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Kais Filmtagebuch – „Open Your Eyes“ (Spanien, 1997)

Es gab ein mal einen Film mit Tom Cruise der da „Vanilla Sky“ genannt wurde. Das war die Zeit in Cruises Karriere, in der er noch nicht der verrückte Stunt/Schauspieler war, aber er war auch noch nicht der verrückte Sofaspringer von Opra.. Und „Open Your Eyes“ ist der spanische Originalfilm dazu. Wer das Remake kennt, wird nur wenig überrascht sein (wer allerdings weder den einen noch den anderen kennt, sollte jetzt aufhören zu lesen, ich nehme keine Rücksicht auf Verluste).

César ist ein reicher, selbstverliebter Schnösel, der mit Nuria eine Affäre hat, aber eigentlich genug von ihr. Dieses Gefühl verstärkt sich noch, als es Sofìa kennenlernt. Mit dieser würde er nun gerne zusammen kommen und zusammenkommen (die Tatsache ignorierend, dass sie mit seinem besten und einzigen Freund eine Beziehung unterhält), und diese scheint auch nicht ganz abgeneigt zu sein. Allerdings möchte es sich César nicht nehmen lassen, noch eine letzte Nacht mit Nuria zu verbringen. Dumm gelaufen, denn Nuria hat andere Pläne. Und so endet die vermeintliche Fahrt ins Liebesnest mit einem (ehrlich gesagt etwas unspektakulärem) Unfall. Nuria ist hin, und Césars Gesicht furchtbar verunstaltet.

Jetzt muss der ehemalige Schönling damit klar kommen, dass ihm die (Frauen-)Welt nicht mehr so ohne weiteres zu Füßen liegt. Auch Sofìa scheint sich von ihm ab und ihrem beinahe Ex wieder zugewandt zu haben. César ist mehr als verzweifelt und bricht betrunken auf der Straße zusammen.

Es gibt aber doch einen Silberstreifen am Horizont. Das Konsortium von Schönheitschirurgen, das César zusammentrommeln ließ, hat nun doch eine Methode gefunden, um das Antlitz wieder rekonstruieren zu können. Vorbei sind die Tage des Narbengewebes, bzw. der unüberzeugenden Maske, die César trug. Auch Sofìa kommt nun zu ihm in die Arme, und so könnte alles friedlich, freudlich und eierküchlich sein, wenn nicht eines Morgens statt Sofìa die totgeglaubte Nuria neben ihm im Bett läge. Und nicht nur das, auch auf Fotos hat diese ihren Platz eingenommen. Als nun auch noch Césars Umwelt Nuria als Sofia identifiziert dreht der gute Mann hohl, und die sicher geglaubte Realität wird immer unwirklicher…

Wie gesagt, wer „Vanilla Sky“ gesehen hat, wird von der Handlung nicht überrascht sein. Die wurde ziemlich genau so übernommen. „Open Your Eyes“ ist aber nicht so ein glatt-gelecktes Hochglanzprodukt und versprüht dadurch etwas mehr Charme.

Das liegt nicht nur an der Besetzung, auch wenn Eduardo Noriega kein so ein People-Magazin-Gesicht hat wie Cruise, zumindest vor dem Unfall. Seine Figur ist allerdings kein Sympathieträger, sondern ein richtiger Arsch. Allgemein sind die meisten Figuren hier keine Sympathiebolzen. Eigentlich niemand…

Penélope Cruz wirkt hier zudem etwas interessierter als ihr Gegenstück im Remake, Penélope Cruz. Mag sein, dass das daran liegt, dass ich den einen Film synchronisiert gesehen habe, und diesen hier nicht…oder aber die Sichtung des Cruise-Vehikels schon etwas länger her ist. Vielleicht sind es ja aber auch nur die vier Jahre Unterschied.

Madrid gibt eine hübsche Örtlichkeit ab, die man noch nicht so oft gesehen hat, auch wenn auf allzu viele Umgebungsshots verzichtet wird. Ich persönlich habe Barcelona schon öfter auf Film gebannt betrachtet.

Alejandro Amenábar kennen die meisten wohl als Regisseur von „The Others“. Hier ist er nicht nur der Regieführende, sondern auch der, dem die Geschichte eingefallen ist (im Traum, wenn man ihm glauben schenken darf, was gar nicht mal so unwahrscheinlich klingt). Andererseits finden sich einige Parallelen zu „Vertigo“.

Wem also der Sinn nach einem Film steht, der munter die Realität in Frage stellt, manchmal etwas verwirrend sein kann, und ein paar Ecken und Kanten hat, dem sei der hier ans Herz gelegt.

 
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Verfasst von - Januar 31, 2019 in Filmtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

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Kais Serientagebuch – „Capitan Alatriste – Mit Dolch und Degen“ (Spanien/Deutschland/Frankreich, 2015)

Kais Serientagebuch – „Capitan Alatriste – Mit Dolch und Degen“ (Spanien/Deutschland/Frankreich, 2015)

Serien sind groß in Mode. Klar, dass die öffentlich-rechtlichen Sender auch irgendwann auf den Zug aufspringen. „Capitan Alatriste – Mit Dolch und Degen“ wurde mit Hilfe von unter anderem Arte produziert. Capitan Alatriste ist eine Romanfigur des Autoren Arturo Pérez-Reverte.

Der Schauplatz ist Madrid, das Jahr 1623. Europa befindet sich im 30 Jährigen Krieg, Katholiken stehen sich den Protestanten gegenüber (offiziell, natürlich gibt es auch Bündnisse zwischen den Konfessionen, je nach dem, wo es mehr zu gewinnen gibt). Gleichzeitig führt Spanien einen Krieg gegen die Niederländer, die gerne unabhängig werden würden (der sogenannte 80 Jährige Krieg, endet übrigens wie der erst genannte 1648).
In dieser Zeit kommt der junge Íñigo Balboa in der Stadt an. Er ist auf der Suche nach Diego Alatriste, einem Soldatengefährten seines verstorbenen Vaters. Er möchte bei diesem gerne ebenfalls zum Soldaten…naja „ausgebildet“ werden. Zu diesem Zweck zieht er auch zu ihm. Alatriste teilt sich das Bett mit Caridad über ihrer Taverne (wenn er nicht gerade die Nacht bei seiner großen Liebe, der Schauspielerin Maria de Castro, verbringt). Da der Capitan einem Granden, also einem ranghohen Adligen, nahe steht, und darüber hinaus als Söldner verschiedene Aufträge annimmt, erlebt Íñigo einige Abenteuer. Alatriste trifft bei diesen Gelegenheiten immer wieder auf den Italiener Malatesta, der mindestens ebenso geschickt mit der Klinge umgehen kann, allerdings viel weniger Skrupel als der gute Capitan besitzt.
Manche allerdings erlebt Íñigo auch auf eigene Faust. So verguckt er sich in die adlige Angélica de Alquezar (die jedoch ein mehr als intrigantes Biest ist), oder legt sich mich einer Bande Straßenjungen an.
Als großen Storybogen, der sich durch die Staffel zieht, dienen die Anwesenheit und die Heiratspläne der Engländer in Person des Herzogs von Buckingham und des Kronprinzen Charles (natürlich nicht der heutige). Die verschiedenen Parteien innerhalb des königlichen Hofes haben da mehr oder weniger dagegen, unter anderem natürlich der König Phillipp IV., der Repräsentant der Inquisition Bruder Emilio Bocanegra und nicht zu vergessen der erste Minister Olivares. Dabei kann man manchmal das Gefühl bekommen, dass die Verhandlungen um die Hochzeit zwischen dem Kronprinzen und der Infantin Spaniens nicht wirklich vorankommen. Aber das entspricht nun mal eben einer historischen Tatsache, dass die Engländer lange in Madrid aufgehalten wurden, und mit immer neuen Beteuerungen von der Heimreise abgehalten wurden. Am Ende findet dieser Handlungsstrang jedoch ein Ende. Leider schafft es die Serie dennoch mit einem leichten Cliffhanger zu enden. Und bislang ist mir von einer zweiten Staffel noch nichts zu Ohren gekommen.

„Capitan Alatriste“ ist, vor allem was die Kostüme betrifft, äußerst prunkvoll ausgestattet. Gut, das war ein bisschen übertrieben. So verfügt der äußerst flamboyante Buckingham nur über drei verschiedene Outfits, was ich mir aber bei seinem Charakter nicht vorstellen kann (eher 30). Die aber, die er hat, sind sehr farbenprächtig und wirken sehr authentisch. Wie eben die der anderen Hauptfiguren auch, sieht man sich allerdings die kleineren Rollen und Statisten an, so fällt dort sehr schnell eine gewisse Redundanz in der Auswahl der Kleidung auf. Vor allem die Schergen sind immer gleich gekleidet.
Das, was ich über die Kostüme schrieb, trifft auch auf die gesamte andere Ausstattung zu. Was vorhanden ist, wirkt sehr authentisch, allerdings bekommt man den Eindruck, dass alle mit derselben Kutsche durch die Gegend fahren, und dass Madrid nur aus einem einzigen großen Marktplatz besteht. Der letztgenannte Punkt mag auch daher rühren, dass nicht in Madrid selbst gedreht wurde, sondern in den Kulissen der Budapester Korda Studios, was Kritik seitens der spanischen Filmgewerkschaft einbrachte. Eröffnungsshots des Stadtpanoramas werden durch nicht sehr realistische Computergrafiken gelöst. Das fällt vor allem bei Nachtaufnahmen auf.
Wo wir gerade bei Authentizität sind können wir auch eben über die Kämpfe sprechen. Die Duelle ergehen sich nämlich nicht in ewigen Fechtereien, sondern bleiben bodenständig. László Imre, der als Stunt Koordinator verantwortlich war, hat wohl ein Händchen für Kämpfe dieses Zeitalters, war er doch auch schon bei den Borgias verantwortlich, und unter anderem bei einer Robin Hood-Serie von BBC mit an Bord.

Trotz der vielen Duelle und Intrigen blitzt doch immer wieder eine ordentliche Portion Humor durch die Dialoge. Das ist natürlich nicht zuletzt den Spottgedichten Quevedos zu verdanken, aber auch die anderen Figuren zeigen gerne mal ihren Sinn für das Komische. Zumindest bis Folge 15, denn danach wird es auf einmal düster. Nicht nur der Farbfilter macht einen Schwenk ins Graue (es soll ja auch Winter sein). Nein, in Madrid herrscht unvermittelt eine Seuche (die davor nie angedeutet wurde), der Kronprinz und Buckingham befinden sich schon auf dem Rückweg, ohne dass der Aufbruch oder weitere Vorbereitungen dazu gezeigt worden wären, etwas, das dann doch eher untypisch für den bisherigen Handlungsverlauf ist. Ein Anzeichen dafür, dass die Autoren vom Ende überrascht wurden. Vielleicht hatten sie mit mehr Folgen gerechnet, oder mit einer zweiten Staffel, deren Realisierung auf einmal doch nicht so sicher mehr erschien? Ich weiß es nicht. In diesem Zusammenhang ist vielleicht auch zu erwähnen, dass die Originalzahl der Folgen von 13 auf 18 gestreckt wurde. Manche Episoden haben daher quasi das Finale der vorher gehenden Geschichte und bauen dann innerhalb derselben die nächste auf. Ich will damit sagen, dass die Einzelepisoden manchmal wie in der Hälfte durchgeschnitten wirken. Manchmal ergibt sich dadurch allerdings auch ein besonders spannender Cliffhanger.

So eine Serie, eine historische zumal, ist natürlich von einer Vielzahl an Figuren bevölkert. Zu den real existierenden Persönlichkeiten wie dem König oder dem Schriftsteller Francisco de Quevedo gesellen sich die Eigengewächse Pérez-Revertes, also Alatristes näheres Umfeld. Die Figuren entsprechen dabei denen aus dem büchernen Original, mit Ausnahme vielleicht von Angélica de Alquezar, die am Ende etwas menschlicher wirkt und bei welcher tatsächlich so etwas wie Gefühle für den jungen Balboa durchschimmern. Im Buch fällt sie nie aus der Rolle des Biestes. Die fünfzehnjährige Carmen Sanchez ist schön intrigant, und wirkt wie der schlimme Albtraum eines jeden Erziehungsberechtigten. Manchmal jedoch fällt das geringe Alter der Schauspielerin auf, auch wenn sie schon einige Rollen im spanischen Fernsehen inne hatte. Vielleicht kommt mir das aber auch nur so vor.
Besonders unterhaltsam ist der Trunken- und Raufbold Quevedo, der einem guten Kampf nie aus dem Weg geht, wie betrunken er selbst auch ist. Und schlägt er sich nicht, schreibt er giftige Dichtungen auf Leute, die ihm nicht passen. Miguel Hermoso Arnao sieht seinem historischen Vorbild schon verdammt ähnlich. Er hat scheinbar Spaß an seiner Rolle, doch wer hätte das nicht.
Der König unterhält auch, einfach weil er das perfekte Beispiel eines sich von der Realität verabschiedeten Machthabers ist, der nur noch in seinem eigenen Reich lebt. Auch hier trifft zu, dass der Schauspieler seinem Vorbild verblüffend ähnelt, samt Habsburger Unterlippe. Für Daniel Alonso stellt „Alatriste“ seinen ersten IMDb-Eintrag dar. So kann man sich durchaus fragen, ob das Weltentrückte seiner Rolle beabsichtigt ist, aber im Zweifel für den Angeklagten.
Die beiden Frauen in Alatristes Leben sind die Wirtshausbesitzerin Caridad und die berühmte Schauspielerin Maria de Castro. Während die Eine ihm Haus und Hof bietet, so ist die Andere die unerreichbare Liebe seines Lebens. Lucia Jimenéz und Natasha Yarovenko sehen beide gar nicht mal schlecht aus. Die Rolle der de Castro (Yarovenko) hat allerdings mehr zu tun, als nur den Babysitter für verletzte Degenkämpfer zu spielen, wodurch Natasha Yarovenko noch mehr zeigen kann was sie kann (und auch mehr zeigt von dem was sie hat). Sie muss sich nämlich noch ihrer Schwester beistehen, die in die Fänge der Inquisition geraten ist.
Für internationales Flair sorgt der Schotte Gary Piquer, der, obschon er aus Großbritannien stammt, ein geregeltes Auskommen in spanischen Produktionen hat. Hier ist er die rechte Hand des Königs ,und da dieser sich lieber mit anderen Dingen als regieren beschäftigt einer der Mächtigsten Männer im Staat, nämlich der Graf von Olivares. Dieser arme Kerl muss sich um das Reich kümmern und gleichzeitig auch noch um den König.
Constantin von Jascheroff ist der deutsche Beitrag zur Serie, und ist hier der englische Thronprinz Charles. Von Jascheroff haben die ein oder anderen sicher bereits in einem Tatort oder der Küstenwache-Serie gesehen (oder sonst wo im Fernsehen, ganz schön umtriebig, der Junge…also ein Jahr älterer Junge als ich). Für den Kronprinz ist die Ehe mit der Infantin Spaniens mehr als nur ein Politikum, sondern sogar eine Herzenssache, auch wenn dem Zuschauer nicht so wirklich klar wird, woher diese Gefühle so plötzlich kommen. Alles in allem verkörpert er den typischen Romantiker, der mit seiner Liebe durchbrennen würde, wenn sich ihm die Gelegenheit böte. Und seine Infantin würde da sofort mitgehen, würde nicht ihr Glaube und ihr Verantwortungsgefühl gegenüber ihrem Bruder sie daran hindern.
Am wichtigsten sind aber natürlich Diego Alatriste, Protagonist der Serie, sein Sidekick und der berüchtigte Italiener Gualterio Malatesta.
Aitor Luna sieht für einen aus Flandern zurückgekehrten Kriegsveteranen überraschend jung aus, vor allem, wenn man bedenkt, wer ihn alles mit „Capitan“ anredet. Davon abgesehen ist er eher der ruhige Typ, der sich immer wieder entscheiden muss zwischen den Dingen, für die er angeheuert wurde und seinen Freunden (beinahe wie mit den beiden Frauen).
Ihm gegenüber steht der großartig porträtierte Gualterio Malatesta. Ein finsterer Kerl, der nicht nur des Geldes wegen tötet. Seine Vergangenheit wird dabei nur wenig beleuchtet (als Italiener hat er ja wohl nicht im Flandernkrieg mit gekämpft), am Ende allerdings wird ihm ein menschlicher Zug gestattet, wenn es dann doch jemanden gibt, der ihn pflegt. Filippo Sbalchiero hat zwar eher weniger Filmerfahrung, aber er hat einen Blick, der einem Antagonisten sehr gut zu Gesicht steht. Es ist nur seltsam, dass es immer ausgerechnet Malatesta ist, der von den verschiedenen Drahtziehern engagiert wird. Vielleicht hat er einfach nur ein gutes Marketing, denn gegen Alatriste zieht er meist den Kürzeren.
Marcos Ruiz hat schon in zwei, drei Filmen mitgespielt, „Alatriste“ stellt allerdings seine erste Serienaufgabe dar. Seine Darstellung wirkt manchmal leider nicht ganz ausgereift, es mag auch etwas daran scheitern, dass nie ganze klar wird, warum Íñigo so unbedingt Soldat werden möchte, außer, dass es sein Vater schon war. Jedenfalls muss dieser schon ein toller Hecht gewesen sein, immerhin kennt ihn jeder Hinz und Kunz, der einmal in der Armee war.

Arturo Pérez-Reverte darf mit der Serienversion seines Buches trotz mancher Schattenseiten zufrieden sein. Die Atmosphäre des Buches wird sehr gut eingefangen. Dies ist übrigens nicht die erste Verfilmung des Stoffes. Es gibt einen Film aus dem Jahre 2006, in welchem Viggo Mortensen in die Stiefel des Degenhelden tritt. Die bekannteste Verfilmung eines Pérez-Reverte Romans dürfte wohl „Die neun Pforten“ sein, dieser Film, in dem es um alte Bücher und Teufelsanbetung geht. Johnny Depp-Fans wissen welchen ich meine.

„Capitan Alatriste – Mit Dolch und Degen“ ist eine Serie für Fans von Mantel und Degen-Geschichten, kann aber nicht mit den aktuellen Serienhighlights mithalten.

 
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Verfasst von - März 10, 2016 in Serientagebuch

 

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