RSS

Archiv der Kategorie: Kurzes Tagebuch

Kais Buchtagebuch – Wolf Haas – „Auferstehung der Toten“ (Deutschland, 1996)

Kais Buchtagebuch – Wolf Haas – „Auferstehung der Toten“ (Deutschland, 1996)

So, mittlerweile sind Urlaub, Praxisbesuche und Berichte überstanden. Nun kann ich mich wieder den Tagebüchern widmen. Es ist einmal mehr etwas Kriminalistisches geworden.

„Auferstehung der Toten“ ist der erste Roman von Wolf Haas, und ebenso der erste Brenner-Fall, den Haas veröffentlichte.

Simon Brenner ist ein ehemaliger Kriminalinspektor der Wiener Polizei, der zur Zeit als Detektiv einer Versicherungsagentur arbeitet. Den Dienst hatte er quittiert, weil er mit seinem neuen Vorgesetzten nicht klar kam, oder umgekehrt. Zumindest spielten Brenners wasserblaue „Tschechenaugen“ eine Rolle im Konflikt.

Der erste Fall, den Brenner nun bearbeiten muss, ist zufälligerweise genau der letzte Fall, den er in seiner Eigenschaft als Polizist bearbeitet hatte. In Zell am See war ein älteres, amerikanisches Ehepaar in einem Skilift gefunden worden. Dummerweise hatten sie die Nacht in diesem verbringen müssen, und dümmererweise war es tiefster Winter. Die beiden waren also gut durchgefrorene Eisblöcke, ohne Puls und Atem.

Das Ehepaar waren die Schwiegereltern des Dorfbonzen Vergolder. Eigentlich Antretter, aber alle nannten ihn nur Vergolder. Vermutlich seiner Profession wegen, und seines Geldes.

Brenner jedenfalls hat nur wenig bis gar keine Spuren. Weder als Polizist, noch ein dreiviertel Jahr später als Detektiv. Stört ihn eigentlich nicht so sehr, sein Geld bekommt er dennoch. Aber dann führt er doch noch einige Gespräche, die er bislang nicht führte, und lernt einige Leute kennen, die er bisher nicht kannte. Und nach und nach tun sich vereinzelte kleine Risse auf, die sich immer weiter vergrößern und das Geheimnis enthüllen.

Der Brenner ist schon eine spezielle Figur. Meistens mürrisch, von Migräne geplagt, und etwas maulfaul. Dennoch scheint er eine unwiderstehliche Anziehung auf das weibliche Geschlecht haben. Seine Gedanken scheinen oft abzuschweifen, und sich an Nebensächlichkeiten aufzuhalten, was einer der Gründe für das Missfallen seines Vorgesetzten ist. Nun mag man geneigt sein, Übereinstimmungen zwischen Brenner und Haas zu suchen. Da ich den Autoren nicht kenne, kann ich da kaum etwas dazu sagen, wohl aber dies: Brenner ist ca. 10 Jahre älter als Haas, weil diesem dieses Alter fremd ist und es ihn darum interessiert. Wenn man nun kein Herz für einen kleinen Grummler hat, wird man sich als Leser mit Brenner etwas schwer tun.

Etwas anderes, woran mancher sich gewöhnen muss, ist Haas´ Schreibstil. Das ganze liest sich nicht wie ein üblicher Roman, sondern mehr wie eine Geschichte, die ein kauziger Kerl in einer Kneipe erzählt. Kurze Sätze, Umgangssprache, dialektische Einfärbungen, ständige Abschweifungen. Das widersetzt sich nicht nur den üblichen (Krimi-)Lesegewohnheiten, sondern lässt auch manchen Hinweis auf den Fall im allgemeinen Gemurmel untergehen. Da schadet es nicht, aufmerksam zu sein. Und es schadet nicht, das Büchlein noch ein zweites mal zu lesen. Denn es ist ganz interessant zu sehen, was sich alles schon andeutet, und zudem macht es ja auch Spaß. Denn letzten Endes ist das ein guter, aber auch recht kurzer Roman, der kauzige Charaktere zu bieten hat, und viel Atmosphäre verströmt.

Die Brenner-Reihe hat es mittlerweile schon auf 8 Einträge geschafft. Der letzte („Brennerova“) erschien vor 6 Jahren. Bislang sieht es nicht nach einem neunten Buch aus, aber wer weiß. Immerhin kündigte Haas schon einmal an, keine mehr zu schreiben (zugegeben, das war ein fiktiver Wolf Haas, der das sagte). Also gilt es, die Hoffnung nicht aufzugeben.

Gelesen habe ich die Ausgabe des Rowohlt Taschenbuch Verlags, welches von einem sehr hübschen Cover geziert wird, für das Notburga Stelzer verantwortlich ist. Die Illustration stammt von Jürgen Mick.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - März 11, 2020 in Buchtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

Schlagwörter: , , , , , , ,

Kais Filmtagebuch – „Open Your Eyes“ (Spanien, 1997)

Es gab ein mal einen Film mit Tom Cruise der da „Vanilla Sky“ genannt wurde. Das war die Zeit in Cruises Karriere, in der er noch nicht der verrückte Stunt/Schauspieler war, aber er war auch noch nicht der verrückte Sofaspringer von Opra.. Und „Open Your Eyes“ ist der spanische Originalfilm dazu. Wer das Remake kennt, wird nur wenig überrascht sein (wer allerdings weder den einen noch den anderen kennt, sollte jetzt aufhören zu lesen, ich nehme keine Rücksicht auf Verluste).

César ist ein reicher, selbstverliebter Schnösel, der mit Nuria eine Affäre hat, aber eigentlich genug von ihr. Dieses Gefühl verstärkt sich noch, als es Sofìa kennenlernt. Mit dieser würde er nun gerne zusammen kommen und zusammenkommen (die Tatsache ignorierend, dass sie mit seinem besten und einzigen Freund eine Beziehung unterhält), und diese scheint auch nicht ganz abgeneigt zu sein. Allerdings möchte es sich César nicht nehmen lassen, noch eine letzte Nacht mit Nuria zu verbringen. Dumm gelaufen, denn Nuria hat andere Pläne. Und so endet die vermeintliche Fahrt ins Liebesnest mit einem (ehrlich gesagt etwas unspektakulärem) Unfall. Nuria ist hin, und Césars Gesicht furchtbar verunstaltet.

Jetzt muss der ehemalige Schönling damit klar kommen, dass ihm die (Frauen-)Welt nicht mehr so ohne weiteres zu Füßen liegt. Auch Sofìa scheint sich von ihm ab und ihrem beinahe Ex wieder zugewandt zu haben. César ist mehr als verzweifelt und bricht betrunken auf der Straße zusammen.

Es gibt aber doch einen Silberstreifen am Horizont. Das Konsortium von Schönheitschirurgen, das César zusammentrommeln ließ, hat nun doch eine Methode gefunden, um das Antlitz wieder rekonstruieren zu können. Vorbei sind die Tage des Narbengewebes, bzw. der unüberzeugenden Maske, die César trug. Auch Sofìa kommt nun zu ihm in die Arme, und so könnte alles friedlich, freudlich und eierküchlich sein, wenn nicht eines Morgens statt Sofìa die totgeglaubte Nuria neben ihm im Bett läge. Und nicht nur das, auch auf Fotos hat diese ihren Platz eingenommen. Als nun auch noch Césars Umwelt Nuria als Sofia identifiziert dreht der gute Mann hohl, und die sicher geglaubte Realität wird immer unwirklicher…

Wie gesagt, wer „Vanilla Sky“ gesehen hat, wird von der Handlung nicht überrascht sein. Die wurde ziemlich genau so übernommen. „Open Your Eyes“ ist aber nicht so ein glatt-gelecktes Hochglanzprodukt und versprüht dadurch etwas mehr Charme.

Das liegt nicht nur an der Besetzung, auch wenn Eduardo Noriega kein so ein People-Magazin-Gesicht hat wie Cruise, zumindest vor dem Unfall. Seine Figur ist allerdings kein Sympathieträger, sondern ein richtiger Arsch. Allgemein sind die meisten Figuren hier keine Sympathiebolzen. Eigentlich niemand…

Penélope Cruz wirkt hier zudem etwas interessierter als ihr Gegenstück im Remake, Penélope Cruz. Mag sein, dass das daran liegt, dass ich den einen Film synchronisiert gesehen habe, und diesen hier nicht…oder aber die Sichtung des Cruise-Vehikels schon etwas länger her ist. Vielleicht sind es ja aber auch nur die vier Jahre Unterschied.

Madrid gibt eine hübsche Örtlichkeit ab, die man noch nicht so oft gesehen hat, auch wenn auf allzu viele Umgebungsshots verzichtet wird. Ich persönlich habe Barcelona schon öfter auf Film gebannt betrachtet.

Alejandro Amenábar kennen die meisten wohl als Regisseur von „The Others“. Hier ist er nicht nur der Regieführende, sondern auch der, dem die Geschichte eingefallen ist (im Traum, wenn man ihm glauben schenken darf, was gar nicht mal so unwahrscheinlich klingt). Andererseits finden sich einige Parallelen zu „Vertigo“.

Wem also der Sinn nach einem Film steht, der munter die Realität in Frage stellt, manchmal etwas verwirrend sein kann, und ein paar Ecken und Kanten hat, dem sei der hier ans Herz gelegt.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - Januar 31, 2019 in Filmtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Kais Buchtagebuch – Peter V. Brett – „Das Lied der Dunkelheit“ (Großbritannien, 2008)

Kais Buchtagebuch – Peter V. Brett – „Das Lied der Dunkelheit“ (Großbritannien, 2008)

Mittlerweile ist es schon einige Zeit her,, dass ich dieses Buch gelesen habe, daher wird das hier und heute wohl etwas kürzer ausfallen als gewohnt. Manch einer wird mir das vielleicht danken, weil er nicht immer so viel lesen möchte. Gut, bitteschön, genau für dich mache ich das so!

Die Welt von „Das Lied der Dunkelheit“ ist unserer eigenen nicht einmal so unähnlich, mit Ausnahme der Dämonen (hier Horclinge genannt…oder eben Dämonen), die Nacht für Nacht wie Nebel aufziehen, und jedes Lebewesen, vor allem natürlich Menschen, angreifen, töten, und essen. Schutz bieten Siegelzeichen, hinter denen die Menschheit die Nächte verbringt.

Der junge Arlen ist (zumindest zu Beginn) die Hauptfigur, der nach dem Tod seiner Mutter, und dem nicht-handeln seines Vaters genug hat, und sich aufmacht, alles über das Bekämpfen der Dämonen zu erfahren. Von diesem Weg lässt er sich nicht abbringen. Leider ist er oft auch ziemlich störrisch und auch ziemlich unsympathisch. Vielleicht hätte ich den Charakter in jüngeren Jahren besser gefunden, aber seine Eigenschaft, nur selten auf Ältere zu hören und kaum zu Kompromissen bereit zu sein, war nervig. Ich muss dem Autor aber zugestehen, dass er ihn dann auch konsequent in dem Sinne weiterentwickelt (die Handlung erstreckt sich über mehrere Jahre). Vielleicht war mein Problem auch, dass er alles auf Anhieb konnte (was das Horcling bekämpfen betrifft).

Später kommt dann noch Leesha hinzu, die sich nicht so richtig wie eine pubertierende Verhält. Dafür ihre Freundinnen umso mehr. Jedenfalls dreht sich bei ihr vieles um ihre Jungfräulichkeit und die Gerüchteküche ihres Dorfes, und irgendwie geht sie mir auch auf den Keks. Erst ziert sie sich ewig (okay, nicht ganz zu unrecht), und am Ende wirft sie sich irgendeinem Typen (der Leser weiß natürlich, wer es ist) an den Hals. Die Geschichte mit ihrer Mutter wirkt wie eine Mischung aus Aschenputtel und schlimmsten Seifenopern. Ähnlich wie bei Arlens Kampf- und Siegeltalenten ist es bei ihr mit der Kräuterkunde.

Und dann gibt es noch Rojer, der ziemlich spät dazu kommt. Dadurch bleibt bei ihm natürlich weniger Zeit für eine ausführliche Hintergrundgeschichte. Aber ehrlich gesagt, hat er mich nicht immer wieder genervt, obwohl auch dieser natürlich eine natürliche Begabung hat, für die er kaum üben musste, wenn ich mich richtig erinnere (Stichwort Rattenfänger von Hameln…nur mit Geige). Seine Karriere als Barde schien mir aber die interessanteste, weil ungewöhnlichste zu sein (ich habe jetzt noch keinen Fantasyroman über einen fahrenden Sänger gelesen). Leider kommt diese zu kurz, vor allem eben, wie schon genannt, weil der Charakter so spät eingeführt wird.

Irgendwann treffen die drei zusammen, und es gibt noch eine längeren Kampf gegen die Dämonen.

Ich habe „Das Lied der Dunkelheit“ vor allem wegen der Prämisse der nächtlich auftauchenden Dämonen lesen wollen, weil mir das ein interessanter Ansatz erschien, und um zu wissen, wie sich das auf die Welt auswirkte. Im Grunde ehrlich gesagt kaum. Gut, nachts sitzen alle zu Hause, und es herrscht eine angespannte Grundstimmung, aber das war es dann auch beinahe schon. Ich hatte das Gefühl, dass da mehr Potential war, und Raum für etwas weniger Klischees. Vielleicht kommt da ja was in den weiteren Teilen, aber so richtig Lust, die jetzt noch zu lesen, habe ich eigentlich nicht. Vielleicht irgendwann, wenn ich gar nichts anderes mehr haben sollte. Immerhin ist die Dämonensaga nach fünf Bänden (im englischen) auch schon beendet, mal die Novellen außen vor gelassen.

Der Schreibstil, beziehungsweise dessen Übersetzung, wirkt recht einfach, dafür aber auch zugänglich. Einzig die Formulierung „fallen in einem Knäuel aus Armen und Beinen zu Boden“ stört mich. Ich finde sie nicht schön, hier unpassend und viel zu oft verwendet. Wie sollen denn bitte zwei Personen ein Knäuel aus Armen und Beinen veranstalten? (Oder war es „Gewirr“? Egal, macht es nicht besser) Das ist mir schon einmal sauer aufgestoßen, ich weiß aber leider nicht mehr, welches Buch, bzw. Übersetzer es war (möglicherweise bei Elspeth Coopers „Lieder der Erde“). Also, falls hier ein Übersetzer mitliest, streicht den Scheiß aus eurem Wortschatz. Es klingt blöd, und lässt alle Beteiligten dumm erscheinen.

Sicher ist jedenfalls, dass die Reihe eine Menge Fans hat. Daher wird man wohl kaum drumherum kommen, sich selbst ein Bild zu machen. Muss ja nicht jeder meinen exquisiten Geschmack haben, auch wenn die Welt dann ein besserer Ort wäre. Für mich.

Gelesen habe ich die Ausgabe des Heyne Verlags, welche einen Umschlag haben, der mich sehr an andere Titel erinnert. Gestaltet wurde dieser von Nele Schütz Design (wie auch „Die Lieder der Erde“). Die Übersetzung stammt von Ingrid Herrmann-Nytko.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - September 24, 2018 in Buchtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

Schlagwörter: , , , , ,

Kais Buchtagebuch – Tanja Kinkel – „Die Schatten von La Rochelle“ (BRD, 1996)

Kais Buchtagebuch – Tanja Kinkel – „Die Schatten von La Rochelle“ (BRD, 1996)

Es gibt Figuren, die sind über ihre ursprünglichen Werke hinaus gewachsen, sodass man diese nicht kennen muss, um sie zu kennen. Darth Vader wäre so ein Beispiel. Ein ikonisches Outfit, ein markantes Auftreten, gut, es hilft in diesem Fall auch, dass Star Wars-Charaktere auf so ziemlich allem abgebildet sind, womit sich Kohle scheffeln lässt. Sherlock Holmes ist ein Beispiel, das durch seine unzähligen Inkarnationen im allgemeinen Gedächtnis ist. Jeder kann etwas mit diesem Namen etwas anfangen. Ebenso ist es mit dem Widersacher der drei Musketiere (und D´Artagnan plus Gastauftritt in Alatriste).

Nun ist der Kardinal nicht die Hauptfigur in „Die Schatten von La Rochelle“, auch, wenn sich die ganze Handlung schlussendlich um ihn dreht. Nein, bisweilen tritt er gänzlich in den Hintergrund und man verfolgt das Tun seiner Nichte Marie von Aiguillon. Und natürlich wäre eine Geschichte dieser Zeit nichts ohne eine zünftige Verschwörung, nämlich den letzten Versuch eines Mordanschlags auf Richelieu, angestoßen von seinem ehemaligen Schützling Cinq-Mars.

Unterbrochen wird die Erzählung immer wieder durch Rückblicke, die die weiteren Hintergründe und den Werdegang des Kardinals erklären (darum verzichte ich hier auch auf eine detaillierte Erläuterung, was es mit der titelgebenden Hafenstadt auf sich hat. Nur kurz, das saßen die Hugenotten drin, und die waren nicht nur wegen ihres Glaubens, sondern auch ihrer Kontakte zu England dem Kardinal ein Dorn im Auge).

Neben den historisch verbürgten Figuren und Tatsachen webt Tanja Kinkel auch das eine oder andere erfundene Element mit hinein. Das ist im Falle des Attentäters ganz stimmig, die Zofe von Marie wirkt allerdings etwas weniger passend, mit ihrer Romanze mit einem missionierten Ureinwohner des amerikanischen Kontinents. Man könnte fast meinen, hier sollen klischeehafte Hausfrauenträume bedient werden. Glücklicherweise kommt das nur ganz am Rande vor.

Richelieu wird hier völlig entgegen seinem Bild aus Musketieren und Co. dargestellt. Er ist zwar ehrgeizig, und scheut sich nicht, drastische Maßnahmen anzuwenden, um seine Ziele zu erreichen, dennoch ist es nicht die pure Boshaftigkeit und Machthunger, die ihn antreibt. Er möchte eigentlich nur die französische Krone, beziehungsweise den Staat Frankreich erhalten.

Nun schrieb ich zwar, dass die Hintergründe erklärt werden, aber längst nicht alle, und es hilft, wenn man zumindest ein wenig Vorwissen hat, oder zumindest die Musketiere schon mal gelesen hat (etwas, das ohnehin jeder mindesten einmal im Leben gemacht haben sollte). Dann versteht man manche Hinweise und Anspielungen auf Begebenheiten und man lässt sich nicht so leicht von den verschiedenen Titeln und Anredeformen der hohen Damen und Herren aus der Fassung bringen. Das sorgt zwar für authentisches Flair, könnte aber den unvorbereiteten Leser etwas auf dem falschen Fuß erwischen. Etwas gewöhnungsbedürftig könnten auch die Perspektivenwechsel innerhalb einer Seite sein.

Noch ein Wort zur Autorin. Tanja Kinkel ist mittlerweile bekannt für ihre historischen Romane (im Februar kommt der neueste davon raus, irgendwas mit den Brüdern Grimm und Morden, und ja, das ist ein zeitlicher Zufall). Das hier ist jedenfalls schon der zweite, den ich von ihr lese. Ich fand das Buch sehr unterhaltsam, leicht verständlich geschrieben (mal von den verschiedenen Titeln und Anreden abgesehen) und fand es nett, mal einen Blick auf den menschlicheren Richelieu zu werfen. Dennoch möchte ich den miesen Schurken nicht missen.

 

Gelesen habe ich die Ausgabe des Goldmann Verlags, für die Umschlaggestaltung zeichnet das Design Team München verantwortlich, unter zuhilfenahme eines Fotos von Artothek/Christie´s, Claude Joseph Vernet.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - Januar 9, 2018 in Buchtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Kais kurzes Filmtagebuch – „7eventiy 5ive“ aka „Dead Tone“ aka „Bloodred Massacre“ (USA, 2007)

Selten habe ich einen Film gesehen mit bescheuerteren Protagonisten.

Irgendwie macht die jugendliche Bande den Eindruck, als wolle sie unbedingt vom axtschwingenden Irren umgebracht werden. Sie schalten dass Licht aus, wenn er kommt, bleiben an Ort und Stelle nachdem sie ihm die Adresse verraten haben und sind sich zu fein die Polizei zu rufen, da diese ja immerhin 45 Minuten brauchen würde um zu kommen. Da kann man ja nur für den Killer sein.
Dann ist noch die Prämisse des Films mehr als doof. Ein Telefonstreich, bei dem man die angerufene Person 75 Sekunden am Hörer halten soll. Wer das nicht schafft ist raus. Und das soll besser sein, als das Trinkspiel, dass sie zuerst gespielt haben? Das bezweifele ich.
Dann noch die Titelsequenz, die mehr als missraten ist. Es ist ja okay, wenn man eine Anfangsszene unterbricht, um Titel und Regisseur einzublenden, aber doch nicht im Sekundentakt bitte. Vor allem dann nicht, wenn selbige Szene ein Mordszenario beschreibt, das durch die ständigen Unterbrechungen nur an Drive verliert und ungewöhnlich langgezogen wirkt.
Der einzige Grund, dessentwegen ich den Film schauen wollte, war Rutger Hauer. Und leider reiht auch er sich als Dumbatz in das Gesamtgeschehen ein. Nicht nur, dass er ab der zweiten Filmhälfte nicht mehr vorkommt, wo doch die beiden Erzählstränge anfangs gleichberechtigt behandelt worden waren. Auch die Polizei, der er ja angehört, ist selten doof und finden die Identität eines Opfers erst heraus, als es schon längst in den Nachrichten bekannt gegeben wird, wer eigentlich der Tote ist.
Fazit: Doofer Film, viele Schwachmatigkeiten. Kein Wunder dauerte es zwei Jahre, bevor der Film auf die Öffentlichkeit los gelassen wurde. Wer einen ernsthaften Film sehen will, sollte die Finger davon lassen, wer aber kein Problem hat, für den Killer zu sein und sich an den Fehlern/Blödheiten ergötzen kann, wird seinen Spaß haben.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - Juni 19, 2017 in Filmtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

Schlagwörter: , , , ,

Kais Filmtagebuch – „El Superbeasto“ aka „The Haunted World Of El Superbeasto“ (USA, 2009)

Wer Rob Zombie kennt, der weiß, dass der Kerl eine unheimliche Vorliebe für B-Splatter-Horror-Filme hat, und diese nicht nur in Songtexten einarbeitet, sondern auch selber gerne mal hinter der Kamera steht („Haus der 1000 Leichen“, die „Halloween“-Neuauflage von 2007). Was in seinen Filmen ebenso deutlich wird, ist seine ganz spezielle Art von Humor. Irgendwann dachte sich Herr Zombie, es wäre doch toll, einen Comic zu machen, und irgendwann später fand er es noch viel toller, daraus einen abendfüllenden Trickfilm ab 18 zu machen.

Drei Jahre lang hat es gedauert, bis das Projekt das Licht der Bildschirme erblickte. Das lag unter anderem an Rechtsstreitigkeiten, andererseits daran, dass zwischenzeitlich noch besagter Halloween-Film abgedreht werden musste, liegen. Es lag aber definitiv nicht an der zeichnerischen Qualität des Films.
Der Zeichenstil ist nämlich eine Mischung aus Ren & Stimpy, Scoobydoo und Spongebob, mit dem Unterschied, dass mehr Blut und Gedärme, und viel mehr Titt…ich meine weibliche, sekundäre Geschlechtsmerkmale zu sehen sind.
Allerdings darf man den Humor nur wenig mit dem der oben genannten Serien vergleichen. Der ist hier nämlich noch flacher und beschränkt sich hauptsächlich nur auf sexuelle Anspielungen. Ich muss jedoch zugeben, dass ich den Film aus technischen Gründen nur auf Deutsch sehen konnte, möglicherweise zünden die Sprüche im Originalton eher. Ein Beweis dafür wären die Songs (ja, es werden andauernd Lied-Montagen gebracht),diese sind im Originalton erhalten, und konnten mich, im Gegensatz zum Rest des Films gut unterhalten. Ich würde „El Superbeasto“ ja gerne unterstellen, dass er im angetrunkenen Zustand unterhaltsamer sei, aber auch das wage ich zu bezweifeln, Meines Erachtens nach ist der Film einfach nur öde (wohlgemerkt auf Deutsch, wenn ihn jemand mal auf Englisch anschauen sollte, kann er sich ja dazu äußern). Immerhin laufen im Hintergrund zahlreiche bekannte Horrorcharaktere herum, und, wie schon gesagt, die Lieder sind ganz gut.
Die Geschichte ist übrigens mehr als bescheuert und eigentlich nicht erwähnenswert, darum nur kurz: Dr. Satan will eine Frau mit besonderem Mal heiraten, um der Superteufel zu werden, aber El Superbeasto will die Alte knallen und deshalb auch retten.

So, genug gesagt. Ich werde mir den Film jedenfalls nicht nochmal anschauen.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - Februar 27, 2017 in Filmtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

Schlagwörter: , , ,

Kais Filmtagebuch – „Conan“ (USA, 2011)

Kais Filmtagebuch – „Conan“ (USA, 2011)

Manche Filme haben schon von Haus aus einen schweren Stand beim Publikum, weil sie eine enorme Last mit sich rumschleppen. Jeder neue James Bond, Star Wars oder Indiana Jones muss gewisse Erwartungen erfüllen, sonst gehen die Zuschauer enttäuscht nach Hause, zu viel davon, und man hat das Gefühl, die Macher hätten sich nichts Neues ausdenken wollen, um leichter an das Geld der Fans zu kommen (Star Wars VII ging in die letztgenannte Richtung, wobei man da ja schon froh war, dass es nicht der Prequel-Trilogie glich). Wenn ein Film dann auch noch so ziemlich den gleichen Titel trägt, wie es bei „Conan“ der Fall ist, wird es schwierig, die Kinogänger für sich zu gewinnen und ständige Vergleiche mit der Schwarzenegger-Version werden quasi provoziert, auch wenn man eine völlig andere Geschichte erzählt.

Na gut, völlig anders ist übertrieben, gewisse Parallelen gibt es dann doch. Bevor der Film beginnt, gibt es einen etwas längeren Prolog. Conans Mutter stirbt gewaltsam. Dann wird er von seinem Vater großgezogen bis er 10 Jahre alt ist. Erst dann wird das Dorf überfallen und alle außer Conan sterben, sodass er nun auf seinen Rachefeldzug gehen kann. Also nicht direkt danach, denn ab der nächsten Szene begleiten wir den erwachsenen Barbaren. Offensichtlich wurde er von Piraten aufgenommen und aufgezogen, und er hat mit diesen schon einige Abenteuer erlebt, bevor er rein zufällig einen der Offiziere (oder so etwas in der Art) des Oberbösen trifft, die seinen Papa auf dem Gewissen haben. Von da an kann man sich jetzt schon im Prinzip vorstellen, wie es weitergeht. Und da es keine hanebüchenen und vollkommenen bescheuerten Ideen mehr gibt, sei das mal als Inhaltsangabe ausreichend, was nicht heißt, dass es keine Kopfpatschmomente gibt (ich meine, wer hebt sein Neugeborenes mitten auf dem Schlachtfeld in die Höhe, wo allerlei Geschosse rumfliegen können?).

„Conan“ hat also keine neue oder klischeebefreite Geschichte zu erzählen, aber eine in vielen Belangen doch andere, als der Film aus den 80ern. Das liegt vor allem an den Figuren.

Conan ist hier alles andere als der stumme Krieger, den man sonst vor Augen hat. Er redet gerne und hat sichtlich Freude an blutigen Matschereien, man könnte fast schon grausam sagen, wenn es die bösen Kerle nicht verdient hätten. Allerdings scheint er auch den Tod von Sklaven, die er eigentlich retten wollte, billigend in Kauf zu nehmen. Wie sonst käme er auf die Idee, riesige Felsbrocken mitten durch die Menge Rollen zu lassen.

Sehr seltsam ist, dass er mir nichts dir nichts von einer Vergiftung geheilt wird. Gegen Filmende kommt er mir auch etwas zu schnell von A nach B, aber nun ja, man will ja auch irgendwann mit dem Dreh fertig werden, nicht?

Leo Howard, der Conan in jungen Jahren zeigt, wirkt überzeugend und nicht einmal nervig, etwas, dass ich befürchtet hatte.

Jason Momoa („Game of Thrones“, „Stargate Atlantis“) liefert einen physisch eindrucksvollen erwachsenen Conan ab, der aber auch recht jung wirkt. Ich hoffe, im normalen Leben trägt Momoa immer Bart. Beeindruckend ist auch, dass er eine Menge seiner Stunts selber machte.

Tamara, die weibliche Hauptrolle, weiß sich zwar auch zu helfen, am Ende aber ist sie doch nicht viel mehr, als die zu rettende Prinzessin. Sie darf nicht einmal die Tochter von Khalar Zym, dem bösen Obermacker, alleine erledigen.

Dargestellt wird sie von der hier verdammt gut aussehenden Rachel Nichols („Continuum“, „Criminal Minds“), die zum Schluss zeigen darf, wie toll sie schreien kann, und sonst auch ein gewisses Talent zur Komödie zeigt.

Wo wir schon bei Khalar Zym sind, er möchte nicht (nur) die Welt beherrschen, sondern auch sein Hexenfrauchen wiederbeleben. Das erhofft er mit Hilfe einer unglaublich hässlichen Maske zu erreichen. Was ich nicht verstehe, ist, warum er überall hin sein Schiff mitnehmen muss. Das erscheint mir wenig effektiv, das immer von einem Dutzend Elefanten tragen zu lassen. Immerhin hat er ein interessantes Schwert.

Stephen Lang („Gettysburg“, „Avatar“) hatte sichtlich Spaß daran, wieder einmal einen Bösen zu spielen. Da sieht man dann auch gerne zu. Er scheint auch ein begabter Schwertkämpfer zu sein.

Seine ebenso hexisch begabte Tochter Marique steht den Wiedererweckungsplänen etwas negativer gegenüber, möchte sie doch ihren Vater für sich alleine haben. Das wirkt zwar befremdlich, verleiht ihr aber doch etwas mehr Tiefe, als man erhoffen durfte.

Rose McGowan („Charmed“, „Planet Terror“) ist kaum zu erkennen unter ihrer Maske. In der Tat hat diese wohl am Anfang nicht richtig gepasst, sodass man ihr am ersten Drehtag noch einen schwarzen Balken ins Gesicht geschminkt hat, um die Übergänge zu vertuschen. McGowan hätte den Elektrakomplex (wie Ödipuskomplex nur mit vertauschten Geschlechterrollen) wohl gerne noch etwas weiter ausgebaut, aber da ging dann das Studio dazwischen. Auch sie spielt mit sichtlicher Freude und konnte aus dem eigentlich geplanten „Farique“ beim Casting eine „Marique“ machen.

Die restlichen Bösen bekommen nicht wirklich Namen, aber sehen doch alle unterschiedlich hässlich aus. Irgendwie scheint man aber zu viele erdacht zu haben, da zumindest einer davon mehr so nebenbei erledigt wird. Achja, Ron Perlman ist Conans Vater, likeable wie eh und je.

Regisseur Marcus Nispel scheint ein Faible für Neuauflagen von Filmen zu haben, gehen doch auch der 2009er „Friday, the 13th“ und der Michael Bay produzierte „The Texas Chainsaw Massacre“ auf sein Konto. Zum Glück entscheidet er sich, bzw. bringt es durch, einen blutigen Barbarenfilm zu drehen.

„Conan“ ist ein Film fürs Auge, nicht fürs Hirn. Es gibt viele verschiedene Völker zu sehen, die auch noch alle verschiedene Masken und Kostüme tragen. Dazu gibt es einen Haufen wirklich großartiger Matte Paintings zu sehen, und wenn es die nicht hat, dann eine hübsche bulgarische Landschaft. Wenn man es schafft, den „Conan“ hier nicht ständig mit dem Schwarzenegger-Vehikel zu Vergleichen, dann kann man die kurzweilige Unterhaltung gut goutieren. Ein Meisterwerk ist es nicht, aber doch besser, als ich dachte, solider oberer Durchschnitt. Wäre er nur anders betitelt worden („Sword of Conan“ vielleicht, oder „Conan – A New Tale“).

Achja, ich habe „Conan“ nicht in 3D gesehen, dazu kann ich also nichts sagen.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - Dezember 11, 2016 in Filmtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,