, gewinnt die Geschichte keine Originalitätspreise, bedient sie sich doch ebenso fleißig am japanischen Monster-Sammelsurium, wie an Fantasy-Klischees. Nicht selten fühlt man sich an einen Anime erinnert, und die episodenhafte Struktur sowie die Steigerung der Gegnerstärke (sowohl zahlen-, als auch kräftemäßig) lässt an ein Videospiel denken. So entsteht wenigstens nur ein Logikloch, über das man nur mit viel guten Willen hinwegsehen kann, und das wäre die Flussüberquerung von Taro. Gut, es ist nicht so sehr die Logik, die hier leidet, aber schon eine große Verwunderung darüber, dass man diese Szene, in der der kleine Kappa seine Unzulänglichkeiten überkommen muss, nicht zu sehen bekommt. Ich denke mal, da wurde dann das Geld knapp, denn als große Überraschung kann es ja wohl nicht geplant gewesen sein.

Bleibe ich doch eben bei Taro. Dieser ist die typische Figur des nervigen Kindes, wie man sie in (japanischen) Filmen für ein jüngeres Publikum häufig um die Ohre geschlagen bekommt. Gleichzeitig dient die Figur hier auch oftmals als comic-relief, begleitet von Zeichentrick-artigen Effekten. Und schließlich ist er auch noch der Dreh- und Angelpunkt der oberflächlich behandelten Frage, ob Dämonen und Menschen friedlich zusammen leben könnten. Shuichi Yamauchi kommt immerhin nicht ganz unsympathisch rüber.

Bei Sakuya fragte ich mich die ganze Zeit, warum sie das Dämonen-Kind überhaupt als ihren Bruder aufgenommen hat. Sonst hat sie jedenfalls keine Bedenken, wenn es darum geht, Monster zu metzeln. Nur gegen Menschen möchte sie nicht so wirklich mit ihrem verfluchten Schwert ran (dessen Deal mit dem Großvater mir auch nicht ganz klar ist…). Nozomi Ando macht ihre Arbeit ordentlich, vor allem wenn man bedenkt, dass sie anfangs zunächst lernen musste, wie sie ein Schwert zu ziehen habe. Nach Sakuya folgten noch weitere Genre-Rollen, unter anderem in einer Tomie-Verfilmung (nein, nicht diese) oder in einem weiteren Dämonenjäger-Film (allerdings nicht als Sakuya…und nicht als Hauptrolle).

Als Königin der Erdspinnen tritt Keiko Matsuzaka auf, eine Schauspielerin, die schon lange im japanischen Filmgeschäft tätig ist, deren Filme mir aber leider nur wenig bis nichts sagen. Hier hatte sie sicher einen ziemlich anstrengenden Job, schließlich musste sie für die Zeitlupenaufnahmen doppelt so schnell schauspielern. Und das in dem ziemlich beeindruckenden Kostüm. Dennoch scheint ihr es Spaß zu machen.

Kyusaku Shimada, der den Armbrust-Kämpfer spielt, passt optisch gut in die Rolle und hat sich auch schon einmal in einen Tomie-Film verirrt.

Der wahre Star dieses Filmes sind aber die Kostüme und Kreaturen. Die sind alle sehr liebevoll und in Handarbeit gestaltet, auf Computertricksereien wird nur im Notfall zurückgegriffen (zum Beispiel beim Skybeam am Ende). Das merkt man, und das gibt Pluspunkte. Da stört es mich nicht einmal so sehr, dass die Kämpfe Mensch gegen Monster ob der eingeschränkten Bewegungsfähigkeit der Kostümierten relativ unspektakulär aussehen, auch wenn ich zugeben muss, dass es zwischendurch deswegen zu kleinen Längen kommt, weil das Dargebotene nicht so interessant ist, wie die Auseinandersetzung auf dem Papier zu versprechen scheint. Das einzige Kostüm, bei dem ich mir immer noch nicht sicher bin, ob es großartig ist, oder Augenkrebs auslöst, ist das von Sakuyas Vater. Das wirkt sehr…befremdlich. Und dieser seltsame Schirmdämon ist auch…speziell. Andererseits, wie will man so ein Getier sonst zeigen? Gut, ‚gar nicht‘ wäre eine akzeptable Antwort. Die Macher sind so überzeugt von ihren Puppen, dass sie sogar ne Krähenpuppe statt einer Echten auffahren.

Wie es sich für einen anständigen Monsterfilm aus Japan gehört, gibt es auch ein schickes Set, welches die Erbauer scheinbar mit Freude in die Luft jagten. Zumindest vermeint das Regisseur Tomoo Haraguchi bei diesen zu erkennen. Dieser scheint ein Gefallen an Monster- und Dämonenjäger-Filmen zu haben, hat er doch noch einen mit einem Werwolf als Monstertöter, oder einen mit dem schönen Titel „Death Kappa“ im Portfolio. Seine Ursprünge in der Spezialeffekte-Ecke kann er nicht verbergen.

Die Stimmung ist für einen eher an ein jüngeres Publikum gerichteten Film oft ziemlich düster. Vor allem die Darstellung des Puppenmachers und des Dorfes, in der die Helden auf die Geisterkrieger treffen könnte Stoffe für angenehme Träume sein. Ich finde das gut.

„Sakuya – The Demon Slayer“ könnte allen gefallen, die auch schon „Inu Yasha“ und Konsorten mochten, oder eine Schwäche für handgemachte Effekte und Gummimonster haben. Einer der Kreaturendesigner nannte den Film einen „Historienfilm mit Monstern, quasi Fantasy“.

 

Als Schmankerl noch der Kampf mit den untoten Kriegern.

 
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Verfasst von - Juli 24, 2019 in Filmtagebuch

 

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Kais Buchtagebuch – Tim Parks – „Mr. Duckworth sammelt den Tod“ (Großbritannien, 2014)

„Mr. Duckworth sammelt den Tod“ ist der dritte Teil einer Reihe um Morris Duckworth, einen Briten, der in Italien in den ersten Bänden um jeden Preis in gehobenere Kreise gelangen wollte. Er schreckt dabei auch nicht vor Mord zurück, um sein Ziel zu erreichen. Dies nur vorweg, damit man mitkommt, wobei angemerkt sei, dass ich die anderen Bücher nicht gelesen habe. Die Geschichte spielt 20 Jahre nach den Ereignissen des letzten Romans.

Der Leser begegnet Morris Duckworth, wie er sich bereit macht, die Ehrenbürgerwürde Veronas anzunehmen. Er ist verheiratet mit Antonella Trevisan, Älteste von drei Schwestern, und die einzige der drei, die nicht von Morris umgebracht wurde (wie es den Eindruck macht ist die erste Tote allerdings mehr ein Ergebnis unglücklicher Umstände gewesen, oder zumindest versucht sich Morris das einzureden. Ohne Kenntnis des ersten Romans kann ich das schwer beurteilen, da, wie später noch deutlich wird, auf Morris als Charakter, durch dessen Augen man die Welt sind, ein eher unzuverlässiger Erzähler ist). Morris könnte also mehr als zufrieden sein, aber er ist es nicht. Nicht nur, dass die Verleihung so gar nicht seinen Vorstellungen entspricht und er sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass der Bürgermeister ihn nicht ernst nimmt, sein Sohn ist auch nicht anwesend, sondern, wie sich noch zeigt, wegen fussball-bedingter Fanausschreitung in Haft. Sei es also, dass er aufgrund dieser Unzufriedenheit, einer allgemeinen Geltungssucht oder einfach aus einem Impuls heraus handelt, doch Morris Duckworth kündigt eine Gemäldeausstellung zum Thema Mord und Tod im örtlichen (sprich Veroneser) Kunstmuseum an, gebildet aus seiner Privatsammlung und Leihgaben anderer Museen.

Wenig überraschend ist Museumsdirektor Volpi alles andere als begeistert von Morris´ spontanem Einfall, und es braucht einiges an Überzeugungsarbeit, um das direkte Einstampfen der Ausstellung zu verhindern. Dennoch ist eines klar, Volpi und Morris werden keine Freunde mehr, und die Mitarbeit des Anglo-Italieners wird eher zähneknirschend zur Kenntnis genommen denn akzeptiert. Und im Großen und Ganzen beschäftigt sich nun der erste Teil des Buches vor allem mit der Organisation dieser Ausstellung, die Morris immer wieder in Konflikt mit Volpi bringt, und auch an die Grenzen der Legalität (was aber für einen mehrfachen Mörder eigentlich kein Hindernis darstellen sollte). Gleichzeitig bereiten ihm seine zwei Kinder noch Kopfzerbrechen und ebenso ein ungebetener Besucher, der mehr über die Duckworthschen Untaten wissen könnte und damit die latente Paranoia des Protagonisten fördert. Was allerdings fehlt (zumindest für einen Krimi von Rang und Namen) ist ein Mord (wobei ich nicht sagen will, dass es immer zu Toten kommen muss, um einen spannenden Krimi zu schreiben).

Der zweite Teil beginnt mysteriös. Es gab einen kleinen Zeitsprung und Morris sitzt wegen einer Mordanklage im Gefängnis. Er weiß zwar mehr als der Leser, aber nicht besonders viel, da er sich an die betreffende Nacht nicht mehr erinnern kann. Er könnte nach seiner eigenen Meinung schuldig sein, er kann es nicht sagen. Und so versucht er sich (und somit dem Leser) nach und nach die Geschehnisse zu erklären, gleichzeitig aber auch eine einigermaßen vernünftige Position für die Verteidigung einzunehmen. Es folgt der beste Teil des Buches, in dem er Briefe aus dem Gefängnis an verschiedene Leute schreibt, und er in jedem versucht, einen anderen schlecht dastehen, bzw. schuldig aussehen zu lassen. Das ist so wunderschön manipulierend dass es eine Freude ist, es zu lesen. Was ich so gekonnt daran finde, ist, dass der Leser nur diese Briefe hat, und da Morris Duckworth alles andere als ein objektiver Berichterstatter ist, kann man sich absolut nicht sicher sein, was nun stimmt, oder ob irgendetwas stimmt, von dem, was er von sich gibt.

Leider folgt darauf eine Auflösung, die nicht so recht zu überzeugen weiß. So ist den Kirchenmännern in Neapel schon lange Morris´mörderisches Treiben bekannt. Da er aber zum einen Leute umbrachte, die diesen ein Dorn im Auge waren, und Morris gleichzeitig so viel finanzielles für die Gemeinschaft (und eben die Kirche) springen ließ, ließen sie ihn gewähren und schalteten nicht die Polizei ein. Irgendwie möchte das nicht zünden. Klar, bei ein bisschen Kirchenbashing kann man so viel nicht falsch machen, aber es wirkt häufig auch recht platt. Vielleicht, weil es etwas unvermittelt kommt. Es gibt zwar Anzeichen dafür, dass der Haus- und Hoftheologe der Trevisan-Duckworth-Familie irgendetwas zu verbergen hat, aber dass es solche Ausmaße annimmt, konnte man nicht ahnen. Ich hätte es wohl auch besser gefunden, wenn Morris´ Paranoia sich letztendlich als Hirngespinst raus gestellt hätten. Es kann aber natürlich auch sein, dass in den vorherigen Büchern dazu noch etwas mehr stand und es weniger aus dem Nichts zu kommen scheint. Allgemein scheint mir, der Autor wollte am Ende noch einmal alles geben und aus dem Vollen schöpfen, immerhin gibt es ne Verschwörung, seltsame Clubs zur Selbstgeißelung, ne wilde, drogengeschwängerte Orgie. Wobei man das vor allem erzählt bekommt. Es wäre dich etwas interessanter gewesen, das Live mitzuerleben, und nicht alles in Morris Gedächtnislücke versinken zu lassen. Man muss als Leser aber aufmerksam mitlesen, denn es werden nicht alle Zusammenhänge breit erklärt. Mir ist zum Beispiel immer noch nicht klar, was es mit dem Schwäche-/ bzw. Ohnmachtsanfall auf sich hatte, der einen Mord verhinderte.

„Mr. Duckworth sammelt den Tod“ ist kein Buch für Leute, die eine positive Identifikationsfigur brauchen. Morris Duckworth ist überheblich, selbstverliebt, arrogant, absolut kein Sympathieträger, und so wundert man sich, warum man dem Kerl nicht wünschen sollte, dass seine Machenschaften auffliegen. Immerhin sind die meisten anderen Figuren, über die man etwas mehr erfährt, auch rechte Unsympathen. Das heißt dann aber natürlich auch, dass man sich unter Umständen nur wenig dafür interessiert, was diesen passiert. Vor allem die erste Hälfte ist daher ziemlich zäh, wenn es eigentlich wirklich nur um diese Gemäldeausstellung geht. Es wirkt nämlich nie wirklich so, als würden die Morde kurz vor der Aufdeckung stehen (die polizeilichen Ermittlungen sind ja alle längst eingestellt). Man kann hier eher die Paranoia eines Mörders bei der Arbeit sehen. Erst nach dem Gefängnisaufenthalt zieht die Interessenkurve etwas mehr an, weil dann ja wirklich etwas passiert ist, auch, wenn man nicht weiß, was.

Zwischen Morris Duckworth und dem Autoren Tim Parks gibt es einige Parallelen. Beides sind zum Beispiel Engländer, die in Italien versuchten, ihr Glück zu machen. Morris Duckworth entstand dabei zu einer Zeit, als Tim Parks einige Ablehnungen von Manuskripten verkraften musste, und er schrieb sich mit den Morden etwas den Frust von der Seele. Scheinbar hat es gewirkt, denn bald nach der Vollendung des Buches starteten die Veröffentlichungen seiner Werke (u.a. „Stille“ , das von der ARD verfilmt wurde und scheinbar in filmischer Form nicht so gut funktionierte, oder „In Extremis“). Ansonsten ist Tim Parks noch als Übersetzer oder Verfasser von Sachbüchern tätig, die sich auch oft mit Italien und/oder Verona befassen.

Man merkt dem Buch an, dass der Autor Spaß mit der Figur des Morris Duckworth hatte. Wohl ein Grund, weswegen er ihn immer wieder entkommen ließ, und vermutlich spielt das auch in den übertriebenen Schluss rein. Vielleicht überträgt sich die Begeisterung eher auf den Leser, wenn er die ersten beiden Bücher gelesen hat. Ich jedenfalls, der ich nur den dritten Band kenne, habe nicht so einen Zugang zu diesem Charakter gefunden.

Ach ja, es gibt natürlich noch einen anderen Charakter in der Literaturgeschichte, der sich durch Morde einen sozialen Aufstieg verschaffte. Aber im Gegensatz zu Mr. Ripley hat Morris nicht wirklich die Identität seiner Opfer angenommen.

 
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Verfasst von - April 18, 2019 in Buchtagebuch

 

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Kais Tatorttagebuch – „Als gestohlen gemeldet“ (BRD, 1975)

Kais Tatorttagebuch – „Als gestohlen gemeldet“ (BRD, 1975)

Es ist mal wieder Tatort-Time, and Tatort-Time is better time (kleine Strunk-Referenz). Und nicht nur irgendein Tatort, sondern einer aus dem München der 70er-Jahre (1975 um genau zu sein), also einer Zeit, in der manches viel besser war, und manches viel schlimmer, und manches war so wie eh und je. Das heißt, Kommissar Veigl (Pumuckl-Eder Gustl Bayrhammer) und sein Gefolgsmann Lenz sind am Ermitteln.

Doch zunächst sehen wir ein Bauernpaar, das mit seinem Trecker durch die Pampa fährt. Die fröhliche Spazierfahrt wird jäh unterbrochen, als sie einen Mann am Wegesrand liegen sehen. Dieser sieht nicht mehr so frisch aus, aber scheint doch noch am Leben zu sein. Allerdings erfordert es Überzeugungsarbeit des weiblichen Parts des Paares, bevor ihr Schatzerl sich bereit erklärt Polizei, und vielleicht auch Notarzt zu rufen. Nix von erster Hilfe, sie lassen den armen Kerl einfach im Busch liegen, während sie durch die Gegend tuckern, um ein Telefon zu finden.

Eine etwas lang abgefilmte Notarztuntersuchung später (aber man muss dem Publikum ja auch zeigen, wie so etwas geht, zwecks Bildungsauftrags) befinden wir uns auch schon im Polizeipräsidium. Kommissar Veigl hat den Tascheninhalt des Opfers (übrigens Schädel-Hirn-Trauma, falls das jemand interessiert) vor sich liegen, im speziellen ein Tüterl, dessen Aufdruck ihn zu einer Autowerkstatt/Autohaus führt (es steht aber auch eine handgeschriebene Telefonnummer darauf, da hätte ich ja zuerst angerufen). Die Firma gehört Frau Stumm und erkennt in dem beinah Toten ihren KFZ-Meister Otto Jirisch. Offenbar hat Otto in einer Betriebswohnung gehaust, die Veigl von Frau Stumms Tochter Gigga gezeigt wird. Jetzt mal ehrlich, wie kommt man denn von Gisela auf Gigga? Ich meine Joseph und Sepp, oder Elisabeth und Liserl geht ja noch, aber Gigga? Das klingt schon arg bescheuert.

Als nächstes folgt die weitere Erfüllung des Bildungsauftrags öffentlich-rechtlicher Sender. Der Arzt erklärt Veigl die Auswirkungen eines Schädel-Hirn-Traumas (oder Schädelbasisbruchs). Veigl hätte nämlich gerne mit Otto Jirisch gesprochen, aber der ist im Koma. Dafür beobachtet der Kommissar aber, wie Frau Stumm mit Blumen im Krankenhaus auftaucht und auch gerne den Otto besuchen wollen würde.

Unterdessen sind auch die normalen Streifenpolizisten nicht untätig und finden Jirischs Wagen im Halteverbot. Der Wagen gibt einiges her. Blutspuren von zwei Personen und verschiedene Telefonnummern. Das wird gleich Veigl berichtet, der sich gerade ein leckeres Bayernfrühstück gönnt, nämlich Leberkäse und Kaffee. Bei den Telefonnummern melden sich aber nur Frauen, die aber gleich wieder auflegen. Immerhin liegen die Telefonanschlüsse im gleichen Wohnhaus. Als man dieses beobachtet, fällt eine betrunken Auto fahrende Dame auf, die dort ansässig ist. Und auch aufsässig gegenüber Lenz, der sie erst mal mit auf das Revier nimmt. Obwohl sie verdächtige Verletzungen aufweist und eine Männerjacke im Auto hat (was für Verdachtsmomente), wird sich im weiteren Verlauf noch herausstellen, dass sie mit dem Fall nichts zu tun hat, da sie in der Tatnacht bei einem Professor war, mit dem sie sich vergnügt hat (gegen Bezahlung versteht sich). Am schlimmsten an dem ganzen Storystrang, ist die supercoole Attitüde, die die Dame an den Tag legt. Wenn alle Nutten in den 70ern so geredet haben (noch dazu badisch), frage ich mich, wie die über die Runden gekommen sind.

Es stellt sich heraus, dass Otto Jirisch schon in Hamburg im Knast war. Veigl hat natürlich nichts Besseres zu tun, als das erst mal der Chefin unter die Nase zu reiben und fährt dafür sogar zu ihr nach Hause. Sehr schön übrigens, wie während der Befragung eine Schwarzweiß-Rückblende gezeigt wird. Die verdeutlicht, was wir natürlich schon längst wussten, nämlich dass zwischen Jirisch und Frau Stumm mehr herrschte, als ein geschäftliches Verhältnis. Gleichzeitig wird auch noch die Tochter Gigga befragt, die sich im schicken roten Bikini im Garten räkelt und auch so nicht schlecht aussieht. Allerdings benimmt sie sich wie eine beleidigte 13 Jährige (und soll doch schon 18 sein) und gibt nur kurze Halbsätze als Antworten. Ihr halbseidenes Alibi für die Tatnacht fliegt auch gleich auf (angeblich war sie im Kino, nennt aber einen Film, der gar nicht mehr lief). Also muss sie zugeben, dass sie bei einem Mann war, will aber nicht mit dem Namen rausrücken (na, wer das wohl sein könnte). Nachdem sich der Polizeibeamte verabschiedet hat, klettert sie gleich aus dem Fenster, rennt zur Jirischs Wohnung und holt sich dort eine verdächtige Kassette (ein Gegenstand, in dem man etwas aufbewahrt, nicht das veraltete Musikmedium) aus dem Kleiderschrank.

Es folgt ein netter Zusammenschnitt von Befragungen diverser Nachbarn und Mitarbeiter, in welchem Otto Jirischs Ruf als Frauenheld, dem viel Neid entgegengebracht wird, gefestigt wird. Dann endlich kann die Polizei die Jirisch-Wohnung durchsuchen und fördert dabei einen BH der Tochter zu Tage. Währenddessen bekommt Veigl ein Gespräch zwischen einem Versicherungsvertreter und Frau Stumm mit. Offensichtlich werden überdurchschnittlich viele Autos, die über die Stumm-Firma versichert sind, als gestohlen gemeldet (na, weiß jemand schon Bescheid?).

Gleichzeitig durchsuchen Lenz und sein Partner die Wohnung der betrunkenen Nutte (da die ja noch nicht wissen, dass die mit dem Fall an sich nichts zu tun hat). Dabei überraschen sie einen Mann (mit verdächtigen Gesichtsverletzungen), wie er sich auf rabiate Weise Zutritt zu einer Wohnung verschaffen will. Als sie ihn nach seinen Personalien fragen, zückt dieser eine Waffe (die er allerdings gleich fallen lässt) und flieht. Es schließt sich die erste Treppenhausverfolgungsszene dieses Tatorts an. Natürlich kann er den fitten Polizisten nicht entkommen. Auf dem Revier stellt sich dann raus, dass dieser Typ (er behauptet, er heiße Leu) keine Fingerabdrücke besitzt (er hat sie sich mit Salzsäure weggeätzt). Außerdem saß er in Hamburg im selben Knast wie Otto Jirisch.

Veigl, mal wieder bei Stumms zu Hause, möchte gern den Namen des Gspusis von Gigga erfahren, doch die sagt nichts. Dafür entdeckt er die auffällig unauffällig rumstehende Kassette, in welcher er dann Fotos findet. Gigga schreit „Gemein!“ und strampelt beleidigt auf dem Bett herum. (Na gut, ich sag´s gleich jetzt, auch wenn das erst später gezeigt wird, die Fotos zeigen die nackte Gigga und den wenig bekleideten Otto Jirisch, die ganz offensichtlich was miteinander hatten, ohne dass es die Mutter wusste).

Veigl stattet nun dem Versicherungsheini einen Besuch ab, und erfährt zwei Dinge. Erstens, die Autoklauerei fing erst nach der Einstellung Otto Jirischs bei Firma Stumm an. Und zweitens kann die Firma immer sehr schnell für Ersatz sorgen, immer gleiches Modell, nur andere Lackfarbe.

Jirisch ist im Krankenhaus verstorben, und Frau Stumm ruft reumütig bei Veigl dahoam an. Sie wolle ihm was in der Werkstatt zeigen. Veigl lässt also seinen getreuen Dackel zurück und begibt sich zur Firm Stumm, wo ihm Frau Stumm nicht nur die Lackiererei mit den Ersatzschlüsseln, Nummernschildern der gestohlenen Wagen und Fahrgestellnummerkärtchen zeigt, sondern ihm auch noch alles erzählt, was uns dann gleichzeitig mit einer SW-Rückblende gezeigt wird. So war sie überfordert und in Geldnot nach dem Tod ihres Mannes. Da kam der Jirisch, den sie sogleich einstellte. Mit seinem Charme (Komplimente und Kleidergeschenke), schlich er sich in ihr Herz. Von ihm kam dann auch die Idee, mit Hilfe der Ersatzschlüssel, die Autos zu klauen, sie umzulackieren und nochmals zu verkaufen, sprich Versicherungsbetrug im großen Stil. Als die Schulden abbezahlt waren, wollte Frau Stumm damit aufhören, aber Jirisch musste da erst noch seinen Partner Leu überzeugen, der ihm die extra Schlüssel gemacht hatte. Veigl ist auf Grund des Geständnisses (und der Tatsache, dass Frau Stumm Jirisch immer noch verteidigt), sehr schockiert. Und zwar so sehr, dass er gerne den Fall abgeben würde.
Bevor er das allerdings mit seinem Chef ausdiskutieren kann, wird Alarm geschlagen. Leu, der gerade vom Vernehmungsraum, wo er die Tat an Jirisch gestanden hatte (es sei allerdings ein Unfall, Streit ums Geld und Notwehr gewesen) abgeführt wurde, konnte mit dem ältesten Trick der Welt („ich muss auf´s Klo“) entkommen, hat sich eine Polizeiuniform geschnappt und läuft jetzt durch das Gebäude. Natürlich fällt seine Verbrechervisage dennoch auf, und er sieht sich genötigt die Treppe nach oben zu fliehen (zweite Treppenhausverfolgungsszene). Die Flucht endet auf dem Dachboden. Dort gibt es noch ein kurzes Katz und Maus-Spiel, bevor Leu zu blöd zum Laufen ist, stolpert, und über irgendeine ominöse Treppenbrüstung in den Tod stürzt. Ende, Verbrecher bestraft, Fall gelöst.

Der Tatort an sich war nicht einmal so ein schlechter. Sehr gefallen haben mir vor allem die immer wieder eingeblendeten schwarz-weiß-Rückblenden. Am besten wirken diese, wenn sie gänzlich andere Bilder zeigen, als von Frau Stumm eigentlich beschrieben. Später dienen sie noch der visuellen Unterstützung. Das bringt schön Abwechslung in den drögen Tatort-Alltag.

Etwas seltsam dagegen muten die Treppenhausverfolgungsszenen an. Da passiert nicht viel, außer, dass Leute Treppen hoch, bzw. runter laufen. Da hätte man sich auch etwas Spannenderes einfallen lassen können. Ebenso seltsam ist der tödliche Sturz von Leu. Im einen Augenblick sprintet er noch, im nächsten stolpert er unmotiviert über seine eigenen Füße in den Tod. Man hätte ihn, wenn man schon auf dem Dachboden herumstrolcht, irgendwie auch vom Dach fallen lassen können. Das sähe nicht nur tödlicher, sondern auch spektakulärer aus.
Ein weiteres Kuriosum ist der Arzt, der immer alles genau erklärt, damit der Zuschauer vorm Bildschirm auch etwas lernt. Man kommt sich beinahe wie in einem Erste-Hilfe-Kurs vor.

Story-technisch bleibt am Ende noch einiges im Dunkeln. Es wird zum Beispiel nicht ganz klar, ob Jirisch den Versicherungsbetrug von Anfang an geplant hatte. Möglich wäre es, da er die gefälschten Fahrgestellnummern schon vorbereitet hatte. Vielleicht hätte er das illegale Geschäft auch ohne Wissen der Chefin angefangen. Auch seine Beziehung zur Chefinstochter führt im Prinzip nirgends hin. Sie hätte auch genauso gut irgendeine Frau sein können (gut man wollte vermutlich zeigen, was für ein unguter Mensch Jirisch ist. Und die Nacktbilder waren natürlich auch wichtig).
Die ominösen Telefonnummern der Prostituierten, die in Jirischs Auto gefunden wurden, machen ebenso wenig Sinn. Es wird nie wirklich erklärt, warum die da rumliegen. Es könnte natürlich sein, dass er so Kontakt mit ihnen aufnahm um ein Treffen zu vereinbaren…aber das wäre ja…an den Haaren herbeigezogen…oder?

Etwas, was auch sehr halbseiden wirkt, ist die Geschichte um die betrunkene Nutte Mathilde. Die gibt es eigentlich nur, damit Lenz in ihrer Wohnung herumstöbern, Sexspielzeuge bestaunen und dann Leu überraschen kann. So was nennt man dann gute Polizeiarbeit.

Veigl wirkt in diesem Tatort, vor allem am Ende, äußerst schockiert. Gustl Bayrhammer erweckt den Eindruck, dass Kommissar Veigl sein Verfallsdatum überschritten hat. Dennoch löste er noch 10 weitere Fälle (mal sehen, ob er dann immer noch an der Menschheit zweifelt).

Frau Stumm und ihre Tochter Gigga sind auch im richtigen Leben Mutter und Tochter. Gisela Uhlen (Mutter) bringt die gutgläubige Chefin recht glaubhaft rüber. Dagegen wirkt Susanne Uhlen wirklich nicht wie 18, sondern tatsächlich wie eine leberwurstige 13 Jährige. Aber wer weiß, vielleicht waren die Abiturienten früher so? Beide können auf eine reichhaltige Beschäftigung im deutschen TV-Schmonzens zurückblicken, und sind bis heute da auch noch tätig, in den Rosamunde Pilchers und Landärzten der öffentlich rechtlichen.

Interessant ist auch der Werdegang von Ralf Wolter (Leu). Der hat nämlich schon in zahlreichen Karl May-Verfilmungen sein Bestes gegeben („Durchs wilde Kurdistan“, „Old Surehand“, zwei der Winnetous). Im heutigen Tatort hat er nur eine relativ kleine Rolle inne gehabt (und das als Täter).

Der Tatort ist kein schlechter, es gibt aber auch weit bessere als „Als gestohlen gemeldet“. Allerdings bietet dieser einige seltsame Ideen (und über „Gigga“ werde ich mich noch ein wenig amüsieren, heutzutage sollte auch wieder mehr Dialekt im Tatort gesprochen werden). Die Story an sich war relativ dünn, aber das Drumherum hat mich doch schon unterhalten. Kann man also mal anschauen.

 
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Verfasst von - März 18, 2019 in Filmtagebuch, Tatorttagebuch

 

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Kais Buchtagebuch – Tonino Benacquista – „Malavita – Eine Mafia-Komödie“ (Frankreich, 2004)

Jetzt geht es um ein Buch, das ich doch schon eine Weile vor mich hergeschoben habe. Aber irgendwann muss man das ja auch mal abarbeiten, also los geht’s.

Malavita, so heißt der Hund der Familie Blake, Amerikaner, die in ein verschlafenes französisches Städtchen ziehen. Und eigentlich heißen die nicht „Blake“ sondern hören auf den viel mediterranen Namen „Manzoni“. Deren Vater war nämlich einst ein nicht unbedeutendes Rädchen im großen Getriebe der Mafia, musste dann aber das Zeugenschutzprogramm nutzen, vor allem, weil er vor Gericht gegen den Oberpaten aussagte. Und seitdem ist man eben mit Kind und Kegel auf der Flucht. Da sich vor allem Familienvater Giovanni meist verdächtig bis mafiös benimmt, sind die Manzonis (oder Blakes) nun mittlerweile in Frankreich angekommen (und haben auch dort schon den ein oder anderen Standortwechsel vornehmen müssen).

Durch eine wirklich ungewöhnliche Verkettung unglücklicher Ereignisse, für die man letzten Endes eigentlich niemanden, nicht einmal die autobiographischen Tendenzen des Familienoberhaupts, verantwortlich machen kann, kommen die Häscher der organisierten Kriminalität eben doch auf die Spur der Familie und in die französische Provinz. Und dann liegt es an Giovanni und seinem in Hassliebe verbunden Partner vom FBI die Bösbuben auszuschalten.

Das ist nun auf das allermindeste heruntergebrochen die Handlung von „Malavita – Eine Mafia-Komödie“. Natürlich erleben auch die anderen Familienmitglieder ihre kleinen Abenteuer. Der Sohn ist dabei, sein eigenes, kleines Mafia-Netzwerk unter seinen Mitschülern zu errichten und entfremdet sich immer weiter von seinem Vater, weil er dessen Verrat nicht verstehen kann. Die Tochter ist halt ganz hübsch und alle Welt liegt ihr zu Füßen. Die Mutter spioniert ein wenig im Privatleben ihrer Nachbarn und geht irgendwann in der Gemeindearbeit auf, nebenbei ernährt sie auch noch ihre FBI-Aufpasser. Unterbrochen wird alles immer wieder von ausgiebigen Erzählungen aus der Welt der Mafia und insbesondere des Werdegangs Giovannis Manzonis, der das ja, wie bereits erwähnt, schriftlich festhalten möchte.

Das ist nur leider alles andere als interessant, unterhaltsam oder richtig durchdacht. Die Tochter ist zum Beispiel so eine furchtbar unsympathische und/oder unlogische Figur. Alles läuft ganz prima bei ihr, aber sie darf nicht auf die Abschlussveranstaltung ihrer Schule, weil Giovanni zu viele Dummheiten angestellt hat, die unliebsame Aufmerksamkeit auf die Familie ziehen könnte. Also beschließt sie sich eben umzubringen. Ja, es gibt sicher so melodramatische Gestalten, aber bis dahin war davon nie die Rede, sondern nur, wie anständig sie doch sei. Das macht so leider keinen richtigen Sinn und richtig Sympathiepunkte gibt das auch nicht.

Beim Sohn ist es weniger schlimm. Seine Beweggründe werden ausgiebig erklärt und man kann auch verstehen, warum er mit seinem Vater fremdelt. Man könnte hier nur ankreiden, dass ihm alles ganz unproblematisch zu gelingen scheint (seiner Schwester zwar auch, aber da sie allgemein eine stinkend langweilige Persönlichkeit inne hat, fällt das nicht weiter ins Gewicht). Es wirkt sogar schlüssig, wie er sich später gegen seine Ziele, wieder der Mafia beizutreten, wendet.

Am schlimmsten ist jedoch, dass nie und nirgends wirklich gesagt wird, warum Giovanni seine Mafia-Freunde verraten hat. Das wirkt umso schwerer, weil er die ganze Zeit über seiner Zeit dort nachtrauert und Seiten lang über eben diese schwadroniert. Sogar im Finale wird mehr Wert darauf gelegt, die Personen, die dort gestoppt werden müssen zu beschreiben (und damit meine ich auch deren Geschichte) und weniger das, was wirklich passiert. Das wird beinahe beiläufig erzählt, es wirkt sehr indirekt. Klar, man muss nicht die Actionschraube anziehen. Aber es wirkte wie das, was einem am Ende erwartet, und wenn man das Buch bis dahin nur leidlich unterhaltsam fand und sich wenigstens auf ein spektakuläreres Finale freute, ist man doch enttäuscht, wenn das gefühlt nebenher abgehandelt wird. Vielleicht hatte ich auch die falschen durch den Film geweckten Erwartungen im Hinterkopf…eigentlich wollte ich noch gar nicht über das Ende schreiben, aber damit wäre das auch abgehakt. Eigentlich wollte ich sagen: Gib mir einen Grund, warum ich den Typen da die Daumen drücken sollte, und dazu gehört eben auch zu wissen, warum er die Aussage tätigte.

Etwas, das auch ein wenig schade ist, ist die Tatsache, dass die Bewohner des französischen Städtchens nicht auch etwas mehr Hintergrund erfahren, das heißt, wenn sie es tun, bleibt es bei einer Erwähnung und es spielt später keine Rolle mehr. Ich hätte es ja gut gefunden, wenn da jemand am Ende noch eine größere Rolle gespielt hätte. Wäre zwar auch klischeehafter gewesen, aber hätte vielleicht etwas mehr Spaß gebracht und zumindest einen Blickwinkel von außen auf diese seltsame amerikanische Familie geliefert, die den provinziellen Frieden stört.

Der Schreibstil, dessen sich Benacquista bedient, ist von kurzen Sätzen geprägt und bringt die Sachen auf den Punkt ohne groß herumzureden. Das macht auch Sinn, eingedenk dessen, dass das Buch von dem eher unbelesenen Mafiosi Manzoni stammen soll. Besonders ins Auge fallen die wortlosen Reaktionen von Gesprächspartnern, die nur durch Satzzeichen dargestellt werden (also: …! oder …?).

Tonino Benacquista hat schon den ein oder anderen Kriminalroman veröffentlicht, von dem auch schon der ein oder andere verfilmt wurde (zum Beispiel „Lippenbekenntnisse“). Auch dieser Roman hier bekam eine Verarbeitung auf Zelluloid spendiert. Nicht mal schlecht besetzt (u.a. Robert De Niro, Michelle Pfeiffer, Tommy Lee Jones, Luc Besson auf dem Regie-Stuhl). Wie erwähnt habe ich den vor ewigen Zeiten gesehen. Ich glaube, der war okay, zumindest nicht so aktiv ermüdend wie das Buch. Das Buch fand ich einfach leider nicht gut und es war wirklich anstrengend, es zu Ende zu lesen…

Ahja, der Vollständigkeit halber, das Buch erhielt eine Fortsetzung, die 5 Jahre später spielt.

 
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Verfasst von - Februar 20, 2019 in Buchtagebuch

 

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Kais Filmtagebuch – „Open Your Eyes“ (Spanien, 1997)

Es gab ein mal einen Film mit Tom Cruise der da „Vanilla Sky“ genannt wurde. Das war die Zeit in Cruises Karriere, in der er noch nicht der verrückte Stunt/Schauspieler war, aber er war auch noch nicht der verrückte Sofaspringer von Opra.. Und „Open Your Eyes“ ist der spanische Originalfilm dazu. Wer das Remake kennt, wird nur wenig überrascht sein (wer allerdings weder den einen noch den anderen kennt, sollte jetzt aufhören zu lesen, ich nehme keine Rücksicht auf Verluste).

César ist ein reicher, selbstverliebter Schnösel, der mit Nuria eine Affäre hat, aber eigentlich genug von ihr. Dieses Gefühl verstärkt sich noch, als es Sofìa kennenlernt. Mit dieser würde er nun gerne zusammen kommen und zusammenkommen (die Tatsache ignorierend, dass sie mit seinem besten und einzigen Freund eine Beziehung unterhält), und diese scheint auch nicht ganz abgeneigt zu sein. Allerdings möchte es sich César nicht nehmen lassen, noch eine letzte Nacht mit Nuria zu verbringen. Dumm gelaufen, denn Nuria hat andere Pläne. Und so endet die vermeintliche Fahrt ins Liebesnest mit einem (ehrlich gesagt etwas unspektakulärem) Unfall. Nuria ist hin, und Césars Gesicht furchtbar verunstaltet.

Jetzt muss der ehemalige Schönling damit klar kommen, dass ihm die (Frauen-)Welt nicht mehr so ohne weiteres zu Füßen liegt. Auch Sofìa scheint sich von ihm ab und ihrem beinahe Ex wieder zugewandt zu haben. César ist mehr als verzweifelt und bricht betrunken auf der Straße zusammen.

Es gibt aber doch einen Silberstreifen am Horizont. Das Konsortium von Schönheitschirurgen, das César zusammentrommeln ließ, hat nun doch eine Methode gefunden, um das Antlitz wieder rekonstruieren zu können. Vorbei sind die Tage des Narbengewebes, bzw. der unüberzeugenden Maske, die César trug. Auch Sofìa kommt nun zu ihm in die Arme, und so könnte alles friedlich, freudlich und eierküchlich sein, wenn nicht eines Morgens statt Sofìa die totgeglaubte Nuria neben ihm im Bett läge. Und nicht nur das, auch auf Fotos hat diese ihren Platz eingenommen. Als nun auch noch Césars Umwelt Nuria als Sofia identifiziert dreht der gute Mann hohl, und die sicher geglaubte Realität wird immer unwirklicher…

Wie gesagt, wer „Vanilla Sky“ gesehen hat, wird von der Handlung nicht überrascht sein. Die wurde ziemlich genau so übernommen. „Open Your Eyes“ ist aber nicht so ein glatt-gelecktes Hochglanzprodukt und versprüht dadurch etwas mehr Charme.

Das liegt nicht nur an der Besetzung, auch wenn Eduardo Noriega kein so ein People-Magazin-Gesicht hat wie Cruise, zumindest vor dem Unfall. Seine Figur ist allerdings kein Sympathieträger, sondern ein richtiger Arsch. Allgemein sind die meisten Figuren hier keine Sympathiebolzen. Eigentlich niemand…

Penélope Cruz wirkt hier zudem etwas interessierter als ihr Gegenstück im Remake, Penélope Cruz. Mag sein, dass das daran liegt, dass ich den einen Film synchronisiert gesehen habe, und diesen hier nicht…oder aber die Sichtung des Cruise-Vehikels schon etwas länger her ist. Vielleicht sind es ja aber auch nur die vier Jahre Unterschied.

Madrid gibt eine hübsche Örtlichkeit ab, die man noch nicht so oft gesehen hat, auch wenn auf allzu viele Umgebungsshots verzichtet wird. Ich persönlich habe Barcelona schon öfter auf Film gebannt betrachtet.

Alejandro Amenábar kennen die meisten wohl als Regisseur von „The Others“. Hier ist er nicht nur der Regieführende, sondern auch der, dem die Geschichte eingefallen ist (im Traum, wenn man ihm glauben schenken darf, was gar nicht mal so unwahrscheinlich klingt). Andererseits finden sich einige Parallelen zu „Vertigo“.

Wem also der Sinn nach einem Film steht, der munter die Realität in Frage stellt, manchmal etwas verwirrend sein kann, und ein paar Ecken und Kanten hat, dem sei der hier ans Herz gelegt.

 
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Verfasst von - Januar 31, 2019 in Filmtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

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