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Kais Filmtagebuch – „Basta – Rotwein oder Totsein“ (Deutschland/Österreich, 2004)

Hui, jetzt kommt was aus den Untiefen meiner Festplatte. Ist schon ein paar Tage her als ich es schrob…

Hin und wieder kommt es vor, dass ich einen Film in meiner Merkliste habe, den ich schon komplett vergessen habe. Und dann stolpert man auf einmal über dieses gute Stück das einem dereinst empfohlen wurde. Also macht sich der pflichtbewusste Tagebuchschreiberling natürlich sofort ans Werk, schaut „Basta“ an und tut der Welt seine Meinung kund.

Der Film beginnt, wo andere Filme aufhören, nämlich beim dramatischen Höhepunkt einer Geiselnahme vor der Gefängnistür. Die Polizisten haben die Waffen schon gezückt, und der Geiselnehmer (Oskar, unser Held), hat seine Geisel im Schwitzkasten. Seine Kumpels wollen ihn gerade abholen kommen, bzw. warten auf der Straße im Fluchtwagen. Das Einzige, was Oskar davon abhält, abzudampfen, ist Maria. Diese ist nicht nur die Gefängnispsychologin, sondern führt auch ein eher privates Verhältnis zu ihrem Patienten. Sie legt ihm Nahe, die Waffe sinken zu lassen, und zwei Jahre hinter Gittern zu sitzen, denn dann würde sie auf ihn warten. Im anderen Fall würde er sie nie bekommen. Nach kurzem Zögern hört Oskar auf die Gute und lässt sich überwältigen.
Als nächstes sehen wir das traute Zusammenwohnen der beiden Süßen. Das heißt Oskar kocht und Maria putzt Zähne. Ganz offensichtlich sind die 2 Jahre schon vergangen. Und sie unterhalten sich darüber, dass Oskar mit seiner verbrecherischen Laufbahn abschließen soll, und das Paar dann von dannen fährt. Zwei Polizisten, einer schweigsam, der andere japanisch lernend, hören die beiden ab. Die haben wohl sehr viel Vertrauen in die heilende Wirkung eines Gefängnisaufenthalts.
Schnitt auf ein Auto in dem zwei Heinis sitzen. Der eine ist Moritz Bleibtreu, wird in Zukunft aber Valentin genannt, der andere ist Belmondo, ein gut beleibter Gangster mit stark wienerischem Akzent (wen wundert’s, spielt die ganze Chose doch auch in Wien). Beide warten auf Oskar, um dann zu tun, was das Gangsterleben erfordert. Dieser jedoch hat gerade noch ein Gespräch mit der Verlegerin (und Freundin von Maria) Diana. Was genau in Oskars Buch „Secréts“ stehen soll, wird uns (noch) nicht verraten. Nach einem Handyanruf von Valentin macht sich Oskar auf den Weg zu den beiden, die schon ohne ihn anfangen dürfen. Auftrag des Dreiergespanns ist die Beschaffung der toten Tochter ihres Chefs/Mafiaoberhaupts Konstantin.
Beim Abliefern der Toten stellt Konstantin klar, dass er den Drogendealer Leo, frischgebackener Witwer und sein ehemaliger Schwiegersohn, nun gerne, da ja seine Tochter tot sei, auch unlebendig gemacht sehen will. Dazu beauftragt er Oskar und stellt ihm seinen Neffen Valentin zur Seite. Doch bevor es soweit kommen kann, müssen die beiden erst noch Schutzgeld eintreiben (die beiden Polizisten natürlich immer hinterher). Dabei kommen sie auch bei Dianas Verlag vorbei, denn Oskar will ihr sein Manuskript vorbeibringen. Valentin weiß nichts von Oskars Buchplänen, und ist auch nicht im Zustand, das mitzubekommen, verliebt er sich doch sofort in Diana.
Dass es mit Diana und Valentin was Ernsteres werden könnte, sieht man auch schon daran (mal abgesehen von einem Kuss), dass er sie zur Beerdigungsfeier der Gangstertochter eingeladen hat (obwohl da eigentlich der ganze Cast dabei ist, also ist es vielleicht doch nichts Besonderes). Im Zuge der Totenfeier und des Leichenschmauses bittet Oskar Konstantin darum, den Leo-Mord nicht machen zu wollen, sondern seine illegale Laufbahn beenden zu dürfen. Konstantin besteht aber darauf, dass er die Leo-Angelegenheit praktisch als letzten Auftrag ausführt.
Als Maria von dem Angebot erfährt, ist sie nicht begeistert. Ihr wäre es lieber, sie und Oskar würden gleich fliehen, ohne dass jemand sterben müsste. Der Streit artet derart aus, dass sie sich verabschiedet und die Nacht bei Diana zu verbringen gedenkt.
Die ist aber gerade mit dem Valentin in ihrem Bett beschäftigt. Er trägt ihr sogar ein selbstverfasstes Gedicht vor, aber sie ist vielmehr an seiner Waffe interessiert. Im Gegensatz zu Maria nämlich steht sie den verbrecherischen Tätigkeiten ihres Schatzies offenbar offen gegenüber. Die traute Zweisamkeit wird jäh von Marias Türklingeln unterbrochen. Während Diana versucht, ihre Freundin im Wohnzimmer zu trösten, entdeckt Valentin beim Ankleiden Oskars Manuskript und vermutet Verrat (ich meine, ein Mafiosi, der sein Buch „Secréts“ nennt, ist selbst schuld, wenn es Komplikationen gibt). Da allerdings im Manuskript nur die Danksagung steht, kann er auch nicht weiter eruieren, worum es geht. Aber angepisst ist er jetzt. Missgelaunt stapft Valentin ins Wohnzimmer, gibt Maria Leos Adresse (weil sie lieb gefragt hat vermutlich. Jetzt jedenfalls kann sie versuchen Leo zu warnen) und verpasst Diana eine ordentliche Watschen.
Natürlich fährt Valentin schnurstracks zu Konstantin und erzählt dort vom Verräterbuch. Der ist mehr als nicht begeistert und möchte gerne das gesamte Manuskript (das sich im Verlag befindet) in seinem Besitz wissen. Gleichzeitig fände er es auch echt knorke, wenn Oskar das Zeitliche segnen würde.
Leo dieweil ahnt, dass er nicht mehr lange zu leben hat und erwartet sogar schon Oskar als Assassine. Sein Plan zum Selbstschutz: Entführung von Oskars Freundin. Zum Glück klingelt die gerade an der Tür (da sie ja Leo zur Flucht bewegen will). Da kommt es auch noch gerade recht, dass Oskar anruft, und ein Treffen ausmachen will. Also gibt es ein kleines Gangstermeeting in einem Parkhaus zwischen Oskar und Valentin (der noch nicht wirklich an Verrat glauben mag) und Leo und seinen Bubis. Oskar bietet Leo an, dass er ihn entkommen lässt (damit Maria nicht mehr wütend auf ihn ist), aber Leo dreht den Spieß um, führt seine Mariageisel vor, der es sichtlich nicht gut geht, und fordert von Oskar, dass dieser verschwindet.
Auf der Rückfahrt ist Oskar nicht gut drauf. Valentin konfrontiert ihn mit dem Verräter-Verdacht. Es kommt zu einem Unfall. Als Oskar wieder aufwacht, liegt er in einem offenen Sarg und blickt in die Mündungen verschiedener Waffen und in die missgelaunten Gesichter von Konstantin, Valentin, Belmondo und Co. Oskar gesteht auf Nachfrage, dass er ein Buch geschrieben hat und gern veröffentlichen möchte, es sei allerdings ein Kochbuch. Das glaubt natürlich niemand. Konstantin trollt sich und gibt Valentin die Lizenz zum Töten, um nach verrichteter Arbeit gemeinsam mit Belmondo das Buch aus dem Verlag zu holen. Oskar jedoch gelingt es, Valentin von seiner Unschuld zu überzeugen, oder zumindest ihm eine Frist zu geben, bis er (also Valentin) einen Blick in das Buch geworfen hat.
Valentin und der wienerische Belmondo fahren also zum Verlag, um dort mit Diana zu reden und das Manuskript zu holen. Valentin möchte sich bei Diana entschuldigen, doch leider mischt sich Belmondo immer wieder ein. Irgendwann reicht es Diana und sie erschießt Belmondo. Das führt nicht nur dazu, dass dieser tot ist, sondern auch zur Versöhnung zwischen Diana und Valentin.
Leo inzwischen ruft Oskar an und möchte von ihm zusätzlich zu seinem Verschwinden auch noch gerne ne Millionen. Und Oskar solle sich beeilen, denn er wisse nicht, wie lange Maria noch das Waterboarding (und andere Folterei) aushält. Oskar selber hat natürlich nicht so viel Geld. Deshalb hebt er es von Konstantins Privatkonto ab. Als Konstantin davon erfährt, ist er noch unbegeisteter und befiehlt eine mafiöse Großrazzia.
Oskar trifft, von Valentin angerufen, im Verlag ein. Die drei überlegen sich einen Plan, wie sie den dicken Belmondoleichnam loswerden können. Doch gerade mitten in der schönsten Leichenschieberei kommen die zwei Superbullen. Allerdings nur, um Diana ein Manuskript zu geben, dass der schweigsamere der beiden über den Polizeialltag geschrieben hat. Nach kurzem Gerede verziehen sich die beiden auch wieder.
Oskar macht mit Leo die Geldübergabe in der Küche eines ihm bekannten Restaurants ab. Dieser kommt natürlich auch gleich mit seinen Leuten (die er allerdings vor der Hintertür stehen lässt). Während also Leo und Oskar über alte Zeiten reden (scheinbar erschoss Leo einen Freund von Oskar), befreien Diana und Valentin Maria aus Leos leichtbewachtem Versteck (nur zwei Heinzls sind da um aufzupassen). Nach dem Anruf Valentins schnappen sich Oskar und die Köche Leo, fesseln ihn und legen ihn auf einen Tisch.
Frohes Wiedersehen von Maria und Oskar in der Restaurantsküche. Maria entdeckt den zu backen fertig bereiteten noch lebenden Leo, und beschließt, ihn, wenn er durch ist, zu essen. Oskar allerdings hatte nie vor, in zu Tode zu backen, sondern ihm nur Angst zu machen.
Währenddessen betreten im Essbereich des Restaurants die beiden Polizisten das Gebäude, die nun von Valentin und Diana daran gehindert werden, in die Küche zu gehen. Das ist den Polizisten egal, das wollten die nämlich ohnehin nicht. Sie haben noch ein zweites Manuskript für Diana dabei. Schließlich betritt auch noch Konstantin mit seinen Schergen das Restaurant. Doch bevor er die Polizisten, deren Manuskript eine detaillierte Beschreibung der Wiener Mafiawelt ist, aufmischen kann, schiebt Oskar den halbgaren Leo herein (schön im Blätterteigmantel). Eine angespannte Situation mit vielen gezogenen Waffen. Maria, die Leo ein Messer ins Bein rammt, da sie ihn immer noch essen will, löst die Katastrophe aus. Leo nämlich, da ja nicht tot, schreit auf und alle schießen auf ihn. Jetzt ist er tot, und kann somit nicht miterleben, wie seine treuen Mannen durch die Schußgeräusche aufgeschreckt hereinstürmen und eine Schießerei entbrennt. Am Ende bleibt nur Oskar, als einzig Überlebender übrig.
Doch keine Angst, das ist gar nicht passiert. Wir befinden uns wieder bei der anfänglichen Geiselnahme, die ganze Handlung danach war nur die Vision von Oskar. Nachdem er den dramatischen Ausgang erkannt hat, beschließt er, doch lieber mit seinen Jungs (Valentin wie wir jetzt wissen) abzuhauen und nicht mit Maria zusammen zu kommen.
Der Abspann zeigt dann Szenen, wie sie in dieser Version der Geschichte passieren (so lernen sich Valentin und Oskar dennoch richtig kennen, nur unter anderen Umständen, und Leo kokst sich in den Tod).
Ich wollte eigentlich aus dem Film nur einen recht kurzen Tagebucheintrag machen. Leider bin ich daran gescheitert, obwohl ich schon etliche Szenen weggelassen habe (nicht nur, um nicht so viel schreiben zu müssen, sondern auch, um die Gags nicht zu verraten).
Der Film ist nicht schlecht, aber etwas surreal, naja, vor allem das Ende. Das Drehbuch wartet mit einigen kuriosen Einfällen auf, die gut zu Unterhalten wissen. Leider zünden nicht alle Dialoge. Wenn sich Valentin und Oskar beim Autofahren über den Einfluss des Kochens auf die Kultur unterhalten, und Amerika deswegen als kulturlos bezeichnen, merkt man dem ganzen zwar an, dass es gerne ein Pulp Fiction sein möchte (Stichwort Quarterpounder with Cheese), aber das kommt ein wenig unvermittelt und wird auch nicht auf eine ganz so coole Weise rübergebracht. Auch Marias Entschluss, ihren ehemaligen Peiniger unbedingt essen zu wollen, wirkt ein wenig zu abgehoben und wirkt auch nicht wie ein nachvollziehbarer Charakter-Turn. Immerhin stand sie ja immer für eine gewaltfreie Lösung ein. Gut, wer sich mit einem Mafiosi einlässt und sich dann beschwert, dass er das verbrecherische Tun nicht sein lassen kann, hat vielleicht ohnehin einen an der Waffel.
Das heißt jetzt nicht, dass der Film unlustig ist. Es gibt gute Pointen, vor allem wenn der österreichische Humor und der wienerische Dialekt in den Vordergrund treten, aber man merkt oft, dass der Film gerne noch ein wenig mehr wäre.
Das liegt nicht unbedingt an den Schauspielern. Henry Hübchen (bekannt aus „Alles auf Zucker“, „Commisario Laurenti“ und mehr) gibt den Mafiosi Oskar, dem kochen über töten geht. Er ist eher ruhig und gesetzt. Beides Eigenschaften, die nicht unbedingt zu Mafiosi oder Koch passen, aber immerhin ein Sympathieträger.
Corinna Harfouch (Maria) hat im Prinzip nicht zu tun. Am Anfang ist sie friedliebend, gerät dann in die Fänge eines Folterknechts und möchte ihn daraufhin essen. Wie gesagt, mit diesem seltsamen Umschwung tu ich mich schwer. Jemanden zu essen wirkt schon arg übertrieben. Dafür kann Frau Harfouch selbst ja nichts, aber sie kann eben auch nur wenig zeigen, wird sie ja hauptsächlich gefoltert. Als Magda Göbbels in „Der Untergang“ hat sie mir deutlich besser gefallen.
Zu Moritz Bleibtreu (Valentin) muß ich ja wohl nicht mehr viel sagen. Hier wirkt er routiniert, aber er glänzt nicht auf. Dennoch ist es immer wieder nett, ihn auf der Mattscheibe zu sehen.
Und Nadeshda Brennicke (Diana) sieht nicht nur ziemlich gut aus, sondern spielt auch richtig gut. Schade, dass sie nicht in größeren Produktionen spielt, sondern größtenteils für TV-Produktionen arbeitet. Ein Film in ihrer Vita interessiert mich dann aber dennoch, nämlich „Der Bär ist los! Die Geschichte von Bruno“, aber mehr aus kuriositätischen Gründen.
Noch ein Wort zur Musik. Diese klingt oftmals balkanesk, was ja verständlich ist, ob der osteuropäischen Mafia. Allerdings fehlt ein Lied, das im Ohr hängen bleibt. Das hätte die eine oder andere Szene vielleicht zusätzlich aufgepeppt.
Den Film darf man ruhig einmal anschauen. Und auch zweimal. Auch wenn nicht alles unbedingt so funktioniert, wie sich die Macher das vielleicht gedacht haben, kann man nicht sagen, dass es schlecht ist, oder nicht zu unterhalten weiß.

 
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Verfasst von - November 14, 2019 in Filmtagebuch

 

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Kais Buchtagebuch – Christian Keßler – „Der Schmelzmann in der Leichenmühle“ (BRD, 2015)

Kais Buchtagebuch – Christian Keßler – „Der Schmelzmann in der Leichenmühle“ (BRD, 2015)

Es gibt Leute, die sehr viel talentierter sind als ich, da bin ich der allerletzte, der das bestreitet. Manche davon schreiben Bücher. Von einem solchen habe ich erst kürzlich eines gelesen, wobei das ‚kürzlich‘ in diesem Falle ein sehr dehnbarer Begriff ist.

In „Der Schmelzmann in der Leichenmühle“ gibt es keine Handlung. Nein, es ist ein Sachbuch, das dann doch so sachlich gar nicht ist. Christian Keßler stellt hier 40 der schönsten, obskursten und auch verkanntesten Filme vor, welche die B-Filmwelt hervorgebracht hat. Von den meisten gibt es Abbildungen der Plakate noch dazu, bunt und reißerisch. Unter der Auswahl befinden sich relativ bekannte Werke wie „Die Satansweiber von Tittfield“ („Faster Pussycat, kill! Kill!“) und Filme, von denen nicht viele schon was gehört haben („Die Rache der 1000 Katzen“ zum Beispiel).

Christian Keßler stammt aus Bremen, und schreibt schon eine geraume Zeit Texte über Filme, lange Zeit für „Splatting Image“, eine deutsche Filmzeitschrift, die es mittlerweile nur noch digital zu erwerben gibt. Aber er schreibt nicht nur, ab und an hält er sogar Lesungen und unterlegt die vorgestellten Filme mit den passenden Trailern.

Der Schmelzmann stellt das fünfte Buch von Keßler dar. Die vorhergehenden Werke befassten sich auch mit filmischen Themen, bis auf die zwei Krimis. Die handeln von einem Bremer Kommissar. Seinen Schreibstil kann man als locker beschreiben. Es gibt kein trockenes Gerede und Fakten heruntergerattere, die Filme werden in einer sehr lockeren Art präsentiert, ganz selten einmal kommt es einem beinahe zu locker und abschweifend vor. Das heißt natürlich auch, dass man Christian Keßlers Humor teilen sollte, um richtig viel Vergnügen an dem Buch zu haben.

Ich persönlich kann „Der Schmelzmann in der Leichenmühle“ empfehlen, es ist spaßig zu lesen und sehr kurzweilig. Wer einen Blick auf Christian Keßlers Schreibstil werfen will sollte seine Website besuchen, und sich nicht von deren eigenwilligem Aussehen abschrecken lassen. Mit nur wenigen Klicks kommt man dort zu seinen Texten.

Veröffentlicht wurde „Der Schmelzmann in der Leichenmühle“ im Martin Schmitz Verlag, mit einem Cover von Sybille Fuchs Grafik.

 
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Verfasst von - Oktober 4, 2016 in Buchtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

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Kais Filmtagebuch, „Feast“ (USA 2005)

Kais Filmtagebuch, „Feast“ (USA 2005)

Es wird mal wieder Zeit für ein etwas längeres Filmtagebuch. Darum hab ich mal tief in die Kiste gegriffen und eines gefunden, das bislang nur auf dem Gesichtsbuch zu lesen war. Nehmt also „Feast“, einen lecker schleimigen Film mit Viehzeug.

„Feast“ beginnt zunächst mit einer Aufnahme eines Mannes, der ein knochiges etwas mit einer Schaufel beiseite räumt. Im Prinzip kann man das aber gleich wieder vergessen, da das nicht viel mit dem restlichen Film zu tun hat (Ja, der Typ ist der Chef der Bar, und man erhascht auch einen Blick auf die Örtlichkeit, in der sich dieser Film abspielt, aber da der Barbesitzer das Ganze nicht überleben wird, muß das ja wohl vor der Handlung passieren. Vielleicht räumt er ja einfach mal auf…). Der Film beginnt nämlich eigentlich erst mit der nächsten Szene, in der ein Auto irgendetwas rammt. Und auch das stimmt nicht. Der Film beginnt nämlich eigentlich erst jetzt, indem wir miterleben dürfen, wie Bozo, ein echter Unsympath, die Truckerbar betritt. Somit werden uns dann auch gleich alle Bargäste mit einem kurzen Insert (Bezeichnung, Beruf/Talent und voraussichtliche Lebenserwartung) vorgestellt und man bemerkt, dass das ein Film ist, der sich nicht sonderlich ernst nimmt. Das hatte ich zwar anhand des Filmplakats nicht erwartet, aber man ist ja für alles offen. Während also die Gäste dem typischen Bar-Tätigkeiten nachgehen, und der Besitzer im oberen Stock die alleinerziehende Kellnerin Tuffy (den sie ist so „taff“) durchnimmt, alldieweil ihr Kurzer im Nebenzimmer mit Kopfhörern Fern sieht (vermutlich verdient sie sich damit ein bisschen Extrageld, des Spaßes wegen macht sie es jedenfalls nicht), stürmt auf einmal ein recht aufgebracht wirkender Typ, kurz „Held“, die Bar. „Held“ wedelt mit dem Kopf irgendeines Wesens herum und macht alle verrückt, dass die gleich kommen werden und man sich daher verbarrikadieren müßte. Natürlich wird das Ganze zunächst nicht ernst genommen, auch wenn der Monsterkopf schon recht eklig aussieht. Hätte man mal auf „Held“ gehört, so aber wird der Barraum von Monstern gestürmt, und ungefähr dreiviertel der Gäste werden gewaltsam gemeuchelt. Schön, dass man sich nicht an die vorgegebenen Lebenserwartungen hält, auch vor „Held“ wird kein Halt gemacht. Das war ja ein kurzer Auftritt.

Nachdem man ein Monster in die Kühltruhe gesperrt hat, und sich die restlichen Monster erst mal wieder zurückgezogen haben, kommt eine zweite, diesmal weibliche Person in die Bar gestürmt. Ja, es ist „Heldin“, die Frau von „Held“. Sie nimmt dessen Ableben relativ gefasst auf (kein Wunder, so gut kann es bei den beiden ja auch nicht laufen. Immerhin wollte „Held“ sich verbarrikadieren ohne auf sie zu warten). Der Besitzer und Tuffy, mittlerweile auch im Gastraum angekommen, und auch die anderen Gäste werden nun darüber informiert, woher „Heldin“ und „Held“ so viel über die Monster wissen. Naja, eigentlich wissen die auch nicht so viel, die haben nur eines überfahren (das Auto am Anfang) und konnten sich bis zu der Bar durchschlagen. Glücklicherweise haben ja alle Amerikaner immer und überall Waffen dabei, sodass sie dabei den Monstern nicht wehrlos gegenüber stehen mußten. Tuffy fällt nun ein, dass sie ja ihren Sohn in den Schrank gesteckt hatte (ein Versteck ob des Kampfeslärms), und beeilt sich nun in den ersten Stock. Dort kommt sie gerade noch rechtzeitig an, um zu sehen, wie eines der Monster einen kleinen Kinderriegel zu sich nimmt. Übrig vom Sohnemann bleibt nur ein Schuh. Der Film verarbeitet seine Protagonisten ja wirklich schnell.

Ab jetzt beginnt ein kleines Katz und Maus-Spiel. Die in der Bar Gefangenen haben eine mal mehr mal weniger doofe Idee, und die Monster nehmen mal mehr mal weniger Schaden. Die Highlights sind definitiv das nach draußen schmeißen eines Monsterkadavers, um sich Respekt zu verschaffen (dumm nur, dass die Viecher das eher wütend macht, zumal es ihr Nachkömmling gewesen zu sein scheint), oder das Präparieren einer menschlichen Leiche zu einer Bombe (auf technisch bedenkliche Art und Weise), die doch nicht so tot ist und von einem kleineren Monster vor der Explosion Mund-vergewaltigt wird. Ja, genau das, wonach es sich anhört. Das sollte übrigen ein Ablenkungsmanöver sein für zwei andere, die währenddessen nach draußen stürmen und ein Auto kapern sollten. Intelligenterweise warten die beiden, bis die Explosion vorüber ist, womit das mit der Ablenkung auch nicht mehr so gut funktionieren dürfte. Folglich segnen die Beiden das Zeitliche (übrigens Abgang „Heldin“. Glücklicherweise haben wir noch Tuffy, die jetzt als „Heldin2“ in den Büchern geführt wird).

Schließlich kommt es zum großen Showdown, infolgedessen die blonde und daher recht doofe Kellnerin einen Truck erobern kann. Pech für die Anderen, dass sie damit alleine das Weite sucht und ihre Mitmenschen im Stich lässt. Vielleicht ist sie ja doch nicht so doof, denn sie scheint damit durch zu kommen. Jedenfalls wird nirgends gezeigt, ob und wie sie den Monstern nochmals begegnet. Die letzten Vier, „Heldin2“, Bozo, „Hot Wheels“, der im Rollstuhl sitzt und „Bartender“ erwehren sich der Monsterhorde überraschend erfolgreich. Bartender stirbt zum Beispiel an einem Herzinfarkt und nicht an einem Monsterbiss.

Ende gut, alles gut, die letzten drei haben mit Anbruch des nächsten Tages alle Monster getötet oder verjagt und machen sich auf den Weg, um die Tochter der toten „Heldin“ bei ihrer Großmutter zu besuchen.

Eines kann man „Feast“ wirklich nicht vorwerfen, und das ist Langeweile.  Dadurch, dass die meisten Charaktere schon durch ihre Namen die ihnen zu stehende Rolle bekommen, werden ausufernde Darlegungen der Figuren und ihrer Hintergründe unnötig und man kann sofort mit der Monsteraction beginnen. Das spart Zeit und man muß sich nicht zum 100ten Mal die Geschichten anhören, die man schon aus unzähligen anderen Filmen kennt.  Dennoch schafft es der Film den Zuschauer zu überraschen, indem Filmklischees sowohl ignoriert als auch eingehalten werden. Der Schwarze stirbt natürlich als einer der ersten, aber eben auch das Kind. Außerdem werden im Laufe der Handlung zwei „Helden“ verschlissen, und es überleben Leute, denen weisgesagt wurde, nicht bis zum Anbruch des nächsten Tages durchzuhalten. Es gibt auch kleine Charakterentwicklungen. Bozo zum Beispiel wird nach seinem ersten Monsternahtoderlebnis richtig vernünftig und kümmert sich auch um seinen Bruder (den im Rollstuhl).

Der Humor kommt ebenfalls nicht zu kurz. Die kleinen Inserts zur Charaktereinführung machen da einen guten Anfang. Aber auch die Dialoge sind gut gelungen, sowie Irrwitzige Situationen. Die Motivationsrede eines Personal Trainers etwa, oder die Alte am Tresen, die eigentlich nur dasitzt und weitertrinkt.

Untermalt wird alles von gekonnt ausgewählter Rockmusik, die in einem Bikerfilm nicht schlechter aufgehoben wäre.

Die Monster sind in einem Monsterfilm ja das wichtigste, und da schneidet „Feast“ ziemlich gut ab. Die Monster kleiden sich mit Tierhäuten und Schädeln, und sehen ohne dieses hübsche, ungewöhnliche Outfit wirklich eklig aus. Auch die Splattereffekte können sich sehen lassen.

Schauspielerisch hervorzuheben wären Navi Rawat, die als „Heldin“ vor allem die ersten zweidrittel des Films als zentrale Figur bestimmt. Sie spielt die Rolle genauso wie man sie erwartet, als knallharte Heldin, die den Verlust ihres Mannes zwar bedauert, aber dennoch weitermacht, getragen von einem ungeheuer großen Überlebensinstinkt. Allgemein bekannt dürfte sie wohl aus verschiedenen TV-Serien sein, wie „Numb3rs“, „O.C.California“ oder einer „24“-Staffel.

Balthazar Getty, der den Bozo spielt, bringt genügend Glaubwürdigkeit in seinen kleinen Charaktertwist vom vollkommenen Arsch zum halbblöden Sympathieträger. Auch er ist ein TV-Serien-Veteran, mit Rollen in „Brothers and Sisters“, „Alias“ und „Charmed“. Immerhin spielt er noch in „Herr der Fliegen“ den Ralph. Ich weiß nur nicht, wer das ist.

Bleibt noch Krista Allen zu erwähnen, die taffe Tuffy, bzw. „Heldin2“. Sie übernimmt irgendwann den Heldinnenpart und bringt das deutlich überzeugender als den der trauernden Mutter. Na gut, als Trauernde wird sie nicht so oft gezeigt. Geneigte und anspruchsvolle Filmkenner haben sie vielleicht in einem ihren 8 (in Worten: acht!!) Emmanuelle-Filme gesehen. Diese wurden übrigens allesamt 1994 gedreht, bzw. veröffentlicht. Weniger anspruchsvolle Filmkenner haben sie möglicherweise in Baywatch bewundert (Jenna Avid, sie war nur eine Staffel lang dabei).

Der relativ hohe Bekanntheitsgrad des Films resultiert aber nicht aus ehemaligen Emmanuelle-Darstellerinnen, oder aus der Tatsache, dass der Regisseur noch zwei Fortsetzungen drehte (mittlerweile auch noch „Piranha 3DD“), sondern daher, dass Matt Damon, Ben Affleck und Wes Craven als Produzenten fungierten. „Feast“ ist nämlich das Produkt der dritten Project Greenlight-Season, eine amerikanische Serie, in der Amateurfilmemacher ihre Drehbücher, Filmideen, etc. einreichen konnten und im Laufe einer Staffel dann ein Sieger gekürt wurde. Dieser bekam dann finanzielle und technische Unterstützung, um sein Projekt zu verwirklichen. Schade, dass die Serie nach der dritten Season nicht mehr fortgeführt wurde, da wären sicherlich noch weitere interessante Filme dabei herausgekommen. Wer die beiden ersten Gewinner anschauen möchte, sollte sich auf die Suche nach „Stolen Summer“ und „The Battle of Shaker Heights“ machen. Im zweiten spielen immerhin richtig bekannte Leute wie Shia LaBeouf und Amy Smart mit.

„Feast“ jedenfalls ist ein netter kleiner Monsterfilm, mit teilweise ekligen Szenen und einer gehörigen Portion Humor. Das ist vielleicht kein weltbewegender oder Kinogeschichte schreibender Film, aber definitiv einer, der viel Spaß macht und nicht langweilt.

 
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Verfasst von - Oktober 27, 2013 in Filmtagebuch

 

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