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Kais Serientagebuch – „The Handmaid´s Tale – Der Report der Magd“ Staffel 1 (USA, 2017)

Kais Serientagebuch – „The Handmaid´s Tale – Der Report der Magd“ Staffel 1 (USA, 2017)

Es heißt ja, man solle keine Bücher verschenken, die man nicht selbst gelesen hat, ebenso wie man keiner Statistik glauben solle, die manch nicht selbst gefälscht habe. Nur, zumindest ersterem kann ich doch insofern widersprechen, als dass ich der Meinung bin, dass man ruhig ein nicht-selbstgelesenes Buch verschenken kann, weiß man genügend über Inhalt und die zu beschenkende Person. So kam es nun also, dass ich meiner Mutter „Der Report der Magd“ dereinst zu, ich glaube es war Weihnachten, schenkte. Sie fand es gut, so gut, dass sie mir im Gegenzug die erste Staffel der Serie zukommen ließ, im Gegenzug ohne eigene Sichtung. Es war also beide Male ein, naja, nicht Blindflug, mehr so, wie ein Flug durch einen nicht ganz so dichten Nebel, und sämtliche Radarsysteme funktionierten ohne Probleme.

Die Geschichte dürfte mittlerweile einem ziemlich breiten Publikum bekannt sein, war doch die Serie vor ein paar Jahren ein ziemlicher Hit, daher werde ich nur kurz beschreiben, worum es geht.

Die vereinigten Staaten gibt es nicht mehr, an ihre Stelle ist ein Regime namens Gilead getreten. Dieses ist ein fundamentalistischer Staat, mit grob christlichen Wurzeln, welche aber nicht deckungsgleich mit unserer Bibelauslegung sein dürfte. Das liegt vor allem daran, dass die Weltbevölkerung dieser nicht allzu-fernen Zukunft ziemlich unfruchtbar geworden ist. Warum genau, weiß man nicht, man kann aber davon ausgehen, dass der schlechte Zustand der Natur mit ein Grund ist. Hinzukommt eine wirtschaftliche Krise, ein bisschen Getrickse mit einem Anti-Terror-Gesetz, und schwupps sind die Fundis an der Macht (okay, es brauchte auch noch etwas Waffengewalt). Jedenfalls werden die letzten fruchtbaren Frauen zusammengetrieben und in Lager gesteckt, wo eine Gehirnwäsche dafür sorgen soll, dass sie sich ihrem gottgewollten Schicksal ergeben, nämlich der Elite als Gebärmaschinen zu dienen und sämtliche persönliche Interessen völlig in den Hintergrund zu stellen, um nicht zu sagen völlig zu unterdrücken. Alles natürlich im Namen Gottes.

Die Handlung folgt dabei einer dieser Mägde. Dabei wird hier mehrgleisig vorgegangen. Zum einen wird gezeigt, wie sie sich in der neuen Situation und Umgebung zurecht finden muss, zum anderen werden auch Teile ihrer Vergangenheit gezeigt, also nicht nur, wie es im Umerziehungslager war, sondern auch, wie ihr Leben noch kurz vor der Machtergreifung ausgesehen hatte. Da merkt man dann auch, was für ein schleichender Prozess das gewesen ist. Es hat mit kleinen Dingen des Alltags angefangen, wuchs sich immer mehr zu beinahe segregierenden Maßnahmen aus (alleinstehende Frauen wurden immer schiefer angesehen und beleidigt, schließlich ist ja nur eine verheiratete Mutter Gottes Wunsch), wie Berufsverboten für Frauen. Daher kann ich gut verstehen, warum die Geschichte vor allem beim weiblichen Geschlecht solchen Anklang findet. Ja, bis relativ gesehen vor kurzem waren alleinstehende unabhängige Frauen kein so verbreitetes Bild, jedenfalls nicht so sehr, als das diese sich keine dummen Sprüche hätten anhören müssen. Wobei die Entstehungszeit des Buches (das von Margaret Atwood stammt, aus dem Jahr 1985) da wohl auch nicht mehr so schlimm war. Zumindest in unserem Teil der Welt, woanders mag es auch heutzutage noch ganz anders aussehen.

Dennoch finde ich es etwas zu kurz gedacht, würde man die Geschichte nur darauf beschränken, als Spiegel für die Frauensituation der Welt zu dienen. Allgemein wird hier auch gezeigt, wie man auch in einem System der totalen Kontrolle und Unterdrückung immer noch Hoffnung schöpfen kann, und auch muss, um als Mensch nicht nur vor sich hin zu vegetieren. Somit hat die Serie, bzw. das Buch auch noch eine allgemeinere Thematik.

Erstaunlich ist ja auch, dass niemand glücklich ist mit der Situation. Nicht die eigentlichen Ehefrauen der Elitemänner, da diese keine eigenen Kinder bekommen können und ebenso unter der Rolle leiden, die Frauen zugedacht werden. Die Mägde sowieso nicht. Aber auch die Männer flüchten sich in die alten Muster zurück und halten sich nicht strikt an die Vorgaben ihrer eigenen Religion (was man ja auch von einigen Kirchenmännern unserer Welt behaupten könnte). Die Einzige, die etwas zufrieden mit dem System zu sein scheint, ist die Vorsteherin der Mägde.

Eine etwas positivere Note bekommt das ganze auch noch dadurch, dass – Spoiler voraus – im Buch wohl klar ist, dass die Republik Gilead den Zahn der Zeit nicht überlebte, sogar nur recht kurzlebig war. Denn dort wird das Erzählte als Aufzeichnungen der Protagonistin Offred dargestellt. In dem Zusammenhang sei auch noch bemerkt, dass das Buch ziemlich genau so aufhört, wie die erste Staffel der Serie. Offred wird in einen Lieferwagen gepackt, und man weiß nun nicht, ob sie immer noch in den Fängen der Republik …gefangen ist..äh…oder ob sie von Widerständlern gerettet werden konnte. Das ist auch der Grund, warum ich es erst mal bei dieser Staffel belassen werde. Wie Game Of Thrones zeigte, kann eine Serie arg in die Binsen gehen, wenn keine Vorlage mehr da ist. Und ja, ich weiß, dass Margaret Atwood mittlerweile eine Fortsetzung geschrieben hat („The Testaments – Die Zeuginnen“, 2019). Darin geht es aber nicht, soweit ich weiß, um den weiteren Verlauf von Offred. Außerdem kam das Buch ja auch erst nach den nächsten Staffeln heraus. Es kann dennoch sein, dass das immer noch eine gute Serie geblieben ist, ich habe aber das Gefühl, sie hat nicht mehr so einen Eindruck gemacht, wie noch am Anfang.

Von der produktionstechnischen Seite kann man der Serie keinerlei Vorwurf machen. Das Kostümdesign ist schlicht, aber ziemlich genial. Da braucht es einen nicht zu wundern, dass die Uniformen der Mägde zu politischem Protest genutzt wurden. Schnell zu kopieren und ein totaler Blickfang.

Die Farbentsättigung passt zur Stimmung, auch wenn es in meinen Augen viel zu viel davon zur Zeit zu sehen gibt. Wären volle Farben nicht ein noch größerer Kontrast zum gezeigten System und würden es dadurch noch mehr bloß stellen?

Dadurch, dass Offred oft nicht sprechen darf, gibt es viele Großaufnahmen, um die Emotionen einzufangen. Zudem nimmt man so auch sehr häufig ihren Blickwinkel ein, wodurch die Umgebung noch bedrohlicher/bedrückender wirkt.

Elisabeth Moss muss, wie erwähnt, viel Emotion ohne Worte rüberbringen. Das schafft sie ziemlich gut, auch wenn es für den Zuschauer manchmal etwas klaustrophobisch wirkt, sie so häufig direkt im Gesicht zu haben. In „The West Wing“ spielte sie die jüngste Präsidententochter, der große Durchbruch gelang ihr dann aber in „Mad Men“, eine gestandene Serienreckin also. Auf die große Leinwand (wie lange man das wohl noch schreibt, angesichts von Corona, Kinoschließungen und direct-to-streaming-Veröffentlichungen?) hat sie es auch geschafft, lange allerdings nur in kleinere Rollen. Dieses Jahr jedoch schon in der Hauptrolle von „The Invisible Man“, einer Neuauflage des klassischen „Der Unsichtbare“, und bald auch in einem Wes Anderson-Werk zu sehen. Dennoch sollte ihre Beteiligung in „Suburban Commando“ nicht verschwiegen werden, einem Hulk Hogan – Kinderfilm, in dem sie allerdings nicht einmal einen Rollennamen spendiert bekam.

Joseph Fiennes spielt den Gegenspieler Offreds. Also nicht nur ihren derzeitigen Hausherren, sondern stellt auch das Gesicht für das gesamte System dar. Nach außen hin ein treuer Prinzipienreiter, aber eigentlich genauso verkommen, wie die ganze Elite Gileads. Er schafft es gut, immerzu eine Bedrohung aufzubauen, auch, wenn er eigentlich nur eine Partie Scrabble spielen will. Joseph Fiennes ist der jüngere Bruder von Ralph Fiennes (und eine gewisse Familienähnlichkeit kann man nicht verschweigen), aber braucht sich hinter diesem nicht verstecken. Man sieht ihn oft in historischen, oder historisch angehauchten Filmen, wie „Elizabeth“, „Shakespeare In Love“ oder „Der rote Baron“ (ja genau, der mit dem Schweigerhöferschen Duo…)

Yvonne Strahovski hat die Rolle der eigentlichen Ehefrau des Haushalts,die zwar unfruchtbar ist, aber dennoch auf Seiten des Systems steht. Wobei sie eigentlich zwischen den Stühlen steht. Als eigentliche Mitbegründerin der Religion um Gilead hat sie mittlerweile nicht mehr viel mehr zu tun, als darauf zu hoffen, dass ihre Magd bald ein Kind gebärt, um das sie sich dann kümmern kann. Passend dann also die wechselnden Gefühle, die sie gegenüber der Magd hegt. Strahovski war in „Chuck“ und „Dexter“ dabei, und letztens erst in „The Predator“, wo sie aber nur die eher kleine Rolle der Mutter hatte. Wobei man diesen Film nun nicht wirklich im Portfolio haben müsste. Dann schon eher die Beteiligung an der „Mass Effect“-Videospielreihe.

Alexis Bledel, die ewige Rory Gilmore, spielt eine lesbische Magd, die Teil des Widerstandes zu sein scheint, und kommt wohl auch in späteren Staffeln noch vor. Ihr Charakter in der ersten Staffel ist zunächst streng und zurückhaltend, taut dann aber irgendwann auf.

Ann Dowd ist Tante Lydia, die Vorsteherin der Mägde. Sie ist zwar einerseits für Gehirnwäsche, Umerziehung und Bestrafung zuständig. Andererseits nimmt man ihr ab, dass sie wirklich an Gilead und dessen Ideale und Notwendigkeit glaubt und so vermutlich die einzige ehrliche Figur des Systems. Gleichzeitig aber auch so unglaublich hassenswert. Ann Dowd verkörpert das auch unglaublich gut. Man könnte sie in „Philadelphia“ mit Tom Hanks und Denzel Washington gesehen haben, oder in „Bushwacked“, einer ganz furchtbaren „Komödie“, in der Daniel Stern seinen Charakter aus den Kevin allein – Filmen anders zu vermarkten versucht, sehen. Oder in einer ganzen Reihe anderer Filme. Vor zwei Jahren war sie zum Beispiel auch im Hexenhorror „Hereditary“ dabei.

Samira Wileys größter Erfolg vor „The Handmaid´s Tale“ dürfte „Orange Is The New Black“ gewesen sein. Sie spielt hier die ehemals beste Freundin Offreds, die zunächst gegen die Gileadaner rebelliert, später dann aber in einer gänzlich unrebellischen Lage endet.

„The Handmaid´s Tale“ bietet also keine leichte Popcorn-Unterhaltung. Man muss sich Zeit nehmen für die Serie und kann sie nicht so nebenher schauen. Die 10 Folgen der ersten Staffel sind aber spannend und nehmen einen mit. Ich kann es empfehlen. Zum einen wird hier eine ziemlich unschöne Welt gezeigt, aber es schwingt auch ein hoffnungsvoller Ton mit. Nicht immer, aber hin und wieder.

Wer weiter schauen möchte, kann das gerne machen, drei Staffeln wurden bislang veröffentlicht und die vierte sollte eigentlich gerade gedreht werden, Corona-bedingte Verzögerungen müssen aber eingerechnet werden.

 
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Verfasst von - Juni 18, 2020 in Serientagebuch

 

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Kais Serientagebuch – „Cold Case“ (USA, 2003-2010)

Nun ein Filmtagebuch für all diejenigen, die sich bisher noch nicht so sehr mit dem TV-Krimiserien-Alltag befasst haben. „Cold Case“ läuft nämlich schon seit einer ganzen Weile, um genau zu sein seit 2003. 2010 wurde die Serie dann auch eingestellt, sodass sich eine überschaubare Anzahl an Episoden ergeben hat. Naja, wenn man 156 als überschaubar ansieht. Immerhin hat die Serie so auch irgendwann ein Ende und man muss nicht befürchten, sich bis an das Ende aller Tage nur noch dem Krimisujet widmen zu dürfen.

„Cold Case“ befasst sich mit unaufgeklärten, aber dennoch zur Akte gelegten Fällen, darum ja auch der Name „kalter Fall“. Meistens wird dieser wieder neu aufgerollt, weil neue Beweise aufgetaucht sind, zum Beispiel in Form eines Zeugen, der Jahre später eher bereit ist, zu sagen was er weiß, als Jahre zuvor. Manchmal aber ist auch eine neue Leiche, bzw. eine alte, aber frisch entdeckte Leiche der Anstoß, der alles ins Rollen bringt. Und um diese Fälle kümmert sich dann immer das Ermittlerteam um Lilly Rush, Hauptfigur der Serie (allerdings bezweifle ich ja, dass sich irgendein Polizeidezernat dieser Welt eine Kommission bereithält, einzig für den Fall, dass irgendwo alte Fälle aufgeklärt werden. Das wird dann wohl eher im Bedarfsfall geregelt. Aber so ist das eben im TV).

Die einzelnen Episoden sind dann auch immer nach dem gleichen Muster aufgebaut. Anfangs erleben wir Szenen in der Zeit, in der das betreffende Verbrechen geschieht und das Opfer und seine Umgebung kurz vorgestellt werden. Dann wird in die Gegenwart geschnitten, in der dann ein Anlass gefunden wird, um im eben jenem Fall erneut zu ermitteln, dann folgt die Titelsequenz (mit der zugegeben nervigen Titelmusik, die mit einem langgezogenen lautem Ausruf beginnt). Danach werden die Ermittlungen aufgenommen und der Fall mehr oder weniger erfolgreich aufgeklärt. Tatsächlich ist es so, dass nicht immer der richtige Täter gefasst werden kann (ich habe bis jetzt einen Fall erlebt, in dem niemand festgenommen werden konnte, sondern der offensichtliche Täter einfach so wieder aus dem Polizeigewahrsam spazieren durfte). Das ist aber eine nur selten auftretende Ausnahme.

Umgesetzt wird die Zweiteilung zwischen Vergangenheit und Gegenwart sehr ansprechend. Während das hier und jetzt immer mit einem leichten Blaufilter dargestellt wird, werden die Sequenzen, die in der Vergangenheit spielen (und die immer bei Befragung der Zeugen gezeigt werden) in passenden Farben gezeigt. Oft werden auch zusätzliche Effekte eingebaut, zum Beispiel Verschmutzungen, damit es aussieht, als wäre es ein alter Super8-Film. Unterlegt werden diese Szenen mit passender, zeitgenössischer Musik. Und wer meinen Musikgeschmack ein wenig kennt, kann hier schon einen Grund finden, warum ich die Serie mag (vor allem wenn viel aus den 70ern/80ern gezeigt wird). Leider habe ich bisher noch keine Folge gesehen, in der 90er-Jahre-Euro-Techno lief. Vielleicht würde das nicht passen, ich fände es aber witzig.

Ein anderer großer Pluspunkt der Serie ist, dass durch die Rückblenden und das Auftreten des Opfers im lebend-Zustand der Zuschauer teilhaben darf am Leben der Mörder und Toten in spe. Das ermöglicht den Schreiberlingen der Serie eine viel bessere Ausarbeitung der Charaktere. Das sind nicht nur einfach irgendwelche Toten, die eben Softeis am Ohr haben („der Pädophile war’s!“ – Ja, wenn ich schon von Scrubs klauen kann, mach ich es auch), sondern richtige Personen. Verstärkt wird der Eindruck dadurch, dass man sehen kann, wie die Angehörigen des Opfers mit dem Mord umgegangen sind, da man diese ja auch immer damals und heute sehen kann.
Die Opfer sind aber nicht die einzigen, die einen richtigen Charakter verpasst bekommen, auch die Ermittler haben alle ihr Kreuz zu tragen (wobei „psychische Belastung“ natürlich nicht gleichzusetzen ist mit „ausgearbeiteter Charakter“). Die Charakterisierung passiert aber angenehm unaufdringlich und ist eher Teil des Hintergrundgeschehens. Nie stiehlt sie dem eigentlichen Mordfall die Show, und es gibt keine größeren, Seifenopern-mäßigen Aussetzer.

Voraussetzung für die erfolgreiche Klärung des Mordfalles sind aber immer die wahrheitsgemäßen Aussagen der Zeugen. Ob diese Stimmen, kann der Zuschauer immer daran erkennen, ob eine Rückblende gezeigt wird, oder nicht. Bei einer Rückblende stimmt die Aussage (es fehlt vielleicht ein Detail oder so), wird diese aber nicht gezeigt, kann man schon mal die betreffende Person im Auge behalten. Sollte aber einmal irgendwer beschließen, nicht die ganze Wahrheit zu sagen, wird der Fall nicht aufgeklärt, bzw. schon aufgeklärt, aber der Täter kann auf Grund mangelnder Beweislage nicht festgenommen werden. Das passiert ja aber, wie schon gesagt, nur sehr selten.

Am Ende fast jeder Episode wird die Festnahme des Täters gezeigt, die Reaktionen der Angehörigen, alles mit Zwischenschnitten auf die jüngeren Versionen der betreffenden Personen. Das ganze wird dann mit einem melancholischen Pop-Rock-Song unterlegt und die ganze Szene wirkt schön traurig (meistens). Da können manch nah am Wasser gebauten auch mal die Tränen kommen. Eines ist allerdings seltsam, Lily Rush sieht nämlich dann oftmals Visionen der Opfer, die ihr wohlwollend zunicken. Das finde ich dann doch ein wenig übertrieben. Ist ja schließlich keine übernatürliche Geistermurkssendung.

Wenn man so ausgearbeitete Charakter hat, braucht man natürlich auch erfahrene Schauspieler, oder zumindest welche, die ein bisschen was auf dem Kasten haben. Lily Rush, Hauptperson, aber eigentlich gleichgestellte Ermittlerin mit den anderen, wird verkörpert von Kathryn Morris. Diese sieht mit ihren Ende 30 (am Anfang der Serie) nicht nur ziemlich gut aus, sondern kann auch auf Auftritte in bekannten Filmen wie „Paycheck“, „Minority Report“ oder „A.I. – Künstliche Intelligenz“ zurückblicken. Wobei ich „Hell Swarm – Die Todesbrut“ vom Titel her am besten finde. Serienveterane werden sie aber sicherlich schon in „Pensacola“ gesehen haben. Hier macht sie ihre Sache gut und bringt ihre einfühlsame Rolle gut rüber.

Mit im Team, beziehungsweise der Vorgesetzter Stillman ist John Finn. Auch dieser hat schon in so manchem Film mitgewirkt („Cliffhanger“, „Catch Me If You Can“, „Die Akte“ oder…“Robosaurus“ [wird Zeit, dass ich den mal schau]), doch richtig beschäftigt ist er vor allen in Serien. In „Dawsons Creek“ ist er zum Beispiel als Sheriff unterwegs, oder in „Akte X“ als Michael Kritschgau, der immer behauptet hat, mehr über die Regierungsverschwörung zu wissen. In „Cold Case“ macht er eine gute Figur als väterlicher Freund Lilys.

Der leicht aufbrausende Ermittler Nick Vera wird gespielt von Jeremy Ratchford, unter anderem mit kleineren Rollen in „Erbarmungslos“ oder „Amy und die Wildgänse“ gesegnet, hauptsächlich aber als englische Stimme von Banshee in der 90er-Jahre X-Men-Serie bekannt. Er spielt in „Cold Case“ häufig mit seinem Partner Will Jeffries, und gerät auch mit diesem das ein oder andere Mal aneinander.

Das liegt vor allem daran, dass Jeffries eher der ruhige, verständnisvolle Typ ist. Dargestellt wird dieser von Thom Barry, der auch schon in der Cartoon-Abteilung tätig war. Allerdings als Stimme von Gabriel Jones (einem SHIELD-Agent) in der 90er-Hulk-Serie. Wenn man ihn in einem Film sehen will, muss man sich an „The Fast And The Furious“ oder dessen Nachfolger wenden. Wie gesagt, er strahlt in der Serie eine ungehörige ruhe aus, die gut passt.

Bleiben noch Danny Pino. Der trägt in „Cold Case“ ein ernst-schauendes Detective Gesicht spazieren, und dass so erfolgreich, dass er jetzt bei „Law And Order – SVU“ ermitteln darf. Davor tat er dies schon in „The Shield“. Und Tracie Thoms, die als Ermittlerin in „Cold Case“ erst in der dritten Staffel beitritt. Ihr bekanntester filmischer Auftritt dürfte in „Der Teufel trägt Prada“ gewesen sein (dort als eine Lily).

Da eine Serie natürlich auch noch vom kreativen Impuls lebt, stell ich mal eben noch die Erdenkerin von „Cold Case“ vor. Das ist Meredith Stiehm. Diese hat sich als Autorin für „NYPD Blue“ und „Emergency Room“ schon ihre Meriten verdient.

Warum wurde nun eine qualitativ recht hochwertige Serie nach 7 Staffeln eingestellt? Das liegt zum einen daran, dass der Sendeplatz von CBS von 20 Uhr auf 22 Uhr verlegt wurde. Offensichtlich war die Gruppe der Zuschauer, die diese Serie gesehen hat allerdings nicht so lange wach, sodass die Zuschauerzahlen um diese Zeit ziemlich weggeschrumpft sind. Zum anderen kann auch das Beste Konzept nicht ewig tragen, vor allem nicht, wenn es irgendwann auffällt, dass der Mörder so gut wie nie der kleine Gangster um die Ecke ist, sondern eher der reiche Schnösel.

Übrigens noch eine kleine Info, für diejenigen, die sich bis hierher durchgearbeitet haben. In Kanada gab es wohl eine ähnlich gelagerte Serie namens „Cold Squad“, deren Macher rechtliche Schritte anstreben wollten. Was daraus geworden ist, ist mir leider nicht bekannt.

Mein Schlusswort lautet also, dass es „Cold Case“ wert ist, dass man sich da die eine oder andere Episode anschaut. Da die Serie keine Rahmenhandlung hat, kann man sich da beruhigt irgendwo eine herauspicken und dennoch alles verstehen. Man sollte jedoch in der Laune auf melodramatischen Schmalz sein.

 
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Verfasst von - Juli 8, 2017 in Serientagebuch

 

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Kais Serientagebuch – „Capitan Alatriste – Mit Dolch und Degen“ (Spanien/Deutschland/Frankreich, 2015)

Kais Serientagebuch – „Capitan Alatriste – Mit Dolch und Degen“ (Spanien/Deutschland/Frankreich, 2015)

Serien sind groß in Mode. Klar, dass die öffentlich-rechtlichen Sender auch irgendwann auf den Zug aufspringen. „Capitan Alatriste – Mit Dolch und Degen“ wurde mit Hilfe von unter anderem Arte produziert. Capitan Alatriste ist eine Romanfigur des Autoren Arturo Pérez-Reverte.

Der Schauplatz ist Madrid, das Jahr 1623. Europa befindet sich im 30 Jährigen Krieg, Katholiken stehen sich den Protestanten gegenüber (offiziell, natürlich gibt es auch Bündnisse zwischen den Konfessionen, je nach dem, wo es mehr zu gewinnen gibt). Gleichzeitig führt Spanien einen Krieg gegen die Niederländer, die gerne unabhängig werden würden (der sogenannte 80 Jährige Krieg, endet übrigens wie der erst genannte 1648).
In dieser Zeit kommt der junge Íñigo Balboa in der Stadt an. Er ist auf der Suche nach Diego Alatriste, einem Soldatengefährten seines verstorbenen Vaters. Er möchte bei diesem gerne ebenfalls zum Soldaten…naja „ausgebildet“ werden. Zu diesem Zweck zieht er auch zu ihm. Alatriste teilt sich das Bett mit Caridad über ihrer Taverne (wenn er nicht gerade die Nacht bei seiner großen Liebe, der Schauspielerin Maria de Castro, verbringt). Da der Capitan einem Granden, also einem ranghohen Adligen, nahe steht, und darüber hinaus als Söldner verschiedene Aufträge annimmt, erlebt Íñigo einige Abenteuer. Alatriste trifft bei diesen Gelegenheiten immer wieder auf den Italiener Malatesta, der mindestens ebenso geschickt mit der Klinge umgehen kann, allerdings viel weniger Skrupel als der gute Capitan besitzt.
Manche allerdings erlebt Íñigo auch auf eigene Faust. So verguckt er sich in die adlige Angélica de Alquezar (die jedoch ein mehr als intrigantes Biest ist), oder legt sich mich einer Bande Straßenjungen an.
Als großen Storybogen, der sich durch die Staffel zieht, dienen die Anwesenheit und die Heiratspläne der Engländer in Person des Herzogs von Buckingham und des Kronprinzen Charles (natürlich nicht der heutige). Die verschiedenen Parteien innerhalb des königlichen Hofes haben da mehr oder weniger dagegen, unter anderem natürlich der König Phillipp IV., der Repräsentant der Inquisition Bruder Emilio Bocanegra und nicht zu vergessen der erste Minister Olivares. Dabei kann man manchmal das Gefühl bekommen, dass die Verhandlungen um die Hochzeit zwischen dem Kronprinzen und der Infantin Spaniens nicht wirklich vorankommen. Aber das entspricht nun mal eben einer historischen Tatsache, dass die Engländer lange in Madrid aufgehalten wurden, und mit immer neuen Beteuerungen von der Heimreise abgehalten wurden. Am Ende findet dieser Handlungsstrang jedoch ein Ende. Leider schafft es die Serie dennoch mit einem leichten Cliffhanger zu enden. Und bislang ist mir von einer zweiten Staffel noch nichts zu Ohren gekommen.

„Capitan Alatriste“ ist, vor allem was die Kostüme betrifft, äußerst prunkvoll ausgestattet. Gut, das war ein bisschen übertrieben. So verfügt der äußerst flamboyante Buckingham nur über drei verschiedene Outfits, was ich mir aber bei seinem Charakter nicht vorstellen kann (eher 30). Die aber, die er hat, sind sehr farbenprächtig und wirken sehr authentisch. Wie eben die der anderen Hauptfiguren auch, sieht man sich allerdings die kleineren Rollen und Statisten an, so fällt dort sehr schnell eine gewisse Redundanz in der Auswahl der Kleidung auf. Vor allem die Schergen sind immer gleich gekleidet.
Das, was ich über die Kostüme schrieb, trifft auch auf die gesamte andere Ausstattung zu. Was vorhanden ist, wirkt sehr authentisch, allerdings bekommt man den Eindruck, dass alle mit derselben Kutsche durch die Gegend fahren, und dass Madrid nur aus einem einzigen großen Marktplatz besteht. Der letztgenannte Punkt mag auch daher rühren, dass nicht in Madrid selbst gedreht wurde, sondern in den Kulissen der Budapester Korda Studios, was Kritik seitens der spanischen Filmgewerkschaft einbrachte. Eröffnungsshots des Stadtpanoramas werden durch nicht sehr realistische Computergrafiken gelöst. Das fällt vor allem bei Nachtaufnahmen auf.
Wo wir gerade bei Authentizität sind können wir auch eben über die Kämpfe sprechen. Die Duelle ergehen sich nämlich nicht in ewigen Fechtereien, sondern bleiben bodenständig. László Imre, der als Stunt Koordinator verantwortlich war, hat wohl ein Händchen für Kämpfe dieses Zeitalters, war er doch auch schon bei den Borgias verantwortlich, und unter anderem bei einer Robin Hood-Serie von BBC mit an Bord.

Trotz der vielen Duelle und Intrigen blitzt doch immer wieder eine ordentliche Portion Humor durch die Dialoge. Das ist natürlich nicht zuletzt den Spottgedichten Quevedos zu verdanken, aber auch die anderen Figuren zeigen gerne mal ihren Sinn für das Komische. Zumindest bis Folge 15, denn danach wird es auf einmal düster. Nicht nur der Farbfilter macht einen Schwenk ins Graue (es soll ja auch Winter sein). Nein, in Madrid herrscht unvermittelt eine Seuche (die davor nie angedeutet wurde), der Kronprinz und Buckingham befinden sich schon auf dem Rückweg, ohne dass der Aufbruch oder weitere Vorbereitungen dazu gezeigt worden wären, etwas, das dann doch eher untypisch für den bisherigen Handlungsverlauf ist. Ein Anzeichen dafür, dass die Autoren vom Ende überrascht wurden. Vielleicht hatten sie mit mehr Folgen gerechnet, oder mit einer zweiten Staffel, deren Realisierung auf einmal doch nicht so sicher mehr erschien? Ich weiß es nicht. In diesem Zusammenhang ist vielleicht auch zu erwähnen, dass die Originalzahl der Folgen von 13 auf 18 gestreckt wurde. Manche Episoden haben daher quasi das Finale der vorher gehenden Geschichte und bauen dann innerhalb derselben die nächste auf. Ich will damit sagen, dass die Einzelepisoden manchmal wie in der Hälfte durchgeschnitten wirken. Manchmal ergibt sich dadurch allerdings auch ein besonders spannender Cliffhanger.

So eine Serie, eine historische zumal, ist natürlich von einer Vielzahl an Figuren bevölkert. Zu den real existierenden Persönlichkeiten wie dem König oder dem Schriftsteller Francisco de Quevedo gesellen sich die Eigengewächse Pérez-Revertes, also Alatristes näheres Umfeld. Die Figuren entsprechen dabei denen aus dem büchernen Original, mit Ausnahme vielleicht von Angélica de Alquezar, die am Ende etwas menschlicher wirkt und bei welcher tatsächlich so etwas wie Gefühle für den jungen Balboa durchschimmern. Im Buch fällt sie nie aus der Rolle des Biestes. Die fünfzehnjährige Carmen Sanchez ist schön intrigant, und wirkt wie der schlimme Albtraum eines jeden Erziehungsberechtigten. Manchmal jedoch fällt das geringe Alter der Schauspielerin auf, auch wenn sie schon einige Rollen im spanischen Fernsehen inne hatte. Vielleicht kommt mir das aber auch nur so vor.
Besonders unterhaltsam ist der Trunken- und Raufbold Quevedo, der einem guten Kampf nie aus dem Weg geht, wie betrunken er selbst auch ist. Und schlägt er sich nicht, schreibt er giftige Dichtungen auf Leute, die ihm nicht passen. Miguel Hermoso Arnao sieht seinem historischen Vorbild schon verdammt ähnlich. Er hat scheinbar Spaß an seiner Rolle, doch wer hätte das nicht.
Der König unterhält auch, einfach weil er das perfekte Beispiel eines sich von der Realität verabschiedeten Machthabers ist, der nur noch in seinem eigenen Reich lebt. Auch hier trifft zu, dass der Schauspieler seinem Vorbild verblüffend ähnelt, samt Habsburger Unterlippe. Für Daniel Alonso stellt „Alatriste“ seinen ersten IMDb-Eintrag dar. So kann man sich durchaus fragen, ob das Weltentrückte seiner Rolle beabsichtigt ist, aber im Zweifel für den Angeklagten.
Die beiden Frauen in Alatristes Leben sind die Wirtshausbesitzerin Caridad und die berühmte Schauspielerin Maria de Castro. Während die Eine ihm Haus und Hof bietet, so ist die Andere die unerreichbare Liebe seines Lebens. Lucia Jimenéz und Natasha Yarovenko sehen beide gar nicht mal schlecht aus. Die Rolle der de Castro (Yarovenko) hat allerdings mehr zu tun, als nur den Babysitter für verletzte Degenkämpfer zu spielen, wodurch Natasha Yarovenko noch mehr zeigen kann was sie kann (und auch mehr zeigt von dem was sie hat). Sie muss sich nämlich noch ihrer Schwester beistehen, die in die Fänge der Inquisition geraten ist.
Für internationales Flair sorgt der Schotte Gary Piquer, der, obschon er aus Großbritannien stammt, ein geregeltes Auskommen in spanischen Produktionen hat. Hier ist er die rechte Hand des Königs ,und da dieser sich lieber mit anderen Dingen als regieren beschäftigt einer der Mächtigsten Männer im Staat, nämlich der Graf von Olivares. Dieser arme Kerl muss sich um das Reich kümmern und gleichzeitig auch noch um den König.
Constantin von Jascheroff ist der deutsche Beitrag zur Serie, und ist hier der englische Thronprinz Charles. Von Jascheroff haben die ein oder anderen sicher bereits in einem Tatort oder der Küstenwache-Serie gesehen (oder sonst wo im Fernsehen, ganz schön umtriebig, der Junge…also ein Jahr älterer Junge als ich). Für den Kronprinz ist die Ehe mit der Infantin Spaniens mehr als nur ein Politikum, sondern sogar eine Herzenssache, auch wenn dem Zuschauer nicht so wirklich klar wird, woher diese Gefühle so plötzlich kommen. Alles in allem verkörpert er den typischen Romantiker, der mit seiner Liebe durchbrennen würde, wenn sich ihm die Gelegenheit böte. Und seine Infantin würde da sofort mitgehen, würde nicht ihr Glaube und ihr Verantwortungsgefühl gegenüber ihrem Bruder sie daran hindern.
Am wichtigsten sind aber natürlich Diego Alatriste, Protagonist der Serie, sein Sidekick und der berüchtigte Italiener Gualterio Malatesta.
Aitor Luna sieht für einen aus Flandern zurückgekehrten Kriegsveteranen überraschend jung aus, vor allem, wenn man bedenkt, wer ihn alles mit „Capitan“ anredet. Davon abgesehen ist er eher der ruhige Typ, der sich immer wieder entscheiden muss zwischen den Dingen, für die er angeheuert wurde und seinen Freunden (beinahe wie mit den beiden Frauen).
Ihm gegenüber steht der großartig porträtierte Gualterio Malatesta. Ein finsterer Kerl, der nicht nur des Geldes wegen tötet. Seine Vergangenheit wird dabei nur wenig beleuchtet (als Italiener hat er ja wohl nicht im Flandernkrieg mit gekämpft), am Ende allerdings wird ihm ein menschlicher Zug gestattet, wenn es dann doch jemanden gibt, der ihn pflegt. Filippo Sbalchiero hat zwar eher weniger Filmerfahrung, aber er hat einen Blick, der einem Antagonisten sehr gut zu Gesicht steht. Es ist nur seltsam, dass es immer ausgerechnet Malatesta ist, der von den verschiedenen Drahtziehern engagiert wird. Vielleicht hat er einfach nur ein gutes Marketing, denn gegen Alatriste zieht er meist den Kürzeren.
Marcos Ruiz hat schon in zwei, drei Filmen mitgespielt, „Alatriste“ stellt allerdings seine erste Serienaufgabe dar. Seine Darstellung wirkt manchmal leider nicht ganz ausgereift, es mag auch etwas daran scheitern, dass nie ganze klar wird, warum Íñigo so unbedingt Soldat werden möchte, außer, dass es sein Vater schon war. Jedenfalls muss dieser schon ein toller Hecht gewesen sein, immerhin kennt ihn jeder Hinz und Kunz, der einmal in der Armee war.

Arturo Pérez-Reverte darf mit der Serienversion seines Buches trotz mancher Schattenseiten zufrieden sein. Die Atmosphäre des Buches wird sehr gut eingefangen. Dies ist übrigens nicht die erste Verfilmung des Stoffes. Es gibt einen Film aus dem Jahre 2006, in welchem Viggo Mortensen in die Stiefel des Degenhelden tritt. Die bekannteste Verfilmung eines Pérez-Reverte Romans dürfte wohl „Die neun Pforten“ sein, dieser Film, in dem es um alte Bücher und Teufelsanbetung geht. Johnny Depp-Fans wissen welchen ich meine.

„Capitan Alatriste – Mit Dolch und Degen“ ist eine Serie für Fans von Mantel und Degen-Geschichten, kann aber nicht mit den aktuellen Serienhighlights mithalten.

 
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Verfasst von - März 10, 2016 in Serientagebuch

 

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Kais Serientagebuch – „Once upon a time“ (USA, seit 2011)

Kais Serientagebuch – „Once upon a time“ (USA, seit 2011)

Die zweite der beiden märchenbasierenden Serien, die ich vor einiger Zeit angefangen habe anzuschauen. Die andere ist Grimm. Das Tagebuch jetzt habe ich allerdings kurz nach dem Ende der ersten Staffel geschrieben, bezieht also nur auf diese.
Die Serie beginnt damit, dass Emma von ihrem Sohn Henry, den sie vor 10 Jahren zur Adoption frei gab, aufgesucht wird. Sie fährt ihn wieder heim nach Storybrook, einem kleinen Nest irgendwo in Neuengland. Unterwegs erzählt Henry ihr von dem Fluch, der die Bewohner der Märchenwelt in unsere Welt versetzt hätte. Diese wären jetzt alle in Storybrook ohne Erinnerung an das Märchenreich gefangen. Wer das Kaff nämlich verlassen will, dem passiert etwas Ungutes, ein Unfall oder Dinge in der Art, sodass er nicht über die Stadtgrenze hinauskommt. Storybrook muss schon ganz schön groß sein, wenn alle Märchengestalten da wohnen sollen. Vielleicht ist es doch kein so kleines Kaff, aber definitiv auch keine Großstadt. Emma jedenfalls sei die Einzige, die den Fluch brechen könne, da sie ein Kind wahrer Liebe sei, nämlich die Tochter von Schneewittchen und ihrem Prinzen. Urheber des Fluchs allerdings ist die böse Königin (Überraschung Überraschung), die nicht nur die Bürgermeisterin ist, sondern auch noch Henrys Adoptivmutter.
Das Prinzip der Serie ist sehr interessant, nämlich zu sehen, was aus den Märchengestalten wird, wenn man sie in unsere Welt versetzt. So liegt der Fokus, vor allem in den ersten Folgen, immer auf einer Figur und wie sie in der magiearmen Welt zurechtkommt. Gleichzeitig wird aber auch ihre märchenhafte Vorgeschichte erzählt, die sich zumeist nur lose an den Vorlagen orientiert. Die Geschichten wurden alle ein wenig modernisiert, eigentliche Nebencharaktere bekommen eine viel ausgefeiltere Hintergrundgeschichte und einen tieferen Charakter (so wird zum Beispiel einem Zwerg von Schneewittchen eine unglückliche Liebesgeschichte mit einer guten Fee zugeschrieben). So bleibt die große Hintergrundgeschichte anfangs ein wenig zurückhaltend, bis sie dann aber ab ca. der Mitte der Staffel richtig in Fahrt kommt. Insgesamt sind die beiden Teile, also große Hintergrundgeschichte und Einzelschicksale, sehr gut miteinander verwoben.
Die Darstellung der Märchenwelt ist für mich ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gefallen mir die ausgearbeiteteren Geschichten und die Zusammenhänge der verschiedenen Märchen sehr gut (zum Beispiel diplomatischen Verwicklungen der verschiedenen Königreiche). Andererseits merkt man sehr deutlich, dass die Schreiberlinge sich vor allem die verdisneyten Filme zur Vorlage genommen haben. So wirken die Märchen nicht so düster, wie im grimmschen (und wie die anderen alle heißen, Lewis Carols Wunderland wird auch mal aufgegriffen) Original, sondern haben einen zuckersüßen Beigeschmack. Das heißt aber nicht, dass es keine tragischen Momente gibt, oder nur Geschichten mit Happy End. Für eine Märchenserie gab es bislang sogar recht wenige fröhliche Enden.
Besetzt wurde die Serie mit relativ bekannten Gesichtern. Jennifer Morrison (Emma) dürften die meisten als häuserliebende Zoe aus „How I Met Your Mother“ kennen. Oder auch aus „Dr. House“ (wo wir wieder beim häuserliebend wären). Ginnifer Goodwin (Schneewittchen) hat in der Cashverfilmung Vivian Cash gespielt. Jared Gilmore (Henry) geht mir für einen Kinderschauspieler nicht so sehr auf die Nerven, Er spricht aber irgendwie ein nuscheliges Englisch. Kennen könnte man ihn aus „Mad Men“. Zu guter Letzt sei Robert Carlyle (Rumpelstilzchen) noch erwähnt. Zum Teil herrlich overactend (Rumpelstilzchen-angemessen eben) ist es eine Freude, ihm zuzuschauen. Ein toller Schauspieler. War in „Trainspotting“, „Ganz oder gar nicht“ oder auch mal „James Bond – Die Welt ist nicht genug“ dabei.
Ich hoffe, dass die beiden Macher der Serie, nämlich Kitsis und Horowitz (ja, die von „Lost“. Es scheint einige Lost-Referenzen zu geben, aber da ich die Serie nicht gesehen hab, kann ich das wohl schlecht beurteilen) noch einige gute Ideen in Petto haben, und die Serie zu einem vernünftigen Ende (irgendwann) führen. Nicht, dass es so ausartet wie bei „Lost“.
Wer nichts gegen ein bisschen Drama, Märchen und (glücklicherweise) ein ganz klein wenig Schnulz hat, der kann sich „Once upon a time“ ja mal anschauen. Ich befinde die Serie hiermit mit dem Gütesiegel „unterhaltsam“ und mit dem „Blickdaraufwerfens-wert“ Siegel auch.
Kleines Update: Mittlerweile ist ja doch etwas Zeit vergangen, die fünfte Staffel der Serie wurde schon bestellt. Ich habe allerdings nur bis zur Mitte der dritten Staffel geschaut. Mir gingen irgendwann die ständigen Wechsel, ob Figuren nun gut oder böse sind, auf die Nerven. Zudem hatte ich das Gefühl, dass die Macher den Überblick über die Rückblenden verlieren und da manches chronologisch keinen Sinn mehr macht.
Aber scheinbar läuft die Serie noch erfolgreich genug, ist sie nicht nur in der vierten Staffel angekommen, sondern hat sogar noch einen Spin-off, der in Wunderland spielt, generiert.

 
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Verfasst von - Juni 8, 2015 in Serientagebuch

 

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Kais Serientagebuch, „Grimm“ (USA, seit 2011)

Kais Serientagebuch, „Grimm“ (USA, seit 2011)

Ostern war und ich eine Woche lang nicht zu Hause, jetzt alles vorbei, ich bin wieder da, und es wird Zeit für einen Tagebucheintrag. Da ich aber noch nicht meine Ostererrungenschaften schriftlich gewürdigt habe, erst einmal einen älteren

So, da nun auch die Staffel der zweiten neu von  mir begutachteten Serie vorbei ist, werde ich auch diese mit einem Tagebucheintrag würdigen.

In „Grimm“ geht es darum, dass ein Detective der Portlander Polizei feststellt, dass er ein Nachfahre der Familie Grimm ist. Das Besondere daran ist die Tatsache, dass er als solcher merkwürdige Fabelwesen erkennen kann, die für andere wie ganz normale Menschen aussehen. Nach und nach entdeckt er, dass es nicht einmal wenige dieser sogenannten „Wesen“ gibt, die sich aber größtenteils auch in die menschliche Gesellschaft integriert haben. Des Weiteren freundet er sich noch mit einem „Blutbad“ an, einer Wolfsgestalt, die aber vegetarisch lebt.

Die erste Staffel war bis jetzt zwar größtenteils nur eine „Monster-of-the-week“ angehauchte Serie, aber es lassen sich auch Teile einer größeren Geschichte erkennen. So bleibt die Rolle des Vorgesetzten von Nick Burkhardt, so heißt der Detective, noch im Unklaren. Er scheint ein hohes Tier in der Wesen-Welt zu sein, aber er agiert scheinbar nicht ganz im Einklang mit dieser. Auch die Wesenwelt selbst wird nur rudimentär beschrieben, so gibt es wohl irgendwelche 7 Königshäuser und eine Resistance, die sich dem ganzen entgegen stellt. Und auch der Tod der Eltern von Nick ist noch ungeklärt. Das alles lässt noch Spielraum für eine weit verwickeltere Geschichte, als dies anfangs den Anschein hat, und ich bin mir sicher, dass den Schreiberlingen da auch noch was dazu einfällt. Immerhin sind die Schöpfer von „Grimm“ erfahrene Serienveteranen, die zum Teil bei Buffy mitgewirkt haben  (einer hat sogar das Screenplay zu Oceans Eleven geschrieben).

Der wichtigste Teil bei einer solchen Mystery-Monster-Serie ist natürlich das Aussehen der Kreaturen. Da haben sich die Macher keine Blöße gegeben, alle Wesen wirken zwar nicht unbedingt wie eine realistische Verschmelzung von Tier und Mensch, sind aber hübsche Augenschmankerl. Vor allem bei einer Spinnenfrau sieht das dann auch noch schön eklig-gruselig aus, zumindest wenn man keine Spinnen mag. Und auch die Umgebung, in der das ganze spielt, hat einiges zu bieten. Ich hätte nicht gedacht, dass man in Portland so tolle Waldaufnahmen machen kann.

Die Darsteller sind relativ unbekannt und größtenteils auch noch nicht in größeren Filmen aufgefallen. Der Hauptdarsteller David Giuntoli hatte bislang wohl nur eine etwas größere Rolle in „Privileged“, seine Serienfreundin Bitsie Tulloch kleinere Rollen in „Lakeview Terrace“ und „The Artist“. Der undurchsichtige Vorgesetzte wird gespielt von Sasha Roiz, den „It´s alsways sunny in Philadelphia“-Fans aus der High School Reunion-Folge kennen könnten (er ist der Chef der Beliebten). Er spielt seine Rolle ziemlich gut, und auch ziemlich ambivalent. Mal wirkt er bedrohlich, mal wie ein Verbündeter. Besonders hervorheben möchte ich aber Silas Weir Mitchell, der den Vegetarier-Wolf mimt. Ein sehr sympathischer Kerl, der auch gerne mal seine Sprüche losläßt. Ich hab mich immer gefreut, wenn er eine größere Rolle in einer Folge hatte. Er spielt übrigens in „My name is Earl“ den ehemaligen Knastkumpel Donny Jones.

Zum Schluß noch eine Tatsache, die mich immer sehr unterhalten hat: Die ganzen mythologischen Begriffe und Bezeichnungen der Wesen sind deutsche Kunstwörter. So heißt die wolfartige Rasse Blutbad, es gibt aber auch noch Bauerschwein, Spinnetod, etc.  Darum werden die ganzen ja auch unter dem Oberbegriff „Wesen“ bezeichnet, wobei mir erst nach ein Paar Folgen aufgefallen ist, dass es das deutsche „Wesen“ sein soll. Die sprechen das alles sehr seltsam aus, ist aber darum auch noch einmal sehr unterhaltend. In der deutschen Synchro werden diese Spielereien aber vermutlich untergehen. Es sei denn vielleicht, die sprechen das mit einem lustigen Dialekt aus.

Wem „Once Upon A Time“ zu schnulzig ist, aber dennoch eine sehr lose auf Märchen basierende Serie sehen will, der kann „Grimm“ ja mal eine Chance geben. Es geht hier wesentlich actionorientierter zu.

Edit: Mittlerweile hab ich auch schon die erste Hälfte der zweiten Staffel gesehen und ich erkenne mit Wohlwollen, dass sich die Hintergrundgeschichte um die adeligen Wesenfamilien immer mehr verdichtet. Aber ich will ja jetzt nicht spoilern, ich will, dass ihr das selber anschaut.

 
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Verfasst von - April 10, 2013 in Serientagebuch

 

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