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Kais Buchtagebuch – Elizabeth George – „Wer Strafe verdient“ (USA, 2018)

Kais Buchtagebuch – Elizabeth George – „Wer Strafe verdient“ (USA, 2018)

Meine ersten Begegnungen mit Inspector Linley hatte ich damals, als die Filme Sonntagabends im ZDF liefen. Ich schaute die zusammen mit meiner Mutter an, wobei es sich später mit den Barnaby-Filmen abwechselte. Irgendwann gab es dann keine neuen mehr, aber da waren die gemeinsamen Fernsehabende ohnehin schon fast passé. Jedenfalls habe ich dann irgendwann angefangen, die Bücher zu lesen, und fand diese auch ganz gut. Dennoch werde ich immer den TV-Linley vor meinem inneren Auge haben, und nicht den blonden Schönling, der im Buch beschrieben wird.

In der Kleinstadt Ludlow, nahe der englisch-walisischen Grenze stirbt ein Diakon. Aber nicht einfach so, sondern durch Selbstmord. Und auch das ist noch nicht alles, denn der Diakon befand sich in Polizeigewahrsam. Dennoch braucht es noch die Intervenierung des Vaters des Toten, der mit seinem Geld und seinen Kontakten genügend Einfluss ausüben kann, dass New Scotland Yard in den Fall eingeschaltet wird.

Jetzt ermitteln aber nicht wie gewohnt Linley und Havers. Stattdessen wird deren Vorgesetzte Ardery mit dem Fall betraut. Diese nimmt sich zwar Barbara Havers mit, aber weniger zur Unterstützung, sondern mehr zur Kontrolle. Insgeheim würden die oberen Etagen (Ardery eingeschlossen) Havers gerne loswerden, wegen persönlicher Animositäten, und weil sie zu oft Regeln und Gepflogenheiten gekonnt ignoriert.

Die Ermittlungen gestalten sich also zäh. Zu der angespannten Arbeitsatmosphäre (Havers versucht krampfhaft, jeden Fehler zu vermeiden) gesellen sich Arderys regelmäßiger Griff zur Flasche (unter anderem wegen Scheidungs-/Sorgerechtsproblemen), sowie der Unwille der örtlichen Polizei, die sich auf den Schlips getreten fühlt, weil die eigenen Ermittlungsergebnisse in Frage gestellt werden.

Nebenbei werden einige mehr oder weniger Verdächtige Figuren eingeführt und deren mehr oder weniger dunklen Familiengeheimnisse.

Und dann endlich darf das Dreamteam persönlich ran, was aber leider bis zur zweiten Buchhälfte dauert.

Ich hatte mich gefreut, zur Abwechslung mal einen aktuellen Elizabeth George-Roman beschafft zu haben. Bislang hatte ich immer ältere Modelle vor mir liegen. Darum bin ich natürlich nicht ganz auf dem Laufenden, was die serieninterne Geschichte betrifft. Was mir aber bei aller liebe einfach nicht in den Kopf will, ist, warum die Vorgesetzten von Barbara Havers sie immer noch als Dorn im Auge empfinden. Seit vielen Jahren ist sie an erfolgreichen Ermittlungen beteiligt und wird ständig nur wegen ihres Aussehens und ihrer Umgangsformen angefeindet. Dass Havers dann noch irgendwelche Regeln übertreten hatte scheint nur die Kirsche auf dem Eisbecher der Vorwürfe zu sein. Klar, die Engländer sollen hier als die steifen Traditionalisten dastehen, wie man sie sich gerne vorstellt, aber so langsam wirkt das übertrieben. Dass sich die Autorin aber die Engländer wirklich so vorstellt, kann ich nicht glauben. Sie ist zwar gebürtige Amerikanerin, hat mittlerweile jedoch genügend Zeit dort verbracht. Die Engländer, die ich so kenne, geben sich jedenfalls anders.

Wie bereits erwähnt zieht sich das Geschehen ziemlich, was nicht nur an der ungewohnten und unfruchtbaren Konstellation liegt, sondern auch daran, dass sich Havers antrieb, immer weiter zu forschen, lange nur auf allerkleinste Verdachtsmomente stützt, bzw. ungute Gefühle, die sie bei der einen oder anderen Person empfindet. Erst recht spät stößt sie auf eine Lücke von 10 Tagen, die zwischen Meldung eines Verbrechens und der Festsetzung des Dekans liegen. Und von da an kommen dann endlich ein paar vernünftige Ergebnisse zu Stande. Nur leider müssen die beiden Ermittlerinnen zunächst wieder nach London. Aufgrund der alkoholischen Ergüsse Arderys wird Havers wieder hingeschickt, diesmal mit Inspector Linley im Gepäck. Und so klappern sie einige schon bekannte Stationen nochmals ab.

Mir ist klar, dass echte Polizeiarbeit auch meistens sehr zäh ist (und sowieso anders läuft als hier) und mir ist auch klar, dass hier Havers Spürnase und Verbissenheit unter Beweis gestellt werden soll, aber es ist eben schon etwas anstrengend, sich mit ihr durch diese Querelen zu kämpfen. Von dem her kommt es wahrscheinlich wie gedacht herüber, aber irgendwie macht das Lesen dann nicht so viel Spaß.

Vor allem, wenn sich dazu dann noch ein Schreibstil gesellt, der oft indirekte Rede verwendet. Das ist wohl eher ein persönliches Problem meinerseits, dass mir das nicht gefällt. Anders sieht es mit der zum Teil ziemlich gestelzten Redensweise der Personen aus. Das wirkt (wie die englische Steifigkeit) übertrieben und beinahe lächerlich.

Etwas lächerlich ist auch die küchenpsychologische Art, wie sich Ding, eine der wichtigeren Nebenfiguren, ihre Beziehungsunfähigkeit, bzw. eingebildete Beziehungsunfähigkeit erklärt. Aber gut, die Figur ist eben keine Psychiaterin. Noch lächerlicher ist allerdings die Art, wie ihr Vater gestorben ist. Die ganze Zeit denkt man, die unterdrückten Kindheitserinnerungen wären irgendwas furchtbar düsteres, und dann war es ’nur‘ der Tod des Vaters…durch autoerotische Asphyxiationsspielchen. Tut mir leid, das kann ich einfach nicht ernst nehmen, und ich möchte nicht in ihrer Haut stecken…aber das ist so doof und wirkt, als hätte Elizabeth George irgendwas aus den mehr oder weniger jüngeren Schlagzeilen genommen. Eher weniger jung. Aus derselben Quelle stammt sicher auch das Komasaufen unter Jugendlichen, wobei die Jugendlichen hier schon an der Uni sind. Sicher, das gibt es noch, und womöglich ein edler Versuch, da noch etwas Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken, aber es wirkt, vor allem angesichts der Themen, die heute die Öffentlichkeit beschäftigen, wie aus der Zeit gefallen und relativ harmlos.

Die zentralen Themen sind da zum Glück eher zeitloserer Natur, als da der Konflikt zwischen Eltern und Kind, und im speziellen zwischen übervorsichtigen und kontrollierenden Müttern, schwachen Ehemännern und Vätern, und Kind. Dieser führt dann auch zu Missverständnissen, Behinderungen bei den Ermittlungen und zur großen Katastrophe. Naja, das, und ein Riesenarschloch, dessen Täterschaft eher schwach motiviert ist. Nebenbei wird auch noch Drogen- und Alkoholmissbrauch thematisiert, aber auch hier schwingt wieder einiges an vereinfachender Psychologie mit. Leider lässt sich nicht immer alles erklären, und vor allem nicht schnell überwinden.

Elizabeth Georges Lynley-Romane zeichnen sich nicht durch ein hohes Tempo aus, sondern durch eine gute Figurenzeichnung und ein Interesse an den Hintergründen der Täter. Für „Wer Strafe verdient“ braucht man aber nochmal eine Extraportion Sitzfleisch. Ein Fall für Komplettisten, aber der gelegentliche Krimileser sollte eher mit einem anderen ihrer Romane vorlieb nehmen.

Gelesen habe ich die Ausgabe des Goldmann Verlags, für die Umschlaggestaltung zeichnet die UNO Werbeagentur München verantwortlich, unter Verwendung eines Entwurfs von Darren Haggar. Das Motiv der Wolken stammt von Getty Images/ Stijn Dijkstra/ EyeEm, das der Stadt von Andrew Compton/ Alamy Stock Foto. Übertragung ins Deutsche erfolgte durch Charlotte Breuer, Norbert Möllemann und Marion Matheis.

 
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Verfasst von - Oktober 8, 2019 in Buchtagebuch

 

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Kais Buchtagebuch – Jane Austen – „Sense and Sensibility“ (UK, 1811)

In der großen, weiten Welt der Literatur gibt es den ein oder anderen Klassiker, den ich immer noch nicht gelesen habe. Jules Verne gehört zum Beispiel dazu, oder aber auch Cervantes´ „Don Quichotte“. Nun, eine Autorin kann ich nun immerhin von der Liste streichen, nämlich Jane Austen, deren Buch mir in die Hände fiel.

Elinor und Marianne Dashwood, sowie ihre jüngste Schwester, deren Existenz für das Buch keine Rolle spielt, als auch die Mutter der drei könnten ein ruhiges Leben leben auf dem Familienanwesen, wäre da nicht der Vater gestorben, und wäre da nicht der geldverliebte Halbbruder mit seiner ebenso geldverliebten Ehefrau. Diese wollen nämlich, erbrechtlich auch sicherlich völlig korrekt, da ältester Nachkomme, sich wohnlich in der Wohnstatt einrichten. Elinors Schwägerin kommt das gerade recht, da ihr Bruder Edward Ferrars gerade dabei ist, sich in Elinor zu vergucken. Da sie jedoch nicht über eine ausreichende Mitgift oder gesellschaftliche Stellung verfügt, ist sie natürlich nicht die richtige für ihn.
Die Halbschwestern und deren Mutter sollen also Platz machen und dürfen in ein sehr viel kleineres Cottage ziehen, wobei das im direkten Cottage-Vergleich eher ein größeres sein dürfte. Immerhin müssen dort 4 Damen plus Dienstschaft Platz finden.
Glücklicherweise finde sich in der neuen Nachbarschaft ein entfernter Verwandter der Mutter Dashwood, der die Damen mit allerlei Dinners, Bällen und Ausflügen bei Laune hält. Eines regnerischen Tages, als Marianne sich während eines Spaziergang/Wettrennens den Knöchel verstaucht, trifft sie auf den ansehnlichen Willoughby. In den kommenden Wochen entwickelt sich zwischen den beiden eine richtige Romanze, womit die beiden so ziemlich allen anderen auf die Nerven fallen, zumindest jedoch kann die ruhige und sich allen Gesellschaftsnormen gemäß verhaltende Elinor nicht so für die Beziehung begeistern wie Mrs Dashwood. Eines Tages reist Willoughby jedoch recht überstürzt ab, was die sehr gefühlsgesteuerte Marianne wenig überraschend in tiefe Trauer stürzt.
Bald darauf kommen die Geschwister Steele in die Gegend. Die Beziehung zwischen den beiden Geschwisterpaaren (da die jüngste Dashwood-Tochter ja eher eine Randnotiz denn eine Figur ist) ist alles andere als freundschaftlich.. Dennoch weiht Lucy Steele Elinor in das Geheimnis ihrer Verlobung mit Edward Ferrars ein, eine Verlobung, die scheinbar schon seit sehr jungen Jahren besteht, aber geheim gehalten werden muss, da Edwards Familie auch Lucy als nicht gut, bzw. reich genug ansieht. Elinor trägt nun also eine schwere Bürde mit sich, die sie aber mit niemandem teilen kann, da sie völlige Verschwiegenheit versprochen hat.
Um die Stimmung ein wenig zu heben, nehmen die beiden das Angebot einer älteren Bekannten an, diese mit nach London in ihr Stadthaus zu begleiten und dort Dinners und Bälle zu besuchen.
In London angekommen gibt es bald den nächsten Tiefschlag für Marianne. Willoughby meldet sich nicht auf ihre Briefe und kommt auch nicht auf einen Besuch vorbei. Schlimmer noch, auf einem Ball treffen die Dashwood-Damen rein zufällig auf den jungen Mann. Dieser jedoch zeigt ihnen nur die kalte Schulter und unterhält sich lieber mit seiner weiblichen Begleitung. Als er dann noch alle Briefe und die Haarlocke, die er von Marianne bekommen hat zurückschickt, lässt das Marianne in tiefste Trauer und Melancholie stürzen.
Auch in Elinors Liebesleben tut sich etwas. Also…eigentlich nicht, aber bei Edward Ferrars. Dieser wurde, als seine Verbindung zu Lucy Steele herauskam, von seiner Familie enterbt und verstoßen.
Aufgrund dieser Ereignisse wünscht das Geschwisterpaar verständlicherweise heimzureisen, mit einem kurzen Zwischenstopp. Dort zieht sich Marianne allerdings eine schwere Erkältung zu, vielleicht sogar eine Grippe, jedenfalls so schwer, dass sich die Angehörigen ernsthaft um das Überleben Mariannes sorgen. Eines Nachts steht auf einmal Willoughby vor der Tür, welcher zufällig von Mariannes Zustand erfahren hatte. Diese ist nicht in der Verfassung, Besuch zu Empfangen, daher muss er Elinor sein Verhalten erklären. Es folgt eine leidliche Entschuldigung, dass er sein Leben lang immer nur für sich selbst gelebt hatte, und ihn erst Marianne auf den rechten Weg gebracht hätte, auch wenn ihm das erst später bewusst wurde. Die Frau, die ihn in London begleitete, hätte er heiraten müssen, weil er vor allem deren Geld benötigt hätte. Diese hat ihn aus Eifersucht gezwungen, die Briefe und die Locke zurückzuschicken. Nach diesen Erklärungen verschwindet Willoughby wieder, sowohl aus dem Leben der Dashwoods als auch aus dem Roman.
Marianne erholt sich glücklicherweise wieder, und so können die Dashwoods ihre Heimreise antreten und endlich wieder die Ruhe ihres kleinen Häuschens genießen, bis, ja bis Elinor durch einen Diener von der Heirat des Herren Ferrars mit Miss Steele erfährt. Daraufhin geht es Elinor natürlich nicht so gut und Marianne bekommt ein schlechtes Gewissen, weil sie ihre Schwester mit ihren eigenen Sorgen beschwert hatte und sich nicht um die ihren gekümmert hatte.
Wenige Tage später kommt ein überraschender Gast. Edward Ferrars steht vor der Tür. Dieser muss nun erst einmal eine Verwechslung aufklären. Lucy Steele hat seinen Bruder Robert Ferrars geheiratet, da dieser ja nicht von seiner Familie verstoßen war, und demnach bessere monetäre Aussichten zu bieten hatte. Und da Robert, zum Glück für sie, der Lieblingssohn ist, wurde dieser auch nach der Blitzhochzeit nicht enterbt. Edward jedenfalls, der diese Verlobung nur aus jugendlichem Überschwang eingegangen und aus Pflichtgefühl aufrecht gehalten hatte, steht es nun frei, die Frau zu ehelichen, zu der er sich hingezogen fühlt.
Und auch Marianne findet ihren Mann fürs Leben in Colonel Brandon, der sich die ganze Zeit über als ein verlässlicher Freund der Familie gezeigt hatte und ein aufrechter, hilfsbereiter Mann ist. So hat er zum Beispiel Edward Ferrars ein Haus beschafft, in welchem er mit seiner damaligen Verlobten hätte wohnen können, ohne dass er diesen persönlich gekannt hätte.
Ein richtiges Happy End also.

Wie man nun unschwer erkennen kann, besteht das Hauptthema des Romans aus dem Gegensatz zwischen Verstand (Elinor) und Gefühl (Marianne), wenn man genau hinschaut lassen sich noch andere Paarungen entdecken. Am augenfälligsten sind wohl die beiden Herzensmänner, die sich der ihnen thematisch passenden Frau widmen. Genau so gut passen allerdings auch Elinors Mutter und die Mutter von Edward in das Schema. Das gute daran ist, das Jane Austen darauf verzichtet sich auf eine Seite zu schlagen.
Die beiden Mütter stehen zwar als direkte Gegensätze gegenüber, Mrs. Ferrars als der berechnende Verstand, die vor allem auf finanzielle Absicherung ihrer Nachkommen bedacht ist, Elinors Mutter, die genauso emotional gesteuert ist wie Marianne. Hier ist das Gefühl eindeutig die positiv besetzte Seite, die ihre Kinder unterstützt und ihnen keine Vorstellungen oder wünsche aufzwingt.
Bei Edward und Willoughby hingegen ist Verstand das positive Lebensgefühl, Jemand, der Verantwortung übernimmt und nicht einfach seinen Emotionen nachgeht und alles stehen und liegen lässt.
Dann kommt schließlich das Geschwisterpaar. Elinor und Marianne stehen zwar für die Unterschiedlichen Seiten, ergänzen sich aber gegenseitig. Elinor steht Marianne mit ihrem bedachten Rat zur Seite und Marianne hilft ihrer Schwester, indem sie mit ihr mit trauert, sich freut, etc. Hier ist also alles ausgeglichen.
Was gibt es sonst inhaltlich interessantes? Nur denn bitteren Alltag einigermaßen wohlhabender junger Damen, die nicht wissen, wie sie die Tage verbringen sollen außer mit Dinners und Bällen (zum tanzen). Wahlweise gibt es auch noch Bücher zu lesen, Bilder zu malen und Klavier zu spielen. Natürlich mag da auch ein gewisses Maß an Satire dahinter stecken, welche der Autorin ja auch zugesprochen wird.

Ja natürlich schreibt Jane Austen über das, was sie kennt und so wie sie es kennt. Und eine arbeitende Persönlichkeit des späten 18. Jahrhunderts hätte wohl kaum Zeit gehabt besonders viele oder tolle Bücher zu schreiben. Dennoch finde ich es schon befremdlich, wenn die Bediensteten immer nur dann erwähnt werden, wenn sie etwas sagen dürfen, und dann meistens nicht einmal namentlich. Andererseits steht auch die jüngste der drei Schwestern dermaßen im Hintergrund, dass ich mich frage, warum sie überhaupt existiert, dass man diese Konzentration auf die Hauptfiguren nicht als bösen Willen sehen darf, sondern eher als Kunstgriff.

Apropos Kunstgriffe, Jane Austen schreibt gerne im Stilmittel der erlebten Rede („Warum ging er nicht einfach?“ statt „Sie fragte sich, warum er nicht ging.“). Im deutschen empfinde ich das als eher unangenehmes Stilmittel. Ich kann es nicht genau erklären, aber es klingt für mich einfach schlecht. Da ich aber die englische Ausgabe gelesen habe, ist es mir nicht so negativ aufgefallen. Eigentlich überhaupt nicht. Scheinbar funktioniert das da besser.

In Jane Austens Romanen kann man immer viel biographisches Entdecken. Das geht sogar so weit, dass für die Verfilmung von „Stolz und Vorurteil“ dasselbe Häuschen als Kulisse genommen wurde wie für den biografisch angehauchten „Geliebte Jane“. Sicherlich würde das auch ein guter Hintergrund für das Cottage der Dashwoods darstellen. Übrigens hatte die Autorin selber nur eine jüngere Schwester, dafür aber sechs ältere Brüder. Und im Gegensatz zu den angesprochen zwei Werken von ihr, die ich kenne, war Jane Austen kein Happy End mit Heirat vergönnt. Sie blieb Zeit ihres Lebens ledig. Das spricht natürlich nicht gegen ein Happy End, nur eben gegen eines mit Ehemann.

Ihre Werke, obwohl schon Jahre zuvor fertig gestellt, wurden alle erst ab 1811 veröffentlicht, nur 6 Jahre vor ihrem Tod. „Sense and Sensibility“ war das erste, und es trug, wie alle anderen auch, nur den Vermerk „by a Lady“, wurde also quasi anonym veröffentlicht. Dabei wurden ihre Bücher schon zu ihren Lebzeiten gut aufgenommen und in verschiedene Sprachen (Deutsch und Französisch) übersetzt. Dennoch verzichtete sie darauf namentlich genannt zu werden, auch wenn das im Laufe der Zeit ohnehin nur noch ein offenes Geheimnis darstellte.

Seltsamerweise zählt zu einen der Kritikern Austens Emily Brontë. Man sollte doch meinen, dass diese beiden Autorinnen, die ein sehr ähnliches Feld bearbeiteten, eine gewisse Verbundenheit verspürt haben sollten, doch Miss Brontë empfand die Schreibweise ihrer Kollegin als zu oberflächlich. Es würde ihr an Leidenschaft und Herzblut fehlen. Nun, zu einem gewissen Teil möchte ich ihr da beinahe zustimmen. Allerdings bin ich mir nicht so sicher, ob ich das bei „Jane Eyre“ nicht genauso empfinden würde. Das werde ich wohl erst erfahren, wenn mir das Buch sehr günstig unter die Finger kommt.

So, jetzt bin ich ein bisschen vom Thema abgekommen. Es geht doch hier um „Sense and Sensibility“. Das Buch hat hin und wieder Längen, zugegeben, und das Ende dürfte niemanden überraschen. Dazu kommt, dass sich die Figuren durch die damals angebrachten Verhaltensweisen oftmals unglaublich ungelenk aufführen und um Dinge herumreden, dass man sich oder ihnen an die Stirn klatschen möchte. Dennoch tut es nicht weh, unterhält größtenteils und lässt sich am besten genießen bei einer Tasse Tee, ein paar Scones und leichter Musik im Hintergrund. Dann fühlt man(n) sich wie eine richtige Lady die Ladysachen macht.

 
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Verfasst von - April 23, 2015 in Buchtagebuch

 

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Kais kurzes Filmtagebuch, „The Awakening“ (UK, 2011)

Kais kurzes Filmtagebuch, „The Awakening“ (UK, 2011)

Ah, „The Awakening“ (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Slasher von 2010) gehört ganz eindeutig in die Kategorie „Geisterfilm“. Das war eine schwache Einleitung, also fang ich nochmal an… Ah, Isaac Hempstead Wright kann also doch laufen und was anderes spielen als Bran Stark, Warg und zweitjüngster Sean Bean-Sohn aus „Game of Thrones“. Also schauen wir mal, wie er sich so schlägt.

Zunächst wird uns per Texteinblendung dargelegt, dass die 1920er-Jahre in England eine Zeit für Geister waren, da nicht nur die spanische Grippe um sich griff, sondern auch der erste Weltkrieg vielen jungen Männern das Leben kostete. Aus diesem Grund stehen Séancen und Geisterbeschwörungen hoch im Kurs, und einer solchen wohnen wir auch gleich bei. Es klappt auch alles ganz schön, die Kerzen gehen aus, jemand bekommt Nasenbluten und ein Geistermädchen taucht auf, bis…ja, bis eine junge Frau sich das Geistermädchen schnappt und es als stinknormalen Jungen mit Maske enttarnt. Die junge Frau, bei der ich die ganze Zeit an „scrawny“ denken musste, also lang und dünn, ist Florence („…regardez les enfants!“) Cathcart, Protagonistin und Geisterjägerin im Sinne von „Betrüger und Schwindel entlarven“. Sie ist eine intelligente, junge Frau, die ein Buch zum Thema Geister geschrieben hat. Warum ich das hier so erwähne? Weil ihr dieses Buch eine gewisse Fanschar eingetragen hat, und sie so bekannt ist, dass sie auch Aufträge von außerhalb bekommt.

Robert Malory heißt der Mann, der sie bittet, in einem Internat nach dem Rechten zu sehen. Dort soll es schon sein längerer Zeit einen Geist geben, und nun sei auch noch ein Junge gestorben, möglicherweise eben wegen dieses Geistes. Auf der Fahrt dorthin ergibt sich zwischen Florence und Robert ein etwas seltsamer Dialog. Eigentlich geht es nur darum, dass Florence an Wissenschaft und an Beweise glaubt, und eben nicht an Geister. Woraufhin Robert meint „und dennoch benutzen sie das Zigarettenetui eines anderen“. Ja, es ist das Etui ihres verstorbenen Verlobten, aber nur weil sie ein Erinnerungsstück besitzt, widerspricht das doch nicht dem, was sie gesagt hatte. Vielleicht macht das im Englischen ja mehr Sinn (aber ich glaube nicht). Das Etui wird auch später nochmals eine seltsame Rolle spielen. Florence wird es fallen lassen, aber statt des Etuis hebt sie zunächst die Zigaretten auf, was halt insofern blöd ist, dass das Etui dann in einem Teich landet. Aber so weit sind wir ja noch gar nicht.

Im Internat angekommen, lernen Florence und der Zuschauer erst mal das weitere Schulpersonal kennen. Da gibt es neben dem leicht stotternden und hinkenden Robert Malory (ein Andenken an die Schützengräben) noch den Rohrstock-bevorzugenden Lehrer Malcolm Mcnair (mit schlimmen Husten, auch ein Mitbringsel aus dem ersten Weltkrieg), die Hausdame Maud Hill, Riesenfan von Florence und dafür verantwortlich, dass sie überhaupt zu kommen gebeten wurde, Edward Judd, den Hausmeister und Kriegsverweigerer,  und den Rektor, Pater soundso (den braucht man für die Handlung eigentlich eher nicht).

Florence stellt in der Schule allerhand „modernes“ Gerät auf. Fotoapparate, Magnetfeldmesser und ähnliches, und sie streut weißes Pulver aus, um Fußspuren festzuhalten. In kürzester Zeit hat sie dann auch das Rätsel um den Tod des Schuljungen gelöst. Jedoch geschehen, kurz bevor Florence wieder abreisen kann, vermehrt übernatürliche Dinge, sodass der Zwang der Geisterjägerin geweckt wird. Da sie sich nämlich die Schuld am Tod ihres Verlobten gibt, muß sie alle Geistererscheinungen als falsch entlarven, weil sie sonst fürchtet, vom Geist des Verlobten heimgesucht zu werden (oder so, so ganz klar wird das nicht). Das hält sie allerdings nicht davon ab, mit Robert rumzuknutschen, als sie einen Geisterjungen auf einem ihrer Fotos entdeckt. Manch einer behauptet, das sei eine verständliche Reaktion, nach dem Stress, der zuvor schon angedeuteten gegenseitigen Zuneigung und dem engen Raum, welcher zu Fotoentwicklung genutzt wird. Mir erscheint das nicht ganz so verständlich, aber ich kann mich ja auch irren.

Die Spukereien steigern sich während der Ferien, während der nur Maud, Robert, Florence und der Waisenjunge Tom im Internat wohnen.

Naja, und dann kommt das grand Finale (nach einer versuchten Vergewaltigung durch den Hausmeister), welches ich mal eben SPOILERN werde.

Es stellt sich nämlich heraus, dass das Gebäude, bevor es zu einer Schule gemacht wurde, der Wohnsitz von Florence und ihren Eltern war. Weil Florences Mutter ihrem Mann keinen Sohn gebar, ist der wütend auf beide, vor allem, weil Mama Florence dem Vater noch die Existenz des Bastardjungen Tom vorwirft, der mit ihnen in dem Haus wohnt. Der Vater bekommt einen Rasereianfall, erschießt erst seine Frau und macht sich dann auf, die junge Florence zu erschießen. Dabei trifft er aber nur seinen Sohn, dessen Mutter übrigens die Hausdienerin Maud ist. Aus Verzweiflung erschießt er sich selbst. Florence hat diese Erinnerungen allerdings verdrängt. Aus dem Grund hat Maud sie auch ins Internat gelockt. Und aus noch einem anderen, da sie sich nun nämlich gerne selbst und gleichzeitig auch noch Florence mit Gift umbringen möchte, damit der arme Tom nicht alleine rumgeistern muss. Glücklicherweise geht der Plan nicht auf, da Florence noch rechtzeitig ein Brechmittel zu sich nehmen kann. Oder auch nicht, das Ende bleibt da ein ganz klein wenig offen, wobei ich persönlich eindeutig zur Überlebensoption tendiere. Florence spaziert am Ende nämlich aus dem Schulgebäude, um sich von Robert zu verabschieden, und begrüßt dabei zwei Schuljungen (die Ferien sind scheinbar vorbei).

SPOILERENDE.

Ich habe versucht, mich kurz zu halten, aber irgendwie ist es mir nicht so ganz gelungen. Aber die paar seltsamen Szenen musste ich ja schließlich auch erwähnen. Der Film fängt an wie ein viktorianischer „Red Lights“ (der mit Sigourney Weaver, Robert De Niro und Cillian Murphy), macht aber meiner Meinung den gleichen Fehler wie dieser, nämlich dass es das Übernatürliche gibt. Wobei „Red Lights“ da immerhin noch ein wenig länger die Frage offen lässt, ob wirklich übernatürliche Kräfte am Werk sind. „The Awakening“ schließt das recht bald nach der Aufdeckung des ersten Schwindels im Internat aus. Als die Katze aus dem Sack war, wollte bei mir überraschenderweise auch kein richtiger Gruselfaktor mehr aufkommen. Das kann daran liegen, dass mir viele Schreckmomente schon bekannt vorkamen und damit der Überraschungseffekt fehlte.

Das gleiche gilt für den Twist am Ende. Es ist ja schön und gut, dass da nicht einfach irgendein Geist rumspukt, sondern dass das Ganze mit der Hauptfigur zusammenhängt, aber irgendwie kam da bei mir auch kein „Aha“-Effekt auf. Auch das liegt daran, dass mir das so unheimlich bekannt und schon in anderen Filmen verwurstet vorkam.

Manche Dinge werden im Film aber auch gar nicht erklärt. Das berüchtigte Zigarettenetui fiel ja in den Teich und Florence direkt hinterher. Zwar hat Robert sie gerettet, doch mir scheint, er hatte dabei keine Zeit, das Etui ebenfalls aus dem trüben Nass zu ziehen. Dennoch liegt es später unter einem seiner Kopfkissen. Soll das etwa der Geist geholt haben? Ebenso denkwürdig ist eine Szene, in welcher Robert in sein Zimmer geht und zu irgendjemandem sagt „Sie ist im Erdgeschoss“ (Florence war gemeint). Mir scheint beinahe, da wollte man ursprünglich eine andere Storyrichtung einschlagen, als die im fertigen Film.

Das alles mag daran liegen, dass Nick Murphy, der Regisseur bis dahin eher nur im TV-Geschäft tätig war. Vielleicht entwickelt sich da ja noch was, denn immerhin war die erste Szene mit der angeblichen Séance wirklich sehr gelungen.

Schade, dass der Film an den entscheidenden Punkten nicht so richtig funktioniert, denn technisch macht er einige Sachen ziemlich gut. Die Kamera fängt schicke Bilder vor allem natürlich des Schulgebäudes ein. Die Musik ist nur sehr dezent eingesetzt und weiß, wann es besser ist zu schweigen. Und die Farbgebung, naja, ehrlich gesagt, war es zwar passend zum Thema, aber muss wirklich jeder Film, in dem ansatzweise Geister vorkommen so farblos daher wackeln?

Rebecca Hall passt sowohl optisch als auch vom schauspielerischen her wirklich gut in die Rolle der skeptischen Florence (die ja eigentlich gar nicht skeptisch ist, sondern eigentlich Angst vor Geistern hat und deshalb nicht akzeptieren kann, dass es diese gibt). Aktuelle Kinogänger können sie im dritten „Iron Man“ sehen, da spielt sie Maya Hansen.

Dominic West zeigt in diesem Film nicht nur seinen nackten Hintern (Rebecca Hall zeigt übrigens auch kurz was), sondern auch, dass man Stottern zwischendurch mal vergessen kann. Nackte Tatsachen dürfte er ja aber schon gewohnt sein, spielte er ja auch in „300“ schon einen leichtbekleideten Spartaner (Theron, falls ihr mit dem Namen was anfangen könnt). Übrigens ist er auch in „The Wire“ mit dabei als Detective McNulty.

Imelda Staunton nimmt man die engagierte Hausdame sofort ab, auch ihre Selbstmordabsichten am Ende kommen glaubwürdig rüber. Wer sich fragt, an wen einen das Gesicht erinnert, die Dame spielte die Dolores Umbridge bei „Harry Potter“.

Bleibt noch Isaac Hempstead Wright. Er hat ein knuffiges Gesicht und kann mit seinem traurigen Blick einen schönen traurigen Jungen spielen. Seine anfänglich seltsamen Reaktionen auf Florence (zum Beispiel war er einmal schnell beleidigt mit ihr) werden durch den Film erklärt. Übrigens ist er nicht der einzige Game of Thrones-Akteur, der hier mitwirkt. Der unsympathische Hausmeister (ja, damals wurden Kriegsdienstverweigerer eben noch als unsympathische Feiglinge angesehen, ich unterstelle da den Filmmachern mal keine böse Absicht, wobei…) war schon Benjen Stark, Brans Onkel.

„The Awakening“ ist ein optisch schicker, recht atmosphärischer, aber nicht ganz so gruseliger Geisterfilm mit einigen Drehbuchschwächen, aber ein paar netten Darstellern. Wenn man sich an den Negativpunkten nicht stört, kann man ja einmal einen Blick riskieren. Wer aber ein zweites „The sixth sense“ erwartet, der ja auch eher Geisterdrama denn Geistergrusel ist, der wird enttäuscht werden. An den kommt dieser Film hier bei weitem nicht ran.

 
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Verfasst von - Mai 14, 2013 in Filmtagebuch, Kurzes Tagebuch

 

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