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Kais Buchtagebuch – Wolf Haas – „Auferstehung der Toten“ (Deutschland, 1996)

Kais Buchtagebuch – Wolf Haas – „Auferstehung der Toten“ (Deutschland, 1996)

So, mittlerweile sind Urlaub, Praxisbesuche und Berichte überstanden. Nun kann ich mich wieder den Tagebüchern widmen. Es ist einmal mehr etwas Kriminalistisches geworden.

„Auferstehung der Toten“ ist der erste Roman von Wolf Haas, und ebenso der erste Brenner-Fall, den Haas veröffentlichte.

Simon Brenner ist ein ehemaliger Kriminalinspektor der Wiener Polizei, der zur Zeit als Detektiv einer Versicherungsagentur arbeitet. Den Dienst hatte er quittiert, weil er mit seinem neuen Vorgesetzten nicht klar kam, oder umgekehrt. Zumindest spielten Brenners wasserblaue „Tschechenaugen“ eine Rolle im Konflikt.

Der erste Fall, den Brenner nun bearbeiten muss, ist zufälligerweise genau der letzte Fall, den er in seiner Eigenschaft als Polizist bearbeitet hatte. In Zell am See war ein älteres, amerikanisches Ehepaar in einem Skilift gefunden worden. Dummerweise hatten sie die Nacht in diesem verbringen müssen, und dümmererweise war es tiefster Winter. Die beiden waren also gut durchgefrorene Eisblöcke, ohne Puls und Atem.

Das Ehepaar waren die Schwiegereltern des Dorfbonzen Vergolder. Eigentlich Antretter, aber alle nannten ihn nur Vergolder. Vermutlich seiner Profession wegen, und seines Geldes.

Brenner jedenfalls hat nur wenig bis gar keine Spuren. Weder als Polizist, noch ein dreiviertel Jahr später als Detektiv. Stört ihn eigentlich nicht so sehr, sein Geld bekommt er dennoch. Aber dann führt er doch noch einige Gespräche, die er bislang nicht führte, und lernt einige Leute kennen, die er bisher nicht kannte. Und nach und nach tun sich vereinzelte kleine Risse auf, die sich immer weiter vergrößern und das Geheimnis enthüllen.

Der Brenner ist schon eine spezielle Figur. Meistens mürrisch, von Migräne geplagt, und etwas maulfaul. Dennoch scheint er eine unwiderstehliche Anziehung auf das weibliche Geschlecht haben. Seine Gedanken scheinen oft abzuschweifen, und sich an Nebensächlichkeiten aufzuhalten, was einer der Gründe für das Missfallen seines Vorgesetzten ist. Nun mag man geneigt sein, Übereinstimmungen zwischen Brenner und Haas zu suchen. Da ich den Autoren nicht kenne, kann ich da kaum etwas dazu sagen, wohl aber dies: Brenner ist ca. 10 Jahre älter als Haas, weil diesem dieses Alter fremd ist und es ihn darum interessiert. Wenn man nun kein Herz für einen kleinen Grummler hat, wird man sich als Leser mit Brenner etwas schwer tun.

Etwas anderes, woran mancher sich gewöhnen muss, ist Haas´ Schreibstil. Das ganze liest sich nicht wie ein üblicher Roman, sondern mehr wie eine Geschichte, die ein kauziger Kerl in einer Kneipe erzählt. Kurze Sätze, Umgangssprache, dialektische Einfärbungen, ständige Abschweifungen. Das widersetzt sich nicht nur den üblichen (Krimi-)Lesegewohnheiten, sondern lässt auch manchen Hinweis auf den Fall im allgemeinen Gemurmel untergehen. Da schadet es nicht, aufmerksam zu sein. Und es schadet nicht, das Büchlein noch ein zweites mal zu lesen. Denn es ist ganz interessant zu sehen, was sich alles schon andeutet, und zudem macht es ja auch Spaß. Denn letzten Endes ist das ein guter, aber auch recht kurzer Roman, der kauzige Charaktere zu bieten hat, und viel Atmosphäre verströmt.

Die Brenner-Reihe hat es mittlerweile schon auf 8 Einträge geschafft. Der letzte („Brennerova“) erschien vor 6 Jahren. Bislang sieht es nicht nach einem neunten Buch aus, aber wer weiß. Immerhin kündigte Haas schon einmal an, keine mehr zu schreiben (zugegeben, das war ein fiktiver Wolf Haas, der das sagte). Also gilt es, die Hoffnung nicht aufzugeben.

Gelesen habe ich die Ausgabe des Rowohlt Taschenbuch Verlags, welches von einem sehr hübschen Cover geziert wird, für das Notburga Stelzer verantwortlich ist. Die Illustration stammt von Jürgen Mick.

 
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Verfasst von - März 11, 2020 in Buchtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

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Kais Filmtagebuch – „Basta – Rotwein oder Totsein“ (Deutschland/Österreich, 2004)

Hui, jetzt kommt was aus den Untiefen meiner Festplatte. Ist schon ein paar Tage her als ich es schrob…

Hin und wieder kommt es vor, dass ich einen Film in meiner Merkliste habe, den ich schon komplett vergessen habe. Und dann stolpert man auf einmal über dieses gute Stück das einem dereinst empfohlen wurde. Also macht sich der pflichtbewusste Tagebuchschreiberling natürlich sofort ans Werk, schaut „Basta“ an und tut der Welt seine Meinung kund.

Der Film beginnt, wo andere Filme aufhören, nämlich beim dramatischen Höhepunkt einer Geiselnahme vor der Gefängnistür. Die Polizisten haben die Waffen schon gezückt, und der Geiselnehmer (Oskar, unser Held), hat seine Geisel im Schwitzkasten. Seine Kumpels wollen ihn gerade abholen kommen, bzw. warten auf der Straße im Fluchtwagen. Das Einzige, was Oskar davon abhält, abzudampfen, ist Maria. Diese ist nicht nur die Gefängnispsychologin, sondern führt auch ein eher privates Verhältnis zu ihrem Patienten. Sie legt ihm Nahe, die Waffe sinken zu lassen, und zwei Jahre hinter Gittern zu sitzen, denn dann würde sie auf ihn warten. Im anderen Fall würde er sie nie bekommen. Nach kurzem Zögern hört Oskar auf die Gute und lässt sich überwältigen.
Als nächstes sehen wir das traute Zusammenwohnen der beiden Süßen. Das heißt Oskar kocht und Maria putzt Zähne. Ganz offensichtlich sind die 2 Jahre schon vergangen. Und sie unterhalten sich darüber, dass Oskar mit seiner verbrecherischen Laufbahn abschließen soll, und das Paar dann von dannen fährt. Zwei Polizisten, einer schweigsam, der andere japanisch lernend, hören die beiden ab. Die haben wohl sehr viel Vertrauen in die heilende Wirkung eines Gefängnisaufenthalts.
Schnitt auf ein Auto in dem zwei Heinis sitzen. Der eine ist Moritz Bleibtreu, wird in Zukunft aber Valentin genannt, der andere ist Belmondo, ein gut beleibter Gangster mit stark wienerischem Akzent (wen wundert’s, spielt die ganze Chose doch auch in Wien). Beide warten auf Oskar, um dann zu tun, was das Gangsterleben erfordert. Dieser jedoch hat gerade noch ein Gespräch mit der Verlegerin (und Freundin von Maria) Diana. Was genau in Oskars Buch „Secréts“ stehen soll, wird uns (noch) nicht verraten. Nach einem Handyanruf von Valentin macht sich Oskar auf den Weg zu den beiden, die schon ohne ihn anfangen dürfen. Auftrag des Dreiergespanns ist die Beschaffung der toten Tochter ihres Chefs/Mafiaoberhaupts Konstantin.
Beim Abliefern der Toten stellt Konstantin klar, dass er den Drogendealer Leo, frischgebackener Witwer und sein ehemaliger Schwiegersohn, nun gerne, da ja seine Tochter tot sei, auch unlebendig gemacht sehen will. Dazu beauftragt er Oskar und stellt ihm seinen Neffen Valentin zur Seite. Doch bevor es soweit kommen kann, müssen die beiden erst noch Schutzgeld eintreiben (die beiden Polizisten natürlich immer hinterher). Dabei kommen sie auch bei Dianas Verlag vorbei, denn Oskar will ihr sein Manuskript vorbeibringen. Valentin weiß nichts von Oskars Buchplänen, und ist auch nicht im Zustand, das mitzubekommen, verliebt er sich doch sofort in Diana.
Dass es mit Diana und Valentin was Ernsteres werden könnte, sieht man auch schon daran (mal abgesehen von einem Kuss), dass er sie zur Beerdigungsfeier der Gangstertochter eingeladen hat (obwohl da eigentlich der ganze Cast dabei ist, also ist es vielleicht doch nichts Besonderes). Im Zuge der Totenfeier und des Leichenschmauses bittet Oskar Konstantin darum, den Leo-Mord nicht machen zu wollen, sondern seine illegale Laufbahn beenden zu dürfen. Konstantin besteht aber darauf, dass er die Leo-Angelegenheit praktisch als letzten Auftrag ausführt.
Als Maria von dem Angebot erfährt, ist sie nicht begeistert. Ihr wäre es lieber, sie und Oskar würden gleich fliehen, ohne dass jemand sterben müsste. Der Streit artet derart aus, dass sie sich verabschiedet und die Nacht bei Diana zu verbringen gedenkt.
Die ist aber gerade mit dem Valentin in ihrem Bett beschäftigt. Er trägt ihr sogar ein selbstverfasstes Gedicht vor, aber sie ist vielmehr an seiner Waffe interessiert. Im Gegensatz zu Maria nämlich steht sie den verbrecherischen Tätigkeiten ihres Schatzies offenbar offen gegenüber. Die traute Zweisamkeit wird jäh von Marias Türklingeln unterbrochen. Während Diana versucht, ihre Freundin im Wohnzimmer zu trösten, entdeckt Valentin beim Ankleiden Oskars Manuskript und vermutet Verrat (ich meine, ein Mafiosi, der sein Buch „Secréts“ nennt, ist selbst schuld, wenn es Komplikationen gibt). Da allerdings im Manuskript nur die Danksagung steht, kann er auch nicht weiter eruieren, worum es geht. Aber angepisst ist er jetzt. Missgelaunt stapft Valentin ins Wohnzimmer, gibt Maria Leos Adresse (weil sie lieb gefragt hat vermutlich. Jetzt jedenfalls kann sie versuchen Leo zu warnen) und verpasst Diana eine ordentliche Watschen.
Natürlich fährt Valentin schnurstracks zu Konstantin und erzählt dort vom Verräterbuch. Der ist mehr als nicht begeistert und möchte gerne das gesamte Manuskript (das sich im Verlag befindet) in seinem Besitz wissen. Gleichzeitig fände er es auch echt knorke, wenn Oskar das Zeitliche segnen würde.
Leo dieweil ahnt, dass er nicht mehr lange zu leben hat und erwartet sogar schon Oskar als Assassine. Sein Plan zum Selbstschutz: Entführung von Oskars Freundin. Zum Glück klingelt die gerade an der Tür (da sie ja Leo zur Flucht bewegen will). Da kommt es auch noch gerade recht, dass Oskar anruft, und ein Treffen ausmachen will. Also gibt es ein kleines Gangstermeeting in einem Parkhaus zwischen Oskar und Valentin (der noch nicht wirklich an Verrat glauben mag) und Leo und seinen Bubis. Oskar bietet Leo an, dass er ihn entkommen lässt (damit Maria nicht mehr wütend auf ihn ist), aber Leo dreht den Spieß um, führt seine Mariageisel vor, der es sichtlich nicht gut geht, und fordert von Oskar, dass dieser verschwindet.
Auf der Rückfahrt ist Oskar nicht gut drauf. Valentin konfrontiert ihn mit dem Verräter-Verdacht. Es kommt zu einem Unfall. Als Oskar wieder aufwacht, liegt er in einem offenen Sarg und blickt in die Mündungen verschiedener Waffen und in die missgelaunten Gesichter von Konstantin, Valentin, Belmondo und Co. Oskar gesteht auf Nachfrage, dass er ein Buch geschrieben hat und gern veröffentlichen möchte, es sei allerdings ein Kochbuch. Das glaubt natürlich niemand. Konstantin trollt sich und gibt Valentin die Lizenz zum Töten, um nach verrichteter Arbeit gemeinsam mit Belmondo das Buch aus dem Verlag zu holen. Oskar jedoch gelingt es, Valentin von seiner Unschuld zu überzeugen, oder zumindest ihm eine Frist zu geben, bis er (also Valentin) einen Blick in das Buch geworfen hat.
Valentin und der wienerische Belmondo fahren also zum Verlag, um dort mit Diana zu reden und das Manuskript zu holen. Valentin möchte sich bei Diana entschuldigen, doch leider mischt sich Belmondo immer wieder ein. Irgendwann reicht es Diana und sie erschießt Belmondo. Das führt nicht nur dazu, dass dieser tot ist, sondern auch zur Versöhnung zwischen Diana und Valentin.
Leo inzwischen ruft Oskar an und möchte von ihm zusätzlich zu seinem Verschwinden auch noch gerne ne Millionen. Und Oskar solle sich beeilen, denn er wisse nicht, wie lange Maria noch das Waterboarding (und andere Folterei) aushält. Oskar selber hat natürlich nicht so viel Geld. Deshalb hebt er es von Konstantins Privatkonto ab. Als Konstantin davon erfährt, ist er noch unbegeisteter und befiehlt eine mafiöse Großrazzia.
Oskar trifft, von Valentin angerufen, im Verlag ein. Die drei überlegen sich einen Plan, wie sie den dicken Belmondoleichnam loswerden können. Doch gerade mitten in der schönsten Leichenschieberei kommen die zwei Superbullen. Allerdings nur, um Diana ein Manuskript zu geben, dass der schweigsamere der beiden über den Polizeialltag geschrieben hat. Nach kurzem Gerede verziehen sich die beiden auch wieder.
Oskar macht mit Leo die Geldübergabe in der Küche eines ihm bekannten Restaurants ab. Dieser kommt natürlich auch gleich mit seinen Leuten (die er allerdings vor der Hintertür stehen lässt). Während also Leo und Oskar über alte Zeiten reden (scheinbar erschoss Leo einen Freund von Oskar), befreien Diana und Valentin Maria aus Leos leichtbewachtem Versteck (nur zwei Heinzls sind da um aufzupassen). Nach dem Anruf Valentins schnappen sich Oskar und die Köche Leo, fesseln ihn und legen ihn auf einen Tisch.
Frohes Wiedersehen von Maria und Oskar in der Restaurantsküche. Maria entdeckt den zu backen fertig bereiteten noch lebenden Leo, und beschließt, ihn, wenn er durch ist, zu essen. Oskar allerdings hatte nie vor, in zu Tode zu backen, sondern ihm nur Angst zu machen.
Währenddessen betreten im Essbereich des Restaurants die beiden Polizisten das Gebäude, die nun von Valentin und Diana daran gehindert werden, in die Küche zu gehen. Das ist den Polizisten egal, das wollten die nämlich ohnehin nicht. Sie haben noch ein zweites Manuskript für Diana dabei. Schließlich betritt auch noch Konstantin mit seinen Schergen das Restaurant. Doch bevor er die Polizisten, deren Manuskript eine detaillierte Beschreibung der Wiener Mafiawelt ist, aufmischen kann, schiebt Oskar den halbgaren Leo herein (schön im Blätterteigmantel). Eine angespannte Situation mit vielen gezogenen Waffen. Maria, die Leo ein Messer ins Bein rammt, da sie ihn immer noch essen will, löst die Katastrophe aus. Leo nämlich, da ja nicht tot, schreit auf und alle schießen auf ihn. Jetzt ist er tot, und kann somit nicht miterleben, wie seine treuen Mannen durch die Schußgeräusche aufgeschreckt hereinstürmen und eine Schießerei entbrennt. Am Ende bleibt nur Oskar, als einzig Überlebender übrig.
Doch keine Angst, das ist gar nicht passiert. Wir befinden uns wieder bei der anfänglichen Geiselnahme, die ganze Handlung danach war nur die Vision von Oskar. Nachdem er den dramatischen Ausgang erkannt hat, beschließt er, doch lieber mit seinen Jungs (Valentin wie wir jetzt wissen) abzuhauen und nicht mit Maria zusammen zu kommen.
Der Abspann zeigt dann Szenen, wie sie in dieser Version der Geschichte passieren (so lernen sich Valentin und Oskar dennoch richtig kennen, nur unter anderen Umständen, und Leo kokst sich in den Tod).
Ich wollte eigentlich aus dem Film nur einen recht kurzen Tagebucheintrag machen. Leider bin ich daran gescheitert, obwohl ich schon etliche Szenen weggelassen habe (nicht nur, um nicht so viel schreiben zu müssen, sondern auch, um die Gags nicht zu verraten).
Der Film ist nicht schlecht, aber etwas surreal, naja, vor allem das Ende. Das Drehbuch wartet mit einigen kuriosen Einfällen auf, die gut zu Unterhalten wissen. Leider zünden nicht alle Dialoge. Wenn sich Valentin und Oskar beim Autofahren über den Einfluss des Kochens auf die Kultur unterhalten, und Amerika deswegen als kulturlos bezeichnen, merkt man dem ganzen zwar an, dass es gerne ein Pulp Fiction sein möchte (Stichwort Quarterpounder with Cheese), aber das kommt ein wenig unvermittelt und wird auch nicht auf eine ganz so coole Weise rübergebracht. Auch Marias Entschluss, ihren ehemaligen Peiniger unbedingt essen zu wollen, wirkt ein wenig zu abgehoben und wirkt auch nicht wie ein nachvollziehbarer Charakter-Turn. Immerhin stand sie ja immer für eine gewaltfreie Lösung ein. Gut, wer sich mit einem Mafiosi einlässt und sich dann beschwert, dass er das verbrecherische Tun nicht sein lassen kann, hat vielleicht ohnehin einen an der Waffel.
Das heißt jetzt nicht, dass der Film unlustig ist. Es gibt gute Pointen, vor allem wenn der österreichische Humor und der wienerische Dialekt in den Vordergrund treten, aber man merkt oft, dass der Film gerne noch ein wenig mehr wäre.
Das liegt nicht unbedingt an den Schauspielern. Henry Hübchen (bekannt aus „Alles auf Zucker“, „Commisario Laurenti“ und mehr) gibt den Mafiosi Oskar, dem kochen über töten geht. Er ist eher ruhig und gesetzt. Beides Eigenschaften, die nicht unbedingt zu Mafiosi oder Koch passen, aber immerhin ein Sympathieträger.
Corinna Harfouch (Maria) hat im Prinzip nicht zu tun. Am Anfang ist sie friedliebend, gerät dann in die Fänge eines Folterknechts und möchte ihn daraufhin essen. Wie gesagt, mit diesem seltsamen Umschwung tu ich mich schwer. Jemanden zu essen wirkt schon arg übertrieben. Dafür kann Frau Harfouch selbst ja nichts, aber sie kann eben auch nur wenig zeigen, wird sie ja hauptsächlich gefoltert. Als Magda Göbbels in „Der Untergang“ hat sie mir deutlich besser gefallen.
Zu Moritz Bleibtreu (Valentin) muß ich ja wohl nicht mehr viel sagen. Hier wirkt er routiniert, aber er glänzt nicht auf. Dennoch ist es immer wieder nett, ihn auf der Mattscheibe zu sehen.
Und Nadeshda Brennicke (Diana) sieht nicht nur ziemlich gut aus, sondern spielt auch richtig gut. Schade, dass sie nicht in größeren Produktionen spielt, sondern größtenteils für TV-Produktionen arbeitet. Ein Film in ihrer Vita interessiert mich dann aber dennoch, nämlich „Der Bär ist los! Die Geschichte von Bruno“, aber mehr aus kuriositätischen Gründen.
Noch ein Wort zur Musik. Diese klingt oftmals balkanesk, was ja verständlich ist, ob der osteuropäischen Mafia. Allerdings fehlt ein Lied, das im Ohr hängen bleibt. Das hätte die eine oder andere Szene vielleicht zusätzlich aufgepeppt.
Den Film darf man ruhig einmal anschauen. Und auch zweimal. Auch wenn nicht alles unbedingt so funktioniert, wie sich die Macher das vielleicht gedacht haben, kann man nicht sagen, dass es schlecht ist, oder nicht zu unterhalten weiß.

 
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Verfasst von - November 14, 2019 in Filmtagebuch

 

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Kais Filmtagebuch – „Das finstere Tal“ (Österreich, Deutschland 2014)

Kais Filmtagebuch – „Das finstere Tal“ (Österreich, Deutschland 2014)

Was verbindet man im Allgemeinen mit Österreich? Falco, Schnitzel, „Der dritte Mann“? Sicherlich so manches mehr, aber ganz bestimmt keinen düsteren Western, der in einem Alpental spielt. Nun, mittlerweile wahrscheinlich schon, immerhin hat der heutige Film einen nicht geringen Erfolg bei den deutschsprachigen Filmpreisen gehabt.

In ein wirklich abgeschieden gelegenes Dorf in einem Tal der österreichischen Alpen kommt eines Tages, kurz vor Wintereinbruch, ein junger aber einsamer Reiter geritten. Er möchte gerne Fotos schießen, was damals im ausgehenden 19. Jahrhundert doch noch etwas besonderes war. Schon schnell wird klar, dass in diesem Dorf etwas im Busch ist. Und auch der Fremde scheint noch anderes vorzuhaben.

Nun, wer schon den ein oder anderen Western und/oder Actionstreifen gesehen ha, kann sich sicherlich an seinen drei Daumen abzählen, welchen Weg die Geschichte einschlägt. Das ist zum einen zwar der größte Kritikpunkt an „Das finstere Tal“, zum anderen aber schadet es dem Filmgenuss nur wenig, da die Umsetzung einfach nur richtig gut ist.
Die Atmosphäre des Films ist unglaublich stimmig. Man sollte meinen, eine Westerngeschichte, die in einem Alpendorf spielt sollte sich gekünstelt anfühlen, aber das tut sie nicht. Alles fügt sich gut zusammen. Bei den Kostümen zum Beispiel wird auf eine allzu urige Kleidung verzichtet. Der Score ist recht gut. Und die Landschaft trägt natürlich zu einem gewaltigen Teil mit zur Atmosphäre bei.
Ebenso die Tatsache, dass die Figuren in einem Dialekt reden, sogar der Reiter hat einen, allerdings einen amerikanischen. Sam Riley spricht sich hier im Deutschen nämlich selbst, was ja auch durchaus passt, da seine Figur aus Amerika stammt. Daher trägt er auch die klirrenden Sporen. Nun ergeben sich da nur zwei kleinere Probleme. Das erste ist, dass Leute, je nördlicher ihre Abstammung ist, desto weniger verstehen. Dadurch, dass „Das finstere Tal“ ein relativ dialogarmer Film ist, fällt das nicht so sehr ins Gewicht. Das zweite Problem ist wohl, dass die verschiedenen Dialekte nicht unbedingt zueinander passen. Angeblich, mir ist das nicht aufgefallen, aber ich dachte, ich erwähne es mal, in der Hoffnung, dass mich irgendjemand erleuchten kann. Ich kann mir vorstellen, dass in anderssprachigen Versionen einiges an Atmosphäre verloren geht.
Das Titellied und auch das Lied kurz vor dem Showdown sind moderne gesungene Lieder und fallen dadurch aus dem Rahmen. Das passt bei einem Tarantino-Film, da diese sich ohnehin nur selten ernst nehmen, aber bei einem solchen Atmosphäre-Western will es mir nicht passend erscheinen, auch wenn ich das Titellied gar nicht mal so schlecht finde.
Gedreht wurde vor allem in Südtirol. Im Film kommt eine Kirche vor, deren Inneres man aber nicht Filmen durfte, weil die katholische Kirche das Drehbuch nicht so gut fand. Stattdessen wurden die Innenszenen in einem leerstehenden Kloster gedreht.
„Das finstere Tal“ basiert auf dem Buch „Das finstere Tal“ von Thomas Willmann. Der Regisseur hat dieses auch gelesen und ein wenig gestrafft. Ich finde, der Film selber ist schon keine Tempogranate. Er ist auch nicht zu langsam und langatmig, die Geschichte entwickelt sich in genau dem richtigen Tempo. Da hat Andreas Prochaska also die richtige Entscheidung getroffen. Zuvor ist er vor allem mit TV-Arbeit aufgefallen, aber auch „In 3 Tagen bist du tot“ geht auf sein Konto, in welchem auch schon österreichischer Dialekt verwendet wurde. Wenn man etwas aus dem Buch aber noch hätte übernehmen können, dann die Frage, ob es sich um Unfälle handelt, die den anfänglichen Opfern das Leben kosten, oder nicht.
Sam Riley ist Greider, der einsame Reiter. Er wurde unter anderem darum gecastet, weil er eine gewisse Ähnlichkeit mit dem jungen Alain Delon hat. Wie schon erwähnt spricht er sich selbst in der deutschsprachigen Originalversion. Es ist nicht sein erster Kontakt mit dem deutschsprachigen Kulturkreis. In „Rubbeldiekatz“ hat er zum Beispiel einen Auftritt. Zudem ist er mit Alexandra Maria Lara liiert.
Paula Beer, die weibliche Hauptrolle Luzi, hatte sich extra für den Film einen Akzent antrainiert. „Das finstere Tal“ stellt erst ihren vierten Kinofilm dar. Ist ja aber auch kein Wunder, schließlich ist sie erst 1995 auf die Welt gekommen. Oh man, jetzt fühle ich mich alt.
Tobias Moretti zeigt einmal mehr, dass er mehr ist als nur Kommissar Rex. Wobei er das mittlerweile oft genug bewiesen haben dürfte. Hier nimmt man ihm seine bedrohliche Ausstrahlung ohne weiteres ab.
Ein kleines Kuriosum versteckt sich in der Rolle des Schmieds, mit dem sich Greider kurz vor Ende einen Kampf liefert. Heinz Ollesch war nämlich dereinst der stärkste Mann Deutschlands und hat noch immer dieses Erscheinungsbild.
Der restliche Cast ist von vielen markanten Gesichtern gekennzeichnet, die in einem richtigen Western nicht schlechter aufgehoben wären.

So, am Ende kann ich nur noch eine Empfehlung aussprechen, den Film zu sehen. Vor allem für Westernfans. Im übrigen finde ich die Beschreibung „Heimatfilm trifft Western“ nur wenig passend. Denn an Heimatfilm erinnert hier wahrlich nur der Handlungsort.

Das Lied zum Showdown  und das Titellied, damit ihr wisst, was ich meine.

 
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Verfasst von - Oktober 19, 2015 in Filmtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

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Kais Tatorttagbuch, „Mord im Ministerium“ (BRD/AT, 1974)

Kais Tatorttagbuch, „Mord im Ministerium“ (BRD/AT, 1974)

Jaja, die Tatorts der 70er sind schon was Besonderes. Aber einen Kommissar möchte ich doch noch mal hervorheben, nämlich den vom Tatort aus Wien. Eigentlich heißt das da gar nicht Kommissar, sondern Oberinspektor.
Oberinspektor Marek hat also hier einen Mord im Ministerium aufzuklären. Im Laufe der Ermittlungen stellt sich heraus, dass beinahe alle Personen auf irgendeine Art etwas zu verbergen haben. Von der Geschichte her also eigentlich ganz gewöhnliche Tatort-Kost.
Ungewöhnlich jedoch ist die Inszenierung, die nicht nur auf den jetzigen Fall, sondern auf alle österreichischen Fälle dieser Zeit zu trifft. Alles wurde nämlich in Studios gedreht (mit Ausnahme ganz seltener Besuche bei anderen Kollegen). Dadurch bekommen die Filme einen sehr starken Kammerspiel-Charakter. Auch die Schauspieler spielen eher auf theaterliche Art und Weise, denn auf filmische. Ebenfalls interessant ist, dass oft viele Personen gleichzeitig in einer Szene handeln, und dann immer zwischen den verschiedenen Gesprächen hin- und hergewechselt wird. Dadurch kommt selten Langeweile auf. Gewürzt werden vor allem die verschiedenen Nebenszenerien durch eine ordentliche Portion österreichischen Humors. Das muß man den Österreichern einfach zugestehen, dass die da ihre ganz eigene Art haben.
Übrigens gingen die wienerischen Tatorte aus einer österreichischen Krimiserie hervor. Die Tatortmacher haben im Prinzip die gesamte Serie übernommen und einfach nur als „Tatort“ betitelt. Den Oberinspektor Marek gab es schon seit 1963, und schon damals hatte Fritz Eckhardt, der Marek-Darsteller, damit begonnen, Drehbücher zu schreiben und Regie zu führen, so auch diesen.
Ich kann die Marek-Tatorte jedenfalls jedem empfehlen. Es lohnt sich, mal einen Blick darauf zu werfen. Ich befürchte leider nur, dass diese recht selten ausgestrahlt werden. Glücklicherweise gibt es ja die Marek-DVD-Box.

 

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