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Kais Filmtagebuch – „Sakuya – The Demon Slayer“ aka „Sakuya: yokaiden“ aka „Sakuya: Slayer Of Demons“ (Japan, 2000)

Kais Filmtagebuch – „Sakuya – The Demon Slayer“ aka „Sakuya: yokaiden“ aka „Sakuya: Slayer Of Demons“ (Japan, 2000)

Die japanische Filmindustrie kann vieles, aber am besten wohl Miniaturen zerstören und Monsteranzüge erschaffen. Das schöne ist ja, dass japanische Monster für westliche Augen so ungewöhnlich aussehen, weil sie aus einer für die meisten von uns ziemlich unbekannten Mythologie entstammen. Immerhin habe ich schon gelernt, dass die Welten der bösen Geister Fluch, Neid und Hass sind, somit also Welten,, die die Menschen überhaupt erst erschaffen. Aber naja…es geht hier ja nicht um Geister sondern um Monster (die Macher machen da einen Unterschied).

Im Japan des Jahres 1707 ist so einiges im argen. Das liegt vor allem daran, dass der Fujiyama ausgebrochen ist und Horden von Dämonen auf Japan losgelassen wurden. Zum Glück gibt es eine Familie von Dämonenjägern. Diese besitzt nämlich ein verfluchtes Schwert, welches zwar Dämonen mir nichts dir nichts vernichten kann, dafür aber auch immer ein wenig Lebensenergie des Trägers konsumiert (man kennt das ja aus diversen Videospielen). Der jetzige Schwertschwingmeister zerlegt gerade eine Hand voll Kappas (Flussgeister, sehen Schildkröten oft ähnlich), als ihm das letzte bisschen Lebenskraft ausgepresst wird. Nun sieht sich also Sakuya, einziger Nachkomme und somit Erbin des Schwertes, gezwungen, die Klinge zu ergreifen und dem restlichen Viehzeug zu Leibe zu Rücken. Nun, nicht allem, denn ein kleines Kappa-Kind erweicht ihr Herz und sie nimmt ihn auf um ihn fortan als ihren Bruder Taro zu erziehen.

Die Jahre ziehen ins Land und die Dämonenplage nimmt einfach kein ende, sondern wird zum Teil schlimmer. Es wird also der tollkühne Plan gefasst, zum Fujiyama zu reisen und dort für Ordnung zu sorgen, in der Hoffnung, das Unheil an der Wurzel bekämpfen zu können. Klar, dass ihr kleiner Bruder sie begleiten muss, auch wenn er von anderen Menschen ob seines mythologischen Ursprungs immer wieder angefeindet wird. Außerdem gesellen sich noch zwei gestandene Krieger zu dem Duo. Einer hat eine ausklappbare Armbrust am Arm, der andere kann sich in einen seelenlosen Stahlbolzen, eh, ich meine in einen Holzklotz verwandeln. Das bringt ihm sicher viele Vorteile, nur fällt mir keiner ein, der so richtig nützlich im Kampf gegen Dämonen wäre…

So geht jedenfalls die lustige Reise los. Unterwegs begegnet die Truppe noch ein paar hübschen Gestalten, wie einem gruseligen Puppenmacher. Dieser verwandelt zwar junge hübsche Mädchen in weniger hübsche Puppen, ist aber an sich kein Dämon. Die im selben Haus wohnende Oma dann aber schon, schließlich kann sie sich in ein mannhohes, angriffslustiges Katzenmonster verwandeln.

Später kann das Heldengrüppchen zwar in einer von lethargischen grauen Menschen bewohnten Stadt ein erfrischendes Bad nehmen, muss sich dann aber mit Geisterkriegern und Banditen herumschlagen.

Natürlich gibt es aber auch gute oder zumindest fröhliche Geister und Dämonen, die im Wald singen und tanzen (darunter auch der bekannte, unglaublich seltsame Schirmdämon).

Insgesamt wirkt das alles wie Episoden, in denen immer stärkere Gegner bekämpft werden müssen. Und wieder kommt Videospiel-Feeling auf. Letzten Endes begegnet man der Königin der Erdspinnen.

Diese möchte das genaue Gegenteil dessen, was unsere Helden zu erreichen suchen, nämlich die totale Monsterherrschaft. Zu diesem Zweck legt sie der Gruppe also nicht nur jede Menge monströse Steine in den Weg, sondern versucht auch einen Keil zwischen Bruder und Schwester zu treiben (in Form einer Musicaleinlage…das war unerwartet). Das funktioniert sogar so einigermaßen, jedenfalls treibt Taro (der nutzloseste Flussdämon aller Zeiten übrigens, er kann nämlich gar nicht schwimmen) Sakuya einen Dolch zwischen die Rippen. Aber ist ja nur ne Fleischwunde, nichts, was eine Dämonenjägerin von Rang und Namen aufhalten könnte, und so nimmt sie dennoch den Kampf gegen die mittlerweile mehrere Stockwerke große Erdspinnenkönigin auf (der übrigens erst im Verlauf des Kampfes widerliche riesige Spinnenbeine wachsen). Sakuya muss aber ordentlich einstecken, und gerade als alles verloren scheint, taucht Taro wieder auf, geläutert und auf magische Weise auf einmal fähig, schwimmen zu können. Vielleicht ist er aber auch nur sehr weit gesprungen, man weiß es nicht, da diese Kleinigkeit dem Zuschauer vorenthalten wird. Wie dem auch sei, er nimmt das verfluchte Schwert an sich, rammt es der riesigen, bösen Frau in die Stirn. Dies löst einen Skybeam (das, was auch am Ende einiger Marvel-Filme in den Himmel schießt) aus, der Fujiyama scheint geheilt und alle können sich nun in den Armen liegen.

Wie man merkt, gewinnt die Geschichte keine Originalitätspreise, bedient sie sich doch ebenso fleißig am japanischen Monster-Sammelsurium, wie an Fantasy-Klischees. Nicht selten fühlt man sich an einen Anime erinnert, und die episodenhafte Struktur sowie die Steigerung der Gegnerstärke (sowohl zahlen-, als auch kräftemäßig) lässt an ein Videospiel denken. So entsteht wenigstens nur ein Logikloch, über das man nur mit viel guten Willen hinwegsehen kann, und das wäre die Flussüberquerung von Taro. Gut, es ist nicht so sehr die Logik, die hier leidet, aber schon eine große Verwunderung darüber, dass man diese Szene, in der der kleine Kappa seine Unzulänglichkeiten überkommen muss, nicht zu sehen bekommt. Ich denke mal, da wurde dann das Geld knapp, denn als große Überraschung kann es ja wohl nicht geplant gewesen sein.

Bleibe ich doch eben bei Taro. Dieser ist die typische Figur des nervigen Kindes, wie man sie in (japanischen) Filmen für ein jüngeres Publikum häufig um die Ohre geschlagen bekommt. Gleichzeitig dient die Figur hier auch oftmals als comic-relief, begleitet von Zeichentrick-artigen Effekten. Und schließlich ist er auch noch der Dreh- und Angelpunkt der oberflächlich behandelten Frage, ob Dämonen und Menschen friedlich zusammen leben könnten. Shuichi Yamauchi kommt immerhin nicht ganz unsympathisch rüber.

Bei Sakuya fragte ich mich die ganze Zeit, warum sie das Dämonen-Kind überhaupt als ihren Bruder aufgenommen hat. Sonst hat sie jedenfalls keine Bedenken, wenn es darum geht, Monster zu metzeln. Nur gegen Menschen möchte sie nicht so wirklich mit ihrem verfluchten Schwert ran (dessen Deal mit dem Großvater mir auch nicht ganz klar ist…). Nozomi Ando macht ihre Arbeit ordentlich, vor allem wenn man bedenkt, dass sie anfangs zunächst lernen musste, wie sie ein Schwert zu ziehen habe. Nach Sakuya folgten noch weitere Genre-Rollen, unter anderem in einer Tomie-Verfilmung (nein, nicht diese) oder in einem weiteren Dämonenjäger-Film (allerdings nicht als Sakuya…und nicht als Hauptrolle).

Als Königin der Erdspinnen tritt Keiko Matsuzaka auf, eine Schauspielerin, die schon lange im japanischen Filmgeschäft tätig ist, deren Filme mir aber leider nur wenig bis nichts sagen. Hier hatte sie sicher einen ziemlich anstrengenden Job, schließlich musste sie für die Zeitlupenaufnahmen doppelt so schnell schauspielern. Und das in dem ziemlich beeindruckenden Kostüm. Dennoch scheint ihr es Spaß zu machen.

Kyusaku Shimada, der den Armbrust-Kämpfer spielt, passt optisch gut in die Rolle und hat sich auch schon einmal in einen Tomie-Film verirrt.

Der wahre Star dieses Filmes sind aber die Kostüme und Kreaturen. Die sind alle sehr liebevoll und in Handarbeit gestaltet, auf Computertricksereien wird nur im Notfall zurückgegriffen (zum Beispiel beim Skybeam am Ende). Das merkt man, und das gibt Pluspunkte. Da stört es mich nicht einmal so sehr, dass die Kämpfe Mensch gegen Monster ob der eingeschränkten Bewegungsfähigkeit der Kostümierten relativ unspektakulär aussehen, auch wenn ich zugeben muss, dass es zwischendurch deswegen zu kleinen Längen kommt, weil das Dargebotene nicht so interessant ist, wie die Auseinandersetzung auf dem Papier zu versprechen scheint. Das einzige Kostüm, bei dem ich mir immer noch nicht sicher bin, ob es großartig ist, oder Augenkrebs auslöst, ist das von Sakuyas Vater. Das wirkt sehr…befremdlich. Und dieser seltsame Schirmdämon ist auch…speziell. Andererseits, wie will man so ein Getier sonst zeigen? Gut, ‚gar nicht‘ wäre eine akzeptable Antwort. Die Macher sind so überzeugt von ihren Puppen, dass sie sogar ne Krähenpuppe statt einer Echten auffahren.

Wie es sich für einen anständigen Monsterfilm aus Japan gehört, gibt es auch ein schickes Set, welches die Erbauer scheinbar mit Freude in die Luft jagten. Zumindest vermeint das Regisseur Tomoo Haraguchi bei diesen zu erkennen. Dieser scheint ein Gefallen an Monster- und Dämonenjäger-Filmen zu haben, hat er doch noch einen mit einem Werwolf als Monstertöter, oder einen mit dem schönen Titel „Death Kappa“ im Portfolio. Seine Ursprünge in der Spezialeffekte-Ecke kann er nicht verbergen.

Die Stimmung ist für einen eher an ein jüngeres Publikum gerichteten Film oft ziemlich düster. Vor allem die Darstellung des Puppenmachers und des Dorfes, in der die Helden auf die Geisterkrieger treffen könnte Stoffe für angenehme Träume sein. Ich finde das gut.

„Sakuya – The Demon Slayer“ könnte allen gefallen, die auch schon „Inu Yasha“ und Konsorten mochten, oder eine Schwäche für handgemachte Effekte und Gummimonster haben. Einer der Kreaturendesigner nannte den Film einen „Historienfilm mit Monstern, quasi Fantasy“.

 

Als Schmankerl noch der Kampf mit den untoten Kriegern.

 
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Verfasst von - Juli 24, 2019 in Filmtagebuch

 

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Kais Buchtagebuch – „Isaac Asimov´s Science Fiction Magazin 31“ (USA, 1987/BRD, 1988)

Kais Buchtagebuch – „Isaac Asimov´s Science Fiction Magazin 31“ (USA, 1987/BRD, 1988)

„Isaac Asimov´s Science Fiction Magazin“ ist eine regelmäßig erscheinende Sammlung von Science Fiction und Fantasy Kurzgeschichten (seit 2017 alle zwei Monate) im Taschenbuchformat. Asimov sollte ursprünglich nur seinen Namen dafür hergeben, aber er wollte doch noch etwas mehr beisteuern, und so war er zuständig für die Beantwortung der Leserbriefe und das verfassen von Editorials,was er bis zu seinem Tod 1992 machte.

In Deutschland nun erschienen diese Sammlungen bei Heyne (dessen Science Fiction Abteilung damals vom legendären Wolfgang Jeschke geführt wurde), wobei hierzulande nur die Geschichten aus dem Magazin veröffentlicht wurden, die Leserbriefe und Kritiken blieben uns leider vorenthalten. Die hätten auch interessant sein können.

Pat Cadigan – „Engel“ (USA, 1987)

Die erste Geschichte dreht sich um eine namenlose Protagonistin und ihren (oder seinen, das wird nicht zu 100% klar) Freund, der nur als Engel bezeichnet wird, weil er überirdische Kräfte besitzt (so kann er Leute beeinflussen, das kostet ihn aber viel Energie). Und taucht seine vorherige Begleitung auf und möchte ihn gerne wieder zurückhaben.

Die Geschichte ist von 1987, wirkt aber erstaunlich aktuell mit den sexuell ambivalenten Figuren, auch wenn sie heutzutage nicht mehr ganz so außerhalb der Gesellschaft stehen, wie es hier beschrieben wird. Andererseits gehöre ich da auch nicht dazu, also was weiß ich schon…

James Patrick Kelley – „Die Glaswolke“ (USA, 1987)

Diese Geschichte ist etwas länger. Zunächst geht es um einen Künstler, dessen Vision kurz vor der Vollendung steht. Und je näher es an die Präsentation für die Öffentlichkeit kommt, desto mehr scheint er sich von dem Werk zu entfremden, da es nicht so wirkt, wie er es sich vorgestellt hat. Später steht dann mehr sein Verhältnis zu den Aliens im Vordergrund, die vor einiger Zeit auf der Erde gelandet waren, und sich als wohltätig zeigen wollen (und sich als der besserwisserische nervige Typ Außerirdische outen), es wirkt aber irgendwie mehr wie ein Kult. Was ganz witzig ist, weil die Aliens, wie sich später raus stellt, nur wenig von Spiritualität halten, und sich ganz der Technik hingeben (die ihnen ja auch eine gewisse Art von Unsterblichkeit garantiert).

Somit berührt diese etwas längere Kurzgeschichte verschiedene Themen (vom Verhältnis des Künstlers zu seinem Werk, bis hin zu der Tatsache, dass auch technischer Fortschritt beinahe kultisch verehrt werden kann, vor allem, wenn es um Unsterblichkeit geht).

Bruce Sterling – „Die Blumen von Edo“ (USA, 1987)

Überraschenderweise ist der Schauplatz hier das Tokio des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in dem Elektrizität etwas neues darstellt. Wir begleiten zwei Japaner (einen Komiker und einen ehemaligen Samurai) auf einer Sauftour, schließlich landen die beiden bei einem Bekannten, vor dessen Fenster brandneue Stromleitungen vorbeiführen. Und auf einmal taucht ein Monster daraus auf (eine Art Elektrizitätsdämon?) und der Samurai stellt sich ihm mit einem Holzschwert gegenüber.

Die Geschichte hat einen schrägen Humor, auch der Kampf gegen das Untier wird eher witzig dargestellt (ich meine, er verfolgt das Ding mit nem Holzschwert in der Hand, total besoffen wie er ist). Ganz klar, wird hier der Konflikt zwischen Tradition und Moderne gezeigt, und der Autor hat das passende Setting dafür gefunden. Fand ich gut.

Pat Murphy – „Rachel ist verliebt“ (USA, 1987)

Bei Rachel handelt es sich hier um eine Schimpansendame, allerdings keine gewöhnliche, denn ihr wurde das Bewusstsein eines 17-jährigen Mädchens versucht einzupflanzen. Das hat nicht zu 100 Prozent funktioniert, und sie ist nun ein bisschen von beidem. Dummerweise wissen das die Leute nicht, die sie einfangen und in eine Anstalt für Tierversuche bringen. Dort soll sie sich mit einem Schimpansenmännchen paaren. Andererseits beginnt sie sich auch für den Hausmeister zu erwärmen, weil das der einzige ist, der sie nicht nur als Affen behandelt.

Die Geschichte ist nicht nur eine wenig schmeichelhafte Darstellung von Tierversuchen, sondern schafft es auch, eine ganz niedliche Geschichte über erste Gefühle und Liebe zu werden. Zum Glück, ohne dabei in Schnulz zu verfallen.

James P. Blaylock – „Myron Chester und die Kröten“ (USA, 1987)Das ist eine Geschichte um ein Kaleidoskop. Nein, eigentlich nicht, das Kaleidoskop ist nur der Grund, warum der Protagonist Nacht für Nacht aus dem Fenster schaut. Denn wenn man durch zwei Kaleidoskope schaut, und beide das gleiche Muster zeigen, dann könnte man womöglich in eine andere Dimension gelangen…oder einfach nur durchdrehen. Jedenfalls kann er so zum einen sich seltsam verhaltende Reptilien und Amphibien sehen (also getarnte Aliens), und einen Nachbarn, der von Außerirdischen entführt wurde und nun versucht, wieder welche aufzutreiben, wahrscheinlich um seinen guten Ruf wieder herzustellen.

Seltsame Geschichte, von der ich nicht wirklich weiß, was ich halten soll. Will uns der Autor zeigen, wie Alien-Entführungsopfer in der Öffentlichkeit an Ansehen verlieren? Oder irgendwas mit Chaos und Zufall? Oder einfach nur unterhalten?

Andrew Weiner – „Wellen“ (USA, 1987)

Der Hintergrund hier ist eine post—wirtschaftskrisische Gesellschaft, in der die meisten Leute nur noch von staatlicher Hilfe leben. Das hindert sie aber nicht daran, dekadente Partys zu feiern, oder ihrem selbstverwirklichendem Lebensstil nachzugehen (nicht zuletzt die wohlhabende Künstlerin/Bühnensau, die aus Gehirnwellen Lasershows macht) . Zumindest die Leute, die wir hier kennenlernen und in ihrer Künstlerkommune leben. Doch kaum gibt es wieder Jobs, kehren sie wieder in ihre alten Leben zurück, liegen dafür aber auch nicht mehr dem Staat auf der Tasche. Wenn Geld und soziale Sicherheit locken, steht die Kunst für die meisten eben nicht mehr hoch im Kurs. Etwas langatmig.

Ute Bauer – „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde…“

Die letzte Geschichte ist auch die einzige aus Deutschland. Sie erzählt von einem Astronauten, der auf eine verwüstete Erde zurückkommt. Er ist vermutlich der letzte Überlebende. Die Geschichte ist nur wenige Seiten lang und daher noch ein schöner Happen zum Ende.

Bei solchen Kurzgeschichtensammlungen ist es immer so, dass Geschichten dabei sind, die einem besser oder weniger gut gefallen. Hier ist immerhin keine dabei, die mir überhaupt nicht gefällt. „Die Glaswolke“ und „Wellen“ sind etwas zu lang, wobei erstere Spaß macht, nachdem die Außerirdischen nicht mehr nur als bloße Moralapostel gezeigt werden (eigentlich ist das ja auch nur, was der Protagonist denkt).

Sehr gut gefallen haben mir „Die Blumen von Edo“ und „Rachel ist verliebt“. Das werden auch die Geschichten sein, die mir am längsten im Gedächtnis bleiben werden, die eine wegen des Humors und dem ungewöhnlichen Setting, die andere, weil sie, naja, eben auch was für´s Herz ist.

Und die anderen Geschichten? Nun, die nerven nicht, aber ich glaube kaum, dass ich mich an diese in ein paar Monaten erinnern werde, und das spricht ja nicht für diese.

 
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Verfasst von - Juni 22, 2018 in Buchtagebuch

 

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Kais Filmtagebuch – „The Machine Girl“ (Japan, 2008)

Kais Filmtagebuch – „The Machine Girl“ (Japan, 2008)

Heute wird zum wiederholten Mal ein Film von Noboru Iguchi besprochen, darum lohnt es sich vielleicht, kurz ein paar Worte zum Regisseur selbst zu sagen. Noboru Iguchi (man beachte das Bild) stammt aus der Präfektur Tokio, ist 47 Jahre alt und nun knapp über 20 Jahre im Geschäft. In den meisten, wenn nicht sogar in allen (will sagen in, die ich kenne) seinen Filmen spielt das weibliche Geschlecht eine Hauptrolle. Das dürfte schon in seinen anfänglichen Werken so gewesen sein, immerhin waren das ja pornografische Filme. Da es dort aber auch schon einen gab, in dem einem Mädel Gewehre aus den Brüsten gewachsen sind, lässt sich ein gewisses Thema feststellen. Hübsche Mädchen werden in seinen Filmen gerne mal technisch verfeinert (siehe auch „Robo Geisha“, „Zombie Girl“ fällt etwas raus, weil er hierfür nicht die Geschichte schrieb), was auch immer das über ihn aussagt. Nun sei noch erwähnt, dass „The Machine Girl“ in den ersten Entwürfen keine Maschinengewehrprothese bekommen sollte und der Titel auch nur „One Armed Busty Girl“ lautete. Eine Information, die völlig unnötig ist.

Anfangen tut der Film mit einer Art Wilhelm Tell, nur dass hier viele Schüler Messer auf einen Mitschüler werfen und dabei versuchen den Apfel auf seinem Kopf zu treffen. Gerade, als alle gleichzeitig werfen wollen, kommt das Machine Girl und unterbindet die schönste Schinderei. Allerdings kommt sie nicht (nur), um das Opfer zu retten, sondern sie möchte ihren toten Bruder Yu rächen. Also hackt sie einem der Jungs die Hand ab, nur fair, da sie selbst ja auch nur eine hat. Was dann allerdings wieder unfair ist, ist die Tatsache, dass sie sich an ihren Stumpen eine Gatling schnallt und damit den Kopf des ent-handten in viele Funken zerschießt (plus meterhohe Blutfontäne, die aus seinem Hals spritzt). Die anderen Gestalten sind auch schnell beseitigt (und das anfängliche Opfer ist ziemlich undankbar). Zeit für einen Rückblick. Damit ist dieser Film genau so aufgebaut, wie Robo Geisha, wo man auch mit einer Actionsequenz beginnt, die, wie sich dann zeigt, gar nichts mit der Handlung an sich zu tun hat.

Nun dürfen wir Ami beim Basketball spielen zu schauen. Nur, damit man mich richtig versteht, sie spielt mit sich selber, neben ihr her rennt zwar ihre Freundin, aber da diese keine Sportsachen, sondern nur ihr normales Schuloutfit trägt, glaube ich nicht, dass sie großartig am Sport teilnimmt. Und dann macht es den Eindruck, als würde sie gerne mehr als ’nur‘ die Freundin von Ami sein. Ich schätze aber eher, dass das nur für uns Westler so rüber kommt. Dann ist auch genug mit dem Korbball, denn Amis Bruder Yu steht an der Tür. Er möchte sie gerne abholen. Wie sich herausstellt nicht aus purer Nächstenliebe, sondern, weil er Schwesterchen anpumpen möchte.

Wie wir Zuschauer schnell feststellen können, wir er das Geld aber nicht für Videospiele ausgeben. Er und sein Kumpel Takeshi werden von einer Grunde Teenie-Gangster bedroht und müssen dort die Kohle abliefern. Dummerweise ist es zu wenig, weswegen es Haue gibt, auch wenn das Chefchen der Truppe das Geld eigentlich gar nicht will, er möchte nur Leute leiden sehen.

Am nächsten Morgen entdeckt Ami natürlich schnell, dass Yu verprügelt wurde. Dieser wiegelt natürlich ab, woraufhin es ein wenig Hintergrundgeschichte gibt. Die Eltern der beiden wurden des Mordes angeklagt und haben sich darum umgebracht. Vorher ließen sie sich aber von ihren Kindern versprechen, aufeinander aufzupassen. Ich meine, einem schönen Suizid ist man in Japan nicht unbedingt abgeneigt, aber bloße Anklage doch ein etwas schwacher Grund. Wenn sie denn wenigstens verurteilt worden wären, würde ich es vielleicht noch einsehen.

Auch andernorts beginnt der Tag. Sho Kimura (der Anführer der Bande) stellt sich als Sohn eines Yakuza heraus. Und nicht nur das, sein Vater ist ebenso das Oberhaupt des Hattori-Hanzo-Ninjaclans (wobei dieser Clan hier so ziemlich gar nichts mit der berühmten historischen Vorbild gemeinsam haben dürfte, halt doch, es sind alles Japaner). Vater und Sohn liefern sich ein kleines Sparringkämpfchen und dann soll Sho etwas vom Blut seines Vaters trinken, um so die Verbindung noch zu stärken. Im übrigen sei hier angemerkt, dass dies die einzige Szene sein dürfte, in der der Yakuza-Jüngling nichts mit Leoprint trägt, dieser modebewusste Schönling. Während dieses Rituals stört ein Hausmädchen. Etwas, was sie aber nicht mehr lange bereuen muss. Als Sho das Haus verlässt, verabschiedet er sich nämlich liebevoll von seiner Mutter, die das Mädel währenddessen ins Jenseits schickt.

Yu lauert indes vor eben diesem Anwesen herum und beobachtet Sho, wie er sich auf den Schulweg macht. Da er aber offensichtlich jenem aus dem Weg gehen will (er läuft dann nämlich in die genau entgegengesetzte Richtung) erschließt sich mir nicht, warum er dort überhaupt rumlümmelt. Jedenfalls muss er für seine Doofheit büßen, denn er wird von Mitgliedern von Shos Gang entdeckt (das sind auch Schüler, nicht die ‚richtigen‘ Yakuza, die vor der Hütte Wache stehen, etc.). Yu rennt davon und zu seinem Kumpel Takeshi nach Hause. Er wohnt direkt über einer Autowerkstatt, was ganz praktisch für seine Eltern ist, da diese dort arbeiten (und das Ding auch besitzen). Takeshis Mutter (namens Miki) findet den Umgang des Sohnes alles andere als töfte, weil Yus Eltern ja des Mordes angeklagt waren.

Ami ist wieder am Basketball spielen, doch als sie Yu und Takeshi vor den bösen Jungs wegrennen sieht, rennt sie gleich hinterher. Weit kommt sie allerdings nicht, den sie stößt mit Rumlungerern zusammen, die sie dann gerne stoßen wollen, zur Not mit Gewalt. Und auch die beiden Jungs geraten in Bredouille, in einem Rohbau (vermutlich demselben wie zu Anfang) werden sie gestellt und verprügelt. Erst als Sho Yus Schwester in Zusammenhang mit Bordellen erwähnt, wehrt er sich und verpasst dem Yakuzasöhnchen eine. Parallel dazu wischt Ami mit den Strolchen den Fußboden auf. Wie sich zeigt, ist das Geschwisterpaar im Kampf geübt. Bei Yu reicht es leider nicht ganz, am Ende werden er und sein Freund aus dem (unfertigen) Fenster geworfen (oder ist es ein Balkon?) und verabschieden sich aus der Welt der Lebenden und der Handlung. Ami kommt zu spät.

Etwas später ist Ami verzweifelt in Yus Zimmer. In ihrer Trauer schlägt sie seine Notizhefte vom Tisch und findet in einem eine Namensliste, auf der Mitschüler stehen, die ihm übel zugespielt haben. Am nächsten Morgen findet sie sich also (mit gerahmter Yu-Fotografie) bei Ryota zu Hause ein. Die Mutter bereitet gerade das Frühstück zu (es gibt Frittiertes). Ami befragt den Jungen nach dem Verantwortlichen für den Mord, dieser wiegelt aber nur ab und geht. Ami darf sich noch die Tirade des Vaters anhören, der Polizist ist, und daher genauestens über Amis schändliche Familie Bescheid weiß. Dann greift er sie mit einem Golfschläger an (weil sie den Sohn beschuldigt) und auch die Mutter, rein optisch Hausfrau as Hausfrau can be, greift in den Kampf ein. So verwundert es nicht, dass Amis Arm in der Fritteuse landet, und die Mutter nur irre kichert. Am Ende hat Ami einen leckeren Tempuraarm und kann gerade noch entkommen. Der Vater schwört, sie eigenhändig und ohne polizeiliche Hilfe zu erledigen. Er scheint ja ziemliche Angst um den Ruf seiner Familie zu haben, ach so, stimmt ja, es spielt ja in Japan.

Abends kommt Ami wieder, durch des Polizistensohnes Fenster, doch nicht in romantischer Absicht. Es sei denn, man zählt Rachegelüste als romantisch (wer täte das nicht?). Mit ihren überragenden kämpferischen Fähigkeiten prügelt sie aus dem jungen Mann die Namen heraus, die sie braucht. Eigentlich ja nur einen Namen, Sho Kimura, der Yakuza-Jüngling. Nun könnte man meinen, sie hat was sie wollte, doch nein, erst wird der Sohn enthauptet, dann die Mutter erdolcht, und schließlich bekommt der Vater in der Wanne ein ganz besonderes Haarpflegeprodukt, nämlich das Blut des eigenen Lendenspross´ praktisch herausgepresst aus dem Torso, der hier tatsächlich wie eine Shampooflasche zu funktionieren scheint.

Auf dem Weg durch die Stadt ist Ami fest entschlossen, solange zur Mörderin zu werden, bis sie Blutrache genommen hat.

Bei Yakuzas wird zu Abend gegessen im Kreis der Familie, jedenfalls solange, bis der Koch dem Leoprint-Fanatiker Sho Suppe in den Schoß kippt. Klar, dass das Ärger gibt. In Zuge der Bestrafung erweist sich die Mutter (die innerhalb des Films keinen Namen bekommt, jedenfalls keinen, den ich mitbekommen hätte) als besonders unnachgiebig. Der Koch darf sich seine Finger abhacken und sie als Sushi essen, was mit besonders ekligen Knack-Geräuschen untermalt wird.

Währenddessen betritt Ami das Gebäude, richtet den ein oder anderen Yakuza, und schafft es beinahe auch, an Sho ran zukommen, doch sie wird entdeckt, und nach kurzer Zeit gestellt, gefangen genommen und gefoltert. Dabei werden ihr erst die Finger, und dann, weil der Yakuza-Chef von seiner Frau ein Bein gestellt bekommt, der ganze Arm abgeschnitten.

Früh am nächsten Morgen, als sie eine Spritze gegen die Schmerzen bekommen soll, kann sie entkommen (weil ihr Aufpasser ihr unter den Rock schauen will…und weil sie ja nur noch an einer Hand angekettet ist) und schafft es immerhin bis vor die uns schon bekannte Werkstatt, wo sie dann zusammenbricht. Übrigens ist es in dieser Zeit, in der sie noch keine Geschützprothese trägt, sehr offensichtlich, dass die Schauspielerin ihren „fehlenden“ Arm unter dem T-Shirt versteckt hält. Das sieht sehr unproportioniert aus.

Jedenfalls werden ihre Wunden von Mikis Ehemann versorgt (der kann das nämlich, hat nämlich auch eine eher zweifelhafte Vergangenheit), und Miki lässt sich überreden, Ami zunächst so lange da zu behalten, bis es ihr besser geht. Als es ihr dann besser geht, gibt es wieder Stunk zwischen den beiden Grazien. Schließlich kommt es zum Kampf und zum Armdrücken, wodurch die beiden, in bester Männerfilmklischeehaftigkeit, zu den besten Freunden werden, die es auf der großen weiten Welt gibt. Und nun endlich beginnt der Ehemann mit dem Bau der Gatling. Es folgt eine Trainingsmontage, schließlich gibt es erstens keinen guten Film ohne Montage, und zweitens muss man sich auf den Kampf gegen die Yakuzafamilie vorbereiten.

Miki will wohl die Lage checken und geht zum Haus der Kimuras, muss aber feststellen, dass diese weggezogen sind. Aufmerksam wie sie ist, bemerkt sie nicht den Angestellten des Hauses, der drei Meter neben ihr steht, mitbekommt, wie sie sich über die Yakuza informiert und sicher 1 und 1 zusammen zählen kann, bzw. irgendeiner aus der Sippschaft wird es dann wohl machen, das Rechnen meine ich. Und so bleibt nur noch Zeit für einen kurzen Charaktermoment in der Werkstatt (Miki kann keine weiteren Kinder mehr bekommen) bevor auch schon die Gangster angreifen. Wobei halt, das stimmt nicht, es sind Ninjas. Ninjas in roten Adidas-Trainingsanzügen, die einen speziellen Auftritt hinlegen, in dem sie sich vorstellen (ähm…irgendwas mit Ninjagruppe der Oberstufe, also auch Mitschüler), bevor sie mit dem Kampf beginnen. Miki, bewaffnet mit einem Rohr, und Ami, bewaffnet mit einem Hauch von nichts, unterliegen beinahe den Wurfsternwerfern, wenn nicht der Gönnergatte Mikis gerade rechtzeitig Amis Waffe fertiggestellt hätte. Nun, ausgerüstet mit einem riesigen Maschinengewehr als Arm (ungefähr so groß wie sie selbst), wendet sich das Blatt und mit den Ninjas wird der Boden aufgewischt…naja, eigentlich genau das Gegenteil, der Boden wird besplattert. Einem der Kerle wird ein riesiges Loch in den Wanst geschossen. Dumm nur, dass ein paar verirrte Shuriken den Weg durch Mikis Mann gefunden haben, und dieser in bester Resident Evil – Manier (den ersten Film meine ich jetzt im Speziellen) nach kurzer Verzögerung auseinander fällt. Immerhin kann ein Henchman der Familie Kimura gefangengenommen werden.

Die Kimuras brauchen neues Kanonenfutter, und so rekrutieren sie die Eltern der bislang ums Leben gekommen Schüler (also der Ninja), der Polizist ist ohnehin mit von der Partie. Der gefangene Yakuza wird von unseren Heldinnen genagelt, also, im wortwörtlichen Sinne. Nach einigen Nägeln in der Birne verrät er, wo die Verbrecherfamilie zu finden ist, nämlich bei irgendeinem abgelegenen Schrein. Es wird langsam Zeit für den Showdown. Für Ami wird ein Magazin extra-starker Munition eingepackt, die aber vermutlich die Waffe unbrauchbar macht, und eine Kettensägenprothese. Für Miki gibt es das bewährte Rohr. Bevor nun aber die Familie geplättet werden kann, stehen noch die rekrutierten Eltern im Weg, geschützt durch eine kugelsichere Football-Rüstung (nur nicht derjenige, der mit bloßem Oberkörper durch die Gegend rennt) und mit Maschinenpistole und Schwert bewaffnet. Diese stellen sich überraschenderweise gar nicht mal so blöd an, und Ami verschießt ihre ganze Munition, ohne auch nur einen einzigen ausgeschaltet zu haben. Miki hingegen hat sich im Verlauf des Kampfes dann doch erst für die Kettensäge, die auch von nicht Einarmigen bedient werden kann, und dann für einen abgetrennten Arm als Waffe entschieden. Anstatt sich in Ruhe zurückzulehnen und zu delegieren, betritt nun auch das Familienoberhaupt der Kimuras die Bühne, mit einer fliegenden Guillotine bewaffnet. In dieser landet zunächst der Kopf eines Elternteils, Teile von Amis Oberteil und schließlich auch ein Fuß von Miki, bevor Ami es endlich schafft, die Supermunition zu laden und den Yakuza mitsamt ihrer Waffe in den Orkus zu blasen. Miki tötet unterdessen noch das letzte Elternteil mit der Kettensäge, die sie an ihren Fußstumpf geschnallt hat, bevor auch sie selbst in die jenseitige Welt übertritt. Nun trägt Ami die Kettensäge, und begibt sich ins Innere des Schreins.

Dort findet sie Sho, der jedoch drei unschuldige Schüler um sich herum aufgestellt hat, um dahinter Schutz zu finden. Außerdem drängt sich Shos Mutter als nächste Gegnerin auf. Die Kettensäge prallt an ihrem Metall-BH ab und landet auf dem Boden. Dieser BH ist nicht nur unkaputtbar, sondern kann auch bohren. So versenkt die Mutter ihre Oberweite in Amis Oberweite (so ein schöner Satz). Ami gelingt es gerade noch rechtzeitig, also bevor es zu mehr als nur oberflächlichen Schäden kommt (jedenfalls wirkt es so), Mama Yakuza von sich und in eine Pinkelpfütze zu werfen, die einer der Schutzschildjungs hinterlassen hat. Das verursacht einen Kurzschluss im Drill Bra. Sho verlässt dummerweise seine Deckung, um seiner Mutter zu helfen, und so kann Ami beiden gleichzeitig horizontal den Kopf halbieren.

Ami schickt die drei Schüler los, um die Polizei zu holen, wobei die jetzt vermutlich auch nur noch wenig helfen kann. Sie selbst bleibt alleine zurück. Sie setzt schon zum rituellen Selbstmord an, doch ein Geräusch lenkt sie ab und sie stellt sich zum Kampf bereit. Ende.

„The Machine Girl“ erzählt eigentlich eine recht konventionelle Rachegeschichte, die ohne Umschweife oder besondere Nebenhandlungen abläuft (mal abgesehen vom Prolog, der mit dem restlichen Film nur wenig zu tun hat). Dabei ist es interessant, dass er, im Gegensatz zu „Robo Geisha“, mit nur wenig Blödsinnigkeiten auskommt. Kamen in dem einen noch riesige Pagodenroboter, Geishapanzer, Kniepistolen und ähnliches vor, hat man hier eigentlich „nur“ das Gatling-Prothesen-Gimmick (okay, man hat auch dieses eigenwillige Bluttrinkritual). Auch die Handlungen der Personen wirken nicht so überzogen (aber immer noch überzogen genug), wie ich es von anderen Iguchi-Filmen gewohnt bin. So ist das vielleicht ein guter Einstiegsfilm. Eine andere Möglichkeit wäre natürlich, dass ich mich schon daran gewöhnt habe, aber davon möchte ich lieber nicht ausgehen, wer weiß, mit was für Folgen man da noch rechnen müsste.

Etwas, das natürlich völlig übertrieben ist, sind die Effekte. Es ist zum Teil zwar eine richtig gute Puppen- und Requisitenarbeit, aber das Blut spritzt und sudelt nur so vor sich hin. Es scheint so, als würden in dieser Welt Menschen nur aus Blut bestehen, welches mit Hochdruck durch den Körper rast. Der Bohrer-BH (übrigens tatsächlich elektrisch), die fliegende Guillotine und auch Amis Gatling können ihre plastikartige Herkunft auch nie gänzlich verbergen, wohingegen der Tempuraarm überzeugend wirkt, in dem Sinne, dass es wie echtes Essen aussieht, eine Kunst, die die Japaner bekanntlich beherrschen. Noboru Iguchi sagt von sich, er sei sehr von Geisterhäusern aus Vergnügungsparks beeinflusst worden, und so sehen die Effekte dann auch aus. Realistisch ist der Film also nicht, aber will er ja auch nicht sein, sondern nur ein alberner Spaß. Darum stört es auch nicht, dass die Kampfchoreographie oftmals behäbig wirkt. Schade und unverständlich ist dann, dass der Film derart geschnitten wurde, dass es am Ende beinahe keinen richtigen Spaß mehr macht zuzusehen, weil man sich vieles zusammenreimen muss. Immerhin gibt es auch eine unzensierte deutschsprachige Alternative.

Es überrascht einen bei solch einem Spaßprojekt auch kritische Töne raus zuhören. So wird zum Beispiel der Rachefeldzug der Damen nicht nur in einem positiven Licht dargestellt. Dadurch, dass sie Leute umbringen, entstehen auch wieder neue Gegner, die ihrerseits auf Rache aus sind. So bildet sich der oft zitierte Teufelskreis. In diesem Sinne hätte ich einen Selbstmord Amis am Ende doch tatsächlich gut gefunden (so seltsam sich das auch anhört), weil sie sieht, dass Gewalt immer nur mehr Gewalt hervorruft. Nicht umsonst hatte sie ihren Eltern versprochen, darauf eigentlich zu verzichten. Wobei diese Eltern ja auch Pfeifen sind, So wie ich das verstanden habe, haben diese sich wegen der bloßen Anklage das Leben genommen, nicht einmal wegen eines Schuldspruchs. Wenn dann der Polizist meint, dass deren Selbstmord quasi ein Geständnis sei, dann kann man darin auch kritische Töne sehen, und Suizid ist ja etwas, das in der japanischen Gesellschaft durchaus auch mal akzeptiert ist.

„The Machine Girl“ ist ein unterhaltsamer, japanischer Funsplatterer, der im Vergleich mit anderen Werken des Regisseurs, nicht ganz so Wahnsinnig wirkt. Hat man die Möglichkeit einer ungeschnittenen Fassung, sollte man wohl eher zu dieser greifen, aber auch so weiß der Film zu unterhalten. Kleiner Spaßfakt noch am Ende: Auf meiner DVD befindet sich ein Extra namens „Info“ unter welchem nur ein Link zur Publisher-Seite zu finden ist.

 
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Verfasst von - November 1, 2016 in Filmtagebuch

 

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Kais Filmtagebuch – „Zombie Girl“ aka „Tomie Unlimited“ oder japanisch “Tomie Anrimiteddo” (Japan, 2011)

Kais Filmtagebuch – „Zombie Girl“ aka „Tomie Unlimited“ oder japanisch “Tomie Anrimiteddo” (Japan, 2011)

Folgenden Text habe ich schon sehr lange hier rumliegen Auf Facebook kam er vor einer gefühlten Ewigkeit schon, und nun ist er auch hier zu sehen.

Normalerweise bemühe ich mich, zwischen Film(un-)genuß und Filmtagebuch nicht so viel Zeit verstreichen zu lassen, und sei es nur aus dem Grund, damit ich den Film relativ gut wiedergeben kann. Jetzt allerdings hatte ich zum einen Besuch und zum anderen hat mich „Zombie Girl“ wirklich mit einem dicken „Hä?!?“ und dem Ausruf „die Japaner sind doch alle komisch!!!“ zurückgelassen. Sei es wie es sei, ich versuche mal, das Gesehene hier zu verarbeiten…

Als erstes sehen wir Tsukiko, Protagonistin und Schülerin mit dem Lieblingshobby eines jeden Asiaten beschäftigt (nein, nicht StarCraft, das sind nur die Südkoreaner): Sie fotografiert wild durch die Gegend, und vor allem ihre Freundin Yoshie (vielleicht schreibt man die so, im WWW bekommt sie den Namen „Kae“), die ihr großes Talent zu gesteht (vermutlich dank Instagram). Da entdecken die beiden Tsukikos Schwester Tomie, wie sie gerade mit Toshio (keine Angst, das waren alle japanischen Namen jetzt), Tsukikos geheimer Liebe, flirtet. Als Tomie die beiden erblickt, läuft sie auf sie zu, zieht Tsukiko damit auf, dass Toshio nichts von ihr will, und lässt sich von ihr dann fotografieren. Hätte sie das mal lieber gelassen, denn kaum hat Tsukiko sie richtig im Sucher, bricht eine kreuzförmige Metallstrebe (ob das symbolisch sein soll?) von dem Haus/Baustelle, vor welcher unsere Schülerinnen stehen, und durchbohrt Tomie. Das ist natürlich tödlich. Vor lauter Schock lässt Tsukiko ihre Kamera fallen, die aufdotzt wie ein Basketball und noch 4 bis 5 Bilder der Toten schießt.
Ein Jahr später wird gefeiert in Tsukikos Elternhaus. Ob die jetzt den Todestag feiern, oder der zufällig auf einen Geburtstag fällt ist mir nicht so ganz klar. Immerhin gibt es Kuchen, und es wurde auch für die Verstorbene Tomie eingedeckt. Davon abgesehen hat die Familie den Verlust wohl einigermaßen verkraftet, doch da klingelt es an der Tür. Tsukiko eilt zunächst an selbige, doch statt sie zu öffnen, unterhält sie sich lieber durch die geschlossene Tür mit der Besucherin. Da diese allerdings behauptet, ihre tote Schwester zu sein, ruft sie lieber nach ihrem Vater (das ist wenigstens ein Grund, nicht so wie irgendwelche ominösen Spinnen in Badezimmern, etc.). Offensichtlich ist das Türen öffnen etwas, dass der japanischen Kultur widerspricht, denn auch der Vater unterhält sich erst ausgiebig durch die geschlossene Tür, bevor er Tomie erkennt und sie rein lässt. Da staunt die Familie (die irgendwie keinen Nachnamen hat…oder ich hab ihn nicht mitgekriegt) nicht schlecht. Tomie lebt und ist richtig hungrig. Die Mutter bietet ihr den Kuchen an, doch die wiedergeborene Tomie ist zickig wie an ihren „speziellen“ Tagen im Monat, und wünscht, künftig nur noch Kaviar (bäh!) und Sekt zu sich zu nehmen. Später dann nimmt Tomie ein Bad. Als Tsukiko ihr Sachen zum Anziehen bringt, versucht sie zu erkennen, ob Tomie eine Narbe von der Metallstrebe hat. Offenbar hält sie sie nicht für ihre Schwester, sondern für jemanden, der nur so tut. Eine Narbe kann Tsukiko zwar nicht bemerken, jedoch bemerkt Tomie ihre Schwester und lädt sie ein mit zu baden. Das nimmt Tsukiko leider nicht an, woraufhin Tomie in Gelächter ausbricht (das wird auch noch so ein wiederkehrendes Motiv).
Am nächsten Morgen. Tsukiko kommt runter zum Frühstückstisch, an welchem Tomie schon sitzt und vornehm diniert. Hinter ihr sitzt auch jemand, nämlich ihr Vater. Der ist allerdings damit beschäftigt, Tomies Haare abzulecken (Japaner, alle pervers!). Leicht schockiert verlässt Tsukiko das Haus, nur um im Vorgarten auf ihre Mutter zu treffen, die Familienfotos verbrennt. Warum? Weil Tomie findet, dass man keine Erinnerungen mehr braucht, immerhin sei sie jetzt wieder da. Tsukiko, Fotoenthusiastin und so, wird ein wenig wütend und schubst Tomie gegen den Zaun. Zu dumm, dass ihre Eltern, vor allem der Vater, nur noch auf Tomies Seite stehen, und somit Tsukiko jetzt bestraft werden muss. Weil sie Tomie geschubst hat. Und weil sie ich nicht freut, dass Tomie lebt. Dazu werden ihr zunächst die Hände auf den Rücken gebunden und nachdem Tomie dem Vater auf die Sprünge geholfen und ihm ein Telefonkabel gereicht hat, wird Tsukiko damit der Hintern verpeitscht. Zumindest zweimal, bis Tomie ihn zurückhält, ihn als grausam bezeichnet und Tsukiko in die Wanne setzt, um sie zu baden. Dabei stellt sie ihr die Gretchenfrage, nämlich ob sie froh war, als sie selber (also Tomie jetzt) gestorben ist und somit der Weg zu Toshio frei war. Tsukiko verweigert zwar die Antwort, aber ein Kuss, den Tomie ihr auf die Lippen schmatzt, scheint diese zu geben. Jedenfalls behauptet Tomie, jetzt wisse sie Bescheid. Immerhin bekommt Tsukiko jetzt die Narbe zu sehen, wobei sie darauf wahrscheinlich lieber verzichtet hätte, den die Narbe verändert sich zu einer richtigen Geschwulst, mit Zunge und so was wie Gesichtszügen. Außerdem bezeichnet Tomie das Ding als Freund. Tsukiko rennt, mit Handtuch bedeckt, nach unten zu ihren Eltern und möchte Tomie als „Missgeburt“ bei diesen Bloß stellen (ihre Wortwahl). Als Tomie jedoch unten ankommt, sieht ihre Schulter aus wie eh und je. Daraufhin fängt sich Tsukiko noch ein paar Watschen ein (Erziehungsmethoden sind das, ts). Tomie ist jedoch unzufrieden und will wieder gehen. Doch kaum hat sie sich angezogen und Geld aus des Vaters Portemonnaie genommen, wird sie von eben ihm mit einem Küchenmesser niedergestochen, mehrere Mal (immer noch: Erziehungsmethoden sind das, ts). Was macht man nun als aufrechte japanische Familie? Genau, man schleppt die Leiche ins Bad und sägt sie auseinander. Warum man sich die ganze Mühe macht, den Kopf dann aber (der natürlich nochmal böse die Augen aufreißt) nur in den Papierkorb steckt, ist mir nicht klar.
Am nächsten Morgen sieht die Welt schon ganz anders aus. Da hat man andere Probleme, als ein blutverschmiertes Bad, Tsukiko fällt nämlich ein, dass heute das Fotoshooting ist (welches Shooting? Man weiß es nicht, zumal Tsukiko auch einfach nur zu Schule gehen wird und nie bei einem Shooting teilnimmt). Während Tsukiko sich also frisch macht, packt die Mutter ihr das Essen in die Dose. Reis mit ein paar Tropfen Tomie-Blut. Hilft vermutlich gegen Eisenmangel. (Ich habs nochmal nachgeschaut, dass Blut ist gar kein Blut, sondern ein ganzes Tomiestück. Dafür war es auch keine Absicht von der Mutter, es hing in ihrem Haar und ist unbemerkt in die Dose gefallen. Allerdings bezeichnet sie Tsukikos Rumgeheule als egoistisch…).
In der Schule gibt es eine neue Mitschülerin: Tomie. Überraschenderweise ist es den meisten egal, dass sie eigentlich vor einem Jahr gestorben ist. Nur Yoshie macht eine kleine Anmerkung, dass die neue und Tsukikos Schwester sich ein wenig ähnlich sehen und dann auch noch den gleichen Namen haben. In der Pause dann sitzt Tsukiko mit ihrer Freundin zusammen. Voller Vorfreude öffnet Tsukiko ihre Dose, doch statt leckerem Reis findet sie nur kleine, verformte Tomie-Köpfe (und wir sehen, die Computergrafiken sind verbesserungswürdig). Schlagartig appetitlos verlässt Tsukiko das Gebäude und schmeißt die Dose in den Müllschuppen der Schule (jedenfalls liegen das lauter Müllsäcke herum). Yoshie, die ihr nachgelaufen ist, findet in dem Schuppen nur noch die Dose vor ohne Tsukiko. Und in der Dose dann die 6 Tomieköpfe, deren Zungen heraus schnellen und Yoshie tentakelgleich in den Griff bekommen (I´ve seen enough hentai to know…).
Zu Hause bei den Eltern erwacht Tomies Kopf im Papierkorb wieder zum Leben und stiftet den Vater an, die Mutter umzubringen. Gestützt wird der Kopf von Tentakeln, die aus dem Hals heraus wachsen.
Nach der Schule wartet Tsukiko auf Toshio. Sie soll Bilder von seiner Schul-Karate-Gruppe machen (da ist doch das Shooting!). Während sie Bilder macht, taucht Mitschülerin-Tomie auf, besiegt diverse Karateka. Unter anderem auch Toshio, den sie beinahe schon vernascht, als sie ihn auf den Rücken geworfen hat. Danach verabschiedet sie sich wieder. Tsukiko rennt ihr hinterher und sieht, wie sie vor der Schule von einem Typ mitgenommen wird. Scheinbar ist das doch eine andere Tomie als ihre Schwester.
Tsukiko schaut zu Hause vorbei, trifft aber nur ihren Vater an. Nachdem dieser sie abgewimmelt hat, macht er sich daran, den Tomiekopf mit Kaviar zu füttern. Dann macht er sich daran, mit einer Schere den Kopf der Mutter vom Körper zu trennen (zuvor hat er sie ein wenig stranguliert), damit der von Tomie einen neuen Körper bekommt. Und zwar mit einer ganz normalen Schere. Naja, japanische Messer sind super scharf, vielleicht trifft das ja auch auf die Scheren dort zu.
Am nächsten Tag (nehme ich an) macht Tsukiko Tsukiko-Sachen, also Toshio nicht sagen, dass sie in ihn verleibt ist, Fotos entwickeln und dabei bemerken, dass Mitschüler-Tomie auch ein Schultergeschwür hat. Zu guter Letzt wird sie in der Dunkelkammer auch noch von Yoshie erschreckt, die ihr ebenfalls ihren neuen Schulterkumpel zeigt. Mit derartigem konfrontiert, rennt Tsukiko davon und sucht nach Toshio. Nachdem sie ihn nicht im Karateclub findet, rennt sie weiter zum Kunstsaal (dort haben die apathisch dasitzenden Klubmitglieder das Mädel hingeschickt). Yoshie läuft ihr hinterher, kommt aber nur bis zum Karateclub. Dort fängt nämlich ihr Schulterkumpel zu sprechen an, behauptet, er sei Tomie und bringt die Karateka dazu, Yoshies Kopf (das „Geschwür“) abzuschlagen. Somit ist Yoshie hinüber und wir haben noch eine Tomie…nur rennt die eben nur mit Schultergeschwür herum, was offenbar für Sichtbehinderungen sorgt, denn der Körper stolpert ziemlich blindlings durch die Gegend und rammt ständig Wände etc.
Im Kunstsaal angekommen, kann Tsukiko nur noch mitansehen, wie Toshio auf Mitschüler-Tomie einsticht und wie verrückt vor sich hin lacht. Als er sich wieder in den Griff bekommt, manifestiert sich in einem ansehnlichem CGi-Effekt aus dem Blut der Leiche eine neue Tomie, mit welcher Toshio dann auch herzhaft herumknutscht. Bis es Tsukiko zu viel wird, und sie Toshio absticht. Überraschenderweise verwandelt der sich aber nicht auch noch in eine Tomie. Die Blut-Tomie jedoch bekommt auch noch einen Hieb von Tsukiko ab, woraufhin diese, diesmal in einem eher nicht gutaussehenden CGi-Effekt explodiert. Tsukiko kann sich aber nicht mal richtig freuen, dass sie so viel herumgestochert hat, denn hinter ihr steht schon Yoshie-Tomie, die die arme Tsukiko jetzt quer durch das Schulhaus jagt. Unterwegs trifft sie noch auf die halb lebendigen Karateka, die sich wohl für die Yoshie-Tomie gegenseitig umgebracht haben. Schließlich sperrt sich Tsukiko in einem Hausmeisterraum ein. Doch dort trifft sie auf Papierkorb-Tomie, die sie schon erwartet hat und ihre Tentakel jetzt wirklich als Arme und Beine verwendet. Das wird ohne Computer gemacht, dafür sieht es aus, wie Augsburger Puppenkiste aus der Hölle. Aus einem Schrank stolpert die Blut-Tomie und auch die Yoshie-Tomie hat sich Zugang verschafft. Tsukiko ist also umzingelt. Papierkorb-Tomie erzählt irgendwas von Tsukiko hätte sie geschaffen und es sei Zeit sich zu vereinen.
Da wacht Tsukiko in ihrem Bett auf. Sie geht hinunter zum Frühstück, alles scheint normal. Nur ihre Eltern wissen nichts von einer Tomie. Sie hätte nie eine Schwester gehabt. Doch haha, reingelegt. Kaum freut sich Tsukiko, fängt ihr Vater an, Tomie-Haare zu essen und ihre Mutter (die jetzt einen auf dem Kopf stehenden Tomie-Kopf als …Kopf hat, ääh) bedroht sie mit einem Messer. Tja, und jetzt wird es ganz seltsam. Die Eltern zerren Tsukiko vor einen Zimmer-großen Tomie-Kopf, damit sie sich vereinen. Zu diesem Zweck kommen wohl aus dem Kopf Tomie-Tausendfüßler (also mehrere zusammengesetzte kleinere Tomie-Köpfe, die Haarsträhnen sind die Beine). Diese Tausendfüßler greifen an, aber da sie offenbar Probleme beim Anvisieren haben, springen sie die Eltern an und töten diese. Tsukiko versucht, ins Obergeschoss zu gelangen, doch auf der Treppe wird sie von Toshio, der von oben kommt, aufgehalten. Sie schubst ihn die Treppe runter, woraufhin er von den Tausendfüßlern gefressen wird. Daraufhin erscheint Yoshie auf der Treppe, und wir sehen die gleiche Szene noch einmal. Als Tsukiko endlich in ihrem Zimmer ist, kann sie die Tür nicht mehr schließen, denn die Zimmer-große Tomie schlägt gegen selbige. Tsukiko ist nun völlig verzweifelt, doch sie akzeptiert, dass Tomie scheinbar ein Teil von ihr ist (der wohl böse Teil) und sie ist bereit, sich mit diesem Teil, sprich mit Tomie zu vereinen. (Oder ist Tsukiko der Gute Teil von Tomie?).
Nach der Vereinigung tritt aus dem Haus eine Tsukiko mit langen Haaren auf die Straße. Überall sieht sie Tomies, die ihr freundlich zu lächeln und Tsukiko trifft Toshio, mit dem sie wohl zusammen ist. Friede, Freude, doch kein Kuchen??? Nein, in der letzten Szene sehen wir Toshio, der auf Tsukiko einsticht, damit er sie nie verliert, denn er brauche sie so sehr. Mit letzter Kraft blickt Tsukiko zum Spiegel, indem sie Tomie erblickt, die ihr sagt, dass sie jetzt endlich glücklich sein könne, da Toshio sie ja braucht. Die beiden Mädels lächeln sich noch gegenseitig an und dann ist endlich wirklich Schluss.

Okay, okay, durchatmen, Augen schließen, es ist vollbracht. Wie geht man an so einen Film ran? Wenn man wirklich versuchen will, dem Film, vor allem dem Ende einen irgendwie gearteten Sinn zu geben, sollte man zu aller erst nach Hintergrundinformationen zu dem Film suchen. Dann kann man nämlich (nachdem man herausgefunden hat, dass der Film nicht als „Zombie Girl“ in der Imdb steht) feststellen, dass Tomie Unlimited keineswegs ein alleinstehender Film ist, sondern der neunte einer ganzen Serie rund um die Figur Tomie. Noch dazu basiert diese Serie auf einer Mangareihe.
Tomie ist demnach eine unsterbliche Figur, mit verschiedenen Unangenehmen Eigenschaften. So zieht sie jeden in ihren Bann. Die Leute lieben sie so sehr, dass sie sie oft umbringen, damit sie Tomie nicht teilen müssen. Vor allem ihr Haar hat eine starke Anziehungskraft. Noch dazu kann sich jeder Teil Tomies, sobald er vom Körper getrennt wurde, zu einer neuen eigenständigen Tomie entwickeln. Zwar benötigt sie keinen Wirt, aber sie kann auch andere Personen mit sich „infizieren“. Das erklärt einiges. Das obskure Ende, die Haar-Esserei und auch hundert Millionen verschiedene Tomies.
Überraschenderweise wird das Augenmerk nicht nur auf die Schockeffekte und Bizarrität des Films gelegt. Große Teile von Zombie Girl beschäftigen sich auch mit der Geschwisterrivalität zwischen Tsukiko und Tomie. Das zeigt sich dann im Buhlen um denselben Jungen oder um die Anerkennung durch die Eltern. Das heißt aber auch, dass vor allem Tomie und Tsukiko im Mittelpunkt stehen. Das bewältigen die Schauspielerinnen im Grunde ganz gut. Vor allem die Tomie-Darstellerin Miu Nakamura versteht es, durch Mimik und Gestik nicht nur das leicht verrückte, sondern auch die unentrinnbare Anziehungskraft, die ihre Figur auf die anderen ausübt, auszudrücken. Moe Arai als Tsukiko wirkt dagegen manchmal ein bisschen nervig, aber da trägt auch sicherlich die deutsche Synchronisation einiges bei. Die legt den Leuten nämlich ab und an recht seltsame Sätze in den Mund. Die anderen Schauspieler sind eher wenig gefordert. Nur der Vater glänzt noch durch furchtbares Over-Acting.
Noch ein Wort zum Regisseur: Noboru Iguchi ist hier schon mit dem hilariösen „Robo Geisha“ vertreten. Außerdem hat er zu „The ABCs of Death“ beigetragen („F is for Fart“, was denn auch sonst). Ich denke, ich werde mir noch den ein oder anderen Film von ihm anschauen. Die sind nämlich immer etwas ganz Besonderes.
Die Effekte können sich größtenteils sehen lassen, sofern es sich nicht um am Computer generierte handelt. Die sehen nämlich bis auf ein, zwei Ausnahmen recht billig aus. Die komischen Schultergeschwürpuppen sind aber schon nicht schlecht. Nur bei der Horror-Marionette bin ich mir nicht sicher, ob ich sie gruselig oder lustig finde.
Die Musik wiederholt sich recht häufig und erinnert stark an ein älteres PC-Spiel.

Der Film ist sehr seltsam, und das auf verschiedenen Ebenen. Die Handlung ist sehr seltsam, die Effekte sind verstörend, und dann wird das ganze noch mit einer gehörigen Portion Humor (ob freiwillig oder unfreiwillig sei mal dahingestellt) aufgelockert. Ich hatte meinen Spaß, wer allerdings nichts mit japanischen Bizarro-Filmen anfangen kann, sollte lieber die Finger davon lassen.

 
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Verfasst von - Januar 25, 2016 in Filmtagebuch

 

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Kais kurzes Filmtagebuch – „Samurai Resurrection aka Makai Tenshô“ (Japan, 2003)

Kais kurzes Filmtagebuch – „Samurai Resurrection aka Makai Tenshô“ (Japan, 2003)

Irgendwie scheine ich bei diesem Film die Inhaltszusammenfassung völlig missverstanden zu haben. Erwartet habe ich nämlich einen Film mit halbvermoderten Samuraizombies, die sich durch Japan schnetzeln. Bekommen habe ich aber einen Film, der vom Aufbau her an ein Beat´em Up erinnert. Dem Held werden nämlich verschiedene, immer stärker werdende wieder zum Leben erweckte Samurai vorgesetzt, bevor er sich dann dem Urheber des Ganzen stellen kann. Allerdings ist die Rahmenhandlung nicht ganz so dämlich, wie die der meisten Prügelspiele.
Der Film beginnt zunächst mit dem rabiaten Vorgehen des Shoguns (ja, das ganze spielt im alten Japan) gegen die christlichen Japaner. Die haben nämlich den Aufstand geprobt, wegen zu hoher Christen-Sondersteuern, schlechter Behandlung und Ähnlichem. Wie gesagt, der Shogun lässt rabiat vorgehen, was in dem Fall heißt, dass die Aufständischen nicht nur besiegt, sondern auch umgebracht werden. Daraufhin fällt der Führer der Christen vom Glauben ab und wird Satanist, das heißt, im Gegenzug für ewiges Leben und Zauberkräfte verkauft er seine Seele. 10 Jahre später will er sich an der Familie des Shoguns rächen, indem er den Onkel des Japanherrschers gegen selbigen aufhetzt, und ihn mit den wiedererweckten Samurais unterstützt.
Für die Wiedererweckung von den Toten benötigt man übrigens einen Frauenkörper, durch welchen die Samurai sozusagen nochmal geboren werden. Verständlicherweise verreißt es dabei das Frauenopfer, denn auch ein ausgewachsener, mittelalterlicher Japaner ist größer als ein handelsübliches Baby. Die Samurai sind übrigens keine seit Jahrhunderten schon toten Schwertkämpfer. Der Satanistenzauberer sucht sich die besten lebendigen und überredet diese dann, ihm ihre Seele zu verkaufen. Daraufhin sterben diese und werden dann per Frauenopferung wiedererweckt. Ein ziemlicher Umstandskrämer, ich hätte da gleich auf die ohnehin toten Schwertschwinger zurückgegriffen.
Und jetzt kommen wir endlich zu unserem Helden, einem Schwertkämpfer des Yagyu-Clans, der sich den verschiedenen Samurai stellt, unter Anderem seinem Vater, um seine Schwestern zu befreien und den Dämonen zu besiegen.
Die Inszenierung des Filmes ist vor allem am Anfang recht wirr, da oft zwischen den Szenen hin und her gewechselt wird. Es fällt auch schwer, zu 100% mit dem Helden mitzufiebern, da er im Vergleich zum Bösewicht relativ wenig Screentime hat. Vor allem am Anfang konzentriert sich der Film eher auf die Geschichte und den Hintergrund des Zauberers. Wenn der Schwertkämpfer-Held mal Szenen hat, dann tut er eben dies, nämlich Schwertkämpfen. Seine Hintergrundgeschichte wird nur angerissen. Es hilft auch nicht, dass er keinerlei Überraschung zeigt, dass sogar sein Vater (oder Großvater, einer von beiden war´s) sich dem Bösen angeschlossen hat. Andererseits kennt er sich vielleicht schon mit den schwarzen Schafen seiner Familie aus.
Die Kämpfe selber sind ziemlich realistisch choreographiert. Da gibt es kein rumgefliege und keine übernatürlichen Zaubereien. So, oder so ähnlich könnten sich die spektakuläreren Kämpfe schon abgespielt haben, wenn sie damals minutenlang gegangen wären. Das Blut fließt auch nicht in Strömen, was ganz angenehm ist, denn ich vermute, es würde dadurch nur lächerlich aussehen. Einzig enttäuschend ist der vorletzte Gegner, der am eindrucksvollsten eingeführt wird, aber nach 5 Sekunden besiegt ist.
Die Computereffekte, die geboten werden sind ansehlich. Man muß sich nicht die Augen ausreissen.
Die Musik fand ich auf die Dauer leider eintönig und dadurch dann ein wenig nervig. Immer diese gleichartigen Trommeln.
Der Film basiert übrigens auf der Buch-Trilogie „Makai Tenshô“ (1967) von Futaro Yamada, welche schon häufiger in Japan verfilmt, oder anderweitig verarbeitet wurde. Das könnte natürlich erklären, warum die Geschichte anfangs ein wenig unübersichtlich wirkt. Es ist ja immer schwierig, ein Buch gut zu verfilmen, ganz zu schweigen von dreien. Die wiederbelebten Samurai, die nicht einmal alle Samurai sind, sind sicherlich bekannt in der japanischen Kultur. Mir allerdings kam namentlich nur Miyamoto Musashi schon mal anderweitig vor, ist er doch der bekannteste Samurai. Zu den Leistungen der anderen Kämpfer zählt vor allem die Entwicklung eigener Schwertkampftechniken. Erwähnenswert erscheint mir noch Amakusa Shir¬ō, der den katholischen Japanern noch heute als Heiliger gilt. Während einer Rebellion von Christen (der Shimabara-Rebellion) übernahm er die Verteidigung einer Festung und konnte einige militärische Siege davontragen. Schlussendlich aber wurde die Festung doch erobert (wegen eines Verräters und schlecht gewordenen Vorräten) und Shirō hingerichtet, quasi ein Märtyrertod.
Also, wer kann sich den Film jetzt gefahrlos anschauen? Vor allem Leute, die sich ein wenig im Japanischen auskennen, die gerne mal Schwertkämpfe sehen, die ohne große Effekte auskommen und sich nicht an Zauberern mit blauem Lippenstift stören. Aber man darf keine Zombies erwarten. Die kommen nämlich nicht darin vor. Wobei das sicher auch ein unterhaltsamer Film werden könnte…

 
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Verfasst von - Juni 23, 2014 in Filmtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

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Kais Serientagebuch – „Folktales from Japan“ aka „Hometown Rebuilding: Folktales from Japan“ (Japan, 2012-??)

Kais Serientagebuch – „Folktales from Japan“ aka „Hometown Rebuilding: Folktales from Japan“ (Japan, 2012-??)

Hin und wieder stößt man im Internet auf Filme und Serien, die man mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nie im deutschen Fernsehen zu sehen bekommen wird. Das hat sich in den letzten Jahren glücklicherweise ein wenig zum Besseren hin verändert, erfolgreiche Serien werden mittlerweile auf jeden Fall und mit nicht einmal mehr so viel zeitlichem Abstand in Deutschland veröffentlicht. Animes haben da schon einen etwas schwereren Stand. Vor allem dieser Anime, da er eigentlich keine wirkliche Zielgruppe in Deutschland hat.

Worum es geht, das zeigt eigentlich schon der Titel. Jede der ungefähr 25 Minuten langen Episoden ist in drei Teile, beziehungsweise drei Märchen aufgeteilt. Dabei beschränkt sich die Auswahl nicht allein auf Märchen. Es werden auch japanische Göttersagen, Mythen oder auch Ursprünge bestimmter Festtage gezeigt. Dabei dürfte es viele überraschen, wie sehr sich manche der Geschichten europäischen Märchen ähneln. Und damit meine ich nicht nur die Motive. Die Figur des ehrlichen, mitfühlenden, in einfachen Verhältnissen lebenden Menschen, der am Ende für seine Tugendhaftigkeit belohnt wird dürfte auf der ganzen Welt eigentlich das Leitthema für Märchen sein, wenn man davon ausgeht, dass durch diese Geschichten die Leute zu einem anständigen Leben erzogen werden sollen.  Nein, es ähneln sich auch ganze Märchenpassagen. So gibt es für die im gestiefelten Kater auftauchende Szenerie des gestaltwandelnden Zauberers, der provoziert wird, sich in eine Maus zu verwandeln (und dann vom Kater gefressen wird), ein entsprechendes Pendant. In der japanischen Version allerdings wird der sich klein gemacht-habende Tengu dann erschlagen.

Natürlich gibt es auch Märchen, die im europäischen Raum ihresgleichen suchen. Manchmal erschließt sich auch nicht unbedingt eine Moral der Geschichte, so zum Beispiel in der Sage um Urashima Taro, der drei Tage im Drachenpalast verbringt (am Grunde des Meeres), aber als er zurückkommt, sind 300 Jahre vergangen (in dem Märchen kommt auch das berüchtigte „tamatebako“ vor). Durch die japanische Zeichenschrift und der Gleichklang vieler Silben spielen Wortspiele eine größere Rolle als bei uns (da fiele mir auf Anhieb nicht mal eine Geschichte ein, in der so etwas vorkommt). Das kurioseste Märchen allerdings, das ich bis jetzt (Stand Episode 26) gesehen habe, war das mit einer Frau, die zu laut und oft furzte. Das passt so zudem, was ich von asiatischem Humor kenne.

Außerdem beinhaltet der ostasiatisch-japanische Sagenschatz eine viel größere Zahl an Dämonen, Monstern und anderen fantastischen Gestalten. Dies mag aber darauf zurückzuführen sein, dass in unserem Sprachraum die Schrate, Trolle und Kobolde einfach oftmals „verteufelt“ wurden, da wir ja Christen sind und jedes vorchristliche Element automatisch schon dem Satan zugeschrieben wird. Schlussendlich sei noch gesagt, dass viel weniger Prinzessinnen vorkommen. Das heißt jetzt natürlich nicht, dass der Held nicht am Ende ein hübsches Mädchen heiraten darf, diese ist dann eben nur wohlhabend und nicht adelig.

Die Episoden von „Folktales from Japan“ sind aber nicht nur recht kurzweilig, weil pro Episode drei Geschichten erzählt werden. Die verschiedenen Märchen sind in  teils sehr unterschiedlichen Zeichenstilen umgesetzt. Manche wirken fast wie die alten asiatischen Bilder, deren kitschiger Abklatsch in Chinarestaurants so gerne an der Wand hängen. Andere hingegen sehen recht eigen aus. Alle wirken aber so, als ob man gerade ein Bilderbuch betrachten würde. Sicher wird dieser Eindruck dadurch unterstrichen, dass es nur zwei Synchronsprecher gibt, die wie eine Mutter, bzw. ein Großvater klingen, die ihren Nachkommen eben dieses Buch vorlesen. Das ist durchaus gewollt und passt zum Konzept der Serie. Fleißige Anime-mit-Originalton-Seher erhören vielleicht Yoneko Matsukane. Diese sprach schon in der Nils Holgersson-Serie den kleinen Hamster, der Nilsens Reisegefährte war. Oder in „Wickie und die starken Männer“ dessen kleine, blonde Freundin. Akira Emoto, der männliche Sprecher, ist vor allem als Schauspieler bekannt und hatte sowohl eine Rolle in „Ichi – Die blinde Schwertkämpferin“ als auch in „Zatoichi – Der blinde Samurai“. Mir scheint, da tut sich ein roter Faden in seinem Oeuvre auf.

Die Musik passt sehr gut und dudelt dezent im Hintergrund. Leider haben die Melodien nicht den Variantenreichtum der Zeichenstile. Mitunter kommt ein Stück so oft vor, dass es ein wenig nervig wird. Aber man soll ja auch nicht vier Folgen am Stück anschauen. Belässt man es bei einer oder zwei am Tag, fällt einem das sicher nicht als störend auf.

Sehr schön gelungen sind aber das Titellied und das Abspann-Lied. Natürlich größter J-Pop-Schnulz, den ich furchtbar fände, würde ich den Text verstehen. So ist es aber schon recht hörbar, vor allem das Abspannlied klingt allerdings stark nach „Gute-Nacht-Lied“. Gesungen werden beide von Shoko Nakagawa. Diese ist nicht nur eine in Japan bekannte Popsängerin (die auch schon Titellieder zu „Fullmetal Alchemist: Brotherhood“ und „Pokémon“ beisteuerte), sondern sieht auch, wie es sich gehört, niedlich aus. Natürlich weiß man das nicht, wenn man die Musik hört, aber man kann es sich denken.

Tja, die Zeichnungen sehen wie Bilderbücher aus, das Abspannlied erinnert an ein Schlaflied und die Erzähler wirken mütterlich und großväterlich, es lässt sich nicht leugnen, diese Serie ist eigentlich für Kinder konzipiert, und zwar für solche im Sandmännchen-Alter. Das ist wohl mit ein Grund, warum es „Folktales from Japan“ nicht in unseren Fernsehraum schaffen wird. Kinder in dem Alter werden sich vielleicht schwer tun mit dem exotisch-japanischem Rahmen und die japanische Dämonenwelt nicht richtig einordnen können, ältere Zuschauer wird die Aufmachung abschrecken. Nichtsdestotrotz kann ich jedem empfehlen, der sich für den asiatischen Raum und Japan im Speziellen interessiert, mal einen Blick auf eine Folge zu werfen. Man entdeckt nicht nur interessante Geschichten, sondern erhält auch einen Blick auf die japanische Gesellschaft.

Wen übrigens interessiert, warum sich manche Märchen so stark ähneln, dem sei gesagt, dass es da verschiedene Theorien gibt. Manche sprechen von einem (oder mehreren) Ursprungsland(/-ländern) für bestimmte Märchen, meist im indischen Raum. Andere, vor allem Freud und Jung, führen dass auf eine psychoanalytische Schiene zurück. Das heißt, dass bestimmte Symbole in allen Träumen weltweit gleich sind, diese dann in Märchen verarbeitet werden. Die ganze Sache ist natürlich noch etwas komplizierter, als ich es gerade zu erklären versuchte. Aber scheinbar ist man sich noch immer nicht ganz sicher, warum genau jetzt manches so ähnlich ist.

Das Abspannlied zum anhören.

 
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Verfasst von - März 22, 2013 in Serientagebuch

 

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Kais Filmtagebuch, „Robo Geisha“ (Japan, 2009)

Kais Filmtagebuch, „Robo Geisha“ (Japan, 2009)

Noboru Iguchi ist mir seit „Zombie Girl“ ja der liebste aller japanischen Billigregisseure (und vielleicht auch nur, weil mir auf Anhieb nicht so viele andere einfallen). Daher war es mir eine Freude, auf Vickys Vorschlag hin, „Robo Geisha“ als Filmtagebuch zu verwursten.

„Robo Geisha“ ist 2009 entstanden, also rund zwei Jahre vor „Zombie Girl“, und man merkt dem Ganzen schon an, dass er nicht so viel Geld  zu Verfügung hatte. Aber dazu später mehr…

Der Film beginnt mit einem Präsidentschaftskandidaten (natürlich Kandidat für das japanische Präsidentenamt), der sich mit einer Geisha vergnügt, als sein Berater hereingestürmt kommt und ihn vor einem Erpresser warnt. Entweder er ziehe seine Kandidatur innerhalb von 3 Minuten zurück, oder er stirbt. Hierauf folgt zunächst ein Monolog des Kandidaten darüber, was man in 3 Minuten auf der Toilette erledigen kann und schickt seinen Berater fort. Er möchte lieber mit der Geisha intim werden. Als der Kandidat ihr aber auf die Titte drückt, drehen bei der Geisha die Augen durch und sie zeigt ihr wahres Roboterwesen. Da sie allerdings nicht alleine mit den Bodyguards des Kandidaten fertig wird (oder keine Lust hat, alles selber zu machen), teilt sie sich, wie damals in inquisitorischen Zeiten die eisernen Jungfrauen, einmal in der Mitte und herausspringen zwei Frauen mit Penismasken (und Penis BHs). Während die Bodyguards sich also mit den Penisdämonenroboter (sogenannte Tengun-Kriegerinnen, basierend auf echten Gestalten der japanischen Mythenwelt) beschäftigen, geht die böse Robo Geisha mit dem Kandidaten stiften (ha, wusste ich es doch, die hatte keinen Bock auf die ganze Arbeit). Bevor sie aber den Kandidaten mit Hilfe einer Kreissäge, die ihr aus dem Mund wächst, entleiben kann, eilt die gute Robo Geisha (ich kann den Namen ja schon  mal verraten, sie heißt Yoshie) zur Rettung, schießt die böse Geisha mit ihrer Perückenkanone ab und erzählt dem Kandidaten dann in aller Ruhe ihre Geschichte (während nebenan noch die Penisdämoninnen Ninjasterne aus ihren Hintern verschießen).

Am Anfang war Yoshie nämlich gar keine Geisha (und auch kein Roboter), sondern nur, obwohl die hübschere, die Putze, Prügelknabe und Mädchen für alles für ihre Schwester Kikue, die selber eine richtige Geisha ist. Als Kikue ihre Schwester aber eines Tages ein bisschen verhaut, weil sie ihr durch ihre Tollpatschigkeit einen Geisha-Auftritt versaut hat, wird Yoshie so wütend, dass sie glatt ein Telefonbuch zerreißt (und das in Japan, da sind die Dinger doch gerne mal doppelt so dick wie hier). Das beobachtet der Geisha-Gast und Geschäftsmann Hikaru. Von den Kräften beeindruckt, lädt er Yoshie ein, sich mit ihm im Wald zu treffen (sehr seriös). Interessant dabei ist, dass er sie, gleich nachdem sie angekommen ist, fragt, ob er sie nach Hause bringen darf. Jedenfalls begegnen sie unterwegs einer Verflossenen von Hikaru, die die beiden mit einem Messer…ich sag mal angreift. Im Prinzip rennt sie nur mit der ausgestreckten Klinge auf die beiden zu, und das nicht einmal schnell, sieht eher so aus, als würde sie jeden Moment hinfallen. Doch es reicht, dass sich Yoshie bedroht fühlt, sie springt in die Luft und schickt die Angreiferin mit gezielten Fußtritten (im Matrixstyle, das heißt in der Luft schwebend) zu Boden. Hikaru ist begeistert die Richtige gefunden zu haben (das heißt doch nichts Gutes). Yoshie eilt heim, während Hikaru die Penisdämoninnen herbeiruft, damit diese der Ex den Rest geben (sie bespritzen die Gute mit säurehaltiger Milch aus ihren Brüsten).

Kurz darauf werden die beiden Schwestern eingeladen, den Firmen- und Familiensitz von Hikaru  zu besuchen. Die beiden stapfen also durch die Pampa und sehen das riesige, altertümliche Gebäude (ähnlich einer Pagode) nicht, bis sie direkt davor stehen. Übrigens finden wir unterwegs noch heraus, dass die beiden Waisen sind, und Kikue (die Ältere) immer versucht hat, die beiden durchzubringen. Im Firmensitz gibt es zunächst Essen mit Hikaru und seinem Vater. Dann enthüllt dieser, dass das nicht nur eine Stahlfabrik sein, sondern auch eine Waffenfabrik (im Hintergrund baumelt währenddessen die schönste cartoonesksche Rakete, die ich je in einem Film gesehen habe). Natürlich ist das alles eine Falle. Die beiden Schwestern werden zur Roboter Geisha-Miliz gebracht, und werden dort gezwungen gegeneinander bis zum Tod zu kämpfen. Kikue ist dazu nur allzu gerne bereit, gibt sie doch Yoshie die Schuld an allem. Yoshie geht natürlich als Siegerin hervor, aber immerhin muß sie ihre Schwester nicht umbringen, scheinbar reicht es doch, sie einfach zu besiegen (Pfui, ich fordere Einhaltung der Regeln!). Die beiden werden in das Robo Geisha-Programm aufgenommen. Yoshie punktet dabei mit ihrer natürlichen Begabung und Kikue mit ihrem Hass auf Yoshie und ihrem Einsatz. Belohnt werden sie mit immer weiteren Roboterbauteilen. So bekommt Kikue eine Tittengatling, mit der sie beim Schießtraining alle anderen in den Schatten stellt (wobei sogar ich bei der geringen Entfernung die lebenden Ziele treffen würde). Yoshie darf mit Achselklingen Menschen meucheln. Zum Abschluss des Trainings gibt es dann noch einen Probe Einsatz gegen drei Samurai-Yakuza. Dabei wird die Robo Geisha-Truppe überraschenderweise mächtig aufgerieben. Kikue muß sich sogar vor Yoshie stellen und ihr das Leben retten (und sich selbst verwunden lassen). Zu guter Letzt gewinnen aber die Robo Geishas, und Yoshie kann den ganzen Ruhm einheimsen, da sie den Yakuza-Chef gekillt hat.

Yoshie ist also fortan erfolgreich als Killerin unterwegs. Zumindest so lang, bis sie eine alte nette Dame umbringen soll. Diese ist nämlich Leiterin einer Widerstandsgruppe gegen den Hikaru-Konzern. Die Gruppe möchte die verschwundenen Mädchen, meist Familienangehörige, wieder zurückholen. Yoshie, von der Gruppe nett behandelt, bekommt Gewissensbisse,  und sie erkennt, dass der Konzern, für den sie arbeitet, nicht so ganz koscher ist. Darum ist es kein Wunder, dass sie die Gruppe, während diese die japanische Version von Kumba Ya (oder so, immer diese Weltverbesserer und ihre Gitarren) singen, nicht hinterrücks über den Jordan schicken kann. Sie hilft ihnen sogar, zu fliehen.

Hikaru sieht so etwas natürlich nicht gerne. Dennoch gibt er Yoshie, ob ihres herausragenden Talentes, noch eine Chance. Sie soll zwei Terroristenbrüder umbringen. Tut sie dies nicht, wird Kikue um die Ecke gebracht. Alles läuft bei dem Einsatz prima, sie sticht dem einen die Augen mit Shrimps aus und haut dem anderen den Kopf in den Rumpf. Letzterer erholt sich aber immer wieder und erzählt von der Geheimwaffe Hikarus, die ganz Japan zerstören soll. Bevor Yoshie allerdings davoneilen kann, um Hikaru zu stoppen, jagt sie aus Versehen den Bombengürtel des Shrimp-geblendeten Bruders hoch. In der Firmenzentrale ist man hoch erfreut, dass Yoshie explodiert ist und der Plan, sie aus dem Weg zu schaffen so gut funktioniert habe (was ist das denn für ein Plan, zu hoffen, dass Yoshie den Bombengürtel aktiviert). Nur Kikue ist traurig, dass ihre Schwester tot ist und hält einen Sermon darüber, wie doll sich Geschwister streiten und hassen können und dennoch traurig sind, wenn einer davon stirbt.

Yoshie ist natürlich, Überraschung Überraschung, nicht tot, ihr fehlen nur ihre Beine. Glücklicherweise wird sie von der Widerstandsgruppe aufgelesen, die sie wieder zusammenflicken. Als Yoshie wieder zu Bewusstsein kommt, ist die Gruppe gerade dabei, zur Firmenzentrale aufzubrechen, um die Mädchen heraus zu verlangen. Yoshie will sie natürlich daran hindern, ist aber zum einen zu geschwächt und zum anderen stellt ihr die alte Lady den Strom ab.

Hikaru wandelt Kikue inzwischen zu einem vollständigen Roboter um, er löscht also auch ihr Bewusstsein aus. Die Szene endet mit dem zärtlichen Streicheln von Hikaru. Er streichelt Kikues Schädel und Hirn…

Die Weltverbesserer haben es zur Firma geschafft und sitzen nun im Pressekonferenzraum sogar Hikaru und seinem Vater gegenüber. Und sie sind nicht so doof, wie ich dachte, sie haben immerhin Waffen mitgebracht, um ihre Forderung zu unterstreichen. Und Pläne von der Super-Comic-Atomrakete, deren Kopien Yoshie an die Behörden liefern soll (nur doof, dass die davon scheinbar nichts weiß, und man nie wieder davon spricht).

Yoshie ist mittlerweile wieder aufgewacht (ohne Strom?), und humpelt Richtung Firma, doch sie kann irgendwann nicht mehr. Da hört sie die Stimme der alten Lady, die ihr einen tollen Rat gibt (sowas wie glaube an dich selbst oder so). Daraufhin fasst Yoshie neuen Mut, und ihre neuen Beine, die zum Laufen zu schwach waren, verwandeln sich in einen Minipanzer. Es schließt sich die schlechteste Fahrsequenz aller Zeiten an. Doch so schnell sie jetzt auch unterwegs ist, sie kann nicht verhindern, dass die Widerständler per Schulterkanonen von den zwei Bossen erschossen werden (bis auf drei, den Rollstuhlfahrer, die alte Lady und den Gitarrenspieler). Ebenso wenig kann sie verhindern, dass dem pagodenartigen Firmensitz Arme und Beine wachsen und er nun als riesiger, alles zerstörender Roboter durch die Gegend läuft. Sehr modebewusst trägt der Riesenrobbi die Atomrakete/Bombe als Medaillon um den Hals. Der Plan sieht vor, diese in den Fujiyama zu werfen und damit Eruptionen hervorzurufen, die Japan zerstören.

Während in der Roboter-Pagode der Rollstuhltyp Hikarus Vater per Kniescheibenpistole erschießt, zerstört das Riesending Häuser, die ob der schweren Wunden in Strömen bluten (ja, und es sieht so dämlich aus, wie es klingt). Yoshie, deren Panzer auch senkrechte Wände hinauf fahren kann, erkämpft sich einen Weg in die Pagode, während der Rollstuhltyp innen munter Robo Geishas umbringt (die er ja eigentlich mal befreien wollte). Dabei stirbt er, schön eingerahmt von Brüsten.

Yoshie hat es in dem Pagodenrobbi mit den beiden Penisdämoninnen zu tun, und sie bekämpfen sich mit ihren Arschklingen (ja, Klingen, die aus ihren Hintern kommen). Yoshie scheint ein wenig die Oberhand zu haben, aber wer gewinnen würde, wissen wir nicht, denn die beiden verbliebenen Widerstandskämpfer greifen aus Versehen ins Kampfgeschehen ein. So bringen sich jeweils ein Dämon und ein Gruppenmitglied mehr oder weniger unabsichtlich gegenseitig um (wie ironisch, es sind ihre jeweiligen Verwandten, oder wie die alte Dame sagt: „Du warst eine böse Enkelin, jetzt stirb!“).

Bevor sich Yoshie jetzt allerdings Hikaru, der den Roboter durch seinen Körperbewegungen steuert, vornehmen kann, muß sie sich erst noch ihrer Schwester widmen. Da diese aber durch und durch verrobotert ist, hat sie  einen Vorteil. Yoshie kann den Kampf nur gewinnen, weil sie an die Gefühle ihrer Schwester appelliert und enthüllt, dass sie eigentlich nur Halbgeschwister sind (ob das nur erfunden ist, oder nicht, wird mir nicht so ganz klar). Durch diesen Schock kehrt das Kikue-Bewusstsein zurück und die beiden Robotermädchen vereinen sich (während der ganzen Zeit hätte Hikaru übrigens die Bombe locker 10mal in den Fuji werfen können). Es versteht sich von selbst, dass sie Hikaru verprügeln. Und als sie diesem einen Kinnhaken verpassen, der ihn in die Lüfte hebt, fliegt auch der Roboter kilometerweit in die Luft und explodiert schließlich. Ende gut, alle tot. Als letzte Einstellung betrachten wir die beiden Schwestern noch, wie sie endlich als normale Geishas gemeinsam einen Tanz tanzen können (vermutlich als Geister).

Was aus dem Präsidentschaftskandidaten wurde? Das weiß keiner…

Ich hab Noboru Iguchi ja einiges zu getraut, aber das ist schon ein starkes Stück. Als Komödie geplant, kann ich den ganzen Mist natürlich nicht ernst nehmen, das hat ja auch der Regisseur und Drehbuchautor Iguchi nicht gemacht (und selbst wenn, ich hätte es ohnehin nicht ernst genommen). Asiatische Komödien sind eben ein bisschen anders. Allerdings kann man auch bei einem dämlichen Comedy-Film darauf achten, dass es nicht zu viele Ungereimtheiten gibt (was ist mit dem Präsidentschaftskandidat? Warum bestellt Hikaru Yoshie in den Wald, nur um sie nach Hause zu bringen? Und was ist mit den Kopien der Bombenpläne?).  Dazu kommen unausgegorene Charaktertwists, wie zum Beispiel bei Kikue, die ihre Schwester erst hasst, so dass sie sie sogar umbringen will. Dann aber lässt sie sich durch die Behauptung, sie seien nur Halbgeschwister, wieder besänftigen. Die Widerstandskämpfer scheinen da auch nicht besser. Obwohl sie gekommen sind, um die Mädchen zu befreien, haben sie erstaunlich wenig Probleme damit, diese über den Haufen zu schießen. Der Einzige, der konsequent bleibt, scheint Hikaru zu sein. Dem ist von Anfang an nicht zu trauen.

So bizarr manche Charaktermomente sind, so simpel gestrickt ist eigentlich die Geschichte. Es gibt keinen Überraschungsmoment. Aber das spielt im Prinzip auch keine Rolle, denn der Film unterhält mit seinen wirklich skurrilen Einfällen. Ob Arschklinge, Kniescheibenpistole, Tittengatling oder Hintern-Ninjasterne, so etwas hat man noch nirgendwo anders gesehen (geschweige denn je gehofft zu sehen). Mein persönliches bizarr-Highlight sind aber die blutenden Häuser.

Dabei sind die Makeup-Effekte oftmals richtig gelungen. Seien die Dinge auch noch so lächerlich, sie sehen doch recht gut aus. Das gilt aber nur solange, als da keine Computergrafiken verwendet werden. Kommen diese ins Spiel, sieht der Film schlechter und unüberzeugender aus, als die Waffen der Power Rangers. Sehr gut gefallen hat mir aber, dass sie für die Roboterpagode die gute alte Godzillamethode verwendet haben, sprich einen Typ im Pagodenkostüm durch eine Miniaturstadt laufen lassen.

Die Schauspieler sind eigentlich kaum der Rede wert, die meisten gehören scheinbar zur Stammriege von Iguchi. Ausnahmen bilden da der Rollstuhltyp Naoto Takenaka, der auch schon mit Jackie Chan gearbeitet hat („Stadt der Gewalt“). Auch Kikue (Hitomi Hasebe) war in nicht Iguchi-Filmen (zum Beispiel „Battle Royal 2“). Und die Hauptdarstellerin Aya Kiguchi ist eigentlich Fotomodel.

Musikalisch hat der Film nicht so viel zu bieten. Es klingt alles ein bisschen nach Synthesizer, obwohl ich doch manche stellen ziemlich gut unterlegt finde (zum Beispiel die Panzerverwandlung von Yoshie). Da möchte die Musik gerne episch-dramatisch klingen, was ihr natürlich nicht gelingt. Nichtsdestotrotz hört es sich hier am besten an, im Vergleich mit dem Rest des Films.

Man kann also sagen, der Film unterhält. Er ist sehr viel weniger verwirrend und undurchsichtig wie „Zombie Girl aka Tomie Unlimited“, sondern eigentlich (von dem Grundprinzip der Story her) ziemlich konventionell. Die vielen verrückten Einfälle, teils gute, meistens aber schlechte Effekte und der seltsam anmutende japanische Humor (siehe die 3 Minuten-Tirade des Präsidentschaftskandidaten) sorgen für einen hohen Unterhaltungsfaktor.

Edit: Hier noch die Panzertransformierungsszene als Apetitthäppchen

 
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Verfasst von - März 14, 2013 in Filmtagebuch

 

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