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Archiv der Kategorie: Filmtagebuch

Kais Filmtagebuch – „Basta – Rotwein oder Totsein“ (Deutschland/Österreich, 2004)

Hui, jetzt kommt was aus den Untiefen meiner Festplatte. Ist schon ein paar Tage her als ich es schrob…

Hin und wieder kommt es vor, dass ich einen Film in meiner Merkliste habe, den ich schon komplett vergessen habe. Und dann stolpert man auf einmal über dieses gute Stück das einem dereinst empfohlen wurde. Also macht sich der pflichtbewusste Tagebuchschreiberling natürlich sofort ans Werk, schaut „Basta“ an und tut der Welt seine Meinung kund.

Der Film beginnt, wo andere Filme aufhören, nämlich beim dramatischen Höhepunkt einer Geiselnahme vor der Gefängnistür. Die Polizisten haben die Waffen schon gezückt, und der Geiselnehmer (Oskar, unser Held), hat seine Geisel im Schwitzkasten. Seine Kumpels wollen ihn gerade abholen kommen, bzw. warten auf der Straße im Fluchtwagen. Das Einzige, was Oskar davon abhält, abzudampfen, ist Maria. Diese ist nicht nur die Gefängnispsychologin, sondern führt auch ein eher privates Verhältnis zu ihrem Patienten. Sie legt ihm Nahe, die Waffe sinken zu lassen, und zwei Jahre hinter Gittern zu sitzen, denn dann würde sie auf ihn warten. Im anderen Fall würde er sie nie bekommen. Nach kurzem Zögern hört Oskar auf die Gute und lässt sich überwältigen.
Als nächstes sehen wir das traute Zusammenwohnen der beiden Süßen. Das heißt Oskar kocht und Maria putzt Zähne. Ganz offensichtlich sind die 2 Jahre schon vergangen. Und sie unterhalten sich darüber, dass Oskar mit seiner verbrecherischen Laufbahn abschließen soll, und das Paar dann von dannen fährt. Zwei Polizisten, einer schweigsam, der andere japanisch lernend, hören die beiden ab. Die haben wohl sehr viel Vertrauen in die heilende Wirkung eines Gefängnisaufenthalts.
Schnitt auf ein Auto in dem zwei Heinis sitzen. Der eine ist Moritz Bleibtreu, wird in Zukunft aber Valentin genannt, der andere ist Belmondo, ein gut beleibter Gangster mit stark wienerischem Akzent (wen wundert’s, spielt die ganze Chose doch auch in Wien). Beide warten auf Oskar, um dann zu tun, was das Gangsterleben erfordert. Dieser jedoch hat gerade noch ein Gespräch mit der Verlegerin (und Freundin von Maria) Diana. Was genau in Oskars Buch „Secréts“ stehen soll, wird uns (noch) nicht verraten. Nach einem Handyanruf von Valentin macht sich Oskar auf den Weg zu den beiden, die schon ohne ihn anfangen dürfen. Auftrag des Dreiergespanns ist die Beschaffung der toten Tochter ihres Chefs/Mafiaoberhaupts Konstantin.
Beim Abliefern der Toten stellt Konstantin klar, dass er den Drogendealer Leo, frischgebackener Witwer und sein ehemaliger Schwiegersohn, nun gerne, da ja seine Tochter tot sei, auch unlebendig gemacht sehen will. Dazu beauftragt er Oskar und stellt ihm seinen Neffen Valentin zur Seite. Doch bevor es soweit kommen kann, müssen die beiden erst noch Schutzgeld eintreiben (die beiden Polizisten natürlich immer hinterher). Dabei kommen sie auch bei Dianas Verlag vorbei, denn Oskar will ihr sein Manuskript vorbeibringen. Valentin weiß nichts von Oskars Buchplänen, und ist auch nicht im Zustand, das mitzubekommen, verliebt er sich doch sofort in Diana.
Dass es mit Diana und Valentin was Ernsteres werden könnte, sieht man auch schon daran (mal abgesehen von einem Kuss), dass er sie zur Beerdigungsfeier der Gangstertochter eingeladen hat (obwohl da eigentlich der ganze Cast dabei ist, also ist es vielleicht doch nichts Besonderes). Im Zuge der Totenfeier und des Leichenschmauses bittet Oskar Konstantin darum, den Leo-Mord nicht machen zu wollen, sondern seine illegale Laufbahn beenden zu dürfen. Konstantin besteht aber darauf, dass er die Leo-Angelegenheit praktisch als letzten Auftrag ausführt.
Als Maria von dem Angebot erfährt, ist sie nicht begeistert. Ihr wäre es lieber, sie und Oskar würden gleich fliehen, ohne dass jemand sterben müsste. Der Streit artet derart aus, dass sie sich verabschiedet und die Nacht bei Diana zu verbringen gedenkt.
Die ist aber gerade mit dem Valentin in ihrem Bett beschäftigt. Er trägt ihr sogar ein selbstverfasstes Gedicht vor, aber sie ist vielmehr an seiner Waffe interessiert. Im Gegensatz zu Maria nämlich steht sie den verbrecherischen Tätigkeiten ihres Schatzies offenbar offen gegenüber. Die traute Zweisamkeit wird jäh von Marias Türklingeln unterbrochen. Während Diana versucht, ihre Freundin im Wohnzimmer zu trösten, entdeckt Valentin beim Ankleiden Oskars Manuskript und vermutet Verrat (ich meine, ein Mafiosi, der sein Buch „Secréts“ nennt, ist selbst schuld, wenn es Komplikationen gibt). Da allerdings im Manuskript nur die Danksagung steht, kann er auch nicht weiter eruieren, worum es geht. Aber angepisst ist er jetzt. Missgelaunt stapft Valentin ins Wohnzimmer, gibt Maria Leos Adresse (weil sie lieb gefragt hat vermutlich. Jetzt jedenfalls kann sie versuchen Leo zu warnen) und verpasst Diana eine ordentliche Watschen.
Natürlich fährt Valentin schnurstracks zu Konstantin und erzählt dort vom Verräterbuch. Der ist mehr als nicht begeistert und möchte gerne das gesamte Manuskript (das sich im Verlag befindet) in seinem Besitz wissen. Gleichzeitig fände er es auch echt knorke, wenn Oskar das Zeitliche segnen würde.
Leo dieweil ahnt, dass er nicht mehr lange zu leben hat und erwartet sogar schon Oskar als Assassine. Sein Plan zum Selbstschutz: Entführung von Oskars Freundin. Zum Glück klingelt die gerade an der Tür (da sie ja Leo zur Flucht bewegen will). Da kommt es auch noch gerade recht, dass Oskar anruft, und ein Treffen ausmachen will. Also gibt es ein kleines Gangstermeeting in einem Parkhaus zwischen Oskar und Valentin (der noch nicht wirklich an Verrat glauben mag) und Leo und seinen Bubis. Oskar bietet Leo an, dass er ihn entkommen lässt (damit Maria nicht mehr wütend auf ihn ist), aber Leo dreht den Spieß um, führt seine Mariageisel vor, der es sichtlich nicht gut geht, und fordert von Oskar, dass dieser verschwindet.
Auf der Rückfahrt ist Oskar nicht gut drauf. Valentin konfrontiert ihn mit dem Verräter-Verdacht. Es kommt zu einem Unfall. Als Oskar wieder aufwacht, liegt er in einem offenen Sarg und blickt in die Mündungen verschiedener Waffen und in die missgelaunten Gesichter von Konstantin, Valentin, Belmondo und Co. Oskar gesteht auf Nachfrage, dass er ein Buch geschrieben hat und gern veröffentlichen möchte, es sei allerdings ein Kochbuch. Das glaubt natürlich niemand. Konstantin trollt sich und gibt Valentin die Lizenz zum Töten, um nach verrichteter Arbeit gemeinsam mit Belmondo das Buch aus dem Verlag zu holen. Oskar jedoch gelingt es, Valentin von seiner Unschuld zu überzeugen, oder zumindest ihm eine Frist zu geben, bis er (also Valentin) einen Blick in das Buch geworfen hat.
Valentin und der wienerische Belmondo fahren also zum Verlag, um dort mit Diana zu reden und das Manuskript zu holen. Valentin möchte sich bei Diana entschuldigen, doch leider mischt sich Belmondo immer wieder ein. Irgendwann reicht es Diana und sie erschießt Belmondo. Das führt nicht nur dazu, dass dieser tot ist, sondern auch zur Versöhnung zwischen Diana und Valentin.
Leo inzwischen ruft Oskar an und möchte von ihm zusätzlich zu seinem Verschwinden auch noch gerne ne Millionen. Und Oskar solle sich beeilen, denn er wisse nicht, wie lange Maria noch das Waterboarding (und andere Folterei) aushält. Oskar selber hat natürlich nicht so viel Geld. Deshalb hebt er es von Konstantins Privatkonto ab. Als Konstantin davon erfährt, ist er noch unbegeisteter und befiehlt eine mafiöse Großrazzia.
Oskar trifft, von Valentin angerufen, im Verlag ein. Die drei überlegen sich einen Plan, wie sie den dicken Belmondoleichnam loswerden können. Doch gerade mitten in der schönsten Leichenschieberei kommen die zwei Superbullen. Allerdings nur, um Diana ein Manuskript zu geben, dass der schweigsamere der beiden über den Polizeialltag geschrieben hat. Nach kurzem Gerede verziehen sich die beiden auch wieder.
Oskar macht mit Leo die Geldübergabe in der Küche eines ihm bekannten Restaurants ab. Dieser kommt natürlich auch gleich mit seinen Leuten (die er allerdings vor der Hintertür stehen lässt). Während also Leo und Oskar über alte Zeiten reden (scheinbar erschoss Leo einen Freund von Oskar), befreien Diana und Valentin Maria aus Leos leichtbewachtem Versteck (nur zwei Heinzls sind da um aufzupassen). Nach dem Anruf Valentins schnappen sich Oskar und die Köche Leo, fesseln ihn und legen ihn auf einen Tisch.
Frohes Wiedersehen von Maria und Oskar in der Restaurantsküche. Maria entdeckt den zu backen fertig bereiteten noch lebenden Leo, und beschließt, ihn, wenn er durch ist, zu essen. Oskar allerdings hatte nie vor, in zu Tode zu backen, sondern ihm nur Angst zu machen.
Währenddessen betreten im Essbereich des Restaurants die beiden Polizisten das Gebäude, die nun von Valentin und Diana daran gehindert werden, in die Küche zu gehen. Das ist den Polizisten egal, das wollten die nämlich ohnehin nicht. Sie haben noch ein zweites Manuskript für Diana dabei. Schließlich betritt auch noch Konstantin mit seinen Schergen das Restaurant. Doch bevor er die Polizisten, deren Manuskript eine detaillierte Beschreibung der Wiener Mafiawelt ist, aufmischen kann, schiebt Oskar den halbgaren Leo herein (schön im Blätterteigmantel). Eine angespannte Situation mit vielen gezogenen Waffen. Maria, die Leo ein Messer ins Bein rammt, da sie ihn immer noch essen will, löst die Katastrophe aus. Leo nämlich, da ja nicht tot, schreit auf und alle schießen auf ihn. Jetzt ist er tot, und kann somit nicht miterleben, wie seine treuen Mannen durch die Schußgeräusche aufgeschreckt hereinstürmen und eine Schießerei entbrennt. Am Ende bleibt nur Oskar, als einzig Überlebender übrig.
Doch keine Angst, das ist gar nicht passiert. Wir befinden uns wieder bei der anfänglichen Geiselnahme, die ganze Handlung danach war nur die Vision von Oskar. Nachdem er den dramatischen Ausgang erkannt hat, beschließt er, doch lieber mit seinen Jungs (Valentin wie wir jetzt wissen) abzuhauen und nicht mit Maria zusammen zu kommen.
Der Abspann zeigt dann Szenen, wie sie in dieser Version der Geschichte passieren (so lernen sich Valentin und Oskar dennoch richtig kennen, nur unter anderen Umständen, und Leo kokst sich in den Tod).
Ich wollte eigentlich aus dem Film nur einen recht kurzen Tagebucheintrag machen. Leider bin ich daran gescheitert, obwohl ich schon etliche Szenen weggelassen habe (nicht nur, um nicht so viel schreiben zu müssen, sondern auch, um die Gags nicht zu verraten).
Der Film ist nicht schlecht, aber etwas surreal, naja, vor allem das Ende. Das Drehbuch wartet mit einigen kuriosen Einfällen auf, die gut zu Unterhalten wissen. Leider zünden nicht alle Dialoge. Wenn sich Valentin und Oskar beim Autofahren über den Einfluss des Kochens auf die Kultur unterhalten, und Amerika deswegen als kulturlos bezeichnen, merkt man dem ganzen zwar an, dass es gerne ein Pulp Fiction sein möchte (Stichwort Quarterpounder with Cheese), aber das kommt ein wenig unvermittelt und wird auch nicht auf eine ganz so coole Weise rübergebracht. Auch Marias Entschluss, ihren ehemaligen Peiniger unbedingt essen zu wollen, wirkt ein wenig zu abgehoben und wirkt auch nicht wie ein nachvollziehbarer Charakter-Turn. Immerhin stand sie ja immer für eine gewaltfreie Lösung ein. Gut, wer sich mit einem Mafiosi einlässt und sich dann beschwert, dass er das verbrecherische Tun nicht sein lassen kann, hat vielleicht ohnehin einen an der Waffel.
Das heißt jetzt nicht, dass der Film unlustig ist. Es gibt gute Pointen, vor allem wenn der österreichische Humor und der wienerische Dialekt in den Vordergrund treten, aber man merkt oft, dass der Film gerne noch ein wenig mehr wäre.
Das liegt nicht unbedingt an den Schauspielern. Henry Hübchen (bekannt aus „Alles auf Zucker“, „Commisario Laurenti“ und mehr) gibt den Mafiosi Oskar, dem kochen über töten geht. Er ist eher ruhig und gesetzt. Beides Eigenschaften, die nicht unbedingt zu Mafiosi oder Koch passen, aber immerhin ein Sympathieträger.
Corinna Harfouch (Maria) hat im Prinzip nicht zu tun. Am Anfang ist sie friedliebend, gerät dann in die Fänge eines Folterknechts und möchte ihn daraufhin essen. Wie gesagt, mit diesem seltsamen Umschwung tu ich mich schwer. Jemanden zu essen wirkt schon arg übertrieben. Dafür kann Frau Harfouch selbst ja nichts, aber sie kann eben auch nur wenig zeigen, wird sie ja hauptsächlich gefoltert. Als Magda Göbbels in „Der Untergang“ hat sie mir deutlich besser gefallen.
Zu Moritz Bleibtreu (Valentin) muß ich ja wohl nicht mehr viel sagen. Hier wirkt er routiniert, aber er glänzt nicht auf. Dennoch ist es immer wieder nett, ihn auf der Mattscheibe zu sehen.
Und Nadeshda Brennicke (Diana) sieht nicht nur ziemlich gut aus, sondern spielt auch richtig gut. Schade, dass sie nicht in größeren Produktionen spielt, sondern größtenteils für TV-Produktionen arbeitet. Ein Film in ihrer Vita interessiert mich dann aber dennoch, nämlich „Der Bär ist los! Die Geschichte von Bruno“, aber mehr aus kuriositätischen Gründen.
Noch ein Wort zur Musik. Diese klingt oftmals balkanesk, was ja verständlich ist, ob der osteuropäischen Mafia. Allerdings fehlt ein Lied, das im Ohr hängen bleibt. Das hätte die eine oder andere Szene vielleicht zusätzlich aufgepeppt.
Den Film darf man ruhig einmal anschauen. Und auch zweimal. Auch wenn nicht alles unbedingt so funktioniert, wie sich die Macher das vielleicht gedacht haben, kann man nicht sagen, dass es schlecht ist, oder nicht zu unterhalten weiß.

 
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Verfasst von - November 14, 2019 in Filmtagebuch

 

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Kais Filmtagebuch – „Sakuya – The Demon Slayer“ aka „Sakuya: yokaiden“ aka „Sakuya: Slayer Of Demons“ (Japan, 2000)

Kais Filmtagebuch – „Sakuya – The Demon Slayer“ aka „Sakuya: yokaiden“ aka „Sakuya: Slayer Of Demons“ (Japan, 2000)

Die japanische Filmindustrie kann vieles, aber am besten wohl Miniaturen zerstören und Monsteranzüge erschaffen. Das schöne ist ja, dass japanische Monster für westliche Augen so ungewöhnlich aussehen, weil sie aus einer für die meisten von uns ziemlich unbekannten Mythologie entstammen. Immerhin habe ich schon gelernt, dass die Welten der bösen Geister Fluch, Neid und Hass sind, somit also Welten,, die die Menschen überhaupt erst erschaffen. Aber naja…es geht hier ja nicht um Geister sondern um Monster (die Macher machen da einen Unterschied).

Im Japan des Jahres 1707 ist so einiges im argen. Das liegt vor allem daran, dass der Fujiyama ausgebrochen ist und Horden von Dämonen auf Japan losgelassen wurden. Zum Glück gibt es eine Familie von Dämonenjägern. Diese besitzt nämlich ein verfluchtes Schwert, welches zwar Dämonen mir nichts dir nichts vernichten kann, dafür aber auch immer ein wenig Lebensenergie des Trägers konsumiert (man kennt das ja aus diversen Videospielen). Der jetzige Schwertschwingmeister zerlegt gerade eine Hand voll Kappas (Flussgeister, sehen Schildkröten oft ähnlich), als ihm das letzte bisschen Lebenskraft ausgepresst wird. Nun sieht sich also Sakuya, einziger Nachkomme und somit Erbin des Schwertes, gezwungen, die Klinge zu ergreifen und dem restlichen Viehzeug zu Leibe zu Rücken. Nun, nicht allem, denn ein kleines Kappa-Kind erweicht ihr Herz und sie nimmt ihn auf um ihn fortan als ihren Bruder Taro zu erziehen.

Die Jahre ziehen ins Land und die Dämonenplage nimmt einfach kein ende, sondern wird zum Teil schlimmer. Es wird also der tollkühne Plan gefasst, zum Fujiyama zu reisen und dort für Ordnung zu sorgen, in der Hoffnung, das Unheil an der Wurzel bekämpfen zu können. Klar, dass ihr kleiner Bruder sie begleiten muss, auch wenn er von anderen Menschen ob seines mythologischen Ursprungs immer wieder angefeindet wird. Außerdem gesellen sich noch zwei gestandene Krieger zu dem Duo. Einer hat eine ausklappbare Armbrust am Arm, der andere kann sich in einen seelenlosen Stahlbolzen, eh, ich meine in einen Holzklotz verwandeln. Das bringt ihm sicher viele Vorteile, nur fällt mir keiner ein, der so richtig nützlich im Kampf gegen Dämonen wäre…

So geht jedenfalls die lustige Reise los. Unterwegs begegnet die Truppe noch ein paar hübschen Gestalten, wie einem gruseligen Puppenmacher. Dieser verwandelt zwar junge hübsche Mädchen in weniger hübsche Puppen, ist aber an sich kein Dämon. Die im selben Haus wohnende Oma dann aber schon, schließlich kann sie sich in ein mannhohes, angriffslustiges Katzenmonster verwandeln.

Später kann das Heldengrüppchen zwar in einer von lethargischen grauen Menschen bewohnten Stadt ein erfrischendes Bad nehmen, muss sich dann aber mit Geisterkriegern und Banditen herumschlagen.

Natürlich gibt es aber auch gute oder zumindest fröhliche Geister und Dämonen, die im Wald singen und tanzen (darunter auch der bekannte, unglaublich seltsame Schirmdämon).

Insgesamt wirkt das alles wie Episoden, in denen immer stärkere Gegner bekämpft werden müssen. Und wieder kommt Videospiel-Feeling auf. Letzten Endes begegnet man der Königin der Erdspinnen.

Diese möchte das genaue Gegenteil dessen, was unsere Helden zu erreichen suchen, nämlich die totale Monsterherrschaft. Zu diesem Zweck legt sie der Gruppe also nicht nur jede Menge monströse Steine in den Weg, sondern versucht auch einen Keil zwischen Bruder und Schwester zu treiben (in Form einer Musicaleinlage…das war unerwartet). Das funktioniert sogar so einigermaßen, jedenfalls treibt Taro (der nutzloseste Flussdämon aller Zeiten übrigens, er kann nämlich gar nicht schwimmen) Sakuya einen Dolch zwischen die Rippen. Aber ist ja nur ne Fleischwunde, nichts, was eine Dämonenjägerin von Rang und Namen aufhalten könnte, und so nimmt sie dennoch den Kampf gegen die mittlerweile mehrere Stockwerke große Erdspinnenkönigin auf (der übrigens erst im Verlauf des Kampfes widerliche riesige Spinnenbeine wachsen). Sakuya muss aber ordentlich einstecken, und gerade als alles verloren scheint, taucht Taro wieder auf, geläutert und auf magische Weise auf einmal fähig, schwimmen zu können. Vielleicht ist er aber auch nur sehr weit gesprungen, man weiß es nicht, da diese Kleinigkeit dem Zuschauer vorenthalten wird. Wie dem auch sei, er nimmt das verfluchte Schwert an sich, rammt es der riesigen, bösen Frau in die Stirn. Dies löst einen Skybeam (das, was auch am Ende einiger Marvel-Filme in den Himmel schießt) aus, der Fujiyama scheint geheilt und alle können sich nun in den Armen liegen.

Wie man merkt, gewinnt die Geschichte keine Originalitätspreise, bedient sie sich doch ebenso fleißig am japanischen Monster-Sammelsurium, wie an Fantasy-Klischees. Nicht selten fühlt man sich an einen Anime erinnert, und die episodenhafte Struktur sowie die Steigerung der Gegnerstärke (sowohl zahlen-, als auch kräftemäßig) lässt an ein Videospiel denken. So entsteht wenigstens nur ein Logikloch, über das man nur mit viel guten Willen hinwegsehen kann, und das wäre die Flussüberquerung von Taro. Gut, es ist nicht so sehr die Logik, die hier leidet, aber schon eine große Verwunderung darüber, dass man diese Szene, in der der kleine Kappa seine Unzulänglichkeiten überkommen muss, nicht zu sehen bekommt. Ich denke mal, da wurde dann das Geld knapp, denn als große Überraschung kann es ja wohl nicht geplant gewesen sein.

Bleibe ich doch eben bei Taro. Dieser ist die typische Figur des nervigen Kindes, wie man sie in (japanischen) Filmen für ein jüngeres Publikum häufig um die Ohre geschlagen bekommt. Gleichzeitig dient die Figur hier auch oftmals als comic-relief, begleitet von Zeichentrick-artigen Effekten. Und schließlich ist er auch noch der Dreh- und Angelpunkt der oberflächlich behandelten Frage, ob Dämonen und Menschen friedlich zusammen leben könnten. Shuichi Yamauchi kommt immerhin nicht ganz unsympathisch rüber.

Bei Sakuya fragte ich mich die ganze Zeit, warum sie das Dämonen-Kind überhaupt als ihren Bruder aufgenommen hat. Sonst hat sie jedenfalls keine Bedenken, wenn es darum geht, Monster zu metzeln. Nur gegen Menschen möchte sie nicht so wirklich mit ihrem verfluchten Schwert ran (dessen Deal mit dem Großvater mir auch nicht ganz klar ist…). Nozomi Ando macht ihre Arbeit ordentlich, vor allem wenn man bedenkt, dass sie anfangs zunächst lernen musste, wie sie ein Schwert zu ziehen habe. Nach Sakuya folgten noch weitere Genre-Rollen, unter anderem in einer Tomie-Verfilmung (nein, nicht diese) oder in einem weiteren Dämonenjäger-Film (allerdings nicht als Sakuya…und nicht als Hauptrolle).

Als Königin der Erdspinnen tritt Keiko Matsuzaka auf, eine Schauspielerin, die schon lange im japanischen Filmgeschäft tätig ist, deren Filme mir aber leider nur wenig bis nichts sagen. Hier hatte sie sicher einen ziemlich anstrengenden Job, schließlich musste sie für die Zeitlupenaufnahmen doppelt so schnell schauspielern. Und das in dem ziemlich beeindruckenden Kostüm. Dennoch scheint ihr es Spaß zu machen.

Kyusaku Shimada, der den Armbrust-Kämpfer spielt, passt optisch gut in die Rolle und hat sich auch schon einmal in einen Tomie-Film verirrt.

Der wahre Star dieses Filmes sind aber die Kostüme und Kreaturen. Die sind alle sehr liebevoll und in Handarbeit gestaltet, auf Computertricksereien wird nur im Notfall zurückgegriffen (zum Beispiel beim Skybeam am Ende). Das merkt man, und das gibt Pluspunkte. Da stört es mich nicht einmal so sehr, dass die Kämpfe Mensch gegen Monster ob der eingeschränkten Bewegungsfähigkeit der Kostümierten relativ unspektakulär aussehen, auch wenn ich zugeben muss, dass es zwischendurch deswegen zu kleinen Längen kommt, weil das Dargebotene nicht so interessant ist, wie die Auseinandersetzung auf dem Papier zu versprechen scheint. Das einzige Kostüm, bei dem ich mir immer noch nicht sicher bin, ob es großartig ist, oder Augenkrebs auslöst, ist das von Sakuyas Vater. Das wirkt sehr…befremdlich. Und dieser seltsame Schirmdämon ist auch…speziell. Andererseits, wie will man so ein Getier sonst zeigen? Gut, ‚gar nicht‘ wäre eine akzeptable Antwort. Die Macher sind so überzeugt von ihren Puppen, dass sie sogar ne Krähenpuppe statt einer Echten auffahren.

Wie es sich für einen anständigen Monsterfilm aus Japan gehört, gibt es auch ein schickes Set, welches die Erbauer scheinbar mit Freude in die Luft jagten. Zumindest vermeint das Regisseur Tomoo Haraguchi bei diesen zu erkennen. Dieser scheint ein Gefallen an Monster- und Dämonenjäger-Filmen zu haben, hat er doch noch einen mit einem Werwolf als Monstertöter, oder einen mit dem schönen Titel „Death Kappa“ im Portfolio. Seine Ursprünge in der Spezialeffekte-Ecke kann er nicht verbergen.

Die Stimmung ist für einen eher an ein jüngeres Publikum gerichteten Film oft ziemlich düster. Vor allem die Darstellung des Puppenmachers und des Dorfes, in der die Helden auf die Geisterkrieger treffen könnte Stoffe für angenehme Träume sein. Ich finde das gut.

„Sakuya – The Demon Slayer“ könnte allen gefallen, die auch schon „Inu Yasha“ und Konsorten mochten, oder eine Schwäche für handgemachte Effekte und Gummimonster haben. Einer der Kreaturendesigner nannte den Film einen „Historienfilm mit Monstern, quasi Fantasy“.

 

Als Schmankerl noch der Kampf mit den untoten Kriegern.

 
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Verfasst von - Juli 24, 2019 in Filmtagebuch

 

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Kais Tatorttagebuch – „Als gestohlen gemeldet“ (BRD, 1975)

Kais Tatorttagebuch – „Als gestohlen gemeldet“ (BRD, 1975)

Es ist mal wieder Tatort-Time, and Tatort-Time is better time (kleine Strunk-Referenz). Und nicht nur irgendein Tatort, sondern einer aus dem München der 70er-Jahre (1975 um genau zu sein), also einer Zeit, in der manches viel besser war, und manches viel schlimmer, und manches war so wie eh und je. Das heißt, Kommissar Veigl (Pumuckl-Eder Gustl Bayrhammer) und sein Gefolgsmann Lenz sind am Ermitteln.

Doch zunächst sehen wir ein Bauernpaar, das mit seinem Trecker durch die Pampa fährt. Die fröhliche Spazierfahrt wird jäh unterbrochen, als sie einen Mann am Wegesrand liegen sehen. Dieser sieht nicht mehr so frisch aus, aber scheint doch noch am Leben zu sein. Allerdings erfordert es Überzeugungsarbeit des weiblichen Parts des Paares, bevor ihr Schatzerl sich bereit erklärt Polizei, und vielleicht auch Notarzt zu rufen. Nix von erster Hilfe, sie lassen den armen Kerl einfach im Busch liegen, während sie durch die Gegend tuckern, um ein Telefon zu finden.

Eine etwas lang abgefilmte Notarztuntersuchung später (aber man muss dem Publikum ja auch zeigen, wie so etwas geht, zwecks Bildungsauftrags) befinden wir uns auch schon im Polizeipräsidium. Kommissar Veigl hat den Tascheninhalt des Opfers (übrigens Schädel-Hirn-Trauma, falls das jemand interessiert) vor sich liegen, im speziellen ein Tüterl, dessen Aufdruck ihn zu einer Autowerkstatt/Autohaus führt (es steht aber auch eine handgeschriebene Telefonnummer darauf, da hätte ich ja zuerst angerufen). Die Firma gehört Frau Stumm und erkennt in dem beinah Toten ihren KFZ-Meister Otto Jirisch. Offenbar hat Otto in einer Betriebswohnung gehaust, die Veigl von Frau Stumms Tochter Gigga gezeigt wird. Jetzt mal ehrlich, wie kommt man denn von Gisela auf Gigga? Ich meine Joseph und Sepp, oder Elisabeth und Liserl geht ja noch, aber Gigga? Das klingt schon arg bescheuert.

Als nächstes folgt die weitere Erfüllung des Bildungsauftrags öffentlich-rechtlicher Sender. Der Arzt erklärt Veigl die Auswirkungen eines Schädel-Hirn-Traumas (oder Schädelbasisbruchs). Veigl hätte nämlich gerne mit Otto Jirisch gesprochen, aber der ist im Koma. Dafür beobachtet der Kommissar aber, wie Frau Stumm mit Blumen im Krankenhaus auftaucht und auch gerne den Otto besuchen wollen würde.

Unterdessen sind auch die normalen Streifenpolizisten nicht untätig und finden Jirischs Wagen im Halteverbot. Der Wagen gibt einiges her. Blutspuren von zwei Personen und verschiedene Telefonnummern. Das wird gleich Veigl berichtet, der sich gerade ein leckeres Bayernfrühstück gönnt, nämlich Leberkäse und Kaffee. Bei den Telefonnummern melden sich aber nur Frauen, die aber gleich wieder auflegen. Immerhin liegen die Telefonanschlüsse im gleichen Wohnhaus. Als man dieses beobachtet, fällt eine betrunken Auto fahrende Dame auf, die dort ansässig ist. Und auch aufsässig gegenüber Lenz, der sie erst mal mit auf das Revier nimmt. Obwohl sie verdächtige Verletzungen aufweist und eine Männerjacke im Auto hat (was für Verdachtsmomente), wird sich im weiteren Verlauf noch herausstellen, dass sie mit dem Fall nichts zu tun hat, da sie in der Tatnacht bei einem Professor war, mit dem sie sich vergnügt hat (gegen Bezahlung versteht sich). Am schlimmsten an dem ganzen Storystrang, ist die supercoole Attitüde, die die Dame an den Tag legt. Wenn alle Nutten in den 70ern so geredet haben (noch dazu badisch), frage ich mich, wie die über die Runden gekommen sind.

Es stellt sich heraus, dass Otto Jirisch schon in Hamburg im Knast war. Veigl hat natürlich nichts Besseres zu tun, als das erst mal der Chefin unter die Nase zu reiben und fährt dafür sogar zu ihr nach Hause. Sehr schön übrigens, wie während der Befragung eine Schwarzweiß-Rückblende gezeigt wird. Die verdeutlicht, was wir natürlich schon längst wussten, nämlich dass zwischen Jirisch und Frau Stumm mehr herrschte, als ein geschäftliches Verhältnis. Gleichzeitig wird auch noch die Tochter Gigga befragt, die sich im schicken roten Bikini im Garten räkelt und auch so nicht schlecht aussieht. Allerdings benimmt sie sich wie eine beleidigte 13 Jährige (und soll doch schon 18 sein) und gibt nur kurze Halbsätze als Antworten. Ihr halbseidenes Alibi für die Tatnacht fliegt auch gleich auf (angeblich war sie im Kino, nennt aber einen Film, der gar nicht mehr lief). Also muss sie zugeben, dass sie bei einem Mann war, will aber nicht mit dem Namen rausrücken (na, wer das wohl sein könnte). Nachdem sich der Polizeibeamte verabschiedet hat, klettert sie gleich aus dem Fenster, rennt zur Jirischs Wohnung und holt sich dort eine verdächtige Kassette (ein Gegenstand, in dem man etwas aufbewahrt, nicht das veraltete Musikmedium) aus dem Kleiderschrank.

Es folgt ein netter Zusammenschnitt von Befragungen diverser Nachbarn und Mitarbeiter, in welchem Otto Jirischs Ruf als Frauenheld, dem viel Neid entgegengebracht wird, gefestigt wird. Dann endlich kann die Polizei die Jirisch-Wohnung durchsuchen und fördert dabei einen BH der Tochter zu Tage. Währenddessen bekommt Veigl ein Gespräch zwischen einem Versicherungsvertreter und Frau Stumm mit. Offensichtlich werden überdurchschnittlich viele Autos, die über die Stumm-Firma versichert sind, als gestohlen gemeldet (na, weiß jemand schon Bescheid?).

Gleichzeitig durchsuchen Lenz und sein Partner die Wohnung der betrunkenen Nutte (da die ja noch nicht wissen, dass die mit dem Fall an sich nichts zu tun hat). Dabei überraschen sie einen Mann (mit verdächtigen Gesichtsverletzungen), wie er sich auf rabiate Weise Zutritt zu einer Wohnung verschaffen will. Als sie ihn nach seinen Personalien fragen, zückt dieser eine Waffe (die er allerdings gleich fallen lässt) und flieht. Es schließt sich die erste Treppenhausverfolgungsszene dieses Tatorts an. Natürlich kann er den fitten Polizisten nicht entkommen. Auf dem Revier stellt sich dann raus, dass dieser Typ (er behauptet, er heiße Leu) keine Fingerabdrücke besitzt (er hat sie sich mit Salzsäure weggeätzt). Außerdem saß er in Hamburg im selben Knast wie Otto Jirisch.

Veigl, mal wieder bei Stumms zu Hause, möchte gern den Namen des Gspusis von Gigga erfahren, doch die sagt nichts. Dafür entdeckt er die auffällig unauffällig rumstehende Kassette, in welcher er dann Fotos findet. Gigga schreit „Gemein!“ und strampelt beleidigt auf dem Bett herum. (Na gut, ich sag´s gleich jetzt, auch wenn das erst später gezeigt wird, die Fotos zeigen die nackte Gigga und den wenig bekleideten Otto Jirisch, die ganz offensichtlich was miteinander hatten, ohne dass es die Mutter wusste).

Veigl stattet nun dem Versicherungsheini einen Besuch ab, und erfährt zwei Dinge. Erstens, die Autoklauerei fing erst nach der Einstellung Otto Jirischs bei Firma Stumm an. Und zweitens kann die Firma immer sehr schnell für Ersatz sorgen, immer gleiches Modell, nur andere Lackfarbe.

Jirisch ist im Krankenhaus verstorben, und Frau Stumm ruft reumütig bei Veigl dahoam an. Sie wolle ihm was in der Werkstatt zeigen. Veigl lässt also seinen getreuen Dackel zurück und begibt sich zur Firm Stumm, wo ihm Frau Stumm nicht nur die Lackiererei mit den Ersatzschlüsseln, Nummernschildern der gestohlenen Wagen und Fahrgestellnummerkärtchen zeigt, sondern ihm auch noch alles erzählt, was uns dann gleichzeitig mit einer SW-Rückblende gezeigt wird. So war sie überfordert und in Geldnot nach dem Tod ihres Mannes. Da kam der Jirisch, den sie sogleich einstellte. Mit seinem Charme (Komplimente und Kleidergeschenke), schlich er sich in ihr Herz. Von ihm kam dann auch die Idee, mit Hilfe der Ersatzschlüssel, die Autos zu klauen, sie umzulackieren und nochmals zu verkaufen, sprich Versicherungsbetrug im großen Stil. Als die Schulden abbezahlt waren, wollte Frau Stumm damit aufhören, aber Jirisch musste da erst noch seinen Partner Leu überzeugen, der ihm die extra Schlüssel gemacht hatte. Veigl ist auf Grund des Geständnisses (und der Tatsache, dass Frau Stumm Jirisch immer noch verteidigt), sehr schockiert. Und zwar so sehr, dass er gerne den Fall abgeben würde.
Bevor er das allerdings mit seinem Chef ausdiskutieren kann, wird Alarm geschlagen. Leu, der gerade vom Vernehmungsraum, wo er die Tat an Jirisch gestanden hatte (es sei allerdings ein Unfall, Streit ums Geld und Notwehr gewesen) abgeführt wurde, konnte mit dem ältesten Trick der Welt („ich muss auf´s Klo“) entkommen, hat sich eine Polizeiuniform geschnappt und läuft jetzt durch das Gebäude. Natürlich fällt seine Verbrechervisage dennoch auf, und er sieht sich genötigt die Treppe nach oben zu fliehen (zweite Treppenhausverfolgungsszene). Die Flucht endet auf dem Dachboden. Dort gibt es noch ein kurzes Katz und Maus-Spiel, bevor Leu zu blöd zum Laufen ist, stolpert, und über irgendeine ominöse Treppenbrüstung in den Tod stürzt. Ende, Verbrecher bestraft, Fall gelöst.

Der Tatort an sich war nicht einmal so ein schlechter. Sehr gefallen haben mir vor allem die immer wieder eingeblendeten schwarz-weiß-Rückblenden. Am besten wirken diese, wenn sie gänzlich andere Bilder zeigen, als von Frau Stumm eigentlich beschrieben. Später dienen sie noch der visuellen Unterstützung. Das bringt schön Abwechslung in den drögen Tatort-Alltag.

Etwas seltsam dagegen muten die Treppenhausverfolgungsszenen an. Da passiert nicht viel, außer, dass Leute Treppen hoch, bzw. runter laufen. Da hätte man sich auch etwas Spannenderes einfallen lassen können. Ebenso seltsam ist der tödliche Sturz von Leu. Im einen Augenblick sprintet er noch, im nächsten stolpert er unmotiviert über seine eigenen Füße in den Tod. Man hätte ihn, wenn man schon auf dem Dachboden herumstrolcht, irgendwie auch vom Dach fallen lassen können. Das sähe nicht nur tödlicher, sondern auch spektakulärer aus.
Ein weiteres Kuriosum ist der Arzt, der immer alles genau erklärt, damit der Zuschauer vorm Bildschirm auch etwas lernt. Man kommt sich beinahe wie in einem Erste-Hilfe-Kurs vor.

Story-technisch bleibt am Ende noch einiges im Dunkeln. Es wird zum Beispiel nicht ganz klar, ob Jirisch den Versicherungsbetrug von Anfang an geplant hatte. Möglich wäre es, da er die gefälschten Fahrgestellnummern schon vorbereitet hatte. Vielleicht hätte er das illegale Geschäft auch ohne Wissen der Chefin angefangen. Auch seine Beziehung zur Chefinstochter führt im Prinzip nirgends hin. Sie hätte auch genauso gut irgendeine Frau sein können (gut man wollte vermutlich zeigen, was für ein unguter Mensch Jirisch ist. Und die Nacktbilder waren natürlich auch wichtig).
Die ominösen Telefonnummern der Prostituierten, die in Jirischs Auto gefunden wurden, machen ebenso wenig Sinn. Es wird nie wirklich erklärt, warum die da rumliegen. Es könnte natürlich sein, dass er so Kontakt mit ihnen aufnahm um ein Treffen zu vereinbaren…aber das wäre ja…an den Haaren herbeigezogen…oder?

Etwas, was auch sehr halbseiden wirkt, ist die Geschichte um die betrunkene Nutte Mathilde. Die gibt es eigentlich nur, damit Lenz in ihrer Wohnung herumstöbern, Sexspielzeuge bestaunen und dann Leu überraschen kann. So was nennt man dann gute Polizeiarbeit.

Veigl wirkt in diesem Tatort, vor allem am Ende, äußerst schockiert. Gustl Bayrhammer erweckt den Eindruck, dass Kommissar Veigl sein Verfallsdatum überschritten hat. Dennoch löste er noch 10 weitere Fälle (mal sehen, ob er dann immer noch an der Menschheit zweifelt).

Frau Stumm und ihre Tochter Gigga sind auch im richtigen Leben Mutter und Tochter. Gisela Uhlen (Mutter) bringt die gutgläubige Chefin recht glaubhaft rüber. Dagegen wirkt Susanne Uhlen wirklich nicht wie 18, sondern tatsächlich wie eine leberwurstige 13 Jährige. Aber wer weiß, vielleicht waren die Abiturienten früher so? Beide können auf eine reichhaltige Beschäftigung im deutschen TV-Schmonzens zurückblicken, und sind bis heute da auch noch tätig, in den Rosamunde Pilchers und Landärzten der öffentlich rechtlichen.

Interessant ist auch der Werdegang von Ralf Wolter (Leu). Der hat nämlich schon in zahlreichen Karl May-Verfilmungen sein Bestes gegeben („Durchs wilde Kurdistan“, „Old Surehand“, zwei der Winnetous). Im heutigen Tatort hat er nur eine relativ kleine Rolle inne gehabt (und das als Täter).

Der Tatort ist kein schlechter, es gibt aber auch weit bessere als „Als gestohlen gemeldet“. Allerdings bietet dieser einige seltsame Ideen (und über „Gigga“ werde ich mich noch ein wenig amüsieren, heutzutage sollte auch wieder mehr Dialekt im Tatort gesprochen werden). Die Story an sich war relativ dünn, aber das Drumherum hat mich doch schon unterhalten. Kann man also mal anschauen.

 
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Verfasst von - März 18, 2019 in Filmtagebuch, Tatorttagebuch

 

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Kais Filmtagebuch – „Open Your Eyes“ (Spanien, 1997)

Es gab ein mal einen Film mit Tom Cruise der da „Vanilla Sky“ genannt wurde. Das war die Zeit in Cruises Karriere, in der er noch nicht der verrückte Stunt/Schauspieler war, aber er war auch noch nicht der verrückte Sofaspringer von Opra.. Und „Open Your Eyes“ ist der spanische Originalfilm dazu. Wer das Remake kennt, wird nur wenig überrascht sein (wer allerdings weder den einen noch den anderen kennt, sollte jetzt aufhören zu lesen, ich nehme keine Rücksicht auf Verluste).

César ist ein reicher, selbstverliebter Schnösel, der mit Nuria eine Affäre hat, aber eigentlich genug von ihr. Dieses Gefühl verstärkt sich noch, als es Sofìa kennenlernt. Mit dieser würde er nun gerne zusammen kommen und zusammenkommen (die Tatsache ignorierend, dass sie mit seinem besten und einzigen Freund eine Beziehung unterhält), und diese scheint auch nicht ganz abgeneigt zu sein. Allerdings möchte es sich César nicht nehmen lassen, noch eine letzte Nacht mit Nuria zu verbringen. Dumm gelaufen, denn Nuria hat andere Pläne. Und so endet die vermeintliche Fahrt ins Liebesnest mit einem (ehrlich gesagt etwas unspektakulärem) Unfall. Nuria ist hin, und Césars Gesicht furchtbar verunstaltet.

Jetzt muss der ehemalige Schönling damit klar kommen, dass ihm die (Frauen-)Welt nicht mehr so ohne weiteres zu Füßen liegt. Auch Sofìa scheint sich von ihm ab und ihrem beinahe Ex wieder zugewandt zu haben. César ist mehr als verzweifelt und bricht betrunken auf der Straße zusammen.

Es gibt aber doch einen Silberstreifen am Horizont. Das Konsortium von Schönheitschirurgen, das César zusammentrommeln ließ, hat nun doch eine Methode gefunden, um das Antlitz wieder rekonstruieren zu können. Vorbei sind die Tage des Narbengewebes, bzw. der unüberzeugenden Maske, die César trug. Auch Sofìa kommt nun zu ihm in die Arme, und so könnte alles friedlich, freudlich und eierküchlich sein, wenn nicht eines Morgens statt Sofìa die totgeglaubte Nuria neben ihm im Bett läge. Und nicht nur das, auch auf Fotos hat diese ihren Platz eingenommen. Als nun auch noch Césars Umwelt Nuria als Sofia identifiziert dreht der gute Mann hohl, und die sicher geglaubte Realität wird immer unwirklicher…

Wie gesagt, wer „Vanilla Sky“ gesehen hat, wird von der Handlung nicht überrascht sein. Die wurde ziemlich genau so übernommen. „Open Your Eyes“ ist aber nicht so ein glatt-gelecktes Hochglanzprodukt und versprüht dadurch etwas mehr Charme.

Das liegt nicht nur an der Besetzung, auch wenn Eduardo Noriega kein so ein People-Magazin-Gesicht hat wie Cruise, zumindest vor dem Unfall. Seine Figur ist allerdings kein Sympathieträger, sondern ein richtiger Arsch. Allgemein sind die meisten Figuren hier keine Sympathiebolzen. Eigentlich niemand…

Penélope Cruz wirkt hier zudem etwas interessierter als ihr Gegenstück im Remake, Penélope Cruz. Mag sein, dass das daran liegt, dass ich den einen Film synchronisiert gesehen habe, und diesen hier nicht…oder aber die Sichtung des Cruise-Vehikels schon etwas länger her ist. Vielleicht sind es ja aber auch nur die vier Jahre Unterschied.

Madrid gibt eine hübsche Örtlichkeit ab, die man noch nicht so oft gesehen hat, auch wenn auf allzu viele Umgebungsshots verzichtet wird. Ich persönlich habe Barcelona schon öfter auf Film gebannt betrachtet.

Alejandro Amenábar kennen die meisten wohl als Regisseur von „The Others“. Hier ist er nicht nur der Regieführende, sondern auch der, dem die Geschichte eingefallen ist (im Traum, wenn man ihm glauben schenken darf, was gar nicht mal so unwahrscheinlich klingt). Andererseits finden sich einige Parallelen zu „Vertigo“.

Wem also der Sinn nach einem Film steht, der munter die Realität in Frage stellt, manchmal etwas verwirrend sein kann, und ein paar Ecken und Kanten hat, dem sei der hier ans Herz gelegt.

 
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Verfasst von - Januar 31, 2019 in Filmtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

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Kais Tatorttagebuch – „Mordgedanken“ (BRD, 1975)

Kais Tatorttagebuch – „Mordgedanken“ (BRD, 1975)

Heute gibt es schon wieder einen Tatort, und schon wieder einen mit Kommissar Brammer, der ja erst kürzlich seinen Einstand feierte. Gut, in der Tatort-Reihenfolge trennen die beiden 7 Episoden, aber hier wird ja etwas durcheinander veröffentlicht.

Die Eröffnungsszene zeigt einige Bahnbedienstete, die sich einen Güterzug anschauen, dabei findet einer ein verdächtiges Paket, jedoch nicht, bevor es von einem Schnitt auf den anderen düsterste Nacht geworden ist. Das Paket wird im Pausenraum vom Bahnpersonal geöffnet. Was müssen das noch für Zeiten gewesen sein, als man bei so etwas nicht gleich an Bomben dachte. Der Inhalt ist aber nichts für schwache Nerven, es ist nämlich ein Frauenunterarm (tricktechnisch dadurch gelöst, dass jemand seinen Arm reinlegte und man nur die Hand und Teile des Unterarms sieht, mit ein paar Holzspänen und roter Sauce). Darauf folgt die Titeleinblendung, mit der Anmerkung, dass diese Geschichte ganz echt und ziemlich genau so passiert ist und man nur Namen verändert habe.

Auf dem Revier erfahren wir, dass nun schon zwei Kartons mit Extremitäten gefunden wurden (dieser hier bei Hannover und einer Richtung Bayern). Während ein Kollege gerne mehr von seinem Urlaub erzählen würde, beschäftigt sich Brammer mehr mit den gefundenen Extremitäten. So hat er sich vom örtlichen Obduzenten sagen lassen, dass der Arm halbwegs geübt abgetrennt wurde und es ein französischer Nagellack ist.

Wie gut, dass nun zu einer französischsprachigen Familie geblendet wird. Natürlich kann man am Dialekt erkennen, dass es Belgier sind. Es wird aber auch einiges später darauf hingewiesen, dass wir gerade in Brüssel sind. Töchterchen Daniele erzählt von dem geplanten Gebirgsurlaub mit einer Bekannten. Am Flughafen kauft sie sich jedoch direkt Ansichtskarten und schreibt diese während des Hinflugs. Hoffen wir mal, dass es dort Postkarten mit Bildern des Ziels zu kaufen gab, sonst könnte das etwas seltsam wirken, wenn man statt eines tollen Alpenpanoramas nur die Stadtansicht Brüssels bekommt. Auf dem Flug lernt Daniele einen Kirschlikör schlabbernden Bahnfuzzi kennen, ich meine, sie lernt Bundesbahnoberrat Sperling kennen. Sie erzählt im zwar, weiter nach Genf fliegen zu wollen, aber als er sie ein Bahnticket nach Rhüden kaufen sieht, statt umzusteigen, fährt er ihr natürlich hinterher. Er wird doch nicht…

Nun werden ein paar Figuren mehr vorgestellt. Zum einen wäre da Edmund Freese, der jemanden, offenbar Daniele, vom Bahnhof abholen möchte. Dummerweise ist er aber einen Zug zu früh da und so geht er nochmal los, um Dinge zu erledigen. Dann gibt es da noch den Rechtsanwalt Kenzie, der seine Liebste (und Freeses Nichte) Ricki vom reiten abholt. Scheinbar heißt Rickis Vater Alfred (also Freeses Schwager, nur dass Alfred mit Nachnamen Georgie heißt) die Verbindung nicht so wirklich gut, jedenfalls sollen er und die Familie davon nichts wissen.

Unterdessen wurde scheinbar ein dritter Karton mit einem Frauenfuß gefunden (übrigens ist der erste Karton der einzige, den wir geöffnet bewundern durften, bei den anderen wird nicht mal gezeigt, wie sie gefunden wurden, es wird uns nur erzählt, das ist wohl günstiger gewesen). Die altgedienten Ermittler in Baden-Baden wundern sich, dass Brammer in dieser scheinbar aussichtslosen Sache freiwillig ermittelt, und ich wundere mich über Zuständigkeiten in Deutschland. In verschiedenen Bundesländern tauchen Leichenteile auf Güterzügen auf, wer ist denn nun verantwortlich? In diesem Fall eben die in Hannover, weil sie sich darum reißen.

Kenzie unterhält sich mit Freese, scheinbar ist er nicht nur Anwalt, sondern auch Freund der Familie (und eben Nichten-Stecher, wobei es wohl auch irgendwas zwischen Rickis kürzlich verstorbener Mutter und Kenzie gab, so richtig wird das aber nie gesagt, nur als Gerüchte und Getuschel erzählt). Freeses im Ausland (Brasilien, um genau zu sein) lebende Ehefrau scheint sich endlich scheiden lassen zu wollen. Das kommt diesem aber gar nicht recht, nicht wegen der Gefühle natürlich, es geht ihm um ihr Geld, das in seiner Fleischkonservenfabrik steckt. Jetzt hat Freese aber erst mal einen vollen Terminkalender. Er muss nicht nur zur Beerdigung seiner Schwägerin (wo sein Schwager Alfred sehr angespannt ist), sondern auch zum Bahnhof, um diesmal Daniele wirklich abzuholen, was jetzt auch klappt. Übrigens bekommt man hier eine schöne Dampflok zu sehen, immerhin durften diese noch zwei Jahre lang im Bahnverkehr verkehren. Erst 1977 wurde die letzte Dampflok aus der Personenbeförderung entlassen. Äh…weiter im Krimi. Der seltsam-neugierige Sperling steigt auch mit aus, nachdem er aber ein von Daniele weggeworfenes Stück Papier aus dem Müll fischt, wird er von der Bahnpolizei abgefangen. Das folgende Gespräch wird leider nicht gezeigt, dürfte aber wohl irgendwas von „ich bin ihr Chef“ und „ich gehe hier nur meinen seltsamen Hobbies nach“ beinhaltet haben.

Brammer wird von seinem Chef zusammengefalten, weil er sich als Versicherungsmensch ausgegeben hatte. Danach bespricht er mit seinen Mitarbeitern den Fall, wobei hier aus irgendeinem Grund seltsam gelacht wird. Und die Schlüsse, die Brammer zieht, kommen mir auch nicht ganz wasserdicht vor. Naja, man wollte wohl zeigen, dass in dem Fall auch noch ermittelt wird.

Freese ist mit Daniele zu einer Staumauer gefahren, um ein wenig spazieren zu gehen. Dabei macht er sich mit komischen Andeutungen verdächtig („Niemand weiß, wo du bist“) und erschrickt sie verdächtig am Rande der Staumauer. Nach einer Begegnung mit einer ebenso seltsamen Frau (Freeses Sekretärin, wie wir später erfahren werden) bringt er seine Geliebte ins Hotel.

Später am Abend trifft sich der Konservenfabrikchef mit seiner Sekretärin eben dort, in der Fabrik. Diese hat vor 11 Jahren dafür gesorgt, dass die erste Ehe von Freeses noch Ehefrau geschieden werden konnte (sie brachte den damaligen Ehemann in Misskredit), und wäre nun gerne mal mit Freese zusammen, auch wenn sie weiß, dass es nicht aus Liebe sein wird („Liebe, was ist das? Ein ausgetrunkenes Glas Wasser.“). Deshalb ist sie nur wenig von Danieles Anwesenheit begeistert. Er gibt ihr zu verstehen, dass sie erst mal in den Urlaub fahren solle.

Als Freese nach Hause kommt, findet er seinen Hund tot vor. Sofort holt er sein Gewehr aus dem Schrank und ruft dann den Tierarzt an, damit er schauen könne, woran der Hund gestorben ist. Ich kann mich nicht erinnern, ob das je geklärt wird, aber ich fand, die Reaktion, zuerst den Tierarzt anzurufen seltsam genug, sodass ich das hier erwähnen wollte.

Bei Ermittlers wird weiterhin gerätselt. Und Brammer gibt mit seinem Wissen über historische Kriminalfälle an. Es folgen einige Lückenfüller (Daniele zum Beispiel geht nicht gleich ans Telefon, war aber nur im Bad, etc.). Schließlich kommt aber Sperling aufs Revier. Mittlerweile wurden schon 4 Leichenpakete gefunden, und der Kommissar und der Bahnoberrat versuchen herauszufinden, welche Stelle in Deutschland der Schnittpunkt der vier Güterzüge ist. Nach einiger Zeit kommen sie auf Rhüden (also da, wo sich bislang ein Großteil der Handlung abgespielt hatte). Brammer ist aber überraschend zögerlich, wohingegen Sperling sofort dorthin fahren möchte.

Während Freesen-Schwager Alfred sich seltsam benimmt und das mit Ricki und Kenzie rausbekommt, führen Daniele und Freese selbst ein ernstes Gespräch ihrer beider Zukunft betreffend bei ihm zu Hause, durchs Fenster beobachtet von der höchst seltsamen Sekretärin.

Sperling und Brammer kommen in Rhüden an und finden relativ schnell die in Frage kommende Brücke, von welcher aus die Päckchen auf die Güterwaggons geworfen wurden (es war scheinbar ein sehr kurzer Tag, denn es ist wieder ziemlich schnell Nacht geworden). Und ein Glück, dass sie gekommen sind, denn sie können einen Mann sehen, der eben dies tut. Leider kann er entkommen, und leider wird dem Zuschauer auch nicht gezeigt, wer das war. Immerhin scheint man auf der richtigen Spur zu sein, und so wird die Brücke observiert und die Kneipen in der Gegend von Polizisten in Zivil aufgesucht, um mögliche Informationen zu beschaffen. Freese, dessen Frau schon lange niemand mehr gesehen hat, da sie ja in Brasilien ist (oder nicht?), und der ja eine Fleischkonservenfabrik besitzt, also fürs Zerkleinern zumindest passendes Equipment besitzt, scheint ein passender Verdächtiger zu sein. Bevor aber weiter ermittelt werden kann, möchte Brammer nun wissen, warum Sperling denn überhaupt Daniele nachgereist ist. Logisch, meint er, er wollte eben mal etwas verrücktes machen.

Freese hat nun ein paar Probleme. Nicht nur, dass seine verrückte Sekretärin seine Geliebte aus dem Hotel abgeholt hat und wer weiß was mit ihr anstellt, nein, es kommt auch noch ein Typ seiner Versicherung in den Betrieb, der seltsamerweise wie Kommissar Brammer aussieht, und sich das Gelände anschauen möchte wegen einer möglichen Police-Erhöhung. Außerdem erwähnt Brammer auch noch grundlos eine Lebensversicherung für Freeses Frau. Brammer, ziemlich nervös, gibt dem vermeintlichen Stromberg einen Angestellten an die Hand, der ihn herumführen soll. Nachdem die zwei an einem verschlossenen Raum vorbeigekommen sind, für welchen nur der Chef persönlich den Schlüssel hat, verabschiedet sich Brammer von seinem Reiseleiter und schleicht sich in des Fabrikleiters Büro. Ich vermute, es ist wieder mal ziemlich plötzlich Nacht geworden, denn es befindet sich niemand anderes mehr im Betrieb, so dass dort er in aller Ruhe den Schreibtisch durchsuchen und den Schlüssel finden kann. Nicht nur das, er erwischt Freese auch dabei, wie dieser Kartons den Flammen übergibt, die genauso bedruckt sind, wie diese, um die es ja eigentlich die ganze Zeit schon geht. In dem Raum selbst aber gibt es nichts zu sehen, dennoch darf Freese die Nacht auf dem Revier verbringen. Sein Anwalt Kenzie hat leider sein Telefon ausgesteckt um ungestört mit Ricki schmusen zu können. Nun, bevor er dieses tat, kam doch noch ein Anruf herein. Freeses Frau kündigt sich an, wieder heim zu kommen.

Und so kommt es, dass sich alle Personen bei Freese zu Hause treffen, der Verdächtige selbst, der Kommissar samt Polizeischutz, Ricki und Kenzie, die Sekretärin, Alfred und endlich auch Freeses Frau Tina. Das ist irgendwie dumm gelaufen für den Kommissar, weil er diese eben als zerstückelte Leiche vermutete, und nun nichts mehr in der Hand hat. Gut, aber Daniele ist immer noch verschwunden, ein gewisser Verdacht besteht noch, doch da klingelt schon das Telefon. Und Sperling sagt, er habe Daniele am Flughafen wohl auf gesehen. Immerhin, während des Telefonats kann Brammer beobachten, dass Alfred sich die Schuhe mit genau demselben ungewöhnlichen Knoten bindet, der auch an der Paketschnur der Leichenpäckchen vorzufinden war. Außerdem wird er dauernd so nervös, dass er sich immer wieder von Ricki ein Zäpfchen geben lassen musste (also, ich hoffe nur in die Hand geben und nicht verabreichen…). Freese bohrt also ein wenig nach und fragt, was wohl im Sarg der toten Freese-Schwester vorzufinden sei, sollte dieser exhumiert werden. Das ist zu viel für den guten Alfred und er gesteht einen Giftmord an seiner Frau. Da aber nun in den Leichenteilen kein Gift nachgewiesen werden konnte, kann das schlecht sein. Überrascht fragt Alfred Ricki ob das wahr sei. Und warum? Nun, weil er und Freese dachten, Ricki hätte ihre Mutter vergiftet, schließlich fehlte ja auch etwas Arsen aus dem Väterlichen Apothekervorrat. Ihr Motiv hätte sein sollen, dass die Mutter nie zur Hochzeit zwischen Ricki und Kenzie zugestimmt hätte. Und darum haben Freese und Alfred die Tote zersägt und zu entsorgen versucht (übrigens gestorben an einer natürlichen Ursache, ich glaube an den Folgen eines schweren Magengeschwürs). Es gibt nun keinen Mord, aber die beiden Zersäger wurden zu 8 Monaten und zu einem Jahr verurteilt, wie uns eine Einblendung am Ende verrät. Schließlich ist das alles ja echt passiert und so.

Der zweite Tatort mit Kommissar Brammer ist vor allem zu Beginn etwas konfus. Das hält so lange an, bis man die verschiedenen verwandtschaftlichen Verhältnisse und Techtelmechtel zugeordnet hat. Der Hauptteil des Films beschäftigt sich auch damit, erst am Ende werden wirkliche Ermittlungen gezeigt. Nicht unbedingt ein schlechter Ansatz, zu versuchen, dem Umkreis der toten mehr Hintergrund zu geben. Und dadurch, dass sich so viele seltsam benehmen (und am Ende schließlich niemand der Mörder war), bekommt das beinahe einen ironischen Charakter. Etwas ungeschickt ist aber, das manche Sachen nicht so richtig gezeigt werden. So zum Beispiel, warum Kenzie immer ein schlechtes Verhältnis zu Rickis Mutter gehabt haben soll, zudem wirkt es von seiner Seite aus nicht so, als wäre er an einer Heirat interessiert, weshalb ich das größtenteils ignorierte. Ebenso, dass Arsen in Alfreds Apotheke fehlt. Es werden also unter anderem durch weglassen von Dingen (zum Beispiel auch die Todesursache des Hundes) falsche Fährten kreiert, was ich etwas unfair gegenüber dem Zuschauer finde. Man will ja schließlich selber mitraten. Manche werden aber auch durch seltsames Verhalten geschaffen (die Sekretärin zum Beispiel), was meiner Meinung nach sehr gut funktioniert. Und manches (wie zum Beispiel der Anruf bei Daniele, den sie erst nicht annimmt, weil sie im Badezimmer ist) dienen nur dazu, Zeit totzuschlagen, und nicht dem Spannungsaufbau.

Andererseits ist es ganz gut, dass Brammer nicht zu häufig vorkommt, er ist und bleibt nämlich ein alter Klugscheißer ohne große sympathische Werte. Ich jedenfalls hätte ihn nicht öfter sehen wollen. Da hat sich im Vergleich zum ersten Fall nichts geändert.

Bahnoberrat Sperlings Motivation, dem Mädel hinterher zu reisen kann ich immer noch nicht ganz nachvollziehen, aber klar, er war der erste falsche Verdächtige. Dargestellt wird er von Ulrich Matschoss, der bei Schimanski 10 Jahre lang als Kriminaloberrat Karl Königsberg beschäftigt war.

Gunnar Möller (Freese) war auch immer wieder beim Tatort beschäftigt, gab zweimal den Hitler und erschlug 1979 seine Frau im Affekt. Nach einiger Zeit war aber dann auch wieder für Film und Fernsehen tätig. Gut, ich kenne die näheren Umstände des Falles nicht, finde es aber doch mal erwähnenswert.

Jutta Speidel ist die junge Ricki. Wie gesagt, so ganz kann ich die Beziehung zum Rechtsanwalt nicht nachvollziehen, da dieser nicht so wirklich an was festem interessiert scheint. Jutta Speidel selber ist ja bis heute relativ bekannt im deutschen Film und Fernsehen, durfte aber auch schon international tätig werden (z.B. im „Illuminati“). Damals lagen ihr die Schulmädchenreport-Jahre aber noch etwas näher.

Kleines, ganz kleines Kuriosum noch am Rande, statt am echten Rhüdener Bahnhof zu drehen wurde scheinbar einer in Goslar gewählt. Heutzutage sehen die aber sicher alle etwas anders aus.

Stefan Murr, der die Vorlage „Mord im September“ schrieb (übrigens ein Pseudonym von Bernhard Horstmann, was selber wie ein Pseudonym klingt), verwendete scheinbar wirklich echte Kriminalfälle als Grundlage. Wie viel davon aber schlussendlich übrig blieb, das kann ich nicht sagen.

Es bleibt mir also nur noch zu sagen, dass „Mordgedanken“ wieder mal eher durchschnittliche Krimikost bietet. Wirklich langweilig wird es durch das Auslegen der vielen falschen Spuren nicht, aber die Handlung ist doch etwas verworren. Das Ende finde ich zwar ganz witzig, aber den Kommissar leider daneben. Meh.

 
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Verfasst von - März 13, 2018 in Filmtagebuch, Tatorttagebuch

 

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Kais Tatorttagebuch – „Kneipenbekanntschaft“ (BRD, 1974)

Kais Tatorttagebuch – „Kneipenbekanntschaft“ (BRD, 1974)

Wie kann man einen Kommissar besser einführen als mit einem Udo Lindenberg Konzert (damals noch ohne Brille und ohne Hut)? Gar nicht. Darum beginnt dieser Tatort mit dem letzten Lied des Konzerts („Candy Jane“ wird gesungen) und einem kurzen Gespräch zwischen dem neuen Kommissar mit Namen Brammer und dem guten Udo.

Kurz darauf fährt Brammer zu seiner neuen Arbeitsstelle nach Hannover, wo er ob seines jugendlichen Alters von den Alteingesessenen kritisch beäugt wird. Und während er sich noch in seinem neuen Büro einrichtet, werden dem Zuschauer erst einmal die Akteure des heutigen Falles vorgestellt.
Zunächst wäre da Herr Kolltasch, der in einer Kneipe sitzt und sich gerne mit seiner Geliebten Anna Schmidt an diesem Abend verabreden würde. Leider hat diese gerade ein Kegelclubtreffen und auch scheinbar in letzter Zeit immer weniger Interesse an Kolltasch, sodass dieser den Cognac alleine stürzen muss.
Dann wäre da Herr Höfel, der gerade von seiner Frau in flagranti erwischt wird, wie er sie betrügt. Logisch, dass sie daraufhin die Scheidung will, doch Herr Höfel will nicht auf das Geld, das seine Frau in die Ehe bringt, verzichten und bringt als Drohung den armen Kakadu seiner Frau um.
Und dann wäre da noch ein junges Pärchen, das sich ständig streitet und wieder versöhnt. Die beiden sind gerade dabei, einen Flussfrachter, bei welchem der männliche Teil des Paares namens Ossie als Matrose angeheuert hat, zu verlassen, um eine feuchtfröhliche Nacht in Hannover zu verbringen.

Nachdem das geklärt wäre, können wir ja wieder zur Einstandsparty von Kommissar Brammer übergehen. Diese wird leider rüde unterbrochen (wo ich mir doch so gerne noch mehr altbackene Witze angehört hätte, von Ameisen, die Elefanten würgen und so), eine Leiche wurde gefunden. Anna Schmidt, die etwas ältere Geliebte von Kolltasch, wurde mit einem Strumpf erdrosselt. Das steht natürlich gleich am nächsten Morgen auf Seite 1 der Zeitungen. Kaum bemerkt Kolltasch dies, macht er sich auf die Socken und taucht erst mal unter. Ich finde es übrigens sehr gut, dass Getränkeauslieferer, und das ist Kolltasch, sich scheinbar am auszulieferndem Bier bedienen dürfen…morgens, halb zehn in Deutschland. Ich denke, das werde ich später auch.

Kommissar Brammer sucht aber zunächst den Stiefsohn von Anna Schmidt auf. Scheinbar hatten die beiden ihre Differenzen. Erhebliche, denn der Stiefsohn fand es nicht gut, dass sie sich nach dem Tod ihres Mannes nur noch mit Kneipenbekanntschaften herumtrieb und hat sie auch schon mal in ihr Zimmer gesperrt wie einen Teenie. Allerdings kann der Stiefsohn ein Alibi vorweisen, auch wenn es nur von seiner Frau kommt. Zwar wird er später nochmals kurz verdächtigt, aber das stellt sich dann nur als Racheaktion eines ehemaligen Angestellten heraus.

Immerhin hat Brammer mittlerweile auch schon ermittelt, dass Höfel, Anna Schmidt und das junge Pärchen (Ossie und Eva) in der Tatnacht in derselben Kneipe saßen. Und er weiß von Anna und Kolltasch. Deswegen lässt er zunächst nach ihm fahnden, da er als Einziger ein Vorstrafenregister aufzuweisen hat.
Kolltasch wird auch schnell gefunden. Kein Wunder, wenn man nur noch nervös rennend durch die Gegend ähm…rennt. Da fällt man eben auf. Doch Kolltasch hat auch ein Alibi und wird nach einiger Zeit wieder frei gelassen. Er habe sich nur versteckt, weil er Angst vor der Polizei hat. Und ein Depp ist, denn so was macht einen eben erst recht verdächtig.

Dann wäre da noch Höfel, der wohl von Anna Schmidt Geld wollte, aber auf den wir unerklärlicherweise nicht näher eingehen, da ihm seine Geliebte auch ein Alibi gibt.

Tja, bleiben nur noch Eva und Ossie, die mittlerweile aber in Kiel sind. Kein Problem, rasch dorthin gefahren, Schiff gefunden, ausgefragt. Eva hat scheinbar nach dem Kneipenbesuch noch in einer Telefonzelle mit ihren Kindern telefoniert (die werden sich sicher gefreut haben, von ihrer besoffenen, durchgebrannten Mutter zu hören, mitten in der Nacht) und beobachtete dabei, wie Ossie und Anna in einen Park gegangen sind. Sie dachte sich aber scheinbar nichts dabei. Wie naiv ist die denn?
Im Park jedenfalls sollen Ossie und Anna zunächst einvernehmlich rumgemacht haben, doch dann wollte Anna nicht mehr und Ossie hatte sie dann ein wenig gewürgt. Aber erst nach dem Verkehr hat er sie dann vollständig erdrosselt. Ich weiß ja nicht, ob es das besser macht… Zum Verhängnis wurde Ossie nicht nur, dass er der Letzte auf der Liste der Verdächtigen war, sondern dass er Anna mit Hilfe eines Seemannsknotens erdrosselt hatte. Kurz nach seinem Geständnis bei einer Tatortsbesichtigung rennt Ossie davon und wird von einem Laster überfahren.

Tja, das war er, der Einstand von Kommissar Brammer. Im Tatort wird er als jugendlicher Typ dargestellt, der Gitarre spielt und Udo Lindenberg kennt. Aber Knut Hinz spielt ihn eher hölzern und wenig jugendlich. Da macht er dann später in der Lindenstraße als Stotterer Hajo Scholz doch eine bessere Figur, weil sie ihm scheinbar besser liegt.

Die Kameraführung ist übrigens nicht so statisch, sondern es wird oftmals in die Richtung geschwenkt, in die die Protagonisten schauen. Das sieht ganz gut aus und vermittelt ein gewisses mittendrin Gefühl, wackelt aber doch hin und wieder ziemlich stark. Sehr gut gefallen hat mir die Befragung von Zeugen, in der die Personen direkt mit der Kamera gesprochen haben. Das gibt dem Ganzen eine Art dokumentarischen Stil.

Der Tatort an sich war gar nicht mal so schlecht, auch wenn ich nicht weiß, warum die Alibis, die einem von Frau und Geliebten gegeben werden auf einmal so glaubwürdig sind. Immerhin kennt man den Mörder nicht von Anfang an, alles wird erst im Verlauf aufgedeckt. Falls jemand an nackten Brüsten interessiert ist, die gibt’s hier zu sehen und allem voran natürlich Udo Lindenberg in jung und ohne Hut. Seinen Auftritt verdankt er sicherlich auch dem Umstand, dass er bei der originalen Titelmelodie der Krimireihe am Schlagzeug saß. Mittlerweile wurde diese ja schon zweimal überarbeitet.

Also das schlussendliche Fazit: Ein durchschnittlicher 70er-Jahre Tatort, der durch Brüste und Udo Lindenberg leicht aufgewertet wird. Aber das ist kein Grund sich auf die Suche nach dieser Episode zu machen.

 
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Verfasst von - März 4, 2018 in Filmtagebuch, Tatorttagebuch

 

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Kais Filmtagebuch – „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ aka „L´Uccello Dalle Piume Di Cristallo“ aka „The Bird with the Crystal Plumage“ aka „Bird with the Glass Feathers“ aka „The Gallery Murders“ aka „Phantom Of Terror“ (Italien, 1970)

Kais Filmtagebuch – „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ aka „L´Uccello Dalle Piume Di Cristallo“ aka „The Bird with the Crystal Plumage“ aka „Bird with the Glass Feathers“ aka „The Gallery Murders“ aka „Phantom Of Terror“ (Italien, 1970)

Dario Argento ist ein Regisseur mit einem ganz eigenen Stil. Meist steht bei ihm die visuelle Darstellung und die Atmosphäre im Vordergrund, und weniger eine schlüssige Handlung. Nun habe ich kürzlich seinen ersten Film (bei dem er auf dem Regiestuhl saß, als Drehbuchautor war er schon eine ganze Zeit lang davor tätig, so hatte er zum Beispiel bei „Spiel mir das Lied vom Tod“ mitgewirkt) gesehen. Nicht mein erster Argento, aber so war es doch umso interessanter zu sehen, wie einige seiner Trademarks schon von Anfang an vorhanden waren.

Der Film beginnt damit, dass eine junge Frau ohne ihre Einwilligung oder ihr Wissen von einem Fremden fotografiert wird. Wie sich schnell herausstellt, ist der Unbekannte nicht auf der Suche nach Italiens next Topmodel, sondern ist der Serienmörder, der in Rom umgeht, und das Mädel ist sein neuestes (drittes) Opfer.

Nun lernen wir den Helden des Films kennen, Sam Dalmas sein Name, und er erklärt seinem Kumpel (und damit auch dem unbedarften Zuschauer) in aller Ausführlichkeit, wer er ist, und was er in Rom macht (Kurzfassung: Amerikaner mit Schreibblockade, im Italienurlaub ging nun das Geld aus und er übernahm eine Auftragsarbeit, scheinbar eine Vogelabhandlung). Nun ist er eigentlich nur gekommen, um seinen Scheck abzuholen.

Auf dem Heimweg kommt er an einer Kunstgalerie vorbei und erblickt dort durch das Schaufenster eine Rangelei zwischen einer schwarzgekleideten Person, einer jungen Frau und einem Messer. Sam versucht einzugreifen, bleibt aber im Zwischenraum von äußerer und innerer Tür stecken (weil sich keine von beiden mehr öffnen lässt). Dennoch reicht das aus, um den Messerschwinger zu vertreiben und einen Passanten die Polizei rufen zu lassen, die Herrin der Galerie hat sich allerdings dennoch eine (nicht-tödliche) Stichwunde zugezogen.

Inspektor Morosini begutachtet mit Sam den Tatort und nimmt diesen dann mit aufs Revier. Augenscheinlich ist er sich noch nicht sicher, was er von dem Amerikaner halten soll, und so zieht er erst mal dessen Pass ein. So wird das natürlich nichts mit der geplanten Heimreise (und ich frage mich, warum er sich nicht an die Botschaft wendet. Ganz egal, was die Argumente des Inspektor sind, das ist doch das einzig vernünftige in der Situation).

Immerhin muss Sam nicht auf dem Polizeirevier nächtigen, er darf nach Hause gehen. Bevor er jedoch in die Arme seiner holden Julia sinken kann, wird in den nebligen Gassen Roms erfolglos ein Anschlag auf ihn ausgeführt.

Am nächsten Morgen wird er vom Inspektor zu einer Gegenüberstellung eingeladen. Da er den Täter gesehen hat, soll er sich mal eine Hand voll Perverse anschauen, um zu sehen, ob da nicht der Täter dabei sein könnte. Interessanterweise gehört der Transvestit nicht in diese Gruppe (wohl aber Exhibitionisten, Sodomiten, Päderasten und Sadomaso-Fans. Die späten 60er/frühen 70er eben). Die Gegenüberstellung war aber offenbar nur ein kleiner Zeitvertreib, denn kurzerhand und ohne, dass sich Sam näher mit den potentiell Verdächtigen beschäftigt, gehen wir in die Hightech-Abteilung der Polizei. Dort berechnet ein Computer anhand der Daten über die verschiedenen Morde eine Täterbeschreibung. Ich weiß natürlich, dass das große Computerzeitalter damals noch in den Kinderschuhen steckte, aber die Täterbeschreibung (durchschnittlich groß, irgendwie braunes Haar, usw.) und die Ausgabe eines Bildes durch ein Nadeldruckverfahren ist schon ziemlich herzig. Sam jedenfalls betont immer wieder, dass ihm an dem beobachteten Mordversuch in der Galerie irgendetwas seltsam vorkam, aber er kann einfach nicht sagen was.

Das ganze Prozedere war jetzt also ziemlich fruchtlos, und Sam beschließt, eigene Ermittlungen aufzunehmen. Julia findet das zwar seltsam (da sind wir schon zwei), aber der Inspektor unterstützt Sam, alldieweil er ja hofft, dass dieser ihm irgendwann noch eine nähere Täterbeschreibung liefern könne.

Und so beschäftigt sich Sam mit den ersten drei Opfern etwas näher. Die Erste (die, glaube ich, die Tote aus dem Vorspann ist), arbeitete bei einem leicht aufdringlichem und offensichtlich auf Sam stehenden Antiquitätenhändler. Kurz vor ihrem Tod verkaufte sie ein sehr seltsames Gemälde (naive Kunst, die einen Mord an einer Frau auf dem Feld zeigt, also etwas, was jeder gerne über den Kamin hängen würde). Sam bekommt freundlicherweise eine Kopie davon.

Und noch etwas weiteres bekommt er, nämlich seinen Pass wieder. Inspektor Morosini ist der Meinung, Sam als Täter ausschließen zu können. Da dieser aber nicht gleich abreisen, sondern noch ein wenig weiter ermitteln möchte, bekommt er Polizeischutz. Zudem ruft der Killer Morosini an, um etwas anzugeben.

Sams weitere Nachforschungen führen ihn zum eingeknasteten Zuhälter des zweiten Opfers, welcher durch einen stotternden und lispelnden Sprachfehler glänzt und ausgesprochen hübsch ist. Zunächst kann der allerdings keine wirklichen Hinweise liefern.

Abends gibt es wieder einen Anschlag auf Sams Leib und Leben, nun, zunächst auf das Leben des armen Polizeibeamten, der zu Sams Schutz abgestellt war. Dieser wird einfach überfahren. Nun könnte man mit Sam und Julia natürlich das gleiche machen, aber stattdessen setzt der Killer seine Verfolgung zu Fuß fort. Der Anschlag missglückt, doch der Killer entkommt (der übrigens nicht der Galeriemörder ist, da wir ihn in vollem unmaskierten Antlitz bewundern können).

Sam möchte immer noch nicht in heimische Gefilde fliegen, und bekommt noch einmal verstärkten Polizeischutz.

Da sich Sam gut mit dem Zuhälter gestellt hatte, verschafft ihm dieser Kontakt zu einem Mann, der herausfinden kann, wer der Auftragsmörder war (dieser Kerl nimmt seine ’niemanden-verpfeifen‘-Politik sehr ernst). Während Sam also zu Hause mit Julia kuschelt und auf Ergebnisse wartet, bekommt er einen Anruf des Serienkillers, der ihm nahe legt, Fünfe gerade sein zu lassen und heim zu düsen.

Dadurch nicht eingeschüchtert besucht Sam die Adresse, die ihm der Kontaktmann mittlerweile hat zukommen lassen, und findet dort nicht nur eine ärmliche Behausung/Bruchbude vor, sondern auch die Leiche des glücklosen Auftragsmörders. Klar, die Polizei muss wieder mal her und aufräumen kommen. Außerdem hat der Inspektor noch anderes interessantes zu zeigen. Durch die Analyse der beiden Anrufe (Sam hat nämlich den Killeranruf aufgenommen) konnte festgestellt werden, dass es sich nicht um den gleichen Sprecher handelt. Außerdem ist auf Sams Aufnahme noch ein seltsames Geräusch im Hintergrund zu hören, das aber nicht näher bestimmt werden kann.

Jetzt hat der Amerikaner doch genug und beschließt, den Heimflug anzutreten. Julia könnte das nur recht sein, doch im letzten Moment kommt Sam doch noch eine tolle Idee und möchte den Maler des Gemäldes besuchen. Tolle Idee, jedenfalls für uns Zuschauer, weil uns doch so eine herrlich durchgeknallte Darbietung von Mario Adorf als Maler und Katzenliebhaber der besonderen Art äh..dargeboten wird.

Blöde Idee aus Julias Sicht, da diese, während Sam in der italienischen Provinz herumturnt, einen Besuch des Serienkillers bekommt. Julia stellt sich zunächst nicht ganz doof an, verbarrikadiert die Tür, sucht nach einem Fluchtweg, und bewaffnet sich. Schlussendlich verliert sie doch die Hoffnung, lebend aus der Sache herauszukommen, sinkt auf den Boden und wäre sicherlich das nächste Opfer geworden, wäre nicht Sam mit polizeitärem Anhang rechtzeitig erschienen und hätte den Bösewicht verjagt.

Nun stünde der Heimkehr eigentlich nichts mehr im Weg, würde da nicht Sams Kumpel (der vom Anfang, der mittlerweile auch die Aufnahme mit dem seltsamen Geräusch belauschen durfte) auftauchen und kund tun, dass er wüsste, was das Geräusch ist, nämlich der (im italienischen) titelgebende Vogel mit den Kristallfedern. Das einzige Exemplar, das man in Rom finden könne, befindet sich im Zoo.

Dort angekommen, fügen sich die restlichen Puzzleteile zusammen, und Ereignisse finden statt, die den Serienkiller enthüllen. Aber, haha, ich verrate nichts weiteres.

Das war also die erste Regiearbeit Dario Argentos. Vieles, was seine späteren Filme und Giallos (Krimis mit einem grafischeren Gewalt- und Nacktheitsanteil, fast ausschließlich aus Italien) ausmacht, ist hier schon zu finden.

Optisch fängt das mit dem schwarzgekleideten und schwarzbehandschuhten Täter an, den man anhand seines Aussehens nicht identifizieren kann. Kein Wunder, schließlich steckte Argento selbst mehr als einmal in dieser Kluft, und nicht der Schauspieler in Täterrolle. Hat natürlich nicht nur damit zu tun, dass der Regisseur das Publikum auf eine falsche Fährte locken wollte, sondern auch damit, dass er seine Vorstellungen direkt umsetzen konnte.

Die Morde glänzen aber nicht nur durch die Darstellung des Täters, und seine Fixierung auf Schneidewerkzeuge, sondern auch durch eine besonders intensive Farbgebung. Das Blut ist unnatürlich rot gefärbt. Das mag man den technischen Unzulänglichkeiten zu schreiben, aber es würde auch in das Bild Argentos als das eines sehr visuell arbeitenden Regisseurs passen.

Ein weiteres Merkmal des argentschen (argentoischen?) Schaffens sind die ungewöhnlichen Kameraperspektiven und das prominente in Szene setzen interessanter Architektur (hier vor allem ein dreieckiges Treppenhaus). Da dies Argentos erste Regiearbeit war, konnte er von Glück sagen, mit Vittorio Storaro einen Kameramann zu haben, der ebenfalls am Beginn seiner Karriere stand (es sollten noch Filme folgen wie „Apocalypse Now“, „Der letzte Kaiser“ oder „Dominion: Exorzist – Der Anfang des Bösen“, dem Exorzisten-Prequel), und der daher ebenso experimentierfreudig war. So konnte der Regisseur seine Vorstellungen leichter umsetzen und wusste bei späteren Projekten,was möglich war und wie man Bilder entsprechend komponierte. Zu Storaros Ideen zählten zum Beispiel die starken Spielereien mit Licht und Dunkelheit, unter anderem zu sehen, wenn Sam im Finale den Täter verfolgt und beinahe der ganze Bildschirm schwarz ist. Das trägt nicht unwesentlich zur Atmosphäre bei. Daneben wird noch auf Nahaufnahmen gesetzt, auf Handkameras (glücklicherweise ohne nerviges Gewackel) und auf Ich-Perspektiven. Dadurch, das Storaro aber immer dem Regisseur das letzte Wort überließ, verstanden sich die beiden sehr gut (und das, obwohl Argento eine Kamera aus dem Fenster warf und diese dann auch, erwartbar, zu Bruch ging). Dennoch blieb „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ die einzige Zusammenarbeit der beiden Italiener.

Eine weitere Eigenheit von Dario Argento ist es, immer wieder blitzlichtartig Erinnerungsfetzen einzublenden. Hier geht es darum, die Wahrheit herauszufinden. Ist das, was man glaubt, gesehen zu haben, das, was wirklich passiert ist, oder spielt die menschliche Eigenschaft, sich Dinge zu erklären, eine viel größere Rolle, als man denkt, nach dem Sinn „es kann nicht sein was nicht sein darf“.

In „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ (und auch in anderen Argento-Filmen) findet sich eine Unmenge skurriler und kurioser Nebenfiguren, deren Eigenheiten maßlos übertrieben werden (siehe den Stotterer). Argento sieht sich allerdings nicht als einer, der diese Leute bloß stellt, sondern als einen, der sich für die Außenseiter der Gesellschaft interessiert und sie darum zeigt.

Zu den visuellen Gesichtspunkten gesellt sich ein Morricone-Soundtrack, der durch eine gegensätzliche Kombination aus improvisiert wirkenden Elementen und Kinderliedern viel zur unwirklichen Atmosphäre beiträgt, da es oft so wirkt, als würde nicht das dargestellte beschrieben werden. Dabei ist es interessant zu wissen, dass Morricone für den Score tatsächlich nur ein Grundgerüst für das Orchester zusammengestellt hat, während des Spielens allerdings viel dirigierte und arrangierte. Wer sich nun wundert, warum ein Anfänger einen Morricone gewinnen konnte, der sich in der Zeit schon mit der Musik für die Dollar-Trilogie einen Namen gemacht hatte, dem sei gesagt, das hier das Vitamin B wie Beziehung geholfen hat. Morricone war ein bekannter der Familie.

Kurzum, das Zusammenspiel der audio-visuellen Darstellung der Geschichte trägt viel zur unwirklichen, traumhaften Atmosphäre bei. Dazu kommt, dass die Mordszenen wie aus dem Nichts gezeigt werden. Auch der manchmal sprunghafte Szenenwechsel trägt dazu bei. Dieser kommt allerdings dadurch zu Stande, dass Argento Setpiece für Setpiece inszeniert und sich weniger um ein sinnvolles ineinandergreifen kümmert. Besonders auffällig ist das bei der Gegenüberstellungsszene, die ins Nichts führt, und man danach lieber ins Labor geht. Das kann man als künstlerische Absicht sehen, oder als das Unvermögen eines unerfahrenen Regisseurs. Dabei sollte man jedoch im Hinterkopf behalten, dass sich Dario Argento vor der Regiearbeit als Filmkritiker und Drehbuchautor mit dem Thema Film auseinandergesetzt hatte, und er somit schon

ein wenig gewusst haben dürfte, was er tat.

Das Rom, das einem hier gezeigt wird, ist keines, das man von Postkarten her kennt. Ja, nicht einmal wird das Kolosseum gezeigt, stattdessen erwarten einen menschenleere Nebenstraßen und Bauplätze. Das gibt dem Film ein ungewöhnliches Aussehen. Und dann kommt hinzu, dass „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ nun beinahe 50 Jahre alt ist (junge, wen man sich das mal vorstellt…), und uns heute diese Zeit an sich schon sehr fremd vorkommt. Die modernen Techniken zur Fahndung wirken schon sehr drollig heutzutage.

Die Geschichte stammt übrigens nicht von Wallace-Sohn Bryan, wie es im Vorspann behauptet wird (damals wollte man nur auf den Zug der erfolgreichen Wallace-Verfilmungen dieser Zeit aufspringen), sondern von Fredric Brown, einem amerikanischen Science-Fiction- und Krimiautor (als „Die schwarze Statue“). Da Dario Argento aber nicht die Rechte erhielt, veränderte er ein Paar Dinge (so ist der Schauplatz nun Rom und nicht mehr Chicago), aber wenn man sich die Zusammenfassung durchliest, erkennt man den deutlich Film wieder.

Tony Musante gibt hier den Helden, auch wenn er optisch nicht so wirkt, sondern beinahe schon unsympathisch (das kann aber auch an mir liegen). Es passt allerdings hervorragend zu dem Film. Am Set ist er wohl des öfteren mit dem Regisseur aneinander gerate, weil er sich diesem nicht unterordnen wollte. Musante selbst hat es nie zum größten Ruhm gebracht, war aber doch gut (und oft fürs Fernsehen) beschäftigt (z. B. „Oz – Hölle hinter Gittern“).

Enrico Maria Salerno stellt einen Inspektor dar, der, Giallo untypisch, nicht völlig unfähig ist, sondern gleichberechtigt zur Hauptfigur gezeigt wird. Auf der italienischen Bühne ist er bekannt, vor allem aber als dortige Synchronstimme von Clint Eastwood.

Nun wird einen Absatz lang gespoilert.

Eva Renzi war eigentlich schon für einen anderen Film geplant. Da ihr damaliger Ehemann diesen aber nicht so toll fand, und sie auf ihn hörte, brauchte sie schnell eine andere Rolle, um Geld zu verdienen, und da kam ihr „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ gerade recht. Schlussendlich bereute sie aber, bei dem Film mitgewirkt zu haben, denn sie sah ihn als ihren Karierrekiller an (auch wenn sie ihn sich erst 20 Jahre nach Fertigstellung anschaute), das sie als Frau einen Mörder verkörperte. Zumal einen, für den sie keine Motivation sah.

Außerdem gefiel ihr die Zusammenarbeit mit Tony Musante überhaupt nicht, der ihr viel zu egozentrisch war. Zudem empfand sie die Frauen in dem Film nur als Opfer und/oder Werkzeuge der Männer (im Gegensatz zu Argento, der gerne auf seine starken Frauenrollen verwies). Und zu guter Letzt hätte sich sich wohl gerne mehr Führung durch den Regisseur gewünscht.

Trotz allem liefert sie hier eine gute Show ab und man merkt ihr den Unmut nicht an. Schade, dass sie es nie so empfand, als das sie als Schauspielerin respektiert wurde, und schade auch, dass ihr der ganz große Durchbruch verwehrt blieb.

Zu erwähnen wäre hier noch Mario Adorf, der als sehr exzentrischer Maler etwas Humor in den Film bringt (scheinbar war er in Italien bis dahin für Komödien bekannt), und Werner Peters („Das Herz von St. Pauli“, „Scotland Yard jagt Dr. Mabuse“, „Das Mädchen Rosemarie“) in einer seiner letzten Rollen.

„Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ ist ein Film, der eine unwirkliche Atmosphäre verbreitet, und dem das so gut gelingt, weil alles passt und darauf zugeschnitten ist. Darum wundert es mich nicht, dass er beim damaligen Testpublikum zunächst nicht gut ankam. Man muss sich etwas darauf einstellen. Ich kann ihn aber nur empfehlen, vor allem, wenn man ihn in der Fassung sehen kann, in der die vier Minuten zusätzlich mit dabei sind, die aus dem Original ursprünglich rausgeschnitten wurden. Im deutschen entstehen so einige verwirrende Szenen.

Übrigens gibt es den titelgebenden Vogel nicht wirklich. Der Vogel, der gezeigt wird, ist irgendein Kranich.

 
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Verfasst von - September 25, 2017 in Filmtagebuch

 

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