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Kais Filmtagebuch – „Open Your Eyes“ (Spanien, 1997)

Es gab ein mal einen Film mit Tom Cruise der da „Vanilla Sky“ genannt wurde. Das war die Zeit in Cruises Karriere, in der er noch nicht der verrückte Stunt/Schauspieler war, aber er war auch noch nicht der verrückte Sofaspringer von Opra.. Und „Open Your Eyes“ ist der spanische Originalfilm dazu. Wer das Remake kennt, wird nur wenig überrascht sein (wer allerdings weder den einen noch den anderen kennt, sollte jetzt aufhören zu lesen, ich nehme keine Rücksicht auf Verluste).

César ist ein reicher, selbstverliebter Schnösel, der mit Nuria eine Affäre hat, aber eigentlich genug von ihr. Dieses Gefühl verstärkt sich noch, als es Sofìa kennenlernt. Mit dieser würde er nun gerne zusammen kommen und zusammenkommen (die Tatsache ignorierend, dass sie mit seinem besten und einzigen Freund eine Beziehung unterhält), und diese scheint auch nicht ganz abgeneigt zu sein. Allerdings möchte es sich César nicht nehmen lassen, noch eine letzte Nacht mit Nuria zu verbringen. Dumm gelaufen, denn Nuria hat andere Pläne. Und so endet die vermeintliche Fahrt ins Liebesnest mit einem (ehrlich gesagt etwas unspektakulärem) Unfall. Nuria ist hin, und Césars Gesicht furchtbar verunstaltet.

Jetzt muss der ehemalige Schönling damit klar kommen, dass ihm die (Frauen-)Welt nicht mehr so ohne weiteres zu Füßen liegt. Auch Sofìa scheint sich von ihm ab und ihrem beinahe Ex wieder zugewandt zu haben. César ist mehr als verzweifelt und bricht betrunken auf der Straße zusammen.

Es gibt aber doch einen Silberstreifen am Horizont. Das Konsortium von Schönheitschirurgen, das César zusammentrommeln ließ, hat nun doch eine Methode gefunden, um das Antlitz wieder rekonstruieren zu können. Vorbei sind die Tage des Narbengewebes, bzw. der unüberzeugenden Maske, die César trug. Auch Sofìa kommt nun zu ihm in die Arme, und so könnte alles friedlich, freudlich und eierküchlich sein, wenn nicht eines Morgens statt Sofìa die totgeglaubte Nuria neben ihm im Bett läge. Und nicht nur das, auch auf Fotos hat diese ihren Platz eingenommen. Als nun auch noch Césars Umwelt Nuria als Sofia identifiziert dreht der gute Mann hohl, und die sicher geglaubte Realität wird immer unwirklicher…

Wie gesagt, wer „Vanilla Sky“ gesehen hat, wird von der Handlung nicht überrascht sein. Die wurde ziemlich genau so übernommen. „Open Your Eyes“ ist aber nicht so ein glatt-gelecktes Hochglanzprodukt und versprüht dadurch etwas mehr Charme.

Das liegt nicht nur an der Besetzung, auch wenn Eduardo Noriega kein so ein People-Magazin-Gesicht hat wie Cruise, zumindest vor dem Unfall. Seine Figur ist allerdings kein Sympathieträger, sondern ein richtiger Arsch. Allgemein sind die meisten Figuren hier keine Sympathiebolzen. Eigentlich niemand…

Penélope Cruz wirkt hier zudem etwas interessierter als ihr Gegenstück im Remake, Penélope Cruz. Mag sein, dass das daran liegt, dass ich den einen Film synchronisiert gesehen habe, und diesen hier nicht…oder aber die Sichtung des Cruise-Vehikels schon etwas länger her ist. Vielleicht sind es ja aber auch nur die vier Jahre Unterschied.

Madrid gibt eine hübsche Örtlichkeit ab, die man noch nicht so oft gesehen hat, auch wenn auf allzu viele Umgebungsshots verzichtet wird. Ich persönlich habe Barcelona schon öfter auf Film gebannt betrachtet.

Alejandro Amenábar kennen die meisten wohl als Regisseur von „The Others“. Hier ist er nicht nur der Regieführende, sondern auch der, dem die Geschichte eingefallen ist (im Traum, wenn man ihm glauben schenken darf, was gar nicht mal so unwahrscheinlich klingt). Andererseits finden sich einige Parallelen zu „Vertigo“.

Wem also der Sinn nach einem Film steht, der munter die Realität in Frage stellt, manchmal etwas verwirrend sein kann, und ein paar Ecken und Kanten hat, dem sei der hier ans Herz gelegt.

 
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Verfasst von - Januar 31, 2019 in Filmtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

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Kais Buchtagebuch – Peter V. Brett – „Das Lied der Dunkelheit“ (Großbritannien, 2008)

Kais Buchtagebuch – Peter V. Brett – „Das Lied der Dunkelheit“ (Großbritannien, 2008)

Mittlerweile ist es schon einige Zeit her,, dass ich dieses Buch gelesen habe, daher wird das hier und heute wohl etwas kürzer ausfallen als gewohnt. Manch einer wird mir das vielleicht danken, weil er nicht immer so viel lesen möchte. Gut, bitteschön, genau für dich mache ich das so!

Die Welt von „Das Lied der Dunkelheit“ ist unserer eigenen nicht einmal so unähnlich, mit Ausnahme der Dämonen (hier Horclinge genannt…oder eben Dämonen), die Nacht für Nacht wie Nebel aufziehen, und jedes Lebewesen, vor allem natürlich Menschen, angreifen, töten, und essen. Schutz bieten Siegelzeichen, hinter denen die Menschheit die Nächte verbringt.

Der junge Arlen ist (zumindest zu Beginn) die Hauptfigur, der nach dem Tod seiner Mutter, und dem nicht-handeln seines Vaters genug hat, und sich aufmacht, alles über das Bekämpfen der Dämonen zu erfahren. Von diesem Weg lässt er sich nicht abbringen. Leider ist er oft auch ziemlich störrisch und auch ziemlich unsympathisch. Vielleicht hätte ich den Charakter in jüngeren Jahren besser gefunden, aber seine Eigenschaft, nur selten auf Ältere zu hören und kaum zu Kompromissen bereit zu sein, war nervig. Ich muss dem Autor aber zugestehen, dass er ihn dann auch konsequent in dem Sinne weiterentwickelt (die Handlung erstreckt sich über mehrere Jahre). Vielleicht war mein Problem auch, dass er alles auf Anhieb konnte (was das Horcling bekämpfen betrifft).

Später kommt dann noch Leesha hinzu, die sich nicht so richtig wie eine pubertierende Verhält. Dafür ihre Freundinnen umso mehr. Jedenfalls dreht sich bei ihr vieles um ihre Jungfräulichkeit und die Gerüchteküche ihres Dorfes, und irgendwie geht sie mir auch auf den Keks. Erst ziert sie sich ewig (okay, nicht ganz zu unrecht), und am Ende wirft sie sich irgendeinem Typen (der Leser weiß natürlich, wer es ist) an den Hals. Die Geschichte mit ihrer Mutter wirkt wie eine Mischung aus Aschenputtel und schlimmsten Seifenopern. Ähnlich wie bei Arlens Kampf- und Siegeltalenten ist es bei ihr mit der Kräuterkunde.

Und dann gibt es noch Rojer, der ziemlich spät dazu kommt. Dadurch bleibt bei ihm natürlich weniger Zeit für eine ausführliche Hintergrundgeschichte. Aber ehrlich gesagt, hat er mich nicht immer wieder genervt, obwohl auch dieser natürlich eine natürliche Begabung hat, für die er kaum üben musste, wenn ich mich richtig erinnere (Stichwort Rattenfänger von Hameln…nur mit Geige). Seine Karriere als Barde schien mir aber die interessanteste, weil ungewöhnlichste zu sein (ich habe jetzt noch keinen Fantasyroman über einen fahrenden Sänger gelesen). Leider kommt diese zu kurz, vor allem eben, wie schon genannt, weil der Charakter so spät eingeführt wird.

Irgendwann treffen die drei zusammen, und es gibt noch eine längeren Kampf gegen die Dämonen.

Ich habe „Das Lied der Dunkelheit“ vor allem wegen der Prämisse der nächtlich auftauchenden Dämonen lesen wollen, weil mir das ein interessanter Ansatz erschien, und um zu wissen, wie sich das auf die Welt auswirkte. Im Grunde ehrlich gesagt kaum. Gut, nachts sitzen alle zu Hause, und es herrscht eine angespannte Grundstimmung, aber das war es dann auch beinahe schon. Ich hatte das Gefühl, dass da mehr Potential war, und Raum für etwas weniger Klischees. Vielleicht kommt da ja was in den weiteren Teilen, aber so richtig Lust, die jetzt noch zu lesen, habe ich eigentlich nicht. Vielleicht irgendwann, wenn ich gar nichts anderes mehr haben sollte. Immerhin ist die Dämonensaga nach fünf Bänden (im englischen) auch schon beendet, mal die Novellen außen vor gelassen.

Der Schreibstil, beziehungsweise dessen Übersetzung, wirkt recht einfach, dafür aber auch zugänglich. Einzig die Formulierung „fallen in einem Knäuel aus Armen und Beinen zu Boden“ stört mich. Ich finde sie nicht schön, hier unpassend und viel zu oft verwendet. Wie sollen denn bitte zwei Personen ein Knäuel aus Armen und Beinen veranstalten? (Oder war es „Gewirr“? Egal, macht es nicht besser) Das ist mir schon einmal sauer aufgestoßen, ich weiß aber leider nicht mehr, welches Buch, bzw. Übersetzer es war (möglicherweise bei Elspeth Coopers „Lieder der Erde“). Also, falls hier ein Übersetzer mitliest, streicht den Scheiß aus eurem Wortschatz. Es klingt blöd, und lässt alle Beteiligten dumm erscheinen.

Sicher ist jedenfalls, dass die Reihe eine Menge Fans hat. Daher wird man wohl kaum drumherum kommen, sich selbst ein Bild zu machen. Muss ja nicht jeder meinen exquisiten Geschmack haben, auch wenn die Welt dann ein besserer Ort wäre. Für mich.

Gelesen habe ich die Ausgabe des Heyne Verlags, welche einen Umschlag haben, der mich sehr an andere Titel erinnert. Gestaltet wurde dieser von Nele Schütz Design (wie auch „Die Lieder der Erde“). Die Übersetzung stammt von Ingrid Herrmann-Nytko.

 
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Verfasst von - September 24, 2018 in Buchtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

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Kais Buchtagebuch – „Isaac Asimov´s Science Fiction Magazin 31“ (USA, 1987/BRD, 1988)

Kais Buchtagebuch – „Isaac Asimov´s Science Fiction Magazin 31“ (USA, 1987/BRD, 1988)

„Isaac Asimov´s Science Fiction Magazin“ ist eine regelmäßig erscheinende Sammlung von Science Fiction und Fantasy Kurzgeschichten (seit 2017 alle zwei Monate) im Taschenbuchformat. Asimov sollte ursprünglich nur seinen Namen dafür hergeben, aber er wollte doch noch etwas mehr beisteuern, und so war er zuständig für die Beantwortung der Leserbriefe und das verfassen von Editorials,was er bis zu seinem Tod 1992 machte.

In Deutschland nun erschienen diese Sammlungen bei Heyne (dessen Science Fiction Abteilung damals vom legendären Wolfgang Jeschke geführt wurde), wobei hierzulande nur die Geschichten aus dem Magazin veröffentlicht wurden, die Leserbriefe und Kritiken blieben uns leider vorenthalten. Die hätten auch interessant sein können.

Pat Cadigan – „Engel“ (USA, 1987)

Die erste Geschichte dreht sich um eine namenlose Protagonistin und ihren (oder seinen, das wird nicht zu 100% klar) Freund, der nur als Engel bezeichnet wird, weil er überirdische Kräfte besitzt (so kann er Leute beeinflussen, das kostet ihn aber viel Energie). Und taucht seine vorherige Begleitung auf und möchte ihn gerne wieder zurückhaben.

Die Geschichte ist von 1987, wirkt aber erstaunlich aktuell mit den sexuell ambivalenten Figuren, auch wenn sie heutzutage nicht mehr ganz so außerhalb der Gesellschaft stehen, wie es hier beschrieben wird. Andererseits gehöre ich da auch nicht dazu, also was weiß ich schon…

James Patrick Kelley – „Die Glaswolke“ (USA, 1987)

Diese Geschichte ist etwas länger. Zunächst geht es um einen Künstler, dessen Vision kurz vor der Vollendung steht. Und je näher es an die Präsentation für die Öffentlichkeit kommt, desto mehr scheint er sich von dem Werk zu entfremden, da es nicht so wirkt, wie er es sich vorgestellt hat. Später steht dann mehr sein Verhältnis zu den Aliens im Vordergrund, die vor einiger Zeit auf der Erde gelandet waren, und sich als wohltätig zeigen wollen (und sich als der besserwisserische nervige Typ Außerirdische outen), es wirkt aber irgendwie mehr wie ein Kult. Was ganz witzig ist, weil die Aliens, wie sich später raus stellt, nur wenig von Spiritualität halten, und sich ganz der Technik hingeben (die ihnen ja auch eine gewisse Art von Unsterblichkeit garantiert).

Somit berührt diese etwas längere Kurzgeschichte verschiedene Themen (vom Verhältnis des Künstlers zu seinem Werk, bis hin zu der Tatsache, dass auch technischer Fortschritt beinahe kultisch verehrt werden kann, vor allem, wenn es um Unsterblichkeit geht).

Bruce Sterling – „Die Blumen von Edo“ (USA, 1987)

Überraschenderweise ist der Schauplatz hier das Tokio des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in dem Elektrizität etwas neues darstellt. Wir begleiten zwei Japaner (einen Komiker und einen ehemaligen Samurai) auf einer Sauftour, schließlich landen die beiden bei einem Bekannten, vor dessen Fenster brandneue Stromleitungen vorbeiführen. Und auf einmal taucht ein Monster daraus auf (eine Art Elektrizitätsdämon?) und der Samurai stellt sich ihm mit einem Holzschwert gegenüber.

Die Geschichte hat einen schrägen Humor, auch der Kampf gegen das Untier wird eher witzig dargestellt (ich meine, er verfolgt das Ding mit nem Holzschwert in der Hand, total besoffen wie er ist). Ganz klar, wird hier der Konflikt zwischen Tradition und Moderne gezeigt, und der Autor hat das passende Setting dafür gefunden. Fand ich gut.

Pat Murphy – „Rachel ist verliebt“ (USA, 1987)

Bei Rachel handelt es sich hier um eine Schimpansendame, allerdings keine gewöhnliche, denn ihr wurde das Bewusstsein eines 17-jährigen Mädchens versucht einzupflanzen. Das hat nicht zu 100 Prozent funktioniert, und sie ist nun ein bisschen von beidem. Dummerweise wissen das die Leute nicht, die sie einfangen und in eine Anstalt für Tierversuche bringen. Dort soll sie sich mit einem Schimpansenmännchen paaren. Andererseits beginnt sie sich auch für den Hausmeister zu erwärmen, weil das der einzige ist, der sie nicht nur als Affen behandelt.

Die Geschichte ist nicht nur eine wenig schmeichelhafte Darstellung von Tierversuchen, sondern schafft es auch, eine ganz niedliche Geschichte über erste Gefühle und Liebe zu werden. Zum Glück, ohne dabei in Schnulz zu verfallen.

James P. Blaylock – „Myron Chester und die Kröten“ (USA, 1987)Das ist eine Geschichte um ein Kaleidoskop. Nein, eigentlich nicht, das Kaleidoskop ist nur der Grund, warum der Protagonist Nacht für Nacht aus dem Fenster schaut. Denn wenn man durch zwei Kaleidoskope schaut, und beide das gleiche Muster zeigen, dann könnte man womöglich in eine andere Dimension gelangen…oder einfach nur durchdrehen. Jedenfalls kann er so zum einen sich seltsam verhaltende Reptilien und Amphibien sehen (also getarnte Aliens), und einen Nachbarn, der von Außerirdischen entführt wurde und nun versucht, wieder welche aufzutreiben, wahrscheinlich um seinen guten Ruf wieder herzustellen.

Seltsame Geschichte, von der ich nicht wirklich weiß, was ich halten soll. Will uns der Autor zeigen, wie Alien-Entführungsopfer in der Öffentlichkeit an Ansehen verlieren? Oder irgendwas mit Chaos und Zufall? Oder einfach nur unterhalten?

Andrew Weiner – „Wellen“ (USA, 1987)

Der Hintergrund hier ist eine post—wirtschaftskrisische Gesellschaft, in der die meisten Leute nur noch von staatlicher Hilfe leben. Das hindert sie aber nicht daran, dekadente Partys zu feiern, oder ihrem selbstverwirklichendem Lebensstil nachzugehen (nicht zuletzt die wohlhabende Künstlerin/Bühnensau, die aus Gehirnwellen Lasershows macht) . Zumindest die Leute, die wir hier kennenlernen und in ihrer Künstlerkommune leben. Doch kaum gibt es wieder Jobs, kehren sie wieder in ihre alten Leben zurück, liegen dafür aber auch nicht mehr dem Staat auf der Tasche. Wenn Geld und soziale Sicherheit locken, steht die Kunst für die meisten eben nicht mehr hoch im Kurs. Etwas langatmig.

Ute Bauer – „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde…“

Die letzte Geschichte ist auch die einzige aus Deutschland. Sie erzählt von einem Astronauten, der auf eine verwüstete Erde zurückkommt. Er ist vermutlich der letzte Überlebende. Die Geschichte ist nur wenige Seiten lang und daher noch ein schöner Happen zum Ende.

Bei solchen Kurzgeschichtensammlungen ist es immer so, dass Geschichten dabei sind, die einem besser oder weniger gut gefallen. Hier ist immerhin keine dabei, die mir überhaupt nicht gefällt. „Die Glaswolke“ und „Wellen“ sind etwas zu lang, wobei erstere Spaß macht, nachdem die Außerirdischen nicht mehr nur als bloße Moralapostel gezeigt werden (eigentlich ist das ja auch nur, was der Protagonist denkt).

Sehr gut gefallen haben mir „Die Blumen von Edo“ und „Rachel ist verliebt“. Das werden auch die Geschichten sein, die mir am längsten im Gedächtnis bleiben werden, die eine wegen des Humors und dem ungewöhnlichen Setting, die andere, weil sie, naja, eben auch was für´s Herz ist.

Und die anderen Geschichten? Nun, die nerven nicht, aber ich glaube kaum, dass ich mich an diese in ein paar Monaten erinnern werde, und das spricht ja nicht für diese.

 
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Verfasst von - Juni 22, 2018 in Buchtagebuch

 

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Kais Tatorttagebuch – „Mordgedanken“ (BRD, 1975)

Kais Tatorttagebuch – „Mordgedanken“ (BRD, 1975)

Heute gibt es schon wieder einen Tatort, und schon wieder einen mit Kommissar Brammer, der ja erst kürzlich seinen Einstand feierte. Gut, in der Tatort-Reihenfolge trennen die beiden 7 Episoden, aber hier wird ja etwas durcheinander veröffentlicht.

Die Eröffnungsszene zeigt einige Bahnbedienstete, die sich einen Güterzug anschauen, dabei findet einer ein verdächtiges Paket, jedoch nicht, bevor es von einem Schnitt auf den anderen düsterste Nacht geworden ist. Das Paket wird im Pausenraum vom Bahnpersonal geöffnet. Was müssen das noch für Zeiten gewesen sein, als man bei so etwas nicht gleich an Bomben dachte. Der Inhalt ist aber nichts für schwache Nerven, es ist nämlich ein Frauenunterarm (tricktechnisch dadurch gelöst, dass jemand seinen Arm reinlegte und man nur die Hand und Teile des Unterarms sieht, mit ein paar Holzspänen und roter Sauce). Darauf folgt die Titeleinblendung, mit der Anmerkung, dass diese Geschichte ganz echt und ziemlich genau so passiert ist und man nur Namen verändert habe.

Auf dem Revier erfahren wir, dass nun schon zwei Kartons mit Extremitäten gefunden wurden (dieser hier bei Hannover und einer Richtung Bayern). Während ein Kollege gerne mehr von seinem Urlaub erzählen würde, beschäftigt sich Brammer mehr mit den gefundenen Extremitäten. So hat er sich vom örtlichen Obduzenten sagen lassen, dass der Arm halbwegs geübt abgetrennt wurde und es ein französischer Nagellack ist.

Wie gut, dass nun zu einer französischsprachigen Familie geblendet wird. Natürlich kann man am Dialekt erkennen, dass es Belgier sind. Es wird aber auch einiges später darauf hingewiesen, dass wir gerade in Brüssel sind. Töchterchen Daniele erzählt von dem geplanten Gebirgsurlaub mit einer Bekannten. Am Flughafen kauft sie sich jedoch direkt Ansichtskarten und schreibt diese während des Hinflugs. Hoffen wir mal, dass es dort Postkarten mit Bildern des Ziels zu kaufen gab, sonst könnte das etwas seltsam wirken, wenn man statt eines tollen Alpenpanoramas nur die Stadtansicht Brüssels bekommt. Auf dem Flug lernt Daniele einen Kirschlikör schlabbernden Bahnfuzzi kennen, ich meine, sie lernt Bundesbahnoberrat Sperling kennen. Sie erzählt im zwar, weiter nach Genf fliegen zu wollen, aber als er sie ein Bahnticket nach Rhüden kaufen sieht, statt umzusteigen, fährt er ihr natürlich hinterher. Er wird doch nicht…

Nun werden ein paar Figuren mehr vorgestellt. Zum einen wäre da Edmund Freese, der jemanden, offenbar Daniele, vom Bahnhof abholen möchte. Dummerweise ist er aber einen Zug zu früh da und so geht er nochmal los, um Dinge zu erledigen. Dann gibt es da noch den Rechtsanwalt Kenzie, der seine Liebste (und Freeses Nichte) Ricki vom reiten abholt. Scheinbar heißt Rickis Vater Alfred (also Freeses Schwager, nur dass Alfred mit Nachnamen Georgie heißt) die Verbindung nicht so wirklich gut, jedenfalls sollen er und die Familie davon nichts wissen.

Unterdessen wurde scheinbar ein dritter Karton mit einem Frauenfuß gefunden (übrigens ist der erste Karton der einzige, den wir geöffnet bewundern durften, bei den anderen wird nicht mal gezeigt, wie sie gefunden wurden, es wird uns nur erzählt, das ist wohl günstiger gewesen). Die altgedienten Ermittler in Baden-Baden wundern sich, dass Brammer in dieser scheinbar aussichtslosen Sache freiwillig ermittelt, und ich wundere mich über Zuständigkeiten in Deutschland. In verschiedenen Bundesländern tauchen Leichenteile auf Güterzügen auf, wer ist denn nun verantwortlich? In diesem Fall eben die in Hannover, weil sie sich darum reißen.

Kenzie unterhält sich mit Freese, scheinbar ist er nicht nur Anwalt, sondern auch Freund der Familie (und eben Nichten-Stecher, wobei es wohl auch irgendwas zwischen Rickis kürzlich verstorbener Mutter und Kenzie gab, so richtig wird das aber nie gesagt, nur als Gerüchte und Getuschel erzählt). Freeses im Ausland (Brasilien, um genau zu sein) lebende Ehefrau scheint sich endlich scheiden lassen zu wollen. Das kommt diesem aber gar nicht recht, nicht wegen der Gefühle natürlich, es geht ihm um ihr Geld, das in seiner Fleischkonservenfabrik steckt. Jetzt hat Freese aber erst mal einen vollen Terminkalender. Er muss nicht nur zur Beerdigung seiner Schwägerin (wo sein Schwager Alfred sehr angespannt ist), sondern auch zum Bahnhof, um diesmal Daniele wirklich abzuholen, was jetzt auch klappt. Übrigens bekommt man hier eine schöne Dampflok zu sehen, immerhin durften diese noch zwei Jahre lang im Bahnverkehr verkehren. Erst 1977 wurde die letzte Dampflok aus der Personenbeförderung entlassen. Äh…weiter im Krimi. Der seltsam-neugierige Sperling steigt auch mit aus, nachdem er aber ein von Daniele weggeworfenes Stück Papier aus dem Müll fischt, wird er von der Bahnpolizei abgefangen. Das folgende Gespräch wird leider nicht gezeigt, dürfte aber wohl irgendwas von „ich bin ihr Chef“ und „ich gehe hier nur meinen seltsamen Hobbies nach“ beinhaltet haben.

Brammer wird von seinem Chef zusammengefalten, weil er sich als Versicherungsmensch ausgegeben hatte. Danach bespricht er mit seinen Mitarbeitern den Fall, wobei hier aus irgendeinem Grund seltsam gelacht wird. Und die Schlüsse, die Brammer zieht, kommen mir auch nicht ganz wasserdicht vor. Naja, man wollte wohl zeigen, dass in dem Fall auch noch ermittelt wird.

Freese ist mit Daniele zu einer Staumauer gefahren, um ein wenig spazieren zu gehen. Dabei macht er sich mit komischen Andeutungen verdächtig („Niemand weiß, wo du bist“) und erschrickt sie verdächtig am Rande der Staumauer. Nach einer Begegnung mit einer ebenso seltsamen Frau (Freeses Sekretärin, wie wir später erfahren werden) bringt er seine Geliebte ins Hotel.

Später am Abend trifft sich der Konservenfabrikchef mit seiner Sekretärin eben dort, in der Fabrik. Diese hat vor 11 Jahren dafür gesorgt, dass die erste Ehe von Freeses noch Ehefrau geschieden werden konnte (sie brachte den damaligen Ehemann in Misskredit), und wäre nun gerne mal mit Freese zusammen, auch wenn sie weiß, dass es nicht aus Liebe sein wird („Liebe, was ist das? Ein ausgetrunkenes Glas Wasser.“). Deshalb ist sie nur wenig von Danieles Anwesenheit begeistert. Er gibt ihr zu verstehen, dass sie erst mal in den Urlaub fahren solle.

Als Freese nach Hause kommt, findet er seinen Hund tot vor. Sofort holt er sein Gewehr aus dem Schrank und ruft dann den Tierarzt an, damit er schauen könne, woran der Hund gestorben ist. Ich kann mich nicht erinnern, ob das je geklärt wird, aber ich fand, die Reaktion, zuerst den Tierarzt anzurufen seltsam genug, sodass ich das hier erwähnen wollte.

Bei Ermittlers wird weiterhin gerätselt. Und Brammer gibt mit seinem Wissen über historische Kriminalfälle an. Es folgen einige Lückenfüller (Daniele zum Beispiel geht nicht gleich ans Telefon, war aber nur im Bad, etc.). Schließlich kommt aber Sperling aufs Revier. Mittlerweile wurden schon 4 Leichenpakete gefunden, und der Kommissar und der Bahnoberrat versuchen herauszufinden, welche Stelle in Deutschland der Schnittpunkt der vier Güterzüge ist. Nach einiger Zeit kommen sie auf Rhüden (also da, wo sich bislang ein Großteil der Handlung abgespielt hatte). Brammer ist aber überraschend zögerlich, wohingegen Sperling sofort dorthin fahren möchte.

Während Freesen-Schwager Alfred sich seltsam benimmt und das mit Ricki und Kenzie rausbekommt, führen Daniele und Freese selbst ein ernstes Gespräch ihrer beider Zukunft betreffend bei ihm zu Hause, durchs Fenster beobachtet von der höchst seltsamen Sekretärin.

Sperling und Brammer kommen in Rhüden an und finden relativ schnell die in Frage kommende Brücke, von welcher aus die Päckchen auf die Güterwaggons geworfen wurden (es war scheinbar ein sehr kurzer Tag, denn es ist wieder ziemlich schnell Nacht geworden). Und ein Glück, dass sie gekommen sind, denn sie können einen Mann sehen, der eben dies tut. Leider kann er entkommen, und leider wird dem Zuschauer auch nicht gezeigt, wer das war. Immerhin scheint man auf der richtigen Spur zu sein, und so wird die Brücke observiert und die Kneipen in der Gegend von Polizisten in Zivil aufgesucht, um mögliche Informationen zu beschaffen. Freese, dessen Frau schon lange niemand mehr gesehen hat, da sie ja in Brasilien ist (oder nicht?), und der ja eine Fleischkonservenfabrik besitzt, also fürs Zerkleinern zumindest passendes Equipment besitzt, scheint ein passender Verdächtiger zu sein. Bevor aber weiter ermittelt werden kann, möchte Brammer nun wissen, warum Sperling denn überhaupt Daniele nachgereist ist. Logisch, meint er, er wollte eben mal etwas verrücktes machen.

Freese hat nun ein paar Probleme. Nicht nur, dass seine verrückte Sekretärin seine Geliebte aus dem Hotel abgeholt hat und wer weiß was mit ihr anstellt, nein, es kommt auch noch ein Typ seiner Versicherung in den Betrieb, der seltsamerweise wie Kommissar Brammer aussieht, und sich das Gelände anschauen möchte wegen einer möglichen Police-Erhöhung. Außerdem erwähnt Brammer auch noch grundlos eine Lebensversicherung für Freeses Frau. Brammer, ziemlich nervös, gibt dem vermeintlichen Stromberg einen Angestellten an die Hand, der ihn herumführen soll. Nachdem die zwei an einem verschlossenen Raum vorbeigekommen sind, für welchen nur der Chef persönlich den Schlüssel hat, verabschiedet sich Brammer von seinem Reiseleiter und schleicht sich in des Fabrikleiters Büro. Ich vermute, es ist wieder mal ziemlich plötzlich Nacht geworden, denn es befindet sich niemand anderes mehr im Betrieb, so dass dort er in aller Ruhe den Schreibtisch durchsuchen und den Schlüssel finden kann. Nicht nur das, er erwischt Freese auch dabei, wie dieser Kartons den Flammen übergibt, die genauso bedruckt sind, wie diese, um die es ja eigentlich die ganze Zeit schon geht. In dem Raum selbst aber gibt es nichts zu sehen, dennoch darf Freese die Nacht auf dem Revier verbringen. Sein Anwalt Kenzie hat leider sein Telefon ausgesteckt um ungestört mit Ricki schmusen zu können. Nun, bevor er dieses tat, kam doch noch ein Anruf herein. Freeses Frau kündigt sich an, wieder heim zu kommen.

Und so kommt es, dass sich alle Personen bei Freese zu Hause treffen, der Verdächtige selbst, der Kommissar samt Polizeischutz, Ricki und Kenzie, die Sekretärin, Alfred und endlich auch Freeses Frau Tina. Das ist irgendwie dumm gelaufen für den Kommissar, weil er diese eben als zerstückelte Leiche vermutete, und nun nichts mehr in der Hand hat. Gut, aber Daniele ist immer noch verschwunden, ein gewisser Verdacht besteht noch, doch da klingelt schon das Telefon. Und Sperling sagt, er habe Daniele am Flughafen wohl auf gesehen. Immerhin, während des Telefonats kann Brammer beobachten, dass Alfred sich die Schuhe mit genau demselben ungewöhnlichen Knoten bindet, der auch an der Paketschnur der Leichenpäckchen vorzufinden war. Außerdem wird er dauernd so nervös, dass er sich immer wieder von Ricki ein Zäpfchen geben lassen musste (also, ich hoffe nur in die Hand geben und nicht verabreichen…). Freese bohrt also ein wenig nach und fragt, was wohl im Sarg der toten Freese-Schwester vorzufinden sei, sollte dieser exhumiert werden. Das ist zu viel für den guten Alfred und er gesteht einen Giftmord an seiner Frau. Da aber nun in den Leichenteilen kein Gift nachgewiesen werden konnte, kann das schlecht sein. Überrascht fragt Alfred Ricki ob das wahr sei. Und warum? Nun, weil er und Freese dachten, Ricki hätte ihre Mutter vergiftet, schließlich fehlte ja auch etwas Arsen aus dem Väterlichen Apothekervorrat. Ihr Motiv hätte sein sollen, dass die Mutter nie zur Hochzeit zwischen Ricki und Kenzie zugestimmt hätte. Und darum haben Freese und Alfred die Tote zersägt und zu entsorgen versucht (übrigens gestorben an einer natürlichen Ursache, ich glaube an den Folgen eines schweren Magengeschwürs). Es gibt nun keinen Mord, aber die beiden Zersäger wurden zu 8 Monaten und zu einem Jahr verurteilt, wie uns eine Einblendung am Ende verrät. Schließlich ist das alles ja echt passiert und so.

Der zweite Tatort mit Kommissar Brammer ist vor allem zu Beginn etwas konfus. Das hält so lange an, bis man die verschiedenen verwandtschaftlichen Verhältnisse und Techtelmechtel zugeordnet hat. Der Hauptteil des Films beschäftigt sich auch damit, erst am Ende werden wirkliche Ermittlungen gezeigt. Nicht unbedingt ein schlechter Ansatz, zu versuchen, dem Umkreis der toten mehr Hintergrund zu geben. Und dadurch, dass sich so viele seltsam benehmen (und am Ende schließlich niemand der Mörder war), bekommt das beinahe einen ironischen Charakter. Etwas ungeschickt ist aber, das manche Sachen nicht so richtig gezeigt werden. So zum Beispiel, warum Kenzie immer ein schlechtes Verhältnis zu Rickis Mutter gehabt haben soll, zudem wirkt es von seiner Seite aus nicht so, als wäre er an einer Heirat interessiert, weshalb ich das größtenteils ignorierte. Ebenso, dass Arsen in Alfreds Apotheke fehlt. Es werden also unter anderem durch weglassen von Dingen (zum Beispiel auch die Todesursache des Hundes) falsche Fährten kreiert, was ich etwas unfair gegenüber dem Zuschauer finde. Man will ja schließlich selber mitraten. Manche werden aber auch durch seltsames Verhalten geschaffen (die Sekretärin zum Beispiel), was meiner Meinung nach sehr gut funktioniert. Und manches (wie zum Beispiel der Anruf bei Daniele, den sie erst nicht annimmt, weil sie im Badezimmer ist) dienen nur dazu, Zeit totzuschlagen, und nicht dem Spannungsaufbau.

Andererseits ist es ganz gut, dass Brammer nicht zu häufig vorkommt, er ist und bleibt nämlich ein alter Klugscheißer ohne große sympathische Werte. Ich jedenfalls hätte ihn nicht öfter sehen wollen. Da hat sich im Vergleich zum ersten Fall nichts geändert.

Bahnoberrat Sperlings Motivation, dem Mädel hinterher zu reisen kann ich immer noch nicht ganz nachvollziehen, aber klar, er war der erste falsche Verdächtige. Dargestellt wird er von Ulrich Matschoss, der bei Schimanski 10 Jahre lang als Kriminaloberrat Karl Königsberg beschäftigt war.

Gunnar Möller (Freese) war auch immer wieder beim Tatort beschäftigt, gab zweimal den Hitler und erschlug 1979 seine Frau im Affekt. Nach einiger Zeit war aber dann auch wieder für Film und Fernsehen tätig. Gut, ich kenne die näheren Umstände des Falles nicht, finde es aber doch mal erwähnenswert.

Jutta Speidel ist die junge Ricki. Wie gesagt, so ganz kann ich die Beziehung zum Rechtsanwalt nicht nachvollziehen, da dieser nicht so wirklich an was festem interessiert scheint. Jutta Speidel selber ist ja bis heute relativ bekannt im deutschen Film und Fernsehen, durfte aber auch schon international tätig werden (z.B. im „Illuminati“). Damals lagen ihr die Schulmädchenreport-Jahre aber noch etwas näher.

Kleines, ganz kleines Kuriosum noch am Rande, statt am echten Rhüdener Bahnhof zu drehen wurde scheinbar einer in Goslar gewählt. Heutzutage sehen die aber sicher alle etwas anders aus.

Stefan Murr, der die Vorlage „Mord im September“ schrieb (übrigens ein Pseudonym von Bernhard Horstmann, was selber wie ein Pseudonym klingt), verwendete scheinbar wirklich echte Kriminalfälle als Grundlage. Wie viel davon aber schlussendlich übrig blieb, das kann ich nicht sagen.

Es bleibt mir also nur noch zu sagen, dass „Mordgedanken“ wieder mal eher durchschnittliche Krimikost bietet. Wirklich langweilig wird es durch das Auslegen der vielen falschen Spuren nicht, aber die Handlung ist doch etwas verworren. Das Ende finde ich zwar ganz witzig, aber den Kommissar leider daneben. Meh.

 
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Verfasst von - März 13, 2018 in Filmtagebuch, Tatorttagebuch

 

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Kais Buchtagebuch – Steffen Kopetzky – „Risiko“ (BRD, 2015)

Kais Buchtagebuch – Steffen Kopetzky – „Risiko“ (BRD, 2015)

Früher, das heißt in der guten alten Schulzeit, haben meine Freunde und ich uns gerne an den Wochenenden getroffen und die halbe (seltener auch die ganze) Nacht lang Brettspiele gespielt. Zwei Spiele erfreuten sich besonders großer Beliebtheit. Das eine war „Targui“, in welchem vier Tuareg-Stämme um die Vorherrschaft in der Wüste kämpfen. Das andere war „Risiko“, in welchem vier (oder mehr) Armeen um die Herrschaft über die gesamte Welt kämpfen. Denn die blöden Aufträge haben wir immer links liegen lassen, auch wenn uns das einiges an Spielzeit hätte sparen können. Letzten Endes entwickelten wir eigene Regeln, mit UN-Sicherheitsrat, eigenen Aufträgen und eigentlich neutralen Truppen.

In „Risiko“ geht es allerdings nicht um das Brettspiel, es kommt jedoch in einer frühen und zum Teil abgewandelten Version vor. Es wird die Geschichte von Sebastian Stichnote erzählt, einem jungen Funkobermaat der kaiserlich-deutschen Marine. Dieser befindet sich zu Beginn des ersten Weltkriegs auf dem Schiff „Breslau“. Wer sich etwas auskennt im Kriegsverlauf, wird wissen, dass die „Breslau“ und die „Goeben“ samt Mannschaft in die Dienste des osmanischen Reiches traten. Auf Umwegen gelangt Stichnote, der seine Vorgesetzten immer wieder durch sein Geschick beim titelgebenden Spiel beeindruckte, zur Niedermayer-Expedition, die im Auftrag des deutschen Kaisers und des osmanischen Herrschers bis nach Afghanistan reisen sollen, um dieses auf die Seite der Mittelmächte zu ziehen und um einen heiligen Krieg gegen die Russen und Engländer auszurufen.

Das ist allerdings nur die ganz kurze Zusammenfassung, den unterwegs müssen einige Abenteuer bestritten werden, und natürlich darf auch die Liebe nicht zu kurz kommen. AM besten gefallen hat mir die zweite Hälfte des Buches, da hier eine beinahe klassische Orient-Abenteuergeschichte erzählt wird, nicht umsonst fühlen sich einige Beteiligten der Expedition an Karl May erinnert. Wer so etwas mag, der wird seine Freude an dem Roman haben. Man könnte fast vergessen, dass die Geschichte während des ersten Weltkriegs spielt. Davor muss man jedoch die erste Hälfte des Buches überstehen. Wobei ich hier vor allem die Episode in Istanbul als Negativbeispiel hervorheben möchte. Gefühlt geht hier nichts voran. Natürlich sei dem Protagonisten seine kurze Zeit des Glücks mit seiner Liebsten gegönnt, aber es zieht sich etwas, vor allem, da man dank des Prologs ja weiß, dass Stichnote Richtung Afghanistan/Pakistan kommt. Ich jedenfalls war recht ungeduldig.

Der Schreibstil erfordert eine kurze Eingewöhnungsphase, mit all den historischen Bezeichnungen. Manche mögen ihn als zu sperrig empfinden, ich aber mochte das, außer in der von mir erwähnten Istanbul-Passage. Dort bekommen wir einen Vortrag eines Waffenhändlers, der es sich in sich hat, ohne, dass es wirklich irgendwohin führt. Das diente gefühlt nicht mehr dazu, Atmosphäre aufzubauen, sondern nur, um noch einige Seiten mehr zu schreiben. Andere Leser würden das vermutlich auch über die Teile sagen, in denen Risiko gespielt wird, aber wie ich schon andeutete, habe ich eine Schwäche für das Spiel und konnte da gut mitfiebern. Das Seltsame ist, dass es am Ende dann doch ziemlich schnell geht, als hätte der Autor zum Ende kommen wollen.

Was man sich immer vor Augen halten sollte, ist, dass das ganze ein fiktiver Roman ist. Ja, vor allem anfangs stimmt vieles mit der Geschichte überein, aber spätestens mit dem abenteuerlicheren teil und dann dem Ende wird klar, dass viel umgedichtet oder dazugedichtet wurde. Das ist im Allgemeinen kein Problem für mich (es geht ja schließlich nicht so weit, die Expedition als vollen Erfolg zu werten, oder dem deutschen Kaiserreich den Sieg zuzuschanzen), erst im Epilog werden die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion für mich zu sehr verwischt, wenn aus irgendwelchen Briefen von Camus Vater zitiert wird, die es nie gegeben hat (jedenfalls konnte ich darüber nichts finden), und alles etwas zu Happy End-mäßig erscheint. Immerhin wird in den Danksagungen nochmal extra erwähnt, dass es sich um einen fiktiven Roman handelt, der sich nur an historischen Ereignissen orientiert. Wer sich über diese informieren möchte, dem sei dieser kurze Text ans Herz gelegt, der einen groben Überblick verschafft.

Wie man rauslesen kann, mochte ich vor allem die zweite Hälfte, und auch den Anfang, nur in der Mitte, da hapert es für mich. Wer aber große Abenteuerromane mag, der darf gerne mal einen Blick riskieren. Jetzt würde ich gerne eine Runde Risiko spielen…

Veröffentlicht wurde „Risiko“ beim Klett-Cotta, mit einem Cover von Rothfos & Gabler, Hamburg unter Verwendung eines Fotos von Jan Lederbogen.

 
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Verfasst von - März 5, 2018 in Buchtagebuch

 

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Kais Tatorttagebuch – „Kneipenbekanntschaft“ (BRD, 1974)

Kais Tatorttagebuch – „Kneipenbekanntschaft“ (BRD, 1974)

Wie kann man einen Kommissar besser einführen als mit einem Udo Lindenberg Konzert (damals noch ohne Brille und ohne Hut)? Gar nicht. Darum beginnt dieser Tatort mit dem letzten Lied des Konzerts („Candy Jane“ wird gesungen) und einem kurzen Gespräch zwischen dem neuen Kommissar mit Namen Brammer und dem guten Udo.

Kurz darauf fährt Brammer zu seiner neuen Arbeitsstelle nach Hannover, wo er ob seines jugendlichen Alters von den Alteingesessenen kritisch beäugt wird. Und während er sich noch in seinem neuen Büro einrichtet, werden dem Zuschauer erst einmal die Akteure des heutigen Falles vorgestellt.
Zunächst wäre da Herr Kolltasch, der in einer Kneipe sitzt und sich gerne mit seiner Geliebten Anna Schmidt an diesem Abend verabreden würde. Leider hat diese gerade ein Kegelclubtreffen und auch scheinbar in letzter Zeit immer weniger Interesse an Kolltasch, sodass dieser den Cognac alleine stürzen muss.
Dann wäre da Herr Höfel, der gerade von seiner Frau in flagranti erwischt wird, wie er sie betrügt. Logisch, dass sie daraufhin die Scheidung will, doch Herr Höfel will nicht auf das Geld, das seine Frau in die Ehe bringt, verzichten und bringt als Drohung den armen Kakadu seiner Frau um.
Und dann wäre da noch ein junges Pärchen, das sich ständig streitet und wieder versöhnt. Die beiden sind gerade dabei, einen Flussfrachter, bei welchem der männliche Teil des Paares namens Ossie als Matrose angeheuert hat, zu verlassen, um eine feuchtfröhliche Nacht in Hannover zu verbringen.

Nachdem das geklärt wäre, können wir ja wieder zur Einstandsparty von Kommissar Brammer übergehen. Diese wird leider rüde unterbrochen (wo ich mir doch so gerne noch mehr altbackene Witze angehört hätte, von Ameisen, die Elefanten würgen und so), eine Leiche wurde gefunden. Anna Schmidt, die etwas ältere Geliebte von Kolltasch, wurde mit einem Strumpf erdrosselt. Das steht natürlich gleich am nächsten Morgen auf Seite 1 der Zeitungen. Kaum bemerkt Kolltasch dies, macht er sich auf die Socken und taucht erst mal unter. Ich finde es übrigens sehr gut, dass Getränkeauslieferer, und das ist Kolltasch, sich scheinbar am auszulieferndem Bier bedienen dürfen…morgens, halb zehn in Deutschland. Ich denke, das werde ich später auch.

Kommissar Brammer sucht aber zunächst den Stiefsohn von Anna Schmidt auf. Scheinbar hatten die beiden ihre Differenzen. Erhebliche, denn der Stiefsohn fand es nicht gut, dass sie sich nach dem Tod ihres Mannes nur noch mit Kneipenbekanntschaften herumtrieb und hat sie auch schon mal in ihr Zimmer gesperrt wie einen Teenie. Allerdings kann der Stiefsohn ein Alibi vorweisen, auch wenn es nur von seiner Frau kommt. Zwar wird er später nochmals kurz verdächtigt, aber das stellt sich dann nur als Racheaktion eines ehemaligen Angestellten heraus.

Immerhin hat Brammer mittlerweile auch schon ermittelt, dass Höfel, Anna Schmidt und das junge Pärchen (Ossie und Eva) in der Tatnacht in derselben Kneipe saßen. Und er weiß von Anna und Kolltasch. Deswegen lässt er zunächst nach ihm fahnden, da er als Einziger ein Vorstrafenregister aufzuweisen hat.
Kolltasch wird auch schnell gefunden. Kein Wunder, wenn man nur noch nervös rennend durch die Gegend ähm…rennt. Da fällt man eben auf. Doch Kolltasch hat auch ein Alibi und wird nach einiger Zeit wieder frei gelassen. Er habe sich nur versteckt, weil er Angst vor der Polizei hat. Und ein Depp ist, denn so was macht einen eben erst recht verdächtig.

Dann wäre da noch Höfel, der wohl von Anna Schmidt Geld wollte, aber auf den wir unerklärlicherweise nicht näher eingehen, da ihm seine Geliebte auch ein Alibi gibt.

Tja, bleiben nur noch Eva und Ossie, die mittlerweile aber in Kiel sind. Kein Problem, rasch dorthin gefahren, Schiff gefunden, ausgefragt. Eva hat scheinbar nach dem Kneipenbesuch noch in einer Telefonzelle mit ihren Kindern telefoniert (die werden sich sicher gefreut haben, von ihrer besoffenen, durchgebrannten Mutter zu hören, mitten in der Nacht) und beobachtete dabei, wie Ossie und Anna in einen Park gegangen sind. Sie dachte sich aber scheinbar nichts dabei. Wie naiv ist die denn?
Im Park jedenfalls sollen Ossie und Anna zunächst einvernehmlich rumgemacht haben, doch dann wollte Anna nicht mehr und Ossie hatte sie dann ein wenig gewürgt. Aber erst nach dem Verkehr hat er sie dann vollständig erdrosselt. Ich weiß ja nicht, ob es das besser macht… Zum Verhängnis wurde Ossie nicht nur, dass er der Letzte auf der Liste der Verdächtigen war, sondern dass er Anna mit Hilfe eines Seemannsknotens erdrosselt hatte. Kurz nach seinem Geständnis bei einer Tatortsbesichtigung rennt Ossie davon und wird von einem Laster überfahren.

Tja, das war er, der Einstand von Kommissar Brammer. Im Tatort wird er als jugendlicher Typ dargestellt, der Gitarre spielt und Udo Lindenberg kennt. Aber Knut Hinz spielt ihn eher hölzern und wenig jugendlich. Da macht er dann später in der Lindenstraße als Stotterer Hajo Scholz doch eine bessere Figur, weil sie ihm scheinbar besser liegt.

Die Kameraführung ist übrigens nicht so statisch, sondern es wird oftmals in die Richtung geschwenkt, in die die Protagonisten schauen. Das sieht ganz gut aus und vermittelt ein gewisses mittendrin Gefühl, wackelt aber doch hin und wieder ziemlich stark. Sehr gut gefallen hat mir die Befragung von Zeugen, in der die Personen direkt mit der Kamera gesprochen haben. Das gibt dem Ganzen eine Art dokumentarischen Stil.

Der Tatort an sich war gar nicht mal so schlecht, auch wenn ich nicht weiß, warum die Alibis, die einem von Frau und Geliebten gegeben werden auf einmal so glaubwürdig sind. Immerhin kennt man den Mörder nicht von Anfang an, alles wird erst im Verlauf aufgedeckt. Falls jemand an nackten Brüsten interessiert ist, die gibt’s hier zu sehen und allem voran natürlich Udo Lindenberg in jung und ohne Hut. Seinen Auftritt verdankt er sicherlich auch dem Umstand, dass er bei der originalen Titelmelodie der Krimireihe am Schlagzeug saß. Mittlerweile wurde diese ja schon zweimal überarbeitet.

Also das schlussendliche Fazit: Ein durchschnittlicher 70er-Jahre Tatort, der durch Brüste und Udo Lindenberg leicht aufgewertet wird. Aber das ist kein Grund sich auf die Suche nach dieser Episode zu machen.

 
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Verfasst von - März 4, 2018 in Filmtagebuch, Tatorttagebuch

 

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Kais Buchtagebuch – Tanja Kinkel – „Die Schatten von La Rochelle“ (BRD, 1996)

Kais Buchtagebuch – Tanja Kinkel – „Die Schatten von La Rochelle“ (BRD, 1996)

Es gibt Figuren, die sind über ihre ursprünglichen Werke hinaus gewachsen, sodass man diese nicht kennen muss, um sie zu kennen. Darth Vader wäre so ein Beispiel. Ein ikonisches Outfit, ein markantes Auftreten, gut, es hilft in diesem Fall auch, dass Star Wars-Charaktere auf so ziemlich allem abgebildet sind, womit sich Kohle scheffeln lässt. Sherlock Holmes ist ein Beispiel, das durch seine unzähligen Inkarnationen im allgemeinen Gedächtnis ist. Jeder kann etwas mit diesem Namen etwas anfangen. Ebenso ist es mit dem Widersacher der drei Musketiere (und D´Artagnan plus Gastauftritt in Alatriste).

Nun ist der Kardinal nicht die Hauptfigur in „Die Schatten von La Rochelle“, auch, wenn sich die ganze Handlung schlussendlich um ihn dreht. Nein, bisweilen tritt er gänzlich in den Hintergrund und man verfolgt das Tun seiner Nichte Marie von Aiguillon. Und natürlich wäre eine Geschichte dieser Zeit nichts ohne eine zünftige Verschwörung, nämlich den letzten Versuch eines Mordanschlags auf Richelieu, angestoßen von seinem ehemaligen Schützling Cinq-Mars.

Unterbrochen wird die Erzählung immer wieder durch Rückblicke, die die weiteren Hintergründe und den Werdegang des Kardinals erklären (darum verzichte ich hier auch auf eine detaillierte Erläuterung, was es mit der titelgebenden Hafenstadt auf sich hat. Nur kurz, das saßen die Hugenotten drin, und die waren nicht nur wegen ihres Glaubens, sondern auch ihrer Kontakte zu England dem Kardinal ein Dorn im Auge).

Neben den historisch verbürgten Figuren und Tatsachen webt Tanja Kinkel auch das eine oder andere erfundene Element mit hinein. Das ist im Falle des Attentäters ganz stimmig, die Zofe von Marie wirkt allerdings etwas weniger passend, mit ihrer Romanze mit einem missionierten Ureinwohner des amerikanischen Kontinents. Man könnte fast meinen, hier sollen klischeehafte Hausfrauenträume bedient werden. Glücklicherweise kommt das nur ganz am Rande vor.

Richelieu wird hier völlig entgegen seinem Bild aus Musketieren und Co. dargestellt. Er ist zwar ehrgeizig, und scheut sich nicht, drastische Maßnahmen anzuwenden, um seine Ziele zu erreichen, dennoch ist es nicht die pure Boshaftigkeit und Machthunger, die ihn antreibt. Er möchte eigentlich nur die französische Krone, beziehungsweise den Staat Frankreich erhalten.

Nun schrieb ich zwar, dass die Hintergründe erklärt werden, aber längst nicht alle, und es hilft, wenn man zumindest ein wenig Vorwissen hat, oder zumindest die Musketiere schon mal gelesen hat (etwas, das ohnehin jeder mindesten einmal im Leben gemacht haben sollte). Dann versteht man manche Hinweise und Anspielungen auf Begebenheiten und man lässt sich nicht so leicht von den verschiedenen Titeln und Anredeformen der hohen Damen und Herren aus der Fassung bringen. Das sorgt zwar für authentisches Flair, könnte aber den unvorbereiteten Leser etwas auf dem falschen Fuß erwischen. Etwas gewöhnungsbedürftig könnten auch die Perspektivenwechsel innerhalb einer Seite sein.

Noch ein Wort zur Autorin. Tanja Kinkel ist mittlerweile bekannt für ihre historischen Romane (im Februar kommt der neueste davon raus, irgendwas mit den Brüdern Grimm und Morden, und ja, das ist ein zeitlicher Zufall). Das hier ist jedenfalls schon der zweite, den ich von ihr lese. Ich fand das Buch sehr unterhaltsam, leicht verständlich geschrieben (mal von den verschiedenen Titeln und Anreden abgesehen) und fand es nett, mal einen Blick auf den menschlicheren Richelieu zu werfen. Dennoch möchte ich den miesen Schurken nicht missen.

 

Gelesen habe ich die Ausgabe des Goldmann Verlags, für die Umschlaggestaltung zeichnet das Design Team München verantwortlich, unter zuhilfenahme eines Fotos von Artothek/Christie´s, Claude Joseph Vernet.

 
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Verfasst von - Januar 9, 2018 in Buchtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

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