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Kais Tatorttagebuch – „Schöne Belinda“ (BRD, 1975)

Wer denkt bei dem Titel denn nicht an Chris Andrews´ Schlagerhit „Pretty Belinda“? Leute, die jünger sind als ich, unter Umständen sogar Leute meines Alters? Von mir aus. Spielt eigentlich auch keine Rolle, da der Song in dieser Tatort-Episode nicht einmal angespielt wird. Ich kann nur vermuten, woran es liegt. Möglicherweise waren dann doch die Rechte zu teuer.

Stattdessen darf Rosy Rosy den Film eröffnen, mit einem weniger guten Playback zu ihrem Lied „Boogie Woogie Boy“. Wer ist nun Rosy Rosy? Ein „Münchner Busenwunder“, welches man zum Dunstkreis um Uschi Obermaier zuordnen könnte. Sie betätigte sich als Sängerin, Schauspielerin, Autorin, Regisseurin und ähnliches, mittlerweile lebt sie wohl recht zurückgezogen. Hier soll sie wohl die jugendlichen Zuschauer ansprechen. Mit dem Fall selbst hat sie aber Nichts zu tun.

Wohl aber Andrea, die sich eben eine Abfuhr von Manfred einhandelte. Sie lässt jedoch nicht locker und geht ihm nach, als er den Club verlässt, in dem eben gesungen wurde (und Billard gespielt, und getrunken, und geraucht, und der ganze Rest). Andrea fährt ihm sogar in ihrem Hippiekäfer (ein, zwei Blumen wurden drauf gemalt) hinterher. In irgendwelchen Ulmer Seitengassen hält unser Manni an. Er scheint auf jemanden zu warten, und dieser jemand kommt nach einiger Zeit auch. Dumm nur, dass er mit mörderischer Absicht kommt. Und so wird Manni erschossen und Andrea wird Zeugin der Tat. Zu ihrem Glück bekommt der Mörder das nicht mit. Sie kann sich also in ihren Käfer schwingen und nach Hause düsen.

Am nächsten Morgen wird der Mercedes mit Blutspuren auf dem Sitz gefunden. Zwar ohne Leiche, aber die Polizei sperrt natürlich dennoch den Tatort. Allerdings verrichtet der langhaarige Jungpolizist seine Arbeit nur recht halbherzig. Ein Rentner springt den Ermittlern immer wieder dazwischen. Kommissar Lutz, ohnehin ein Ausbund an guter Laune, kommt also schnell an die Grenzen seiner Freundlichkeit.

Es klären sich ein paar Sachen. Der Mercedes ist der Wagen des Spielwarenherstellers Lippens, und Manfred sein Fahrer. Doch nicht nur das, Andrea ist die Tochter des Hauses. Und dann gibt es noch eine weitere Bewohnerin, nämlich die titelgebende Belinda. Diese ist zwar die Partnerin von Lippens Bruder gewesen, doch seit der Bruder bei einem Autounfall um´s Leben kam, fühlt Lippens selbst sich für Belinda verantwortlich, und möchte ihr doch zumindest ein Dach über dem Kopf bieten. Zudem fehlt ohnehin die Frau im Hause, da Lippens Gattin ebenfalls bei dem Unfall des Bruders ihr Leben verlor, saß sie doch neben ihm.

Beim Frühstückstisch dieser mehr oder weniger Patchwork-Familie wird schnell klar, dass zwischen Andrea und Belinda böses Blut herrscht. Und auch die Situation zwischen Lippens und Belinda scheint etwas angespannt zu sein.

Kommissar Lutz bekommt ein paar warme Worte von seinem Vorgesetzten mit auf den Weg, weil er es Lippens gegenüber an Fingerspitzengefühl hat missen lassen. Und überhaupt sei dieser, als wohlhabender Bürger der Stadt Ulm, von jeglichem Verdacht erhaben. Klar, dass das am Grummel-Kommissar abperlt, wie Regentropfen an frisch gewachstem Autolack.

Andrea, immer noch aufgebracht wegen Belinda, Mord und co., entert Mannis Bude. Dort läuft sie Danner und seinem Spießgesellen in die Arme. Die Suchen nämlich verzweifelt „den Stoff“ (ich glaube, es wird nur ein einziges mal erwähnt, dass es sich um Kokain handeln soll. Ansonsten ist es eben „der Stoff“), den Manfred irgendwo versteckt haben soll (und dessentwegen vermutlich auch Andrea gekommen ist). Danner und Kumpan haben nämlich einen Deal eingefädelt, und es wäre eben doof, mit leeren Händen dazustehen. Für den Moment begnügen sie sich aber damit, Andrea mitzunehmen, auch wenn diese eigentlich andere Pläne für den Tag hatte. Gefragt wird sie aber nicht.

Keine Minute, nachdem die Dealer/Entführer die Wohnung verlassen haben, tauchen Lutz und sein Kollege auf. Ihnen fallen die aufgebrochen Wohnungstür, die offenbar durchsuchte Wohnung und ein ansprechendes Poster auf. Lutz fährt weiter in den Club, in dem sich Manfred den ein oder anderen Abend lang vergnügte, während sein Kollege auf den Schlüsseldienst warten muss. Lutz erfährt nun von Andreas scheinbarer Schwäche für den Fahrer ihres Vaters. Gleichzeitig schleicht sich Belinda auf mehr oder weniger elegante Art und Weise am wartenden Polizeimann vorbei. Sie sucht nun auch, aber wie es scheint, weiß sie schon, wo sie es findet, nämlich einen Schließfachschlüssel. In dem passenden Schließfach (am Bahnhof wird es wohl sein) findet sie einen weiteren Schlüssel. Um der Spannung gleich die Luft zu nehmen, es handelt sich um die Kopie eines der beiden Tresorschlüssel, die man benötigt, um Lippens Tresor zu öffnen.

In Mannis Wohnung werden Fingerabdrücke gefunden, unter anderem diese von Danner. Da er ein alter Bekannter in Drogendelikten ist, schicken sich die Gesetzeshüter an, ihn aufzusuchen. Andrea, die in Danners Wohnung an den Heizkörper gefesselt sitzt, kann sicher gerade rechtzeitig befreien, um den Polizisten nicht in die Arme zu laufen, lässt aber ihr Halstuch liegen. Lutz weiß also, dass Andrea dort war, und scheinbar nicht ganz freiwillig.

Dank einer Auskunft des Karlsruher Gastkommissars weiß Lutz nun, dass Manfred ebenso wie Danner eine Vergangenheit voller Drogendelikte hat. Somit rückt Danner immer weiter in das Zentrum des Verdächtigenkreises. Der Assistent soll diesen also observieren. Es reicht nur zur Hälfte eines Asterix-Bandes, da kommt das Entführer-/Drogendealer-Duo auch schon aus dem Haus. Nach kurzer Fahrt durch Ulm wird dem Gangsterauto ein Sender verpasst (James Bond ist es nicht, aber schon nicht schlecht).

Lutz derweil stattet der Bank Manfreds einen Besuch ab, und erfährt so, dass hohe Einzahlungen auf das Konto getätigt wurden. Alles deutet auf ein Verbrechen unter Drogendealern hin. Am Ende der Szene bemerkt Lutz süffisant die Qualität des Bankgeheimnises, weil er ohne Probleme Auskunft von dem Angestellten bekommen hatte.

Am Abend bei Lippenses. Belinda schmeißt sich mit vollem Körpereinsatz und nackten Tatsachen dem Hausherren an den Kragen. Da kann dieser nun auch nicht nein sagen. Man soll ja nichts verkommen lassen. Von Andrea brauchen die beiden keine Störung zu befürchten. Die ist nämlich in ihrem Käfer nach Stuttgart gebraust, denn sie kennt die alte WG-Adresse Manfreds. In seinem Zimmer (das er scheinbar immer noch bewohnt, jedenfalls steht sein Mobiliar noch darin) findet sie endlich „den Stoff“ und gönnt sich eine Portion davon.

Belinda, die Lippens in den Schlaf geschaukelt hat, nutzt die Gunst der Stunde. Der zweite Tresorschlüssel, den Lippens sonst immer in seinem Hosentäschen trägt, ist schnell in Belindas Hand. Und so ist auch der Tresor geöffnet (in der Tat hätte es nun gar nicht der Schlüssel-Kopie bedurft, aber die Verführung Lippens scheint eben nur Plan B oder C gewesen zu sein). Im Metallkasten findet sich neben einigen Unterlagen ein angesägtes Motorteil. Hat sie das wirklich gesucht? Ist das der Beweis, dass Lippens Bruder und Gattin wegen einer vermuteten Affäre umbrachte? Beides kann man mit „ja“ beantworten.

Lutz, der ja noch immer in Richtung Drogenmileu ermittelt, erfährt durch Observierung des Danner-Gespanns von einer Übergabe. Auf sein Drängen hin, und nicht ohne weitere Auseinandersetzung mit seinen Vorgesetzten, wird mit einem Polizeigroßaufgebot der Deal gesprengt. Aus allen Winkeln, Löchern und vom Baum herab (letzteres habe ich vielleicht dazu gedichtet) kommen die Uniformierten gesprungen und nehmen neben Danner und Anhängsel zwei Amerikaner fest. Dennoch kein wirklich großer Erfolg, denn wie wir wissen, hat Danner nie „den Stoff“ gefunden. Das Päckchen weißen Pulvers ist folgerichtig nur eine Mehl-Zucker-Mischung. Lutz kann sich also auf einen weiteren gewaltigen Einlauf gefasst machen. Glücklicherweise gibt es auch etwas positives zu vermelden. Manfreds Leichnam wird endlich aus der Donau geborgen. Und nicht nur dies. Am Körper werden zusätzlich die Negative von Fotos des angesägten Motorteils gefunden. Sozusagen die Kirsche auf der Leichensahne und das Puzzlestück, welches den Ermittler auf die richtige Spur bringt.

Die schöne Belinda brachte in der Zwischenzeit das Motordingens in ein Bankschließfach, wo es sicher sein sollte (oder auch nicht, bedenkt man, wie mit dem Bankgeheimnis einige Szenen eher umgegangen wurde). Dann zitiert sie Lippens in ein Kaffee, zwecks genauerer Aushandlung des Preises, der ihr Schweigen wert ist. Manni schien ja ähnliche Pläne gehabt zu haben, möglicherweise hat Belinda da auch schon mitgespielt.

Lippens lässt sich nicht lumpen, und holt sein Pistölchen aus dem Tresor. In der Eile lässt er diesen dann aber offen stehen. Ist das wichtig? Ja, denn die Polizei, die schon wieder nur wenige Minuten zu spät aufkreuzt, kann in dem offen stehenden Kasten noch Fotos der Sägearbeit finden. Somit scheint klar, Manni hat Lippens erpresst. Und das Letzerer Ersteren ermordete bestätigt die zugedröhnte Andrea. Außerdem erzählt sie auch von der Bewaffnung ihres Vaters, und dass dieser auf dem Weg zu Belinda sei. Lutz nimmt Andrea kurzerhand mit auf´s Revier (zwecks genauer Dokumentation der Aussage und Fahndungsaufruf).

Beim Gespräch zwischen Epresserin und Erpresstem erfährt man, dass Lippens´ Gattin nur ungewollter Beifang war. Es hätte ihm völlig gereicht, hätte nur sein Bruder den Löffel geschmissen. So richtig traurig ist er aber auch nicht.

Belinda ist zwar wütend über den Tod ihres Geliebten, aber nicht wütend genug, um eine Möglichkeit zu schnellem Geld verstreichen zu lassen, wenn sie sich bietet. Sie wäre gerne Teilhaberin an Lippens Spielwarengeschäft. Dieser ist natürlich nicht begeistert. Und so geht er Belinda nach, als diese das Café verlässt, mit einem mörderischen Glanz im Blick und einem harten Lauf in der Tasche. Belinda ist nun auf einmal nicht mehr so mutig, sondern eilt verängstigt durch die Menschenmenge der Innenstadt (dabei wäre die doch der beste Schutz vor einem Mordanschlag, ist ja mitten am Tag). Sie könnte auch immer noch zur Polizei gehen. Theoretisch jedenfalls, in der Praxis wählt sie die Alternative des Sightseeings und flüchtet sich auf den Turm des Ulmer Münsters…

Im Büro des Kommissars unterhält sich Lutz mit einer etwas klarer wirkenden Andrea. Diese rekapituliert noch einmal, was sie weiß. Der Ermittler ist verzweifelt, weil er nicht weiß, ob sie Belinda noch rechtzeitig finden werden können. Er schaut aus dem Fenster, stutzt, schnappt sich sein zufällig herumstehendes Fernglas und erkennt doch tatsächlich Belinda und Lippens auf der Tumrspitze des Ulmer Münsters (das ist wirklich so bescheuert, man glaubt es kaum). Schnell machen sich der Kommissar und sein Gehilfe auf den Weg, und sind auch ziemlich schnell am Ort des Geschehens angekommen. Lippens hat es nicht geschafft, Belinda rechtzeitig zu erschießen. Und nun scheint ihn jegliche Motivation verlassen zu haben, anders kann ich mir seine müden Bemühungen, zu entkommen, und seinen halbherzigen Sturz in den Tod (nicht einmal vom Turm herunter) nicht erklären. Hier sollte wohl endlich Schluß sein. Als kleinen Gag am Ende erfährt Lutz immer noch nicht Belindas Nachnamen.

Uff, was für ein ziemlich abruptes und auf jeden Fall bescheuertes Ende. Hier wollte man ganz offensichtlich das Ganze zum Abschluss bringen, sei es, wegen mangelnden Geldes, mangelnder Ideen oder irgendwelcher zeitlicher Vorgaben wegen. Man kann aber auch nicht sagen, dass das ganze bis dahin irgendwie gut war. Zu sehr mäanderte die Handlung zwischen Jugendkultur und ihren Drogengeschichten (Stichwort „Die Jugend von heute!“) und der fixen Idee, Belinda als geheimnisvolle Femme Fatale aufbauen zu wollen, die keinen Nachnamen bekommt, ja, man ist sich nicht einmal sicher, dass ‚Belinda‘ der richtige Name ist. Es bleibt einfach nicht genügend Zeit, um beide Ideen gut genug auszuleuchten.

Schlecht ausgearbeitet sind auch die Beziehungen der Figuren untereinander. Will Andrea mehr von Manfred als nur Drogen, oder ist das nur geschäftlich? Wie steht Belinda zu Manfred? Und warum genau behält Lippens sie im Haus? Keine dieser Fragen wird wirklich beantwortet. Andrea scheint nur Drogen zu suchen, gleichzeitig kennt sie aber auch Manfreds alte WG und deren Bewohner. Bei Belinda bleibt ohnehin alles im Unklaren, wohl ein Versuch, sie geheimnisvoll wirken zu lassen. Und Lippens holt sich Belinda erst ins Bett, als diese sich präsentiert, davor scheint sie ihn nicht zu interessieren.

Achja, Lippens…warum hat er überhaupt die Lenkschnecke (wie ich jetzt weiß) behalten? Und fällt es der Polizei nicht auf, wenn bei einem Unfallwagen mit Todesopfern ein scheinbar wichtiges Teil fehlt (Manfred hat das wohl ausgebaut bevor die Polizei kam)?

Oder um es kurz zu sagen, das Drehbuch wirkt wie eine hastige Auftragsarbeit, das vielleicht am Anfang mal so etwas wie eine kreative Idee hatte, die aber bald aus dem Fokus geriet. Zum Ende hin muss dann noch zwangsweise Lokalkolorit eingebaut werden. Das wirkte selten so gezwungen wie hier.

Vielleicht noch ein Wort zur Darstellung der Polizei. Die kommt immer zu spät und es herrscht Geklüngel, aber immerhin haben sie so ne Art Spionagetechnik zur Verfügung.

Wo wir schon auf der Seite des Gesetzes sind. Dies ist der fünfte Fall für Kommissar Lutz, der bisher jedes mal in einer anderen Stadt ermitteln durfte/musste (bislang Mannheim, Bodensee, Stuttgart und Karlsruhe). Das liegt wohl vor allem daran, dass er sich immer wieder mit seinen Vorgesetzten anlegt. Oder mit Zeugen. Oder mit Verdächtigen. Oder mit so ziemlich jedem. Lutz ist ein ziemlicher Knurrhahn. Nur hier scheint er sich etwas in Belinda verguckt zu haben. Ein weiterer Punkt, der nicht wirklich ausgearbeitet wurde.

Werner Schumacher passt ziemlich gut in die Rolle. Erst kürzlich habe ich erfahren, dass er auch den Mr. Freeze in der „Batman“-Zeichentrickserie sprach (in DER Batman-Serie).

Lippens ist eigentlich ein ziemlich langweiliger Charakter, passend zum langweiligen Fluchtversuch. Werner Bruhns hatte hier aber auch nicht viel, mit dem er was anfangen konnte.

Belinda ist wie gesagt, wohl als eher zentrale Figur mal gedacht gewesen. Im Endprodukt ist sie eher dezentral. Man hätte wohl einfach mehr Zeitt bei ihr und weniger bei der eigentlich unnötigen Andrea verbringen sollen, vielleicht hätte es dann besser funkioniert.

Monika Gabriel hatte schon Filme in der DDR gedreht, bevor sie nach Westdeutschland kam und hier vor allem den Krimis die Stange hielt. Viele kennen sie aber womöglich auch als Stimme von Teela in den Masters-of-the-Universe-Hörspielen.

Wo wir schon die ganze Zeit bei Synchronsprechern sind. Reent Reins (Danner) hat unter anderen Don Johnson, Dolph Lundgren, Treat Williams, Billy Dee Williams gesprochen. Hier hat er seine Sache ganz gut gemacht, hatte ja auch nur ne Hand voll Szenen.

Nicht verschweigen will ich den Gastauftritt von Oscar Heiler, besser bekannt als Häberle. Er ist der geschwätzige Rentner am Tatort.

Allgemein kann man sagen, dass es keine Ausfälle gab, Glanzleistungen wohl aber auch nicht.

„Schöne Belinda“ wird mir sicher nur in Erinnerung bleiben, weil der Kommissar zufällig die Gesuchten beim Blick aus dem Bürofenster zum Kirchturm fand. Alles andere wird schon bald wieder vergessen sein.

 
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Verfasst von - März 20, 2021 in Tatorttagebuch

 

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Kais Buchtagebuch – Robert E. Howard – „Sword Woman and other historical adventures“ (USA, 2011)

Kais Buchtagebuch – Robert E. Howard – „Sword Woman and other historical adventures“ (USA, 2011)

Die meisten Leute dürften Robert Ervin Howard als Schöpfer von Conan, Solomon Kane oder Red Sonja kennen, was nicht zuletzt an Verfilmungen und Verarbeitungen in Comics liegen dürfte. Nur…Red Sonja hat er nicht erschaffen, jedenfalls nicht als Kettenhemdbikini-tragende Barbarin. Doch dazu später mehr…

Was schon etwas weniger bekannt ist, ist die Fülle an Kurzgeschichten, in dem Fall fiktionale Geschichten vor historischem Hintergrund, die Howard mit seinem kurzen schriftstellerischen Schaffen hinterlassen hat. Er ist ja tragischerweise nur 30 Jahre alt geworden.

Ich werfe zunächst aber einen Blick auf die Rund 14 abgeschlossenen Kurzgeschichten. Daneben tummeln sich in dem Band auch noch einige kurze Gedichte und einige Fragmente unvollendeter Geschichten.

Spears of Clontarf“ (USA, 1978)

In der ersten Geschichte erlebt der Leser die Flucht von Conn, einem irischen Krieger der verstoßen wurde und in Sklaverei geriet, und wie dieser gerade rechtzeitig Irland erreicht, um noch bei Schlacht von Clontarf vor Dublin mitzumischen, natürlich auf Seiten Brian Borus, des legendären irischen Königs. In dieser Schlacht geht es nicht nur um Dublin, sondern auch darum, die Wikinger, bzw. Dänen, endgültig von der grünen Insel zu vertreiben.

Diese Geschichte ist ein netter Einstieg, besteht allerdings vornehmlich aus der Beschreibung der Schlacht (samt Ansätzen von Intrigen). Hier zeigt sich schon, wie detailfreudig und beinahe poetisch Howard schreibt, böse Zungen würden es schwülstig nennen, aber die haben natürlich keine Ahnung. Später schrieb er die Geschichte um und fügte ein paar übernatürliche/mystische Elemente hinzu, und gab ihr den Titel „The Grey God Passes“.

Hawks over Egypt“ (USA, 1979)

Ein Türke und ein Maure (der eigentlich ein christlicher Spanier ist) treffen des Nächtens in Kairo aufeinander. Doch bevor sich die beiden an die Kehle gehen können, werden sie von sudanesischen Söldnern angegriffen. So werden die beiden unfreiwillig zu Gefährten, und entdecken, dass sie ein ähnliches Ziel haben: den Kalifen Al Hakim. Dieser sitzt in seinem Palast, und verfällt immer mehr dem wahnsinnigen Glauben, er sei eine göttliche Reinkarnation, wie die Pharaonen von einst. Gleichzeitig versucht Zaida, eine venezianische Haremsdame, ihren Stand als Favoritin zu halten, und am Ende wird auch noch Rache geübt. In Kairo bricht zu guter Letzt das blutige Chaos aus.

Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Es gibt verschiedene Twists, Geheimgänge, diverse Gruppen in Kairo, die gegeneinander aufgehetzt werden, einen durchgeknallten Bösen und einen zweiten Handlungsstrang. Also alles, was eine gute Abenteuergeschichte ausmacht. Der Orient als Hintergrund wird uns nun in einigen vielen Geschichten treu beiben, viele spielen zu Kreuzfahrer-Zeiten.

Auch diese Geschichte wurde nochmals etwas umgeschrieben, allerdings nicht von Robert E. Howard selbst, sondern nach dessen Tod von Lyon Sprague de Camp, einen Fantasy-Autor, der auch eine Howard-Biographie in seinem Schaffen hat. Dieser machte aus ihr eine Conan-Geschichte.

The Road of Azrael“ (USA, 1976)

Hier haben wir einen Ich-Erzähler, nämlich Kosru Malik, einen Chagatai, also ein Angehöriger eines mongolisch-turkstämmigen Clans. Eigentlich ist er ein Teil des Heeres von Muhammad Khan, Sultan von Kizilshehr, doch der unbedachte Mord an einem alten Gegner zwingt ihn, aus dem Lager zu fliehen. Auf seiner Flucht begegnet er dem Franken (eine allgemeine Bezeichnung für die Kreuzritter) Eric de Cogan. Dieser wiederum ist eigentlich auf dem Weg zu Muhammad Khan, um seine Geliebte Ettaire zu retten, die von ihrem Onkel als Preis für die Unterstützung durch den muslimischen Herrscher versprochen wurde.

Mit arabischer Unterstützung gelingt tatsächlich die Befreiung der Jungfrau, doch nun ist das Trio auf der Flucht vor dem ganzen Heer, und ihr Weg führt sie quer durch die Wüste. Und so verrückt es klingen mag, eine Schiffsladung Nordmänner taucht auch noch auf (was mich etwas an das Ende von „Ein Kampf um Rom“ erinnerte).

Eigentlich ist das ein ganz klassisches Jungfrau-in-Nöten-Motiv, welches hier verwendet wird. Der Kniff mit der etwas anderen Erzählperspektive bringt allerdings etwas Abwechslung. Und spätestens bei der Verfolgungsjagd durch die Wüste legt man das Buch nicht mehr zur Seite. Hier nimmt Howard richtig Fahrt auf. Am Ende gibt es dann noch richtig Gänsehaut, wenn die zahlenmäßig weit unterlegenen Nordmänner bis zum allerletzten kämpfen. Ja, ich muss es zugeben, solche Motive ziehen bei mir.

Kosru Malik wird später noch einmal auftauchen. Allerdings nur als eine absolute Randfigur, sodass ich mir nicht sicher bin, ob es die gleiche Person darstellen soll. Im Übrigen hab ich keine Ahnung, welche Stadt oder Gegend Kizilshehr sein soll…

The Lion of Tiberias“ (USA, 1933)

Es fängt an mit dem Ende einer Schlacht. Die Seljuken sind siegreich über ein Beduinenheer. Nur noch der arabische Prinz und sein nordenglischer Beschützer sind auf den Beinen, und auch der Prinz wird von Zengi esh Shami, dem titelgebenden Löwen von Tiberias, niedergestreckt.

Nun folgt die Geschichte zunächst vor allem dem militärischen Aufstieg des Löwen. Jahre vergehen, und der Fokus verschiebt sich erneut auf Miles du Courcey, einen Ritter, der einen Spion des Löwen abfängt und sich an seiner Statt in das Lager des Feindes schleicht. Dieser ist jedoch nicht ganz blauäugig, erkennt ihn und Miles bleibt nichts anderes, als die Flucht. Immerhin kann er seine totgeglaubte Frau noch mitnehmen. Die beiden erreichen die Festung eines verbündeten muslimischen Herrschers, doch das Heer von Zengi esh Shami ist ihnen auf den Fersen und macht sich für eine Belagerung bereit.

Habt ihr in all dem den nordenglischen Beschützer vergessen? Zengi auch, und es kommt ihn teuer zu stehen…

Wie gesagt, der Fokus, bzw. der Protagonist der Geschichte wechselt recht häufig, wodurch sie sehr sprunghaft wirkt, und nicht ganz aus einem Guss scheint. Man hätte vielleicht doch einfach bei der Perspektive von Zengi esh Shami bleiben sollen.

Zengi, den es wirklich gab und Gründer der Zengiden-Dynastie ist, wurde angeblich tatsächlich von einem Franken ermordet, allerdings einem Eunuchen. Eine andere Geschichte besagt, dass er der Sohn Idas von Österreich gewesen sein soll.

„The Lion of Tiberias“ wurde, im Gegensatz zu den vorhergehenden Kurzgeschichten, noch zu Lebzeiten Howards veröffentlicht.

Gates of Empire“ (USA, 1939)

Giles Hobson betrinkt sich mit drei Saufkumpan*innen. Aus einer unvernünftigen Alkohollaune (gibt es andere Alkohollaunen?) heraus spielt er seinem Herrn einen undurchdachten Streich, sodass er fliehen muss. Auf der Flucht gerät er in die Hände von sarazenischen Piraten, an den Hof des Wesirs von Ägypten, wo er sich als Bastardsohn des englischen Königs ausgibt, schließlich kommt er am Hofe König Amalrics von Jerusalem an, muss dann aber mit dessen Heer gen Ägypten ziehen, wo er für dessen Niederlage indirekt verantwortlich ist.

Trotz des wenig optimistischen Endes ist das wohl die humorvollste Geschichte in dieser Kurzgeschichtensammlung. Giles Hobson ist ein Trinker, der sich durch Lügen und oft Feigheit in immer unmöglichere Situationen bringt. Das steht der Handlung gut und ist eine angenehme Abwechslung.

Übrigens verlief der Ägypten-Feldzug Amalrics weniger verlustreich als hier angedeutet.

Hawks of Outremer“ (USA, 1931)

Cormac FitzGeoffrey, ein weiterer der unbezwingbaren Schwertkämpfer aus Howards Ideenschublade, sinnt auf Rache. Sein Freund wurde von Nureddin getötet. Dieser ist ein aufrührerischer Anführer einer muslimischen Räuberbande mit großen Ambitionen, möchte er doch den großen Saladin absetzen.

Auf dem Weg in die Räuberfestung erledigt Cormac einen verräterischen und feigen christlichen Baron. Und er liest einen unglücklich Verliebten auf, der seine Herzensdame ebenfalls aus der Hand der Bande befreien möchte. Gleichzeitig hält dieser einen unschätzbaren Vorteil für Cormac in der Hinterhand, nämlich einen geheimen Zugang zu besagter Festung. Bevor es dort zum entscheidenden Duell kommen kann, betritt auch noch Saladin die Bühne.

Das ist das erste Abenteuer von Cormac FitzGeoffrey. Howard nimmt hier die üblichen Motive, legt aber Cormacs Geschichte schon etwas größer an. Durch den Mord am Christen-Lord ist er nun bei keiner der beiden Glaubensrichtungen mehr gern gesehen und muss sich als einsamer Krieger durch die unwirtlichen Gegenden des Nahen Ostens schlagen.

Hier erwartet ihn eigentlich eine recht unspektakuläre Rache-und Rettungsgeschichte, allerdings wird diese durch den Auftritt Saladins veredelt. Dieser lässt Cormac nach getanem Duell unbehelligt ziehen, schließlich hat er auch einen Konkurrenten erledigt. Übrigens ist das auch die Geschichte, in der Kosru Malik als Randfigur wieder auftritt, aber, wie gesagt, scheinbar Nichts mit dem alten zu tun hat. Mal ganz abgesehen davon, dass die Handlung viel später spielt.

„Hawks of Outremer“ wurde 2010 auch als Mini-Comic-Reihe (ich glaube, auf vier Bände war es ausgelegt) bei Boom Studios veröffentlicht.

The Blood of Belshazzar“ (USA, 1931)

Das zweite und auch letzte abgeschlossene Abenteuer Cormac FitzGeoffreys, kaum ein halbes Jahr nach dem ersten veröffentlicht. Cormac verschlägt es wieder auf die Festung einer Räuberbande. Allerdings diesmal zunächst als Gast. In dieser kunterbunten Runde aus Dieben, Halsabschneidern, Rauf- und Trunkenbolden fällt ein abgerissener Ritter gar nicht auf. Cormacs Ansinnen ist es eigentlich, sich einem gewinnbringenden Raubzug anzuschließen und mit der Beute einen gefangenen Freund freizukaufen. Auf Hilfe der Kreuzritter kann er ja nicht mehr zählen.

Skol Abdhur, der Metzger genannt, und Anführer des wilden Haufens, hat allerdings ein mehr oder weniger gut bekanntes Geheimnis. Er besitzt nämlich den sagenumwobenen und angeblich verfluchten Edelstein (einen Rubin), welcher der Geschichte ihren Titel gibt. Und all die Leicht- und Schwerverbrecher in der Burg warten eigentlich nur auf den einen Moment, in dem sie sich des Steins bemächtigen können.

Cormac legt sich schlafen, doch in der Nacht geschehen zwei Dinge. Erstens bekommt er ungebetenen Besuch in seinem Kämmerlein, und zweitens wird Skol ermordet vorgefunden, und das Blut Belshazzars scheint verschwunden. Nun hält das zwielichtige Gesindel Nichts mehr zurück, es bilden sich Parteien und ein großes Hauen und Stechen beginnt. Das Geschehen bringt die Figuren in die tiefsten, ältesten und unheiligsten Ecken der Festung.

Manch einer wird sagen, dass es viel zu viele verschiedene Figuren sind, die hier vorgestellt werden. Immerhin hat man so aber mehr als genügend Verdächtige, die den Edelstein an sich gebracht haben könnten. Dieser minimale Who-dunit-Anteil und die heidnisch-unheimliche Kulisse der Festungseingeweiden verpassen „The Blood of Belshazzar“ eine ganz eigentümliche Atmosphäre und stellen die Geschichte etwas heraus. Ich fand es gut.

Auch diese Geschichte wurde nochmals mit Conan in der Hauptrolle veröffentlicht, allerdings diesmal in Comicform von Marvel unter dem Namen „The Blood of Bel-Hissar!“ in Conan the Barbarian 27.

Red Blades of Black Cathay“ (USA, 1931)

Godric de Villehard reitet schon seit geraumer Zeit immer weiter nach Osten, um das sagenhafte Reich Prester Johns zu finden. Stattdessen stoßen er und seine ihm verbliebenen Männer auf eine Prinzessin in den Krallen von Banditen. Nach kurzem Kampf sind nur noch Godric und die Prinzessin am Leben, und Godric verliert das Bewusstsein.

Als er erwacht, befindet er sich im Palast in Black Cathay, einem kleinen chinesischen Fürstentum am Rande des Kaiserreichs. Seine Zeit der Rekonvaleszenz nutzt er dazu, um der Prinzessin etwas Näher zu kommen und sich ein paar Freunde zu verschaffen.

Doch die Zeit der Rast und Ruhe währt nicht allzulange. Dschingis Khan und seine Horde fegen über das Reich der Mitte hinweg. Der Herrscher Black Cathays macht sich aus dem Staub. Nun liegt es an Godric und den verbliebenen Soldaten den Mongolen an einem schmalen Pass die Stirn zu bieten und zu verhindern, dass der kleine Landstrich verwüstet wird. Leider reichen der Mut der Verzweiflung und einige taktische Kniffe nicht aus, um gegen die schiere Anzahl zu bestehen. Doch der Heldenmut und die Fähigkeiten beeindrucken Dschingis Khan selbst so sehr, dass Godric als neuer Herrscher über Black Cathay eingesetzt und das Fürstentum ein Vasallenstaat der Mongolen wird.

„Red Blades of Black Cathay“ reist weiter in den Osten als die Geschichten davor und erreicht so auch das ferne China. Gleichzeitig werden aber auch Erinnerungen an die griechische Geschichte wach, wenn sich Godric auf das eigentlich schon von Beginn an zum scheiternde Duell spartanischen Vorbilds einlässt. Und ähnlich wie Saladins Auftritt in „Hawks of Outremer“ verleiht Dschingis Khan der Geschichte noch einen gewissen historisch bedeutenden Glanz.

Dies ist eine der Geschichten, die Howard mit Tevis Clyde Smith zusammen geschrieben hat (eine von drei Kollaborationen, ansonsten war Smith eher als Herausgeber von Zeitschriften tätig). Man merkt aber kaum den Einfluss eines anderen Autors. Vielleicht glichen sich die beiden zu sehr.

The Sowers of Thunder“ (USA, 1932)

Red Cahal trifft in einer ägyptischen Taverne auf einen Reisenden, der sich nur Haroun nennt. Die beiden verbindet eine gewisse Hassliebe. Sie trinken sich gegenseitig beinahe unter den Tisch, den Rest erledigen sie dann im Faustkampf. In einem 80er-Jahre Actionfilm wären sie jetzt beste Freunde geworden. Hier jedoch zieht Red Cahal am nächsten Morgen weiter. Er schließt sich einer Bande von Glücksrittern an, um an etwas Geld zu kommen, doch ein Wüstenstamm, der vor den mongolischen Horden gen Westen flieht und dabei alles raubt und brandschatzt, was nicht bei drei hinter Festungsmauern ist, macht ihm ein Strich durch die Rechnung. Gerade noch so kann er ihm entkommen, kann aber nicht verhindern, dass Jerusalem fällt. Immer wieder trifft er auf seiner Reise auf eine mysteriöse Figur, immer unter anderem Namen.

Die christlichen Herrscher wollen sich mit Baibars, dem Obermotz Ägyptens, verbünden, um der Wüstenhorde einhalt zu gebieten, und Cahal soll die Botschaft überbringen. Dort angekommen, erkennt er jedoch zwei Dinge. Erstens ist Baibars die seltsame Figur, der er immer wieder über den Weg läuft (und die natürlich auch Haroun ist), und zweitens will dieser die Gunst der Stunde nutzen, dass Heer der Chisten in eine Falle zu locken.

Cahal kann zwar entkommen, nicht jedoch den Kampf verhindern. Wie zu erwarten war, wird das christliche Heer vernichtend geschlagen. Mit seinem letzten Atemzug verletzt Cahal Baibars jedoch noch, sodass dieser seinen Sieg nicht auskosten kann. Stattdessen meint er nur: „They are a race unconquerable, and at last, in a year or a thousand years, they will trample Islam under their feet and ride again through the streets of Jerusalem“.

Dieses Zitat lässt jedoch offen, ob damit Christen, oder Männer wie Cahal gemeint sind. Die Frage ist auch, ob Howard dieses nur einfügte, um seine Leserschaft nicht mit einem völligen Downer-Ende zurückzulassen. In den anderen Geschichten kommt der Böse nämlich nie ungeschoren davon, sondern findet sein Ende meist an der Schwertspitze des Helden.

Man begleitet hier Cahal bei seinem wilden Ritt kreuz und quer durch die Kreuzfahrerstaaten, es ist also ein ziemliches Tempo geboten. Die Barszene am Anfang lässt einen zunächst eine gänzlich andere Richtung der Geschichte vermuten, vor allem, weil man dort die Perspektive des Haroun/Baibars inne hat. Für Abwechslung ist also gesorgt.

Der Untergang Jerusalems und die Schlacht von La Forbie besiegelten im Grunde den Untergang der Kreuzfahrerstaaten und der christlichen Herrschaft im Nahen Osten. Baibars war jedoch erst viel später an der Macht.

Lord of Samarcand“ (USA, 1932)

Wieder einmal wurde eine Schlacht geschlagen, wieder einmal haben die Christen die Schlacht verloren, diesmal gegen die Bayaziden (die, die auch Konstantinopel eroberten, also Osmanen), und wieder einmal lag es an den unfähigen Befehlshabern.

Donald MacDeesa macht sich vom Schlachtfeld davon, nicht ohne einem Vorgesetzten noch den Todesstoß zu versetzen. Da er nicht weiß wohin, und er von einem unbeteiligten Beobachter des Gemetzels ein unwiderstehliches Angebot bekommt, schließt er sich diesem an. Sein Name ist Ak Boga und sein Angebot ist Rache an den Bayaziden, wenn er sich erstmal Bogas Herrn Timour Lang, oder auch Tamerlane, Herrscher von Samarcand, unterwirft.

Für Tamerlane wird Donald zum Führer einer wilden Einheit, die viel einstecken kann, aber auch viel austeilt. Ein wilder Haufen, der häufig als Vorhut geschickt wird, und die Drecksarbeit des Kiegsgeschäfts erledigen muss. Und er verhilft Donald auch zur Rache über den osmanischen Sultan.

So vergehen die Jahre. Donald bleibt meistens für sich, allerdings lacht er sich ein Mädchen an. Dummerweise hilft diese bei einer Verschwörung gegen Tamerlane. Das kann der Herrscher natürlich nicht dulden. Während Donald einen weiteren beinahe unmöglichen Auftrag erfüllt, lässt er sie hinrichten.

Als Donald schwer verletzt wieder im Palast ankommt, und verlangt, noch einmal seine Süße zu sehen, bevor er den Löffel schmeißt, muss ihm der Herrscher dies aus offensichtlichen Gründen abschlagen. Erzürnt erschießt er Tamerlane, und seufzt dann seinen letzten Seufzer.

Donald MacDeesa ist wohl einer der düstersten und schwermütigsten Protagonisten, die Howard in diesen Kurzgeschichten geschaffen hat. Klar, die anderen sind auch nicht unbedingt Frohnaturen, doch keiner scheint so des Lebens überdrüssig, wie der Schotte, der sich in jeden noch so unmöglichen Kampf stürzt. Vielleicht liegt es daran, dass diese Geschichte wie eine griechische Tragödie wirkt. Man merkt von Anfang an, dass das eigentlich nur in einer Katastrophe enden kann und liest fasziniert immer weiter.

Sword Woman“ (USA, 1975)

Jetzt verabschieden wir uns erst einmal vom Konflikt der Religionen. Die titelgebende Geschichte bringt uns nach Frankreich in ein waschechtes Mantel und Degen-Abenteuer.

Unsere Heldin Agnès de Chastillon, soll gegen ihren Willen verheiratet werden. Das weiß sie aber durch den geschickten Mord an ihrem Bräutigam direkt vorm Traualtar zu vermeiden. Natürlich muss sie nun aus ihrem kleinen Dörfchen fliehen, ihren zornigen Vater auf den Fersen habend.

Auf ihrer Flucht trifft sie auf Étienne Villiers. Zwar liegt er im Clinch mit dem örtlichen Adligen D´Alençon, dennoch nimmt er sich gerne der Jungfau in Not an. Jedoch nicht ohne Hintergedanken. Er würde Agnès liebend gerne an ein Bordell verkaufen und mit dem Geld ein gutes Stück Strecke zwischen sich und seine Häscher bringen. Pech für Étienne, das Agnès Wind von der Sache bekommen hat. Als sie ihn und den potentiellen Käufer zur Rede stellt entwickelt sich schnell ein Handgemenge, in dessen Verlauf der Käufer stirbt und Étienne ziemlich zugerichtet wird. Agnès hat nun unverständlicherweise Mitleid mit ihm, und statt ihn liegen zu lassen, auf dass ihn sein Schicksal ereile, packt sie den schwerverletzten auf ihr Pferd und bringt ihn zu einem befreundeten Wirt. Dort bleibt sie auch noch so lang, bis Étiennes Wunden einigermaßen verheilt sind, und verteidigt den Bettlägrigen gegen Kopfgeldjäger.

Als Étienne ihr erholt genug erscheint, um für sich selbst zu sorgen, macht sich Agnès auf den Weg nach Italien, um sich dort Söldnern anzuschließen. Weit kommt sie aber nicht, steht sie nun doch auch auf der Abschussliste D´Alençons, der ihr seine Leute hinterher schickt. Agnès sieht sich bald einer Übermacht gegenüber und in einer misslichen Lage, aus welcher sie Étienne in letzter Sekunde befreien kann. Die beiden tun sich nun zusammen und wollen einen Weg durch das Gebiet D´Alençons in Richtung Italien finden.

„Sword Woman“ sticht durch mehr als nur ein komplett anderes Setting hervor. Nicht nur, dass hier eine weibliche Figur erstmals die Protagonistin ist (bisher kamen Frauen ja allenfalls als Nebenfiguren vor, meistens bedurften sie der Rettung). Sie ist auch Ich-Erzählerin. Ansonsten unterscheidet sie sich gar nicht so sehr von den anderen Hauptfiguren. Sie ist eine verdammt gute Kämpferin und lässt sich nicht für dumm verkaufen.

Die Geschichte wirkt mehr noch, als es bei der ersten Cormack-Geschichte („Hawks of Outremer“) der Fall war, wie lediglich ein Auftakt zu einer Reihe von Geschichten um Agnès und Étienne, was vor allem an dem eher offenen Ende liegt.

Die Geschichte ist verschiedenen historischen Frauenfiguren gewidmet, die zu Waffen gegriffen und sich im Kampf erwiesen haben, wie zum Beispiel der Piratin Anne Bonney oder Graine O´Malley, einer irischin Herrscherin/Piratin (je nach dem, wen man fragt…).

Blades for France“ (USA, 1975)

Dark Agnes und Étienne versuchen immer noch nach Italien zu kommen, stolpern aber in eine Intrige D´Alençons gegen den König Frankreichs. Es geht um einen hochrangingen Höfling, der, von seiner Maitresse verraten, entführt und mit Hilfe von Piraten weggeschippert werden sollte. Was der Intrigant nicht weiß, er wird von Engländern als Mittel zum Zweck genutzt. Landesverrat wollte er aber dann doch nicht begehen, nur ein Druckmittel gegen den Fürsten haben. So kommt es also zu einer Auseinandersetzung am Strand. Agnès und Étienne, die sich in dem Durcheinander wieder finden, gelingt es, den personifizierten Zankapfel zu befreien. Auf diese Weise rücken sie allerdings weiter nach oben auf der Feindesliste D´Alençons und seiner Schergen. Und der Pirat, der ein möglicher Transport nach Italien gewesen wäre, lebt leider auch nicht mehr.

Die zweite Geschichte mit Agnès ist recht kurz, die Intrige dafür etwas verworren, wie sie es nun mal häufig sind. So wirkt „Blades for France“ wie eine kurze Episode einer Serie, vor allem auch, da es wieder kein befriedigendes Ende für unsere Helden gibt. Gleichzeitig dringt hier auch der Geist der Dumaschen Musketiere (und anderer Degen-Helden) durch. Schade, dass es nicht für weitere Geschichten um Dark Agnes gereicht hat. Es existiert immerhin noch ein nicht abgeschlossenes Fragment einer Geschichte, die von einem anderen Autoren (Gerald W. Page) fertig gestellt wurde. Diese Geschichte enthält jedoch ein übernatürliches Element, im Gegensatz zu den ersten beiden. Auch diese wurde später zu einem Conan-Abenteuer umgeformt („The Curse of the Undead-Man“), in welchem er auf Red Sonja trifft.

The Shadow of the Vulture“ (USA, 1934)

Sultan Suleyman erkennt in einer Gesandtschaft Österreichs Gottfried von Kalmbach wieder, der ihn einst in einer Schlacht verletzte. Das kann natürlich nicht sein, dass solch ein ungläubiger Schurke unbehelligt umherzieht. Darum hetzt er Mikhal Oglu auf ihn, den Anführer eines wilden Reitertrupps und der titelgebende Vulture. Dieser Reitertrupp brandschatzt, raubmordet und tötet normalerweise die Zivilbevölkerung, um den Weg für die Hauptarmee freizumachen.

Gottfried, obwohl ein unglaublicher Säufer, entkommt diesem immer wieder und es glingt ihm schließlich nach Wien zu flüchten, gerade rechtzeitig, bevor die große Belagerung der Osmanen beginnt.

So richtig motiviert zu kämpfen ist von Kalmbach jedoch nicht. Erst als er Red Sonya kennen lernt, eine mehr als begabte und erbarmungslose Schwertkämpferin, legt er sich richtig ins Zeug. Sonya ist jedoch nie so richtig beeindruckt von ihm, sondern hält ihn immer für recht ungeschickt.

Was folgt ist eine ausgiebige Beschreibung der Kämpfe um Wien, allerdings ohne auf irgendwelche Taktiken einzugehen, weil der Bezugspunkt immer von Kalmbach bleibt. Sei es bei Kämpfen auf der Mauer oder bei einem Ausfall, der die osmanischenTruppen kalt erwischt. Immer wieder muss Gottfried von Red Sonya gerettet werden, was ihn natürlich nicht fähiger erscheinen lässt. So auch zu guter Letzt, als die geschlagene osmanische Armee von dannen zieht, und Gottfried völlig ausgelaugt von zwei Verrätern gefangen wird. Sie erhoffen so zumindest eine Belohnung vom Sultan, bzw. Mikhal Oglu rauszuschlagen. Durch Sonyas beherztes eingreifen führt das jedoch nur zu einem unrühmlichen Ende Oglus und einer hübschen Schlussszene.

Hier ist der Protagonist wieder männlich, sodass das „Sword Woman“ als Titel der Geschichtensammlung doch etwas irreführend erscheint. Immerhin begegnen wir hier Red Sonya.

Doch bevor es soweit kommt sehen wir, welchen Terror Krieg in einem kleinen Bauerndorf entfaltet, bevor wir dann im belagerten Wien auf den Mauern stehen.

Mir hat „The Shadow of the Vulture“ gut gefallen, auch wenn der Ausgang der Belagerung natürlich kein Geheimnis ist. Dazu trägt auch Gottfried von Kalmbach bei, der zwar ein ebenso fähiger Schwertkämpfer wie all die anderen Protagonisten ist (vielleicht mit Ausnahme von Giles Hobson), aber mehr Motivation zum Alkoholgenuss statt zur Schädelspaltung hat. Der alte Sturkopf ist mir von allen am meisten ans Herz gewachsen. Auch, weil ihm eben nicht immer alles mehr oder weniger problemlos gelingt.

Und auch diese Geschichte wurde später (von Marvels Roy Thomas) ins Conan-Universum verlegt, sie durfte aber ihren Titel behalten. So wurde auch Red Sonja im Hyperborianischen Zeitalter eingeführt, natürlich mit einem gänzlich anderen Hintergrund. Ihr Wesen blieb aber so ziemlich dasselbe. Wie manchem bekannt ist, gelang es ihr, ihre eigene Comic-Reihe und ihre eigene Verfilmung („Red Sonja“, 1985) zu bekommen.

The Road of the Eagles“ (USA, 2005)

Der Leser wird direkt ins Geschehen geworfen, beziehungsweise direkt an das Ende eines Kampfes auf einem Schiff. Kossacken haben sich hier scheinbar gegen algerische Korsaren behauptet. Wie in einem Rückblick aufgeklärt wird, haben diese nämlich mehr aus Versehen denn aus Absicht den kossackischen Chef getötet. Die Kossacken machen sich daran, die verbliebenen Algerier zu verfolgen. Diese haben jedoch schon einen ziemlichen Vorsprung.

Ivan Sablianka landet mit seinen Kossacken im Zuge der Verfolgung in einem abgelegenen armenischen Tal.

Auf der über dem Tal dräuenden Burg fristet der Bruder des osmanischen Sultans sein Exil. Der Sultan fürchtet nämlich um seinen Thronanspruch. Eine Tänzerin, die sich in den Exilanten verguckt hat, versucht mit Hilfe der übrig gebliebenen Korsaren unter Osman Pasha eine Befreiung des Sultansbruders, doch die rachsüchtigen Kossacken funken dazwischen. Als Ergebnis sind Tänzerin und Bruder tot, und Ivan duelliert sich hoch oben auf der „Road of Eagles“ mit Osman Pasha. Ivan kann das Duell für sich entscheiden, doch die letzten Worte Osmans lassen ihn aufhorchen (in bester „Dawn of Justice“-Marnier….). Es stellt sich heraus, dass sowohl Ivan als auch Osman eigentlich Engländer sind, die sich rein zufällig auch kennen, und die das Schicksal am Ende der Welt, oder zumindest mitten im Nirgendwo als Gegener wieder zusammengeführt hat. Ivan kann Osman nur noch ein vernünftiges Begräbnis gewähren.

Das ist sie nun also, die letzte vollständige Kurzgeschichte in „Sword Woman and other historical adventures“.

Hier wird man wieder direkt in die Handlung geworfen. Die zwei Handlungsstränge, die verfolgenden Kossacken und der Plan der Korsaren, funktionieren gut und werden sinnig miteinander verknüpft. Das letzte Duell hat einen netten Schauplatz. Die letzte Enthüllung aber, dass die beiden Anführer vor langer Zeit in England Kollegen waren, ist doch schon ziemlich, so leid es mir tut, bescheuert. Erschwerend kommt das „What did ye say?“ Ivans hinzu, dass doch ziemlich an Batman v. Superman erinnert, und somit nicht unbedingt positiv verknüpft ist. Man hätte den beiden keine gemeinsame Vorgeschichte geben müssen, vor allem, da Osman eine der wenigen nicht-christlichen Figuren ist, die im positiven Licht steht. Man kann es nicht verleugnen, Howard schreib meistens aus der westlichen Sicht, und verklärt seine Helden gerne zu den archetypischen Kämpfernaturen. Wobei diese doch facettenreicher sind, als man es nach dem Satz jetzt denken könnte, und wer sich die Zusammenfassungen durchgelesen hat, wird das schnell erkennen können. Andererseits sollte aber auch klar sein, dass es hier keine ausgefeilten Charakterstudien zu lesen gibt.

Doch zurück zu dieser Geschichte. Muss ich es noch extra erwähnen? „The Road of the Eagles“ wurde auch zu einer Conan-Geschichte umgeschrieben (diesmal kein Comic), entweder unter dem eigentlichen Titel, oder auch als „Conan, Man of Destiny“. Dies geschah so häufig, weil Howard so früh verstarb, aber der Hunger der Leserschaft nach mehr Geschichten des Barbaren verlangte. So entstanden „neue“ Howard-Werke.

Noch einige wenige Worte zum Autoren. Robert Ervin Howard wurde am 22. Juni 1906 in einem kleinen texanischen Städtchen geboren. In seiner Jugend begann er, fleißig Gewichte zu stemmen, um seinen Mobbern die Arme auf den Rücken drehen zu können.

Seine wohl bekannteste Figur erblickte erst 1932 das Licht der Öffentlichkeit. Zu Conans Vorgängern gehören Solomon Kane und Kull, die auch ihre jeweiligen Verfilmungen bekommen haben. Red Sonja ist ja, wie erwähnt, nicht in der Form von Howard erdacht worden, wie man sie heutzutage kennt, also nicht als Barbaren-Kriegerin im Fell-Bikini.

Privat hatte Robert E. Howard zwei wichtige Frauenbeziehungen. Die eine war Novalyne Price Ellis, eine enge Freundin und selbst Autorin von Kurzgeschichten. So richtig bekannt ist sie aber für die Memoiren „One Who Walked Alone“ (1986) , die sich mit Howard befassen. Sie dienten als Vorlage für den Film „The Whole Wide World“ (1996), mit Renée Zellweger als Novalyne Price und Vincent d´Onofrio als Robert E. Howard.

Die zweite wichtige Frau war seine Mutter, Hester Jane Ervin Howard. Die Beziehung zu ihr war besonders eng, quasi das genaue Gegenteil zu der mit dem Vater. Leider erkrankte sie schwer an Tuberkulose. Als klar wurde, dass sie sich davon nicht mehr erholen würde, nahm sich Howard das Leben. Es wird vermutet, dass er zusätzlich zum Verlust der Mutter und einer allgemein schweren Zeit in seinem Leben auch unter psychischen Problemen litt. Das ist aber natürlich auf Grund der zeitlichen Distanz heutzutage schwer zu sagen.

Howard distanzierte sich von politischen Extremen, also auch von Faschismus, trotz seiner Korrespondenz mit Lovecraft oder seiner auf den ersten Blick beinahe arisch wirkenden Helden. Seine Protagonisten sind oft nur Überlebende der Geschichte. Eher selten bekommen sie den Schatz, die Frau, oder ähnliches (man sehe sich nur den Ausgang der Kurzgeschichten hier an). Außerdem handeln die muskulösen Schwertschwinger stets nach einem eigenen Ehrenkodex. Dieser steht aber jedem offen. Daher gibt es auch anerkennende Worte für Gegner (Saladin in der ersten Cormac-Geschichte, der Aufstieg des Löwen von Tiberias oder auch in der letzten Geschichte).

Zudem ist das eigentliche Thema Howards, welches sich durch sehr, sehr viele seiner Werke zieht, die korrupte, zerbrechliche Zivilisation. Ihr gegenüber steht das Wilde, das ursprüngliche Barbarentum mit dem erwähnten Ehrenkodex. Nicht unfehlbar, oder unbesiegbar, aber dem unehrlichen Zivilisierten überlegen. Kurz, er hatte seine ganz eigene Botschaft, die er in die Welt hinaus tragen wollte.

Man könnte jetzt noch viel mehr und sehr viel erschöpfender über den Autoren schreiben. Aber das würde dann doch den Rahmen dieser Veranstaltung hier sprengen, und es gibt sicher noch einige beeser geeignete Kandidaten, die für so ein Vorhaben in Frage kämen.

Die Illustrationen im Buch stammen aus der Feder John Watkiss´. Dieser war ein erfolgreicher Illustrator und Storyboard Artist, arbeitete mit an der Sandman-Reihe und war beim Design des Disney-Tarzan beteiligt. Leider verstarb er schon 2017. Teufel Krebs!

Das Buch ist von Del Rey Books, was ein Zweig von Ballantine Books ist, was wiederum, wie kann es anders sein, zu Random House gehört.

Es gibt ein Vorwort von John Watkiss und eine Einführung von Scott Oden, einem amerikanischen Autor der schwer von Howard und anderen Pulp-Autoren beeinflusst ist. Zudem setzt sich am Ende Howard Andrew Jones, ebenfalls Autor, noch einmal näher mit den Geschichten dieses Buches auseinander.

Diese Kurzgeschichtensammlung sei jedem ans Herz gelegt, der Abenteuergeschichten und einen schön beschreibenden Schreibstil mag. Ein Faible für´s Historische ist hilfreich. Conan- und Howard-Fans greifen ohnehin zu, sollten sie das Buch irgendwo sehen. Ich selbst habe es auf der Stuttgarter ComicCon vor drei Jahren erstanden.

Zum Ende die Abschiedsnotiz Robert Ervin Howards, die sich in seiner Brieftasche fand:

All fled, all done, so lift me on the pyre;

The feast is over and the lamps expire“

 
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Verfasst von - Februar 8, 2021 in Buchtagebuch

 

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Kais Serientagebuch – „The Handmaid´s Tale – Der Report der Magd“ Staffel 1 (USA, 2017)

Kais Serientagebuch – „The Handmaid´s Tale – Der Report der Magd“ Staffel 1 (USA, 2017)

Es heißt ja, man solle keine Bücher verschenken, die man nicht selbst gelesen hat, ebenso wie man keiner Statistik glauben solle, die manch nicht selbst gefälscht habe. Nur, zumindest ersterem kann ich doch insofern widersprechen, als dass ich der Meinung bin, dass man ruhig ein nicht-selbstgelesenes Buch verschenken kann, weiß man genügend über Inhalt und die zu beschenkende Person. So kam es nun also, dass ich meiner Mutter „Der Report der Magd“ dereinst zu, ich glaube es war Weihnachten, schenkte. Sie fand es gut, so gut, dass sie mir im Gegenzug die erste Staffel der Serie zukommen ließ, im Gegenzug ohne eigene Sichtung. Es war also beide Male ein, naja, nicht Blindflug, mehr so, wie ein Flug durch einen nicht ganz so dichten Nebel, und sämtliche Radarsysteme funktionierten ohne Probleme.

Die Geschichte dürfte mittlerweile einem ziemlich breiten Publikum bekannt sein, war doch die Serie vor ein paar Jahren ein ziemlicher Hit, daher werde ich nur kurz beschreiben, worum es geht.

Die vereinigten Staaten gibt es nicht mehr, an ihre Stelle ist ein Regime namens Gilead getreten. Dieses ist ein fundamentalistischer Staat, mit grob christlichen Wurzeln, welche aber nicht deckungsgleich mit unserer Bibelauslegung sein dürfte. Das liegt vor allem daran, dass die Weltbevölkerung dieser nicht allzu-fernen Zukunft ziemlich unfruchtbar geworden ist. Warum genau, weiß man nicht, man kann aber davon ausgehen, dass der schlechte Zustand der Natur mit ein Grund ist. Hinzukommt eine wirtschaftliche Krise, ein bisschen Getrickse mit einem Anti-Terror-Gesetz, und schwupps sind die Fundis an der Macht (okay, es brauchte auch noch etwas Waffengewalt). Jedenfalls werden die letzten fruchtbaren Frauen zusammengetrieben und in Lager gesteckt, wo eine Gehirnwäsche dafür sorgen soll, dass sie sich ihrem gottgewollten Schicksal ergeben, nämlich der Elite als Gebärmaschinen zu dienen und sämtliche persönliche Interessen völlig in den Hintergrund zu stellen, um nicht zu sagen völlig zu unterdrücken. Alles natürlich im Namen Gottes.

Die Handlung folgt dabei einer dieser Mägde. Dabei wird hier mehrgleisig vorgegangen. Zum einen wird gezeigt, wie sie sich in der neuen Situation und Umgebung zurecht finden muss, zum anderen werden auch Teile ihrer Vergangenheit gezeigt, also nicht nur, wie es im Umerziehungslager war, sondern auch, wie ihr Leben noch kurz vor der Machtergreifung ausgesehen hatte. Da merkt man dann auch, was für ein schleichender Prozess das gewesen ist. Es hat mit kleinen Dingen des Alltags angefangen, wuchs sich immer mehr zu beinahe segregierenden Maßnahmen aus (alleinstehende Frauen wurden immer schiefer angesehen und beleidigt, schließlich ist ja nur eine verheiratete Mutter Gottes Wunsch), wie Berufsverboten für Frauen. Daher kann ich gut verstehen, warum die Geschichte vor allem beim weiblichen Geschlecht solchen Anklang findet. Ja, bis relativ gesehen vor kurzem waren alleinstehende unabhängige Frauen kein so verbreitetes Bild, jedenfalls nicht so sehr, als das diese sich keine dummen Sprüche hätten anhören müssen. Wobei die Entstehungszeit des Buches (das von Margaret Atwood stammt, aus dem Jahr 1985) da wohl auch nicht mehr so schlimm war. Zumindest in unserem Teil der Welt, woanders mag es auch heutzutage noch ganz anders aussehen.

Dennoch finde ich es etwas zu kurz gedacht, würde man die Geschichte nur darauf beschränken, als Spiegel für die Frauensituation der Welt zu dienen. Allgemein wird hier auch gezeigt, wie man auch in einem System der totalen Kontrolle und Unterdrückung immer noch Hoffnung schöpfen kann, und auch muss, um als Mensch nicht nur vor sich hin zu vegetieren. Somit hat die Serie, bzw. das Buch auch noch eine allgemeinere Thematik.

Erstaunlich ist ja auch, dass niemand glücklich ist mit der Situation. Nicht die eigentlichen Ehefrauen der Elitemänner, da diese keine eigenen Kinder bekommen können und ebenso unter der Rolle leiden, die Frauen zugedacht werden. Die Mägde sowieso nicht. Aber auch die Männer flüchten sich in die alten Muster zurück und halten sich nicht strikt an die Vorgaben ihrer eigenen Religion (was man ja auch von einigen Kirchenmännern unserer Welt behaupten könnte). Die Einzige, die etwas zufrieden mit dem System zu sein scheint, ist die Vorsteherin der Mägde.

Eine etwas positivere Note bekommt das ganze auch noch dadurch, dass – Spoiler voraus – im Buch wohl klar ist, dass die Republik Gilead den Zahn der Zeit nicht überlebte, sogar nur recht kurzlebig war. Denn dort wird das Erzählte als Aufzeichnungen der Protagonistin Offred dargestellt. In dem Zusammenhang sei auch noch bemerkt, dass das Buch ziemlich genau so aufhört, wie die erste Staffel der Serie. Offred wird in einen Lieferwagen gepackt, und man weiß nun nicht, ob sie immer noch in den Fängen der Republik …gefangen ist..äh…oder ob sie von Widerständlern gerettet werden konnte. Das ist auch der Grund, warum ich es erst mal bei dieser Staffel belassen werde. Wie Game Of Thrones zeigte, kann eine Serie arg in die Binsen gehen, wenn keine Vorlage mehr da ist. Und ja, ich weiß, dass Margaret Atwood mittlerweile eine Fortsetzung geschrieben hat („The Testaments – Die Zeuginnen“, 2019). Darin geht es aber nicht, soweit ich weiß, um den weiteren Verlauf von Offred. Außerdem kam das Buch ja auch erst nach den nächsten Staffeln heraus. Es kann dennoch sein, dass das immer noch eine gute Serie geblieben ist, ich habe aber das Gefühl, sie hat nicht mehr so einen Eindruck gemacht, wie noch am Anfang.

Von der produktionstechnischen Seite kann man der Serie keinerlei Vorwurf machen. Das Kostümdesign ist schlicht, aber ziemlich genial. Da braucht es einen nicht zu wundern, dass die Uniformen der Mägde zu politischem Protest genutzt wurden. Schnell zu kopieren und ein totaler Blickfang.

Die Farbentsättigung passt zur Stimmung, auch wenn es in meinen Augen viel zu viel davon zur Zeit zu sehen gibt. Wären volle Farben nicht ein noch größerer Kontrast zum gezeigten System und würden es dadurch noch mehr bloß stellen?

Dadurch, dass Offred oft nicht sprechen darf, gibt es viele Großaufnahmen, um die Emotionen einzufangen. Zudem nimmt man so auch sehr häufig ihren Blickwinkel ein, wodurch die Umgebung noch bedrohlicher/bedrückender wirkt.

Elisabeth Moss muss, wie erwähnt, viel Emotion ohne Worte rüberbringen. Das schafft sie ziemlich gut, auch wenn es für den Zuschauer manchmal etwas klaustrophobisch wirkt, sie so häufig direkt im Gesicht zu haben. In „The West Wing“ spielte sie die jüngste Präsidententochter, der große Durchbruch gelang ihr dann aber in „Mad Men“, eine gestandene Serienreckin also. Auf die große Leinwand (wie lange man das wohl noch schreibt, angesichts von Corona, Kinoschließungen und direct-to-streaming-Veröffentlichungen?) hat sie es auch geschafft, lange allerdings nur in kleinere Rollen. Dieses Jahr jedoch schon in der Hauptrolle von „The Invisible Man“, einer Neuauflage des klassischen „Der Unsichtbare“, und bald auch in einem Wes Anderson-Werk zu sehen. Dennoch sollte ihre Beteiligung in „Suburban Commando“ nicht verschwiegen werden, einem Hulk Hogan – Kinderfilm, in dem sie allerdings nicht einmal einen Rollennamen spendiert bekam.

Joseph Fiennes spielt den Gegenspieler Offreds. Also nicht nur ihren derzeitigen Hausherren, sondern stellt auch das Gesicht für das gesamte System dar. Nach außen hin ein treuer Prinzipienreiter, aber eigentlich genauso verkommen, wie die ganze Elite Gileads. Er schafft es gut, immerzu eine Bedrohung aufzubauen, auch, wenn er eigentlich nur eine Partie Scrabble spielen will. Joseph Fiennes ist der jüngere Bruder von Ralph Fiennes (und eine gewisse Familienähnlichkeit kann man nicht verschweigen), aber braucht sich hinter diesem nicht verstecken. Man sieht ihn oft in historischen, oder historisch angehauchten Filmen, wie „Elizabeth“, „Shakespeare In Love“ oder „Der rote Baron“ (ja genau, der mit dem Schweigerhöferschen Duo…)

Yvonne Strahovski hat die Rolle der eigentlichen Ehefrau des Haushalts,die zwar unfruchtbar ist, aber dennoch auf Seiten des Systems steht. Wobei sie eigentlich zwischen den Stühlen steht. Als eigentliche Mitbegründerin der Religion um Gilead hat sie mittlerweile nicht mehr viel mehr zu tun, als darauf zu hoffen, dass ihre Magd bald ein Kind gebärt, um das sie sich dann kümmern kann. Passend dann also die wechselnden Gefühle, die sie gegenüber der Magd hegt. Strahovski war in „Chuck“ und „Dexter“ dabei, und letztens erst in „The Predator“, wo sie aber nur die eher kleine Rolle der Mutter hatte. Wobei man diesen Film nun nicht wirklich im Portfolio haben müsste. Dann schon eher die Beteiligung an der „Mass Effect“-Videospielreihe.

Alexis Bledel, die ewige Rory Gilmore, spielt eine lesbische Magd, die Teil des Widerstandes zu sein scheint, und kommt wohl auch in späteren Staffeln noch vor. Ihr Charakter in der ersten Staffel ist zunächst streng und zurückhaltend, taut dann aber irgendwann auf.

Ann Dowd ist Tante Lydia, die Vorsteherin der Mägde. Sie ist zwar einerseits für Gehirnwäsche, Umerziehung und Bestrafung zuständig. Andererseits nimmt man ihr ab, dass sie wirklich an Gilead und dessen Ideale und Notwendigkeit glaubt und so vermutlich die einzige ehrliche Figur des Systems. Gleichzeitig aber auch so unglaublich hassenswert. Ann Dowd verkörpert das auch unglaublich gut. Man könnte sie in „Philadelphia“ mit Tom Hanks und Denzel Washington gesehen haben, oder in „Bushwacked“, einer ganz furchtbaren „Komödie“, in der Daniel Stern seinen Charakter aus den Kevin allein – Filmen anders zu vermarkten versucht, sehen. Oder in einer ganzen Reihe anderer Filme. Vor zwei Jahren war sie zum Beispiel auch im Hexenhorror „Hereditary“ dabei.

Samira Wileys größter Erfolg vor „The Handmaid´s Tale“ dürfte „Orange Is The New Black“ gewesen sein. Sie spielt hier die ehemals beste Freundin Offreds, die zunächst gegen die Gileadaner rebelliert, später dann aber in einer gänzlich unrebellischen Lage endet.

„The Handmaid´s Tale“ bietet also keine leichte Popcorn-Unterhaltung. Man muss sich Zeit nehmen für die Serie und kann sie nicht so nebenher schauen. Die 10 Folgen der ersten Staffel sind aber spannend und nehmen einen mit. Ich kann es empfehlen. Zum einen wird hier eine ziemlich unschöne Welt gezeigt, aber es schwingt auch ein hoffnungsvoller Ton mit. Nicht immer, aber hin und wieder.

Wer weiter schauen möchte, kann das gerne machen, drei Staffeln wurden bislang veröffentlicht und die vierte sollte eigentlich gerade gedreht werden, Corona-bedingte Verzögerungen müssen aber eingerechnet werden.

 
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Verfasst von - Juni 18, 2020 in Serientagebuch

 

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Kais Buchtagebuch – Wolf Haas – „Auferstehung der Toten“ (Deutschland, 1996)

Kais Buchtagebuch – Wolf Haas – „Auferstehung der Toten“ (Deutschland, 1996)

So, mittlerweile sind Urlaub, Praxisbesuche und Berichte überstanden. Nun kann ich mich wieder den Tagebüchern widmen. Es ist einmal mehr etwas Kriminalistisches geworden.

„Auferstehung der Toten“ ist der erste Roman von Wolf Haas, und ebenso der erste Brenner-Fall, den Haas veröffentlichte.

Simon Brenner ist ein ehemaliger Kriminalinspektor der Wiener Polizei, der zur Zeit als Detektiv einer Versicherungsagentur arbeitet. Den Dienst hatte er quittiert, weil er mit seinem neuen Vorgesetzten nicht klar kam, oder umgekehrt. Zumindest spielten Brenners wasserblaue „Tschechenaugen“ eine Rolle im Konflikt.

Der erste Fall, den Brenner nun bearbeiten muss, ist zufälligerweise genau der letzte Fall, den er in seiner Eigenschaft als Polizist bearbeitet hatte. In Zell am See war ein älteres, amerikanisches Ehepaar in einem Skilift gefunden worden. Dummerweise hatten sie die Nacht in diesem verbringen müssen, und dümmererweise war es tiefster Winter. Die beiden waren also gut durchgefrorene Eisblöcke, ohne Puls und Atem.

Das Ehepaar waren die Schwiegereltern des Dorfbonzen Vergolder. Eigentlich Antretter, aber alle nannten ihn nur Vergolder. Vermutlich seiner Profession wegen, und seines Geldes.

Brenner jedenfalls hat nur wenig bis gar keine Spuren. Weder als Polizist, noch ein dreiviertel Jahr später als Detektiv. Stört ihn eigentlich nicht so sehr, sein Geld bekommt er dennoch. Aber dann führt er doch noch einige Gespräche, die er bislang nicht führte, und lernt einige Leute kennen, die er bisher nicht kannte. Und nach und nach tun sich vereinzelte kleine Risse auf, die sich immer weiter vergrößern und das Geheimnis enthüllen.

Der Brenner ist schon eine spezielle Figur. Meistens mürrisch, von Migräne geplagt, und etwas maulfaul. Dennoch scheint er eine unwiderstehliche Anziehung auf das weibliche Geschlecht haben. Seine Gedanken scheinen oft abzuschweifen, und sich an Nebensächlichkeiten aufzuhalten, was einer der Gründe für das Missfallen seines Vorgesetzten ist. Nun mag man geneigt sein, Übereinstimmungen zwischen Brenner und Haas zu suchen. Da ich den Autoren nicht kenne, kann ich da kaum etwas dazu sagen, wohl aber dies: Brenner ist ca. 10 Jahre älter als Haas, weil diesem dieses Alter fremd ist und es ihn darum interessiert. Wenn man nun kein Herz für einen kleinen Grummler hat, wird man sich als Leser mit Brenner etwas schwer tun.

Etwas anderes, woran mancher sich gewöhnen muss, ist Haas´ Schreibstil. Das ganze liest sich nicht wie ein üblicher Roman, sondern mehr wie eine Geschichte, die ein kauziger Kerl in einer Kneipe erzählt. Kurze Sätze, Umgangssprache, dialektische Einfärbungen, ständige Abschweifungen. Das widersetzt sich nicht nur den üblichen (Krimi-)Lesegewohnheiten, sondern lässt auch manchen Hinweis auf den Fall im allgemeinen Gemurmel untergehen. Da schadet es nicht, aufmerksam zu sein. Und es schadet nicht, das Büchlein noch ein zweites mal zu lesen. Denn es ist ganz interessant zu sehen, was sich alles schon andeutet, und zudem macht es ja auch Spaß. Denn letzten Endes ist das ein guter, aber auch recht kurzer Roman, der kauzige Charaktere zu bieten hat, und viel Atmosphäre verströmt.

Die Brenner-Reihe hat es mittlerweile schon auf 8 Einträge geschafft. Der letzte („Brennerova“) erschien vor 6 Jahren. Bislang sieht es nicht nach einem neunten Buch aus, aber wer weiß. Immerhin kündigte Haas schon einmal an, keine mehr zu schreiben (zugegeben, das war ein fiktiver Wolf Haas, der das sagte). Also gilt es, die Hoffnung nicht aufzugeben.

Gelesen habe ich die Ausgabe des Rowohlt Taschenbuch Verlags, welches von einem sehr hübschen Cover geziert wird, für das Notburga Stelzer verantwortlich ist. Die Illustration stammt von Jürgen Mick.

 
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Verfasst von - März 11, 2020 in Buchtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

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Kais Filmtagebuch – „Basta – Rotwein oder Totsein“ (Deutschland/Österreich, 2004)

Hui, jetzt kommt was aus den Untiefen meiner Festplatte. Ist schon ein paar Tage her als ich es schrob…

Hin und wieder kommt es vor, dass ich einen Film in meiner Merkliste habe, den ich schon komplett vergessen habe. Und dann stolpert man auf einmal über dieses gute Stück das einem dereinst empfohlen wurde. Also macht sich der pflichtbewusste Tagebuchschreiberling natürlich sofort ans Werk, schaut „Basta“ an und tut der Welt seine Meinung kund.

Der Film beginnt, wo andere Filme aufhören, nämlich beim dramatischen Höhepunkt einer Geiselnahme vor der Gefängnistür. Die Polizisten haben die Waffen schon gezückt, und der Geiselnehmer (Oskar, unser Held), hat seine Geisel im Schwitzkasten. Seine Kumpels wollen ihn gerade abholen kommen, bzw. warten auf der Straße im Fluchtwagen. Das Einzige, was Oskar davon abhält, abzudampfen, ist Maria. Diese ist nicht nur die Gefängnispsychologin, sondern führt auch ein eher privates Verhältnis zu ihrem Patienten. Sie legt ihm Nahe, die Waffe sinken zu lassen, und zwei Jahre hinter Gittern zu sitzen, denn dann würde sie auf ihn warten. Im anderen Fall würde er sie nie bekommen. Nach kurzem Zögern hört Oskar auf die Gute und lässt sich überwältigen.
Als nächstes sehen wir das traute Zusammenwohnen der beiden Süßen. Das heißt Oskar kocht und Maria putzt Zähne. Ganz offensichtlich sind die 2 Jahre schon vergangen. Und sie unterhalten sich darüber, dass Oskar mit seiner verbrecherischen Laufbahn abschließen soll, und das Paar dann von dannen fährt. Zwei Polizisten, einer schweigsam, der andere japanisch lernend, hören die beiden ab. Die haben wohl sehr viel Vertrauen in die heilende Wirkung eines Gefängnisaufenthalts.
Schnitt auf ein Auto in dem zwei Heinis sitzen. Der eine ist Moritz Bleibtreu, wird in Zukunft aber Valentin genannt, der andere ist Belmondo, ein gut beleibter Gangster mit stark wienerischem Akzent (wen wundert’s, spielt die ganze Chose doch auch in Wien). Beide warten auf Oskar, um dann zu tun, was das Gangsterleben erfordert. Dieser jedoch hat gerade noch ein Gespräch mit der Verlegerin (und Freundin von Maria) Diana. Was genau in Oskars Buch „Secréts“ stehen soll, wird uns (noch) nicht verraten. Nach einem Handyanruf von Valentin macht sich Oskar auf den Weg zu den beiden, die schon ohne ihn anfangen dürfen. Auftrag des Dreiergespanns ist die Beschaffung der toten Tochter ihres Chefs/Mafiaoberhaupts Konstantin.
Beim Abliefern der Toten stellt Konstantin klar, dass er den Drogendealer Leo, frischgebackener Witwer und sein ehemaliger Schwiegersohn, nun gerne, da ja seine Tochter tot sei, auch unlebendig gemacht sehen will. Dazu beauftragt er Oskar und stellt ihm seinen Neffen Valentin zur Seite. Doch bevor es soweit kommen kann, müssen die beiden erst noch Schutzgeld eintreiben (die beiden Polizisten natürlich immer hinterher). Dabei kommen sie auch bei Dianas Verlag vorbei, denn Oskar will ihr sein Manuskript vorbeibringen. Valentin weiß nichts von Oskars Buchplänen, und ist auch nicht im Zustand, das mitzubekommen, verliebt er sich doch sofort in Diana.
Dass es mit Diana und Valentin was Ernsteres werden könnte, sieht man auch schon daran (mal abgesehen von einem Kuss), dass er sie zur Beerdigungsfeier der Gangstertochter eingeladen hat (obwohl da eigentlich der ganze Cast dabei ist, also ist es vielleicht doch nichts Besonderes). Im Zuge der Totenfeier und des Leichenschmauses bittet Oskar Konstantin darum, den Leo-Mord nicht machen zu wollen, sondern seine illegale Laufbahn beenden zu dürfen. Konstantin besteht aber darauf, dass er die Leo-Angelegenheit praktisch als letzten Auftrag ausführt.
Als Maria von dem Angebot erfährt, ist sie nicht begeistert. Ihr wäre es lieber, sie und Oskar würden gleich fliehen, ohne dass jemand sterben müsste. Der Streit artet derart aus, dass sie sich verabschiedet und die Nacht bei Diana zu verbringen gedenkt.
Die ist aber gerade mit dem Valentin in ihrem Bett beschäftigt. Er trägt ihr sogar ein selbstverfasstes Gedicht vor, aber sie ist vielmehr an seiner Waffe interessiert. Im Gegensatz zu Maria nämlich steht sie den verbrecherischen Tätigkeiten ihres Schatzies offenbar offen gegenüber. Die traute Zweisamkeit wird jäh von Marias Türklingeln unterbrochen. Während Diana versucht, ihre Freundin im Wohnzimmer zu trösten, entdeckt Valentin beim Ankleiden Oskars Manuskript und vermutet Verrat (ich meine, ein Mafiosi, der sein Buch „Secréts“ nennt, ist selbst schuld, wenn es Komplikationen gibt). Da allerdings im Manuskript nur die Danksagung steht, kann er auch nicht weiter eruieren, worum es geht. Aber angepisst ist er jetzt. Missgelaunt stapft Valentin ins Wohnzimmer, gibt Maria Leos Adresse (weil sie lieb gefragt hat vermutlich. Jetzt jedenfalls kann sie versuchen Leo zu warnen) und verpasst Diana eine ordentliche Watschen.
Natürlich fährt Valentin schnurstracks zu Konstantin und erzählt dort vom Verräterbuch. Der ist mehr als nicht begeistert und möchte gerne das gesamte Manuskript (das sich im Verlag befindet) in seinem Besitz wissen. Gleichzeitig fände er es auch echt knorke, wenn Oskar das Zeitliche segnen würde.
Leo dieweil ahnt, dass er nicht mehr lange zu leben hat und erwartet sogar schon Oskar als Assassine. Sein Plan zum Selbstschutz: Entführung von Oskars Freundin. Zum Glück klingelt die gerade an der Tür (da sie ja Leo zur Flucht bewegen will). Da kommt es auch noch gerade recht, dass Oskar anruft, und ein Treffen ausmachen will. Also gibt es ein kleines Gangstermeeting in einem Parkhaus zwischen Oskar und Valentin (der noch nicht wirklich an Verrat glauben mag) und Leo und seinen Bubis. Oskar bietet Leo an, dass er ihn entkommen lässt (damit Maria nicht mehr wütend auf ihn ist), aber Leo dreht den Spieß um, führt seine Mariageisel vor, der es sichtlich nicht gut geht, und fordert von Oskar, dass dieser verschwindet.
Auf der Rückfahrt ist Oskar nicht gut drauf. Valentin konfrontiert ihn mit dem Verräter-Verdacht. Es kommt zu einem Unfall. Als Oskar wieder aufwacht, liegt er in einem offenen Sarg und blickt in die Mündungen verschiedener Waffen und in die missgelaunten Gesichter von Konstantin, Valentin, Belmondo und Co. Oskar gesteht auf Nachfrage, dass er ein Buch geschrieben hat und gern veröffentlichen möchte, es sei allerdings ein Kochbuch. Das glaubt natürlich niemand. Konstantin trollt sich und gibt Valentin die Lizenz zum Töten, um nach verrichteter Arbeit gemeinsam mit Belmondo das Buch aus dem Verlag zu holen. Oskar jedoch gelingt es, Valentin von seiner Unschuld zu überzeugen, oder zumindest ihm eine Frist zu geben, bis er (also Valentin) einen Blick in das Buch geworfen hat.
Valentin und der wienerische Belmondo fahren also zum Verlag, um dort mit Diana zu reden und das Manuskript zu holen. Valentin möchte sich bei Diana entschuldigen, doch leider mischt sich Belmondo immer wieder ein. Irgendwann reicht es Diana und sie erschießt Belmondo. Das führt nicht nur dazu, dass dieser tot ist, sondern auch zur Versöhnung zwischen Diana und Valentin.
Leo inzwischen ruft Oskar an und möchte von ihm zusätzlich zu seinem Verschwinden auch noch gerne ne Millionen. Und Oskar solle sich beeilen, denn er wisse nicht, wie lange Maria noch das Waterboarding (und andere Folterei) aushält. Oskar selber hat natürlich nicht so viel Geld. Deshalb hebt er es von Konstantins Privatkonto ab. Als Konstantin davon erfährt, ist er noch unbegeisteter und befiehlt eine mafiöse Großrazzia.
Oskar trifft, von Valentin angerufen, im Verlag ein. Die drei überlegen sich einen Plan, wie sie den dicken Belmondoleichnam loswerden können. Doch gerade mitten in der schönsten Leichenschieberei kommen die zwei Superbullen. Allerdings nur, um Diana ein Manuskript zu geben, dass der schweigsamere der beiden über den Polizeialltag geschrieben hat. Nach kurzem Gerede verziehen sich die beiden auch wieder.
Oskar macht mit Leo die Geldübergabe in der Küche eines ihm bekannten Restaurants ab. Dieser kommt natürlich auch gleich mit seinen Leuten (die er allerdings vor der Hintertür stehen lässt). Während also Leo und Oskar über alte Zeiten reden (scheinbar erschoss Leo einen Freund von Oskar), befreien Diana und Valentin Maria aus Leos leichtbewachtem Versteck (nur zwei Heinzls sind da um aufzupassen). Nach dem Anruf Valentins schnappen sich Oskar und die Köche Leo, fesseln ihn und legen ihn auf einen Tisch.
Frohes Wiedersehen von Maria und Oskar in der Restaurantsküche. Maria entdeckt den zu backen fertig bereiteten noch lebenden Leo, und beschließt, ihn, wenn er durch ist, zu essen. Oskar allerdings hatte nie vor, in zu Tode zu backen, sondern ihm nur Angst zu machen.
Währenddessen betreten im Essbereich des Restaurants die beiden Polizisten das Gebäude, die nun von Valentin und Diana daran gehindert werden, in die Küche zu gehen. Das ist den Polizisten egal, das wollten die nämlich ohnehin nicht. Sie haben noch ein zweites Manuskript für Diana dabei. Schließlich betritt auch noch Konstantin mit seinen Schergen das Restaurant. Doch bevor er die Polizisten, deren Manuskript eine detaillierte Beschreibung der Wiener Mafiawelt ist, aufmischen kann, schiebt Oskar den halbgaren Leo herein (schön im Blätterteigmantel). Eine angespannte Situation mit vielen gezogenen Waffen. Maria, die Leo ein Messer ins Bein rammt, da sie ihn immer noch essen will, löst die Katastrophe aus. Leo nämlich, da ja nicht tot, schreit auf und alle schießen auf ihn. Jetzt ist er tot, und kann somit nicht miterleben, wie seine treuen Mannen durch die Schußgeräusche aufgeschreckt hereinstürmen und eine Schießerei entbrennt. Am Ende bleibt nur Oskar, als einzig Überlebender übrig.
Doch keine Angst, das ist gar nicht passiert. Wir befinden uns wieder bei der anfänglichen Geiselnahme, die ganze Handlung danach war nur die Vision von Oskar. Nachdem er den dramatischen Ausgang erkannt hat, beschließt er, doch lieber mit seinen Jungs (Valentin wie wir jetzt wissen) abzuhauen und nicht mit Maria zusammen zu kommen.
Der Abspann zeigt dann Szenen, wie sie in dieser Version der Geschichte passieren (so lernen sich Valentin und Oskar dennoch richtig kennen, nur unter anderen Umständen, und Leo kokst sich in den Tod).
Ich wollte eigentlich aus dem Film nur einen recht kurzen Tagebucheintrag machen. Leider bin ich daran gescheitert, obwohl ich schon etliche Szenen weggelassen habe (nicht nur, um nicht so viel schreiben zu müssen, sondern auch, um die Gags nicht zu verraten).
Der Film ist nicht schlecht, aber etwas surreal, naja, vor allem das Ende. Das Drehbuch wartet mit einigen kuriosen Einfällen auf, die gut zu Unterhalten wissen. Leider zünden nicht alle Dialoge. Wenn sich Valentin und Oskar beim Autofahren über den Einfluss des Kochens auf die Kultur unterhalten, und Amerika deswegen als kulturlos bezeichnen, merkt man dem ganzen zwar an, dass es gerne ein Pulp Fiction sein möchte (Stichwort Quarterpounder with Cheese), aber das kommt ein wenig unvermittelt und wird auch nicht auf eine ganz so coole Weise rübergebracht. Auch Marias Entschluss, ihren ehemaligen Peiniger unbedingt essen zu wollen, wirkt ein wenig zu abgehoben und wirkt auch nicht wie ein nachvollziehbarer Charakter-Turn. Immerhin stand sie ja immer für eine gewaltfreie Lösung ein. Gut, wer sich mit einem Mafiosi einlässt und sich dann beschwert, dass er das verbrecherische Tun nicht sein lassen kann, hat vielleicht ohnehin einen an der Waffel.
Das heißt jetzt nicht, dass der Film unlustig ist. Es gibt gute Pointen, vor allem wenn der österreichische Humor und der wienerische Dialekt in den Vordergrund treten, aber man merkt oft, dass der Film gerne noch ein wenig mehr wäre.
Das liegt nicht unbedingt an den Schauspielern. Henry Hübchen (bekannt aus „Alles auf Zucker“, „Commisario Laurenti“ und mehr) gibt den Mafiosi Oskar, dem kochen über töten geht. Er ist eher ruhig und gesetzt. Beides Eigenschaften, die nicht unbedingt zu Mafiosi oder Koch passen, aber immerhin ein Sympathieträger.
Corinna Harfouch (Maria) hat im Prinzip nicht zu tun. Am Anfang ist sie friedliebend, gerät dann in die Fänge eines Folterknechts und möchte ihn daraufhin essen. Wie gesagt, mit diesem seltsamen Umschwung tu ich mich schwer. Jemanden zu essen wirkt schon arg übertrieben. Dafür kann Frau Harfouch selbst ja nichts, aber sie kann eben auch nur wenig zeigen, wird sie ja hauptsächlich gefoltert. Als Magda Göbbels in „Der Untergang“ hat sie mir deutlich besser gefallen.
Zu Moritz Bleibtreu (Valentin) muß ich ja wohl nicht mehr viel sagen. Hier wirkt er routiniert, aber er glänzt nicht auf. Dennoch ist es immer wieder nett, ihn auf der Mattscheibe zu sehen.
Und Nadeshda Brennicke (Diana) sieht nicht nur ziemlich gut aus, sondern spielt auch richtig gut. Schade, dass sie nicht in größeren Produktionen spielt, sondern größtenteils für TV-Produktionen arbeitet. Ein Film in ihrer Vita interessiert mich dann aber dennoch, nämlich „Der Bär ist los! Die Geschichte von Bruno“, aber mehr aus kuriositätischen Gründen.
Noch ein Wort zur Musik. Diese klingt oftmals balkanesk, was ja verständlich ist, ob der osteuropäischen Mafia. Allerdings fehlt ein Lied, das im Ohr hängen bleibt. Das hätte die eine oder andere Szene vielleicht zusätzlich aufgepeppt.
Den Film darf man ruhig einmal anschauen. Und auch zweimal. Auch wenn nicht alles unbedingt so funktioniert, wie sich die Macher das vielleicht gedacht haben, kann man nicht sagen, dass es schlecht ist, oder nicht zu unterhalten weiß.

 
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Verfasst von - November 14, 2019 in Filmtagebuch

 

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