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Kais Filmtagebuch – „Basta – Rotwein oder Totsein“ (Deutschland/Österreich, 2004)

Hui, jetzt kommt was aus den Untiefen meiner Festplatte. Ist schon ein paar Tage her als ich es schrob…

Hin und wieder kommt es vor, dass ich einen Film in meiner Merkliste habe, den ich schon komplett vergessen habe. Und dann stolpert man auf einmal über dieses gute Stück das einem dereinst empfohlen wurde. Also macht sich der pflichtbewusste Tagebuchschreiberling natürlich sofort ans Werk, schaut „Basta“ an und tut der Welt seine Meinung kund.

Der Film beginnt, wo andere Filme aufhören, nämlich beim dramatischen Höhepunkt einer Geiselnahme vor der Gefängnistür. Die Polizisten haben die Waffen schon gezückt, und der Geiselnehmer (Oskar, unser Held), hat seine Geisel im Schwitzkasten. Seine Kumpels wollen ihn gerade abholen kommen, bzw. warten auf der Straße im Fluchtwagen. Das Einzige, was Oskar davon abhält, abzudampfen, ist Maria. Diese ist nicht nur die Gefängnispsychologin, sondern führt auch ein eher privates Verhältnis zu ihrem Patienten. Sie legt ihm Nahe, die Waffe sinken zu lassen, und zwei Jahre hinter Gittern zu sitzen, denn dann würde sie auf ihn warten. Im anderen Fall würde er sie nie bekommen. Nach kurzem Zögern hört Oskar auf die Gute und lässt sich überwältigen.
Als nächstes sehen wir das traute Zusammenwohnen der beiden Süßen. Das heißt Oskar kocht und Maria putzt Zähne. Ganz offensichtlich sind die 2 Jahre schon vergangen. Und sie unterhalten sich darüber, dass Oskar mit seiner verbrecherischen Laufbahn abschließen soll, und das Paar dann von dannen fährt. Zwei Polizisten, einer schweigsam, der andere japanisch lernend, hören die beiden ab. Die haben wohl sehr viel Vertrauen in die heilende Wirkung eines Gefängnisaufenthalts.
Schnitt auf ein Auto in dem zwei Heinis sitzen. Der eine ist Moritz Bleibtreu, wird in Zukunft aber Valentin genannt, der andere ist Belmondo, ein gut beleibter Gangster mit stark wienerischem Akzent (wen wundert’s, spielt die ganze Chose doch auch in Wien). Beide warten auf Oskar, um dann zu tun, was das Gangsterleben erfordert. Dieser jedoch hat gerade noch ein Gespräch mit der Verlegerin (und Freundin von Maria) Diana. Was genau in Oskars Buch „Secréts“ stehen soll, wird uns (noch) nicht verraten. Nach einem Handyanruf von Valentin macht sich Oskar auf den Weg zu den beiden, die schon ohne ihn anfangen dürfen. Auftrag des Dreiergespanns ist die Beschaffung der toten Tochter ihres Chefs/Mafiaoberhaupts Konstantin.
Beim Abliefern der Toten stellt Konstantin klar, dass er den Drogendealer Leo, frischgebackener Witwer und sein ehemaliger Schwiegersohn, nun gerne, da ja seine Tochter tot sei, auch unlebendig gemacht sehen will. Dazu beauftragt er Oskar und stellt ihm seinen Neffen Valentin zur Seite. Doch bevor es soweit kommen kann, müssen die beiden erst noch Schutzgeld eintreiben (die beiden Polizisten natürlich immer hinterher). Dabei kommen sie auch bei Dianas Verlag vorbei, denn Oskar will ihr sein Manuskript vorbeibringen. Valentin weiß nichts von Oskars Buchplänen, und ist auch nicht im Zustand, das mitzubekommen, verliebt er sich doch sofort in Diana.
Dass es mit Diana und Valentin was Ernsteres werden könnte, sieht man auch schon daran (mal abgesehen von einem Kuss), dass er sie zur Beerdigungsfeier der Gangstertochter eingeladen hat (obwohl da eigentlich der ganze Cast dabei ist, also ist es vielleicht doch nichts Besonderes). Im Zuge der Totenfeier und des Leichenschmauses bittet Oskar Konstantin darum, den Leo-Mord nicht machen zu wollen, sondern seine illegale Laufbahn beenden zu dürfen. Konstantin besteht aber darauf, dass er die Leo-Angelegenheit praktisch als letzten Auftrag ausführt.
Als Maria von dem Angebot erfährt, ist sie nicht begeistert. Ihr wäre es lieber, sie und Oskar würden gleich fliehen, ohne dass jemand sterben müsste. Der Streit artet derart aus, dass sie sich verabschiedet und die Nacht bei Diana zu verbringen gedenkt.
Die ist aber gerade mit dem Valentin in ihrem Bett beschäftigt. Er trägt ihr sogar ein selbstverfasstes Gedicht vor, aber sie ist vielmehr an seiner Waffe interessiert. Im Gegensatz zu Maria nämlich steht sie den verbrecherischen Tätigkeiten ihres Schatzies offenbar offen gegenüber. Die traute Zweisamkeit wird jäh von Marias Türklingeln unterbrochen. Während Diana versucht, ihre Freundin im Wohnzimmer zu trösten, entdeckt Valentin beim Ankleiden Oskars Manuskript und vermutet Verrat (ich meine, ein Mafiosi, der sein Buch „Secréts“ nennt, ist selbst schuld, wenn es Komplikationen gibt). Da allerdings im Manuskript nur die Danksagung steht, kann er auch nicht weiter eruieren, worum es geht. Aber angepisst ist er jetzt. Missgelaunt stapft Valentin ins Wohnzimmer, gibt Maria Leos Adresse (weil sie lieb gefragt hat vermutlich. Jetzt jedenfalls kann sie versuchen Leo zu warnen) und verpasst Diana eine ordentliche Watschen.
Natürlich fährt Valentin schnurstracks zu Konstantin und erzählt dort vom Verräterbuch. Der ist mehr als nicht begeistert und möchte gerne das gesamte Manuskript (das sich im Verlag befindet) in seinem Besitz wissen. Gleichzeitig fände er es auch echt knorke, wenn Oskar das Zeitliche segnen würde.
Leo dieweil ahnt, dass er nicht mehr lange zu leben hat und erwartet sogar schon Oskar als Assassine. Sein Plan zum Selbstschutz: Entführung von Oskars Freundin. Zum Glück klingelt die gerade an der Tür (da sie ja Leo zur Flucht bewegen will). Da kommt es auch noch gerade recht, dass Oskar anruft, und ein Treffen ausmachen will. Also gibt es ein kleines Gangstermeeting in einem Parkhaus zwischen Oskar und Valentin (der noch nicht wirklich an Verrat glauben mag) und Leo und seinen Bubis. Oskar bietet Leo an, dass er ihn entkommen lässt (damit Maria nicht mehr wütend auf ihn ist), aber Leo dreht den Spieß um, führt seine Mariageisel vor, der es sichtlich nicht gut geht, und fordert von Oskar, dass dieser verschwindet.
Auf der Rückfahrt ist Oskar nicht gut drauf. Valentin konfrontiert ihn mit dem Verräter-Verdacht. Es kommt zu einem Unfall. Als Oskar wieder aufwacht, liegt er in einem offenen Sarg und blickt in die Mündungen verschiedener Waffen und in die missgelaunten Gesichter von Konstantin, Valentin, Belmondo und Co. Oskar gesteht auf Nachfrage, dass er ein Buch geschrieben hat und gern veröffentlichen möchte, es sei allerdings ein Kochbuch. Das glaubt natürlich niemand. Konstantin trollt sich und gibt Valentin die Lizenz zum Töten, um nach verrichteter Arbeit gemeinsam mit Belmondo das Buch aus dem Verlag zu holen. Oskar jedoch gelingt es, Valentin von seiner Unschuld zu überzeugen, oder zumindest ihm eine Frist zu geben, bis er (also Valentin) einen Blick in das Buch geworfen hat.
Valentin und der wienerische Belmondo fahren also zum Verlag, um dort mit Diana zu reden und das Manuskript zu holen. Valentin möchte sich bei Diana entschuldigen, doch leider mischt sich Belmondo immer wieder ein. Irgendwann reicht es Diana und sie erschießt Belmondo. Das führt nicht nur dazu, dass dieser tot ist, sondern auch zur Versöhnung zwischen Diana und Valentin.
Leo inzwischen ruft Oskar an und möchte von ihm zusätzlich zu seinem Verschwinden auch noch gerne ne Millionen. Und Oskar solle sich beeilen, denn er wisse nicht, wie lange Maria noch das Waterboarding (und andere Folterei) aushält. Oskar selber hat natürlich nicht so viel Geld. Deshalb hebt er es von Konstantins Privatkonto ab. Als Konstantin davon erfährt, ist er noch unbegeisteter und befiehlt eine mafiöse Großrazzia.
Oskar trifft, von Valentin angerufen, im Verlag ein. Die drei überlegen sich einen Plan, wie sie den dicken Belmondoleichnam loswerden können. Doch gerade mitten in der schönsten Leichenschieberei kommen die zwei Superbullen. Allerdings nur, um Diana ein Manuskript zu geben, dass der schweigsamere der beiden über den Polizeialltag geschrieben hat. Nach kurzem Gerede verziehen sich die beiden auch wieder.
Oskar macht mit Leo die Geldübergabe in der Küche eines ihm bekannten Restaurants ab. Dieser kommt natürlich auch gleich mit seinen Leuten (die er allerdings vor der Hintertür stehen lässt). Während also Leo und Oskar über alte Zeiten reden (scheinbar erschoss Leo einen Freund von Oskar), befreien Diana und Valentin Maria aus Leos leichtbewachtem Versteck (nur zwei Heinzls sind da um aufzupassen). Nach dem Anruf Valentins schnappen sich Oskar und die Köche Leo, fesseln ihn und legen ihn auf einen Tisch.
Frohes Wiedersehen von Maria und Oskar in der Restaurantsküche. Maria entdeckt den zu backen fertig bereiteten noch lebenden Leo, und beschließt, ihn, wenn er durch ist, zu essen. Oskar allerdings hatte nie vor, in zu Tode zu backen, sondern ihm nur Angst zu machen.
Währenddessen betreten im Essbereich des Restaurants die beiden Polizisten das Gebäude, die nun von Valentin und Diana daran gehindert werden, in die Küche zu gehen. Das ist den Polizisten egal, das wollten die nämlich ohnehin nicht. Sie haben noch ein zweites Manuskript für Diana dabei. Schließlich betritt auch noch Konstantin mit seinen Schergen das Restaurant. Doch bevor er die Polizisten, deren Manuskript eine detaillierte Beschreibung der Wiener Mafiawelt ist, aufmischen kann, schiebt Oskar den halbgaren Leo herein (schön im Blätterteigmantel). Eine angespannte Situation mit vielen gezogenen Waffen. Maria, die Leo ein Messer ins Bein rammt, da sie ihn immer noch essen will, löst die Katastrophe aus. Leo nämlich, da ja nicht tot, schreit auf und alle schießen auf ihn. Jetzt ist er tot, und kann somit nicht miterleben, wie seine treuen Mannen durch die Schußgeräusche aufgeschreckt hereinstürmen und eine Schießerei entbrennt. Am Ende bleibt nur Oskar, als einzig Überlebender übrig.
Doch keine Angst, das ist gar nicht passiert. Wir befinden uns wieder bei der anfänglichen Geiselnahme, die ganze Handlung danach war nur die Vision von Oskar. Nachdem er den dramatischen Ausgang erkannt hat, beschließt er, doch lieber mit seinen Jungs (Valentin wie wir jetzt wissen) abzuhauen und nicht mit Maria zusammen zu kommen.
Der Abspann zeigt dann Szenen, wie sie in dieser Version der Geschichte passieren (so lernen sich Valentin und Oskar dennoch richtig kennen, nur unter anderen Umständen, und Leo kokst sich in den Tod).
Ich wollte eigentlich aus dem Film nur einen recht kurzen Tagebucheintrag machen. Leider bin ich daran gescheitert, obwohl ich schon etliche Szenen weggelassen habe (nicht nur, um nicht so viel schreiben zu müssen, sondern auch, um die Gags nicht zu verraten).
Der Film ist nicht schlecht, aber etwas surreal, naja, vor allem das Ende. Das Drehbuch wartet mit einigen kuriosen Einfällen auf, die gut zu Unterhalten wissen. Leider zünden nicht alle Dialoge. Wenn sich Valentin und Oskar beim Autofahren über den Einfluss des Kochens auf die Kultur unterhalten, und Amerika deswegen als kulturlos bezeichnen, merkt man dem ganzen zwar an, dass es gerne ein Pulp Fiction sein möchte (Stichwort Quarterpounder with Cheese), aber das kommt ein wenig unvermittelt und wird auch nicht auf eine ganz so coole Weise rübergebracht. Auch Marias Entschluss, ihren ehemaligen Peiniger unbedingt essen zu wollen, wirkt ein wenig zu abgehoben und wirkt auch nicht wie ein nachvollziehbarer Charakter-Turn. Immerhin stand sie ja immer für eine gewaltfreie Lösung ein. Gut, wer sich mit einem Mafiosi einlässt und sich dann beschwert, dass er das verbrecherische Tun nicht sein lassen kann, hat vielleicht ohnehin einen an der Waffel.
Das heißt jetzt nicht, dass der Film unlustig ist. Es gibt gute Pointen, vor allem wenn der österreichische Humor und der wienerische Dialekt in den Vordergrund treten, aber man merkt oft, dass der Film gerne noch ein wenig mehr wäre.
Das liegt nicht unbedingt an den Schauspielern. Henry Hübchen (bekannt aus „Alles auf Zucker“, „Commisario Laurenti“ und mehr) gibt den Mafiosi Oskar, dem kochen über töten geht. Er ist eher ruhig und gesetzt. Beides Eigenschaften, die nicht unbedingt zu Mafiosi oder Koch passen, aber immerhin ein Sympathieträger.
Corinna Harfouch (Maria) hat im Prinzip nicht zu tun. Am Anfang ist sie friedliebend, gerät dann in die Fänge eines Folterknechts und möchte ihn daraufhin essen. Wie gesagt, mit diesem seltsamen Umschwung tu ich mich schwer. Jemanden zu essen wirkt schon arg übertrieben. Dafür kann Frau Harfouch selbst ja nichts, aber sie kann eben auch nur wenig zeigen, wird sie ja hauptsächlich gefoltert. Als Magda Göbbels in „Der Untergang“ hat sie mir deutlich besser gefallen.
Zu Moritz Bleibtreu (Valentin) muß ich ja wohl nicht mehr viel sagen. Hier wirkt er routiniert, aber er glänzt nicht auf. Dennoch ist es immer wieder nett, ihn auf der Mattscheibe zu sehen.
Und Nadeshda Brennicke (Diana) sieht nicht nur ziemlich gut aus, sondern spielt auch richtig gut. Schade, dass sie nicht in größeren Produktionen spielt, sondern größtenteils für TV-Produktionen arbeitet. Ein Film in ihrer Vita interessiert mich dann aber dennoch, nämlich „Der Bär ist los! Die Geschichte von Bruno“, aber mehr aus kuriositätischen Gründen.
Noch ein Wort zur Musik. Diese klingt oftmals balkanesk, was ja verständlich ist, ob der osteuropäischen Mafia. Allerdings fehlt ein Lied, das im Ohr hängen bleibt. Das hätte die eine oder andere Szene vielleicht zusätzlich aufgepeppt.
Den Film darf man ruhig einmal anschauen. Und auch zweimal. Auch wenn nicht alles unbedingt so funktioniert, wie sich die Macher das vielleicht gedacht haben, kann man nicht sagen, dass es schlecht ist, oder nicht zu unterhalten weiß.

 
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Verfasst von - November 14, 2019 in Filmtagebuch

 

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Kais Filmtagebuch – „El Superbeasto“ aka „The Haunted World Of El Superbeasto“ (USA, 2009)

Wer Rob Zombie kennt, der weiß, dass der Kerl eine unheimliche Vorliebe für B-Splatter-Horror-Filme hat, und diese nicht nur in Songtexten einarbeitet, sondern auch selber gerne mal hinter der Kamera steht („Haus der 1000 Leichen“, die „Halloween“-Neuauflage von 2007). Was in seinen Filmen ebenso deutlich wird, ist seine ganz spezielle Art von Humor. Irgendwann dachte sich Herr Zombie, es wäre doch toll, einen Comic zu machen, und irgendwann später fand er es noch viel toller, daraus einen abendfüllenden Trickfilm ab 18 zu machen.

Drei Jahre lang hat es gedauert, bis das Projekt das Licht der Bildschirme erblickte. Das lag unter anderem an Rechtsstreitigkeiten, andererseits daran, dass zwischenzeitlich noch besagter Halloween-Film abgedreht werden musste, liegen. Es lag aber definitiv nicht an der zeichnerischen Qualität des Films.
Der Zeichenstil ist nämlich eine Mischung aus Ren & Stimpy, Scoobydoo und Spongebob, mit dem Unterschied, dass mehr Blut und Gedärme, und viel mehr Titt…ich meine weibliche, sekundäre Geschlechtsmerkmale zu sehen sind.
Allerdings darf man den Humor nur wenig mit dem der oben genannten Serien vergleichen. Der ist hier nämlich noch flacher und beschränkt sich hauptsächlich nur auf sexuelle Anspielungen. Ich muss jedoch zugeben, dass ich den Film aus technischen Gründen nur auf Deutsch sehen konnte, möglicherweise zünden die Sprüche im Originalton eher. Ein Beweis dafür wären die Songs (ja, es werden andauernd Lied-Montagen gebracht),diese sind im Originalton erhalten, und konnten mich, im Gegensatz zum Rest des Films gut unterhalten. Ich würde „El Superbeasto“ ja gerne unterstellen, dass er im angetrunkenen Zustand unterhaltsamer sei, aber auch das wage ich zu bezweifeln, Meines Erachtens nach ist der Film einfach nur öde (wohlgemerkt auf Deutsch, wenn ihn jemand mal auf Englisch anschauen sollte, kann er sich ja dazu äußern). Immerhin laufen im Hintergrund zahlreiche bekannte Horrorcharaktere herum, und, wie schon gesagt, die Lieder sind ganz gut.
Die Geschichte ist übrigens mehr als bescheuert und eigentlich nicht erwähnenswert, darum nur kurz: Dr. Satan will eine Frau mit besonderem Mal heiraten, um der Superteufel zu werden, aber El Superbeasto will die Alte knallen und deshalb auch retten.

So, genug gesagt. Ich werde mir den Film jedenfalls nicht nochmal anschauen.

 
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Verfasst von - Februar 27, 2017 in Filmtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

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Kais Filmtagebuch – „Pain & Gain“ (USA 2013)

Kais Filmtagebuch – „Pain & Gain“ (USA 2013)

„Pain & Gain“ ist einer dieser Filme, von denen ich, als ich den Trailer gesehen hatte, überzeugt war, ihn unbedingt sehen zu müssen. Nicht, weil er besondere Kunst versprach, sondern, weil die Kombination aus Bay-Wahlberg-Johnson mit knallbunter Optik eine solide Popcorn-Unterhaltung in Aussicht stellte.

Es war 1994, und in Miami bräunt sich, am Strand allerhand Muskelmasse. Danny Lugo, verurteilter Betrüger und leidenschaftlicher Bodybuilder, ist der Protagonist von „Pain & Gain“. Nach seiner Verurteilung kommt er nach Miami und sucht dort nach einer Möglichkeit Geld zu verdienen. Nicht nur, um seine Geldstrafe abzubezahlen, sondern auch, weil er gerne selbst ein gutes Leben führen würde. Klar, dass man das mit einem Job als Trainer in einer Muckibude schlecht erreichen kann. Glücklicherweise kommt Lugo in seinem Metier nicht nur mit reichen Schnöseln in Verbindung, sondern trifft auch zwei Muskel-Kollegen, die selber gerne mehr von allem, vor allem aber Geld hätten. Adrian Doorbal und Paul Doyle haben aber beide recht wenig in der Birne, und so braucht das Trio mehr als einen dämlichen Versuch, bis sie Victor Kershaw endlich in ihrer Gewalt haben. Und selbst dann stellen sie sich alles andere als sehr geschickt an. Aber immerhin schaffen sie es, an das Geld zu kommen, in dem sie Kershaw eine Menge Verträge und Überweisungen unterschreiben lassen. Zu guter Letzt soll der arme Kerl dann auch noch mit seinem Leben bezahlen, doch dass bekommen die Aushilfsgangster auch nicht richtig auf die Reihe. Kershaw überlebt, aber da ihm niemand glauben schenken will, spielt das eigentlich keine Rolle. Dumm nur, dass die drei Bodybuilder bald wieder in Geldnöte gelangen und sich dann ein neues Opfer suchen müssen.

Man merkt schon, der Film ist stellenweise albern. Umso erstaunlicher ist es, dass er auf wahren Tatsachen beruht, und zwar nicht auf die Weise, wie das Texas Chainsaw Massacre (das gab es mal nen Typen, der hat Leute tot gemacht, duh), sondern auf die Weise, dass der Film doch schockierend nah an den Ereignissen dran ist und im Prinzip nur marginale Veränderungen vorgenommen wurden.

Der größte Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit ist wohl die Tatsache, dass einige Mitglieder der Sun Gym Gang zu The Rocks Charakter zusammengefasst wurden. Neben Lugo (dessen Idee es übrigens war, die Hände der Mordopfer zu grillen) und Doorbal (der wohl deutlich gewaltbereiter als im Film dargestellt war), gab es noch Juan Delgado und mehrere weitere, die jedoch alle eine weniger große Rolle im Entführungsfall Marc Schiller (so hieß der reiche Typ nämlich eigentlich) spielten. Delgado war ein Geschäftspartner von Schiller, bevor er sich mit Lugo anfreundete, was dem Geschäftsmann so zuwider war, dass er die Partnerschaft aufkündigte. Über Delgado und sein Hintergrundwissen geriet dann auch Schiller in Lugos Visier.
Während die vielen Entführungsversuche (insgesamt 8) so ungefähr tatsächlich von statten gingen (ja, auch mit Ninjakostümen), erkannte Schiller seine Entführer nicht am aufdringlichen After Shave, sondern am auffälligen Lispeln Lugos. Nach Schillers Flucht aus dem Krankenhaus (also auch, nachdem er zweimal überfahren wurde) lebte er nicht in irgendeinem Motel wie im Film dargestellt, was mich ohnehin wunderte, wie er das bezahlen konnte, sondern kam zunächst bei seiner Schwester unter.
Ed Du Bois, der von Schiller angeheuerte Detektiv, findet zwar bald einige Hinweise auf die Entführer. Jedoch schenkte die Polizei den beiden keinen glauben. Und so blieb Schiller vorerst in seinem südamerikanischen Heimatland. Immerhin verbreiteten die Nachforschungen bei den Mitgliedern der Sun Gym Gang bald Nervosität. Das hinderte diese jedoch nicht daran, sich einen anderen wohlhabenden Einwohner Miamis als Entführungsopfer auszusuchen. Im Großen und Ganzen verläuft das zweite Vorhaben sehr viel weniger gut, und am Ende gibt es Tote. Naja, eigentlich war das ja auch schon der Plan der ersten Entführung, und eher Zufall, dass Schiller überlebt hatte.
Das Verschwinden von Frank Griga und seiner Freundin blieb nicht lange unbemerkt. Nachbarn und Freunde schalteten bald die Polizei ein. Und da die Namen von Daniel Lugo und Adrian Doorbal fielen, wurde auch die Verbindung Fall Schiller gezogen. So wurde die Sun Gym Gang schließlich doch festgenommen.
Der Prozess, im Film nur noch kurz zum Schluss abgehandelt, zog sich über einige Zeit hin. Seltsam ist die Art, wie die Verhandlung von Lugo und Doorbal lief. Beide haben nämlich ihre eigene Jury gehabt, und diese mussten an manchen Zeitpunkten den Saal verlassen um nicht von Aussagen im Fall des anderen Angeklagten beeinflusst zu werden. Am Ende sprangen für beide die Todesstrafe raus, während Delgado noch mit 20 Jahren davon kam, da er zu Prozessbeginn schnell wichtige Aussagen tätigte.
Kurioserweise wurde auch Schiller noch wegen einer Art Versicherungsbetrugs verurteilt. Seine ursprünglichen 35 Jahre wurden aber bald zu 46 Monaten reduziert wegen den Erlebnissen, die er durchgemacht hatte und seiner Mithilfe beim Sun Gym Gang-Prozess.

Kennt man die Einzelheiten der Hintergrundgeschichte, so kann man sich auf Grund des fortschreitend dämlichen Verhaltens der Entführer leicht vorstellen, wie man auf den Gedanken kam, dem Film einen eher leichten humorigen Ton zu geben. Dennoch scheint mir, dass vor allem der Doppelmord mit Zerstückelung der Leichen etwas zu sehr auf die leichte Schulter genommen wird. Und man versteht, warum Marc Schiller von „Pain & Gain“ alles andere als begeistert ist. Schließlich wird er dort auch noch als zutiefst unsympathischer Arsch gezeichnet.

Für Michael Bay stellt der Film eine Art Lebenstraum dar, immerhin lag die Idee zum Film 10-12 Jahre auf seinem Schreibtisch. Sein Engagement mit dem Transformer-Filmen verhinderten jedoch immer wieder die Realisation. Interessant ist, dass er sagt, er wollte einen Low Budget-Film machen. Doch auch wenn Bay, Johnson und Wahlberg mit geringerer Gage als üblich gearbeitet hatten betrug die Summe über 20 Millionen Dollar, was allerdings dennoch das geringste Budget für einen Bay-Film seit dem ersten Bad Boys darstellt.

Mark Wahlberg, Dwayne Johnson und Anthony Mackie legten für den Dreh ordentlich Muskelmasse zu. Alle drei machen ihre Sache gut, wobei Dwayne Johnson einen Charakter spielt, dessen Erscheinung nur wenig zu seinem Charakter passt.

Rebel Wilson (Fat Amy) ist die Freundin von Doorbal, die er später auch heiratet, und ziemlich durchgeknallt. Ein für sie typischer Charakter eben. Das trifft auch auf Ed Harris zu, der den Privatdetektiv Ed Du Bois gibt. Sie werden also nicht sehr gefordert, sondern fahren in gewohnten Gewässern, aber man merkt, dass sie Spaß dabei haben.

Tony Shalhoub ist das Entführungsopfer Victor Kershaw. Wieder einmal zeigt sich, dass er mehr als nur Monk kann, wobei das ja nun auch schon 7 Jahre her ist, und er seitdem einige andere Rollen gespielt hat.

„Pain & Gain“ ist also tatsächlich ein lustiger, aber auch ziemlich zynischer Film in knallbunten Farben. Sicher, keine große Kunst, aber man merkt doch, dass jeder mit Spaß an der Sache dabei war.

Ach ja, Daniel Lugo und Adrian Doorbal sitzen noch immer hinter Gittern und erwarten die Todesstrafe. Lugo versucht sich noch mit allerhand Anträgen davor zu bewahren, Doorbal verbringt sich die Zeit damit, online Freunde zu finden und chatten.
Jorge Delgado wurde bereits 2002 entlassen, allerdings 2008 wieder auf Bewährung verurteilt, allerdings nur für ein Jahr. Das alles Stand 2013. Wer sich mehr für die Hintergründe interessiert, kann gerne selber die dreiteilige Reportage darüber lesen, die hier online verfügbar ist. Und es gibt einen „Pain & Gain Retribution Song“ vom originalen Ed Du Bois.

 
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Verfasst von - August 4, 2016 in Filmtagebuch

 

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Kais Filmtagebuch „Harold and Kumar – Escape from Guantanamo Bay” (USA, 2008)

Kais Filmtagebuch „Harold and Kumar – Escape from Guantanamo Bay” (USA, 2008)

Ich habe da ja so eine kleine Merkliste, in der ich Filme führe, die mir irgendwelche Menschen zu irgendeinem Zeitpunkt nahe legten zu sehen. Da es aber dauern kann, bis ich Lust habe, den einen oder anderen Film zu schauen, ist diese Liste mittlerweile schon richtig lang geworden. Darum kann es auch immer ein wenig dauern, bis ich eine Filmempfehlung genauer anschaue, also nicht enttäuscht sein, wenn es seine Zeit braucht, bis die Filme hier gewürdigt werden. „Harold und Kumar“ empfahl mir damals ein Hotelkollege, kurz nachdem ich „Four Lions“ gesehen habe (übrigens sehr empfehlenswert, aber auch sehr schwarzhumorig).

Natürlich kann ein Film, der ein so heikles Thema wie ein Gefängnis, in dem Gefangene ohne Verurteilung jahrelang einsitzen, als Motivation für ein Buddy-Drogen-Roadmovie hernimmt, nicht gänzlich ohne Eklat auskommen. So forderte  „Amnesty International USA“ seine Mitglieder auf, vor den Kinos Flyer auszuteilen mit Informationen zu Guantanamo (und einem „Guantanamo is no joke“-Slogan). Wie der gemeine Zuschauer aber bald feststellen kann, verbringen die beiden Herren nicht einmal 15 Minuten (bzw. eine Filmstunde) im Gefängnis.

Der Film beginnt mit Harold unter der Dusche (nein, es gibt nicht viel zu sehen, und das, obwohl John Cho zu einem der sexiest men alive gekürt wurde), der von Maria träumt, seinem Herzblatt aus dem ersten Teil. Die ist aber dummerweise nach Amsterdam geflogen, so dass Harold und Kumar beschließen, ihr hinterher zu reisen, damit Ersterer ihr seine unsterbliche Liebe gestehen kann.

Am Flughafen trifft unser dynamisches Duo auf Kumars Ex-Freundin mit ihrem neuen Freund, den sie in Bälde zu heiraten gedenkt. Das gefällt Kumar gar nicht, der noch immer Gefühle für die holde Maid hegt. Übrigens hat der Ehemann in Spe Kontakte in höchste Regierungskreise.

Im Flugzeug folgt Kumar Harold auf die Toilette um mit Hilfe einer selbstgebastelten rauchfreien Bong in den „very-high“-Club zu kommen (sprich, sich in 10 000 Metern Höhe zu zu dröhnen). Eine Dame älteren Semesters, die ob Kumars nah-östlichem Aussehen ohnehin schon ziemlich nervös war, sieht Kumars Gerät (also die Bong jetzt) und versetzt die Passagiere in helle Aufregung. Es hilft auch nicht gerade, dass die Aussprache des angekifften Kumar „Bong“ und „Bomb“ sehr ähnlich klingen lässt. Harold und Kumar werden von den Sky Marshals überwältigt. Die Beiden werden zurück nach Amerika gebracht und da Ron Fox, dem Verantwortlichen CIA-Menschen übergeben (der aber selbst eigentlich nur die zweite Geige ist, jedoch will er Numero Uno nicht beim Eisfischen stören). Ron Fox kommt, dank seiner rassistischen und cholerischen Neigungen, schnell zu dem Schluss, Harold und Kumar nach Guantanamo Bay zu verfrachten. Dort finden sich die Beiden wieder, doch bevor sie sich dem obligatorischen „cock-meat-sandwich“ des Wärters widmen können (oder die Ziege näher beachten, die in ihrer Zelle rumsteht), sorgen die zwei von der Nachbarzelle für Ablenkung durch einen Ausbruchversuch (beginnend damit, dass einer von ihnen herzhaft in das „Sandwich“ des ihnen zugeteilten Wärters beißt). Harold und Kumar können die Gunst der Stunde nutzen (und die Leiche des einen Ausbrechers, die quer über dem Stacheldrahtzaun hängt) und entkommen. Mit Hilfe eines Floßes illegaler kubanischer Einwanderer gelangen sie sogar nach Amerika. Nun folgt eine bizarre Situation nach der anderen, aus denen sich die Beiden immer wieder herauswinden, unterbrochen von den Versuchen Ron Foxes, die Spur der zwei aufzunehmen, bzw. nicht zu verlieren.

In Miami besucht das Ausbrecherduo zunächst einen Freund, der eine „unten ohne“-Party schmeißt. Zum Glück bestehen die geladenen Gäste nur aus Frauen, bei denen der Kameramann sichtlich vergnügt draufhält (mit seiner Kamera!). Von ihrem Kumpel bekommen sie jedenfalls neue Klamotten und einen fahrbaren Untersatz. Jetzt gilt es nur noch, von Miami nach Texas zu kommen, um dort Colton, den baldigen Ehemann um einen kleinen Gefallen zu bitten.

Ron Fox verhört währenddessen die Eltern. Dabei lässt er seinen Vorurteilen freien Lauf. Wie uns der Film noch zeigen wird, ist das seine übliche Vorgehensweise beim Umgang mit Minderheiten. So versucht er zum Beispiel ein schwules, jüdisches Pärchen mit einem Sack Münzgeld zu bestechen, was auf nur wenig Erfolg stößt (auch wenn sie beim Gehen doch ein paar Münzen einstecken). Auf der Fahrt erinnert sich Kumar daran, wie seine Ex, Vanessa heißt sie, ihn zu seinem ersten Joint überredet hat (in der Uni-Bibliothek). Tja ja, die Frauen sind eben die Wurzel allen Übels, zumindest hier.

Harold hat die Karre unterdessen in den Sand gesetzt, beziehungsweise in einen von Schwarzen bevölkerten Vorort und dort dann auf einen Hydranten. Das Auto ist hin, und als unsere Helden eine Gruppe grimmig dreinblickender Afroamerikaner auf sich zukommen sehen, ergreifen sie die Flucht auf Schusters Rappen. Wären sie noch ein bisschen geblieben, hätten sie bemerkt, dass die Gruppe ihnen nur helfen wollte, so müssen sie sich jetzt eben durch den dunklen Wald schlagen.

Im Wald treffen sie auf einen Redneck-Jäger (Rednecks, die Hinterwäldler Amerikas), der sie bei sich in seiner Hütte aufnimmt. Jedenfalls sieht es von außen wie eine Hütte aus, innen ist das Gebäude sehr stilvoll und modern eingerichtet und eine hübsche Frau steht am Herd. Beim gemeinsamen Nahrungs- und Drogenkonsum lachen die vier noch über gängige Redneck-Vorurteile (wie zum Beispiel, dass diese oft ihre Geschwister ehelichen und dann missgebildete Kinder zeugen, die sie in den Keller sperren), bis es an der Tür klopft. Harold und Kumar verstecken sich im Keller, wo sie (ta-daa!) auf den Zyklopen-Sohn des Ehepaares treffen (tja, die sind wirklich Geschwister. Bei „Game of Thrones“ kamen da aber keine Zyklopen bei raus).

Geklopft hatte zum Glück nur der Nachbar, sodass Harold und Kumar die Nacht bei Rednecksens verbringen können. Während Kumar einen bizarren Sextraum mit seiner Ex und einer manns- bzw. frausgroßen Tüte Marihuana hat, kommt Harold nicht so recht zur Ruhe, all dieweil der Zyklopenjunge neben ihm schläft. Als dieser ihn beißt, wird es ihm zu ungemütlich. Er schnappt sich Kumar und die beiden sind wieder unterwegs.

Immer noch im Wald stolpern sie in eine Versammlung des Ku-Klux-Klans Als sie entdeckt werden, müssen sie natürlich fliehen. Dabei bietet sich an, dass ein Autofahrer sie per Anhalter mitnimmt. Wie sich zeigt, ist der Autofahrer kein anderer als Neil Patrick „Barney Stinson“ Harris. Und obwohl er ja im echten Leben schwul ist, ist er hier ein Barney-artiger Frauenheld (Überkompensation?). Darum gibt es, nach einer überstandenen Polizeisperre, zur Feier des Anlasses einen Besuch im Freudenhaus. Dort läuft alles ganz gut, Harold heult sich bei seinen Prostituierten aus, Kumar bei den seinen, bis schließlich die Rubensdame, die sich Neil mit aufs Zimmer nahm, schreiend herausgerannt kommt. Neil hat ihr nämlich sein persönliches Brandzeichen verpasst. Das bringt die Damen des horizontalen Gewerbes gehörig in Aufruhr, sie greifen zu den Waffen. Harold und Kumar können gerade noch entkommen, nur Neil muss sein Leben lassen.

Während der ganzen Chose gab es noch einen Zwischenschnitt auf Vanessa,  die wohl doch nicht ganz so glücklich mit ihrem Colton ist, verbietet der Schuft ihr doch immerhin das Kiffen.

Endlich kommen Harold und Kumar am Ort des Geschehens an. Harold sucht Colton, um ihm ihre missliche Lage zu schildern, während Kumar ein wenig mit Vanessa schäkert. Bevor da jedoch mehr daraus werden kann, kommen Colton und Harold vorbei. Colton hat sich bereit erklärt, den zwei Nasen zu helfen und nimmt sie mit zu seinem privaten Flughangar. Doch anstatt sie zu seinem Vater zu begleiten, übergibt er die Ausbrecher Ron Fox. Colton ist nämlich nicht nur ein Schuft, sondern sogar ein richtiger, und um zu verhindern, dass seine Hochzeit von Kumar gestört wird, lässt er die zwei wieder nach Guantanamo verfrachten.

Auf dem Flug gibt sich Fox ganz den Tönen von Kenny Logins´“Danger Zone“ hin, bekommt aber Dank der Kopfhörer nicht mit, wie Harold und Kumar ihre zwei Wachmännchen mit Pfefferspray außer Gefecht setzen. Als Fox es mitbekommt, ist es zu spät, da auch sein Assistent sich gegen ihn wendet. Der hatte nämlich schon die ganze Zeit etwas gegen dessen Vorgehensweise. Dummerweise ist der Assi ein Trottel, öffnet die Flugzeugtür und fällt hinaus. Wie auch die anderen. Zum Glück hat Harold jedoch einen Fallschirm in die Finger bekommen, sodass er und Kumar ganz sanft zu Boden und durch das Dach eines Hauses krachen können.

Das Haus ist kein anderes als das des damaligen Noch-Präsidenten George W. Bush. Nachdem die drei ihre gemeinsame Vorliebe für Marihuana verschiedenster Sorten entdeckt haben, erklärt sich W. auch schnell bereit, Harold und Kumar zu helfen.

So können diese also flankiert vom Secret Service die Hochzeit entern und Colton verkloppen. Vanessa jedoch ist sauer, nicht, weil Colton sie angelogen hatte, sondern, weil das „der peinlichste Moment ihres Lebens“ sei. Kumar kann sie jedoch schnell wieder für sich gewinnen, indem er ein für ihn peinliches, selbstgeschriebenes Gedicht rezitiert.

Fehlt zum Happy End nur noch der erfolgreiche Ausflug nach Amsterdam, damit Harold auch seine Maria herzig umarmen kann (Und zum ganz happygen Ende muß man bis nach dem Abspann warten).

Eines vorweg, ich habe nicht alle blöden Sprüche und Situationen, die der Film so beherbergt, zitiert, damit zukünftige Zuschauer immer noch Spaß beim Ansehen haben können.

„Escape from Guantanamo Bay“ vereint Merkmale verschiedenster Filmtypen, darunter welche von „Buddymovie“, oder „Roadmovie“, reiht sich dank der zentralen Rolle, die der Marihuanakonsum einnimmt in die lange Riege der „Stoner-Movies“. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass Frauen nur Nebenrollen zugeteilt bekommen, was auch hier völlig zu treffend ist.  Dieses Filmgenre entstand Ende der 70er Anfang der 80er Jahre, ausgelöst durch den Film „Viel Rauch um nichts“ des Komikerduos Cheech und Chong. Diese begannen zunächst mit  Schallplatten, kamen aber schnell zum Film (naja, knapp 8 Jahre, so schnell ist das dann vielleicht doch nicht). Seit den 90ern sind Stonermovies nicht mehr nur ein Produkt der USA, sie sind auch auf den internationalen Markt übergeschwappt. Man denke nur an den britischen „Grasgeflüster“ oder den deutschen „Lammbock“. Interessanterweise sind auch chinesische Filmschmieden mit „Help me Eros!“ auf den Zug aufgesprungen. Wer also schon immer bekiffte Asiaten sehen wollte, nun habt ihr die Möglichkeit.

Die Stonermovies haben sich mittlerweile auch schon weiterentwickelt. So gibt es jetzt nicht mehr nur Kiffer-Komödien, manche werden mit anderen Elementen aufgefrischt. „Ananas Express“ hatte mit seinen Action-Elementen einen enormen Erfolg, 2006 gab es sogar einen Drogen-Musical-Film („Kifferwahn“).

Der erste Drogenfilm ist aber wohl „Reefer Madness“ von 1936. Eigentlich ein Anti-Drogen-Propaganda-Film, der dank seiner inhaltlichen und technischen Schlechtigkeit heutzutage einen unterhaltsamen Ruf genießt.

Das war jetzt ein kleiner Exkurs, eigentlich geht es ja nur um „Harold and Kumar: Escape from Guantanamo Bay“. Inhaltlich wirkt der Film, wie oben schon angedeutet, sehr Episodenartig. Die Beiden stolpern von einer kuriosen Situation in die andere. Dabei fällt es natürlich schwer, eine richtig kohärente Geschichte zu erzählen, und der Film wirkt sehr oft gestreckt, wenn die Episoden nirgendwo hin führen. Glücklicherweise funktioniert der Humor, sodass die Zeit wie im Flug vergeht.

Die Witze beziehen sich meist auf Klischees, das zeigt sich vor allem in den Verhörmethoden Ron Foxes. Sehr gelungen finde ich, wie dann einerseits mit ebendiesen gebrochen wird, nur um manche dann kurz darauf doch wieder als wahr darzustellen.

Harold ist der ordentlichere des Duos. Er bügelt seine Hemden, geht arbeiten, und versucht, besonnen zu agieren. Er ist praktisch der genaue Gegenpol zu Kumar. John Cho merkt man deutlich an, dass ihm das liegt und er auch schon Erfahrung mit dem Charakter hat. Demnächst wird er übrigens wieder als Sulu im neuen Star Trek-Film zu sehen sein. Und auch sonst kann er auf eine schon ziemlich lange Filmgeschichte zurückblicken, die von „American Pie“ bis hin zu „Flash Forward“ reicht.

Kumar ist, wie schon gesagt, das Gegenstück zu Harold. Er ist arbeitslos und der destruktive Part der Beiden. Und damit auch an dem ganzen Malheur schuld. Wenn man Kal Penn mit seiner schicken Sturmfrisur so sieht, kommt man nicht so leicht auf die Idee, dass er (anständig frisiert) nicht nur in „How I Met Your Mother“ den Psychologen Kevin spielt, der eine Affäre mit Robin hat, sondern auch als Associate Director im Office of Public Liaison im Weißen Haus tätig war. Dort sollte er vor allem die asiatisch-amerikanische Gemeinde ansprechen. Auch vor „Harold und Kumar“ sammelte er, ähnlich wie John Cho, Erfahrungen im Komödiensektor. In „Party Animal“ war er Taj Mahal Badalandabad.

Rob Corddry spielt immer gerne unsympathische Personen. Sei es in „The Office“, „Love Vegas“ oder „Chuck und Larry“. Da er diese Rolle aber offenbar gerne übernimmt, ist er die perfekte Besetzung.

Zu erwähnen wäre noch James Adomian als George W. Bush. Seine Ähnlichkeit hat ihn schon in manche Comedy-Sendung gebracht („Mad TV“, „The  Late Late Show“) und er kehrt auch immer wieder dazu zurück. Seinen ersten Imdb-Eintrag hat er aber als Vincent Price. Mir ist bisher nie wirklich aufgefallen, dass der Schauspieler und der Ex-Präsident sich ähnlich sehen.

Ein amerikanischer Kritiker einer evangelischen Organisation riet von dem Film ab, da seine Protagonisten gegen 9 von 10 Geboten verstoßen würden. Ich persönlich rate nicht vom Filmgenuß ab. Allerdings bescheinige ich ihm auch nicht, die beste Komödie aller Zeiten zu sein. Auf jeden Fall stellt er aber einen hübschen Zeitvertreib dar, dessen Witze gar nicht so blöd sind, wie sie auf den ersten Blick wirken. Ich meine, vor allem diejenigen welche, die sich auf Klischees und Vorurteile beziehen. Außerdem bekommt ein Film, in dem „Danger Zone“ gespielt wird, von mir immer einen zusätzlichen Pluspunkt.

 
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Verfasst von - Mai 9, 2013 in Filmtagebuch

 

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Kais Filmtagebuch, „Robo Geisha“ (Japan, 2009)

Kais Filmtagebuch, „Robo Geisha“ (Japan, 2009)

Noboru Iguchi ist mir seit „Zombie Girl“ ja der liebste aller japanischen Billigregisseure (und vielleicht auch nur, weil mir auf Anhieb nicht so viele andere einfallen). Daher war es mir eine Freude, auf Vickys Vorschlag hin, „Robo Geisha“ als Filmtagebuch zu verwursten.

„Robo Geisha“ ist 2009 entstanden, also rund zwei Jahre vor „Zombie Girl“, und man merkt dem Ganzen schon an, dass er nicht so viel Geld  zu Verfügung hatte. Aber dazu später mehr…

Der Film beginnt mit einem Präsidentschaftskandidaten (natürlich Kandidat für das japanische Präsidentenamt), der sich mit einer Geisha vergnügt, als sein Berater hereingestürmt kommt und ihn vor einem Erpresser warnt. Entweder er ziehe seine Kandidatur innerhalb von 3 Minuten zurück, oder er stirbt. Hierauf folgt zunächst ein Monolog des Kandidaten darüber, was man in 3 Minuten auf der Toilette erledigen kann und schickt seinen Berater fort. Er möchte lieber mit der Geisha intim werden. Als der Kandidat ihr aber auf die Titte drückt, drehen bei der Geisha die Augen durch und sie zeigt ihr wahres Roboterwesen. Da sie allerdings nicht alleine mit den Bodyguards des Kandidaten fertig wird (oder keine Lust hat, alles selber zu machen), teilt sie sich, wie damals in inquisitorischen Zeiten die eisernen Jungfrauen, einmal in der Mitte und herausspringen zwei Frauen mit Penismasken (und Penis BHs). Während die Bodyguards sich also mit den Penisdämonenroboter (sogenannte Tengun-Kriegerinnen, basierend auf echten Gestalten der japanischen Mythenwelt) beschäftigen, geht die böse Robo Geisha mit dem Kandidaten stiften (ha, wusste ich es doch, die hatte keinen Bock auf die ganze Arbeit). Bevor sie aber den Kandidaten mit Hilfe einer Kreissäge, die ihr aus dem Mund wächst, entleiben kann, eilt die gute Robo Geisha (ich kann den Namen ja schon  mal verraten, sie heißt Yoshie) zur Rettung, schießt die böse Geisha mit ihrer Perückenkanone ab und erzählt dem Kandidaten dann in aller Ruhe ihre Geschichte (während nebenan noch die Penisdämoninnen Ninjasterne aus ihren Hintern verschießen).

Am Anfang war Yoshie nämlich gar keine Geisha (und auch kein Roboter), sondern nur, obwohl die hübschere, die Putze, Prügelknabe und Mädchen für alles für ihre Schwester Kikue, die selber eine richtige Geisha ist. Als Kikue ihre Schwester aber eines Tages ein bisschen verhaut, weil sie ihr durch ihre Tollpatschigkeit einen Geisha-Auftritt versaut hat, wird Yoshie so wütend, dass sie glatt ein Telefonbuch zerreißt (und das in Japan, da sind die Dinger doch gerne mal doppelt so dick wie hier). Das beobachtet der Geisha-Gast und Geschäftsmann Hikaru. Von den Kräften beeindruckt, lädt er Yoshie ein, sich mit ihm im Wald zu treffen (sehr seriös). Interessant dabei ist, dass er sie, gleich nachdem sie angekommen ist, fragt, ob er sie nach Hause bringen darf. Jedenfalls begegnen sie unterwegs einer Verflossenen von Hikaru, die die beiden mit einem Messer…ich sag mal angreift. Im Prinzip rennt sie nur mit der ausgestreckten Klinge auf die beiden zu, und das nicht einmal schnell, sieht eher so aus, als würde sie jeden Moment hinfallen. Doch es reicht, dass sich Yoshie bedroht fühlt, sie springt in die Luft und schickt die Angreiferin mit gezielten Fußtritten (im Matrixstyle, das heißt in der Luft schwebend) zu Boden. Hikaru ist begeistert die Richtige gefunden zu haben (das heißt doch nichts Gutes). Yoshie eilt heim, während Hikaru die Penisdämoninnen herbeiruft, damit diese der Ex den Rest geben (sie bespritzen die Gute mit säurehaltiger Milch aus ihren Brüsten).

Kurz darauf werden die beiden Schwestern eingeladen, den Firmen- und Familiensitz von Hikaru  zu besuchen. Die beiden stapfen also durch die Pampa und sehen das riesige, altertümliche Gebäude (ähnlich einer Pagode) nicht, bis sie direkt davor stehen. Übrigens finden wir unterwegs noch heraus, dass die beiden Waisen sind, und Kikue (die Ältere) immer versucht hat, die beiden durchzubringen. Im Firmensitz gibt es zunächst Essen mit Hikaru und seinem Vater. Dann enthüllt dieser, dass das nicht nur eine Stahlfabrik sein, sondern auch eine Waffenfabrik (im Hintergrund baumelt währenddessen die schönste cartoonesksche Rakete, die ich je in einem Film gesehen habe). Natürlich ist das alles eine Falle. Die beiden Schwestern werden zur Roboter Geisha-Miliz gebracht, und werden dort gezwungen gegeneinander bis zum Tod zu kämpfen. Kikue ist dazu nur allzu gerne bereit, gibt sie doch Yoshie die Schuld an allem. Yoshie geht natürlich als Siegerin hervor, aber immerhin muß sie ihre Schwester nicht umbringen, scheinbar reicht es doch, sie einfach zu besiegen (Pfui, ich fordere Einhaltung der Regeln!). Die beiden werden in das Robo Geisha-Programm aufgenommen. Yoshie punktet dabei mit ihrer natürlichen Begabung und Kikue mit ihrem Hass auf Yoshie und ihrem Einsatz. Belohnt werden sie mit immer weiteren Roboterbauteilen. So bekommt Kikue eine Tittengatling, mit der sie beim Schießtraining alle anderen in den Schatten stellt (wobei sogar ich bei der geringen Entfernung die lebenden Ziele treffen würde). Yoshie darf mit Achselklingen Menschen meucheln. Zum Abschluss des Trainings gibt es dann noch einen Probe Einsatz gegen drei Samurai-Yakuza. Dabei wird die Robo Geisha-Truppe überraschenderweise mächtig aufgerieben. Kikue muß sich sogar vor Yoshie stellen und ihr das Leben retten (und sich selbst verwunden lassen). Zu guter Letzt gewinnen aber die Robo Geishas, und Yoshie kann den ganzen Ruhm einheimsen, da sie den Yakuza-Chef gekillt hat.

Yoshie ist also fortan erfolgreich als Killerin unterwegs. Zumindest so lang, bis sie eine alte nette Dame umbringen soll. Diese ist nämlich Leiterin einer Widerstandsgruppe gegen den Hikaru-Konzern. Die Gruppe möchte die verschwundenen Mädchen, meist Familienangehörige, wieder zurückholen. Yoshie, von der Gruppe nett behandelt, bekommt Gewissensbisse,  und sie erkennt, dass der Konzern, für den sie arbeitet, nicht so ganz koscher ist. Darum ist es kein Wunder, dass sie die Gruppe, während diese die japanische Version von Kumba Ya (oder so, immer diese Weltverbesserer und ihre Gitarren) singen, nicht hinterrücks über den Jordan schicken kann. Sie hilft ihnen sogar, zu fliehen.

Hikaru sieht so etwas natürlich nicht gerne. Dennoch gibt er Yoshie, ob ihres herausragenden Talentes, noch eine Chance. Sie soll zwei Terroristenbrüder umbringen. Tut sie dies nicht, wird Kikue um die Ecke gebracht. Alles läuft bei dem Einsatz prima, sie sticht dem einen die Augen mit Shrimps aus und haut dem anderen den Kopf in den Rumpf. Letzterer erholt sich aber immer wieder und erzählt von der Geheimwaffe Hikarus, die ganz Japan zerstören soll. Bevor Yoshie allerdings davoneilen kann, um Hikaru zu stoppen, jagt sie aus Versehen den Bombengürtel des Shrimp-geblendeten Bruders hoch. In der Firmenzentrale ist man hoch erfreut, dass Yoshie explodiert ist und der Plan, sie aus dem Weg zu schaffen so gut funktioniert habe (was ist das denn für ein Plan, zu hoffen, dass Yoshie den Bombengürtel aktiviert). Nur Kikue ist traurig, dass ihre Schwester tot ist und hält einen Sermon darüber, wie doll sich Geschwister streiten und hassen können und dennoch traurig sind, wenn einer davon stirbt.

Yoshie ist natürlich, Überraschung Überraschung, nicht tot, ihr fehlen nur ihre Beine. Glücklicherweise wird sie von der Widerstandsgruppe aufgelesen, die sie wieder zusammenflicken. Als Yoshie wieder zu Bewusstsein kommt, ist die Gruppe gerade dabei, zur Firmenzentrale aufzubrechen, um die Mädchen heraus zu verlangen. Yoshie will sie natürlich daran hindern, ist aber zum einen zu geschwächt und zum anderen stellt ihr die alte Lady den Strom ab.

Hikaru wandelt Kikue inzwischen zu einem vollständigen Roboter um, er löscht also auch ihr Bewusstsein aus. Die Szene endet mit dem zärtlichen Streicheln von Hikaru. Er streichelt Kikues Schädel und Hirn…

Die Weltverbesserer haben es zur Firma geschafft und sitzen nun im Pressekonferenzraum sogar Hikaru und seinem Vater gegenüber. Und sie sind nicht so doof, wie ich dachte, sie haben immerhin Waffen mitgebracht, um ihre Forderung zu unterstreichen. Und Pläne von der Super-Comic-Atomrakete, deren Kopien Yoshie an die Behörden liefern soll (nur doof, dass die davon scheinbar nichts weiß, und man nie wieder davon spricht).

Yoshie ist mittlerweile wieder aufgewacht (ohne Strom?), und humpelt Richtung Firma, doch sie kann irgendwann nicht mehr. Da hört sie die Stimme der alten Lady, die ihr einen tollen Rat gibt (sowas wie glaube an dich selbst oder so). Daraufhin fasst Yoshie neuen Mut, und ihre neuen Beine, die zum Laufen zu schwach waren, verwandeln sich in einen Minipanzer. Es schließt sich die schlechteste Fahrsequenz aller Zeiten an. Doch so schnell sie jetzt auch unterwegs ist, sie kann nicht verhindern, dass die Widerständler per Schulterkanonen von den zwei Bossen erschossen werden (bis auf drei, den Rollstuhlfahrer, die alte Lady und den Gitarrenspieler). Ebenso wenig kann sie verhindern, dass dem pagodenartigen Firmensitz Arme und Beine wachsen und er nun als riesiger, alles zerstörender Roboter durch die Gegend läuft. Sehr modebewusst trägt der Riesenrobbi die Atomrakete/Bombe als Medaillon um den Hals. Der Plan sieht vor, diese in den Fujiyama zu werfen und damit Eruptionen hervorzurufen, die Japan zerstören.

Während in der Roboter-Pagode der Rollstuhltyp Hikarus Vater per Kniescheibenpistole erschießt, zerstört das Riesending Häuser, die ob der schweren Wunden in Strömen bluten (ja, und es sieht so dämlich aus, wie es klingt). Yoshie, deren Panzer auch senkrechte Wände hinauf fahren kann, erkämpft sich einen Weg in die Pagode, während der Rollstuhltyp innen munter Robo Geishas umbringt (die er ja eigentlich mal befreien wollte). Dabei stirbt er, schön eingerahmt von Brüsten.

Yoshie hat es in dem Pagodenrobbi mit den beiden Penisdämoninnen zu tun, und sie bekämpfen sich mit ihren Arschklingen (ja, Klingen, die aus ihren Hintern kommen). Yoshie scheint ein wenig die Oberhand zu haben, aber wer gewinnen würde, wissen wir nicht, denn die beiden verbliebenen Widerstandskämpfer greifen aus Versehen ins Kampfgeschehen ein. So bringen sich jeweils ein Dämon und ein Gruppenmitglied mehr oder weniger unabsichtlich gegenseitig um (wie ironisch, es sind ihre jeweiligen Verwandten, oder wie die alte Dame sagt: „Du warst eine böse Enkelin, jetzt stirb!“).

Bevor sich Yoshie jetzt allerdings Hikaru, der den Roboter durch seinen Körperbewegungen steuert, vornehmen kann, muß sie sich erst noch ihrer Schwester widmen. Da diese aber durch und durch verrobotert ist, hat sie  einen Vorteil. Yoshie kann den Kampf nur gewinnen, weil sie an die Gefühle ihrer Schwester appelliert und enthüllt, dass sie eigentlich nur Halbgeschwister sind (ob das nur erfunden ist, oder nicht, wird mir nicht so ganz klar). Durch diesen Schock kehrt das Kikue-Bewusstsein zurück und die beiden Robotermädchen vereinen sich (während der ganzen Zeit hätte Hikaru übrigens die Bombe locker 10mal in den Fuji werfen können). Es versteht sich von selbst, dass sie Hikaru verprügeln. Und als sie diesem einen Kinnhaken verpassen, der ihn in die Lüfte hebt, fliegt auch der Roboter kilometerweit in die Luft und explodiert schließlich. Ende gut, alle tot. Als letzte Einstellung betrachten wir die beiden Schwestern noch, wie sie endlich als normale Geishas gemeinsam einen Tanz tanzen können (vermutlich als Geister).

Was aus dem Präsidentschaftskandidaten wurde? Das weiß keiner…

Ich hab Noboru Iguchi ja einiges zu getraut, aber das ist schon ein starkes Stück. Als Komödie geplant, kann ich den ganzen Mist natürlich nicht ernst nehmen, das hat ja auch der Regisseur und Drehbuchautor Iguchi nicht gemacht (und selbst wenn, ich hätte es ohnehin nicht ernst genommen). Asiatische Komödien sind eben ein bisschen anders. Allerdings kann man auch bei einem dämlichen Comedy-Film darauf achten, dass es nicht zu viele Ungereimtheiten gibt (was ist mit dem Präsidentschaftskandidat? Warum bestellt Hikaru Yoshie in den Wald, nur um sie nach Hause zu bringen? Und was ist mit den Kopien der Bombenpläne?).  Dazu kommen unausgegorene Charaktertwists, wie zum Beispiel bei Kikue, die ihre Schwester erst hasst, so dass sie sie sogar umbringen will. Dann aber lässt sie sich durch die Behauptung, sie seien nur Halbgeschwister, wieder besänftigen. Die Widerstandskämpfer scheinen da auch nicht besser. Obwohl sie gekommen sind, um die Mädchen zu befreien, haben sie erstaunlich wenig Probleme damit, diese über den Haufen zu schießen. Der Einzige, der konsequent bleibt, scheint Hikaru zu sein. Dem ist von Anfang an nicht zu trauen.

So bizarr manche Charaktermomente sind, so simpel gestrickt ist eigentlich die Geschichte. Es gibt keinen Überraschungsmoment. Aber das spielt im Prinzip auch keine Rolle, denn der Film unterhält mit seinen wirklich skurrilen Einfällen. Ob Arschklinge, Kniescheibenpistole, Tittengatling oder Hintern-Ninjasterne, so etwas hat man noch nirgendwo anders gesehen (geschweige denn je gehofft zu sehen). Mein persönliches bizarr-Highlight sind aber die blutenden Häuser.

Dabei sind die Makeup-Effekte oftmals richtig gelungen. Seien die Dinge auch noch so lächerlich, sie sehen doch recht gut aus. Das gilt aber nur solange, als da keine Computergrafiken verwendet werden. Kommen diese ins Spiel, sieht der Film schlechter und unüberzeugender aus, als die Waffen der Power Rangers. Sehr gut gefallen hat mir aber, dass sie für die Roboterpagode die gute alte Godzillamethode verwendet haben, sprich einen Typ im Pagodenkostüm durch eine Miniaturstadt laufen lassen.

Die Schauspieler sind eigentlich kaum der Rede wert, die meisten gehören scheinbar zur Stammriege von Iguchi. Ausnahmen bilden da der Rollstuhltyp Naoto Takenaka, der auch schon mit Jackie Chan gearbeitet hat („Stadt der Gewalt“). Auch Kikue (Hitomi Hasebe) war in nicht Iguchi-Filmen (zum Beispiel „Battle Royal 2“). Und die Hauptdarstellerin Aya Kiguchi ist eigentlich Fotomodel.

Musikalisch hat der Film nicht so viel zu bieten. Es klingt alles ein bisschen nach Synthesizer, obwohl ich doch manche stellen ziemlich gut unterlegt finde (zum Beispiel die Panzerverwandlung von Yoshie). Da möchte die Musik gerne episch-dramatisch klingen, was ihr natürlich nicht gelingt. Nichtsdestotrotz hört es sich hier am besten an, im Vergleich mit dem Rest des Films.

Man kann also sagen, der Film unterhält. Er ist sehr viel weniger verwirrend und undurchsichtig wie „Zombie Girl aka Tomie Unlimited“, sondern eigentlich (von dem Grundprinzip der Story her) ziemlich konventionell. Die vielen verrückten Einfälle, teils gute, meistens aber schlechte Effekte und der seltsam anmutende japanische Humor (siehe die 3 Minuten-Tirade des Präsidentschaftskandidaten) sorgen für einen hohen Unterhaltungsfaktor.

Edit: Hier noch die Panzertransformierungsszene als Apetitthäppchen

 
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Verfasst von - März 14, 2013 in Filmtagebuch

 

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