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Kais Filmtagebuch – „Basta – Rotwein oder Totsein“ (Deutschland/Österreich, 2004)

14 Nov

Hui, jetzt kommt was aus den Untiefen meiner Festplatte. Ist schon ein paar Tage her als ich es schrob…

Hin und wieder kommt es vor, dass ich einen Film in meiner Merkliste habe, den ich schon komplett vergessen habe. Und dann stolpert man auf einmal über dieses gute Stück das einem dereinst empfohlen wurde. Also macht sich der pflichtbewusste Tagebuchschreiberling natürlich sofort ans Werk, schaut „Basta“ an und tut der Welt seine Meinung kund.

Der Film beginnt, wo andere Filme aufhören, nämlich beim dramatischen Höhepunkt einer Geiselnahme vor der Gefängnistür. Die Polizisten haben die Waffen schon gezückt, und der Geiselnehmer (Oskar, unser Held), hat seine Geisel im Schwitzkasten. Seine Kumpels wollen ihn gerade abholen kommen, bzw. warten auf der Straße im Fluchtwagen. Das Einzige, was Oskar davon abhält, abzudampfen, ist Maria. Diese ist nicht nur die Gefängnispsychologin, sondern führt auch ein eher privates Verhältnis zu ihrem Patienten. Sie legt ihm Nahe, die Waffe sinken zu lassen, und zwei Jahre hinter Gittern zu sitzen, denn dann würde sie auf ihn warten. Im anderen Fall würde er sie nie bekommen. Nach kurzem Zögern hört Oskar auf die Gute und lässt sich überwältigen.
Als nächstes sehen wir das traute Zusammenwohnen der beiden Süßen. Das heißt Oskar kocht und Maria putzt Zähne. Ganz offensichtlich sind die 2 Jahre schon vergangen. Und sie unterhalten sich darüber, dass Oskar mit seiner verbrecherischen Laufbahn abschließen soll, und das Paar dann von dannen fährt. Zwei Polizisten, einer schweigsam, der andere japanisch lernend, hören die beiden ab. Die haben wohl sehr viel Vertrauen in die heilende Wirkung eines Gefängnisaufenthalts.
Schnitt auf ein Auto in dem zwei Heinis sitzen. Der eine ist Moritz Bleibtreu, wird in Zukunft aber Valentin genannt, der andere ist Belmondo, ein gut beleibter Gangster mit stark wienerischem Akzent (wen wundert’s, spielt die ganze Chose doch auch in Wien). Beide warten auf Oskar, um dann zu tun, was das Gangsterleben erfordert. Dieser jedoch hat gerade noch ein Gespräch mit der Verlegerin (und Freundin von Maria) Diana. Was genau in Oskars Buch „Secréts“ stehen soll, wird uns (noch) nicht verraten. Nach einem Handyanruf von Valentin macht sich Oskar auf den Weg zu den beiden, die schon ohne ihn anfangen dürfen. Auftrag des Dreiergespanns ist die Beschaffung der toten Tochter ihres Chefs/Mafiaoberhaupts Konstantin.
Beim Abliefern der Toten stellt Konstantin klar, dass er den Drogendealer Leo, frischgebackener Witwer und sein ehemaliger Schwiegersohn, nun gerne, da ja seine Tochter tot sei, auch unlebendig gemacht sehen will. Dazu beauftragt er Oskar und stellt ihm seinen Neffen Valentin zur Seite. Doch bevor es soweit kommen kann, müssen die beiden erst noch Schutzgeld eintreiben (die beiden Polizisten natürlich immer hinterher). Dabei kommen sie auch bei Dianas Verlag vorbei, denn Oskar will ihr sein Manuskript vorbeibringen. Valentin weiß nichts von Oskars Buchplänen, und ist auch nicht im Zustand, das mitzubekommen, verliebt er sich doch sofort in Diana.
Dass es mit Diana und Valentin was Ernsteres werden könnte, sieht man auch schon daran (mal abgesehen von einem Kuss), dass er sie zur Beerdigungsfeier der Gangstertochter eingeladen hat (obwohl da eigentlich der ganze Cast dabei ist, also ist es vielleicht doch nichts Besonderes). Im Zuge der Totenfeier und des Leichenschmauses bittet Oskar Konstantin darum, den Leo-Mord nicht machen zu wollen, sondern seine illegale Laufbahn beenden zu dürfen. Konstantin besteht aber darauf, dass er die Leo-Angelegenheit praktisch als letzten Auftrag ausführt.
Als Maria von dem Angebot erfährt, ist sie nicht begeistert. Ihr wäre es lieber, sie und Oskar würden gleich fliehen, ohne dass jemand sterben müsste. Der Streit artet derart aus, dass sie sich verabschiedet und die Nacht bei Diana zu verbringen gedenkt.
Die ist aber gerade mit dem Valentin in ihrem Bett beschäftigt. Er trägt ihr sogar ein selbstverfasstes Gedicht vor, aber sie ist vielmehr an seiner Waffe interessiert. Im Gegensatz zu Maria nämlich steht sie den verbrecherischen Tätigkeiten ihres Schatzies offenbar offen gegenüber. Die traute Zweisamkeit wird jäh von Marias Türklingeln unterbrochen. Während Diana versucht, ihre Freundin im Wohnzimmer zu trösten, entdeckt Valentin beim Ankleiden Oskars Manuskript und vermutet Verrat (ich meine, ein Mafiosi, der sein Buch „Secréts“ nennt, ist selbst schuld, wenn es Komplikationen gibt). Da allerdings im Manuskript nur die Danksagung steht, kann er auch nicht weiter eruieren, worum es geht. Aber angepisst ist er jetzt. Missgelaunt stapft Valentin ins Wohnzimmer, gibt Maria Leos Adresse (weil sie lieb gefragt hat vermutlich. Jetzt jedenfalls kann sie versuchen Leo zu warnen) und verpasst Diana eine ordentliche Watschen.
Natürlich fährt Valentin schnurstracks zu Konstantin und erzählt dort vom Verräterbuch. Der ist mehr als nicht begeistert und möchte gerne das gesamte Manuskript (das sich im Verlag befindet) in seinem Besitz wissen. Gleichzeitig fände er es auch echt knorke, wenn Oskar das Zeitliche segnen würde.
Leo dieweil ahnt, dass er nicht mehr lange zu leben hat und erwartet sogar schon Oskar als Assassine. Sein Plan zum Selbstschutz: Entführung von Oskars Freundin. Zum Glück klingelt die gerade an der Tür (da sie ja Leo zur Flucht bewegen will). Da kommt es auch noch gerade recht, dass Oskar anruft, und ein Treffen ausmachen will. Also gibt es ein kleines Gangstermeeting in einem Parkhaus zwischen Oskar und Valentin (der noch nicht wirklich an Verrat glauben mag) und Leo und seinen Bubis. Oskar bietet Leo an, dass er ihn entkommen lässt (damit Maria nicht mehr wütend auf ihn ist), aber Leo dreht den Spieß um, führt seine Mariageisel vor, der es sichtlich nicht gut geht, und fordert von Oskar, dass dieser verschwindet.
Auf der Rückfahrt ist Oskar nicht gut drauf. Valentin konfrontiert ihn mit dem Verräter-Verdacht. Es kommt zu einem Unfall. Als Oskar wieder aufwacht, liegt er in einem offenen Sarg und blickt in die Mündungen verschiedener Waffen und in die missgelaunten Gesichter von Konstantin, Valentin, Belmondo und Co. Oskar gesteht auf Nachfrage, dass er ein Buch geschrieben hat und gern veröffentlichen möchte, es sei allerdings ein Kochbuch. Das glaubt natürlich niemand. Konstantin trollt sich und gibt Valentin die Lizenz zum Töten, um nach verrichteter Arbeit gemeinsam mit Belmondo das Buch aus dem Verlag zu holen. Oskar jedoch gelingt es, Valentin von seiner Unschuld zu überzeugen, oder zumindest ihm eine Frist zu geben, bis er (also Valentin) einen Blick in das Buch geworfen hat.
Valentin und der wienerische Belmondo fahren also zum Verlag, um dort mit Diana zu reden und das Manuskript zu holen. Valentin möchte sich bei Diana entschuldigen, doch leider mischt sich Belmondo immer wieder ein. Irgendwann reicht es Diana und sie erschießt Belmondo. Das führt nicht nur dazu, dass dieser tot ist, sondern auch zur Versöhnung zwischen Diana und Valentin.
Leo inzwischen ruft Oskar an und möchte von ihm zusätzlich zu seinem Verschwinden auch noch gerne ne Millionen. Und Oskar solle sich beeilen, denn er wisse nicht, wie lange Maria noch das Waterboarding (und andere Folterei) aushält. Oskar selber hat natürlich nicht so viel Geld. Deshalb hebt er es von Konstantins Privatkonto ab. Als Konstantin davon erfährt, ist er noch unbegeisteter und befiehlt eine mafiöse Großrazzia.
Oskar trifft, von Valentin angerufen, im Verlag ein. Die drei überlegen sich einen Plan, wie sie den dicken Belmondoleichnam loswerden können. Doch gerade mitten in der schönsten Leichenschieberei kommen die zwei Superbullen. Allerdings nur, um Diana ein Manuskript zu geben, dass der schweigsamere der beiden über den Polizeialltag geschrieben hat. Nach kurzem Gerede verziehen sich die beiden auch wieder.
Oskar macht mit Leo die Geldübergabe in der Küche eines ihm bekannten Restaurants ab. Dieser kommt natürlich auch gleich mit seinen Leuten (die er allerdings vor der Hintertür stehen lässt). Während also Leo und Oskar über alte Zeiten reden (scheinbar erschoss Leo einen Freund von Oskar), befreien Diana und Valentin Maria aus Leos leichtbewachtem Versteck (nur zwei Heinzls sind da um aufzupassen). Nach dem Anruf Valentins schnappen sich Oskar und die Köche Leo, fesseln ihn und legen ihn auf einen Tisch.
Frohes Wiedersehen von Maria und Oskar in der Restaurantsküche. Maria entdeckt den zu backen fertig bereiteten noch lebenden Leo, und beschließt, ihn, wenn er durch ist, zu essen. Oskar allerdings hatte nie vor, in zu Tode zu backen, sondern ihm nur Angst zu machen.
Währenddessen betreten im Essbereich des Restaurants die beiden Polizisten das Gebäude, die nun von Valentin und Diana daran gehindert werden, in die Küche zu gehen. Das ist den Polizisten egal, das wollten die nämlich ohnehin nicht. Sie haben noch ein zweites Manuskript für Diana dabei. Schließlich betritt auch noch Konstantin mit seinen Schergen das Restaurant. Doch bevor er die Polizisten, deren Manuskript eine detaillierte Beschreibung der Wiener Mafiawelt ist, aufmischen kann, schiebt Oskar den halbgaren Leo herein (schön im Blätterteigmantel). Eine angespannte Situation mit vielen gezogenen Waffen. Maria, die Leo ein Messer ins Bein rammt, da sie ihn immer noch essen will, löst die Katastrophe aus. Leo nämlich, da ja nicht tot, schreit auf und alle schießen auf ihn. Jetzt ist er tot, und kann somit nicht miterleben, wie seine treuen Mannen durch die Schußgeräusche aufgeschreckt hereinstürmen und eine Schießerei entbrennt. Am Ende bleibt nur Oskar, als einzig Überlebender übrig.
Doch keine Angst, das ist gar nicht passiert. Wir befinden uns wieder bei der anfänglichen Geiselnahme, die ganze Handlung danach war nur die Vision von Oskar. Nachdem er den dramatischen Ausgang erkannt hat, beschließt er, doch lieber mit seinen Jungs (Valentin wie wir jetzt wissen) abzuhauen und nicht mit Maria zusammen zu kommen.
Der Abspann zeigt dann Szenen, wie sie in dieser Version der Geschichte passieren (so lernen sich Valentin und Oskar dennoch richtig kennen, nur unter anderen Umständen, und Leo kokst sich in den Tod).
Ich wollte eigentlich aus dem Film nur einen recht kurzen Tagebucheintrag machen. Leider bin ich daran gescheitert, obwohl ich schon etliche Szenen weggelassen habe (nicht nur, um nicht so viel schreiben zu müssen, sondern auch, um die Gags nicht zu verraten).
Der Film ist nicht schlecht, aber etwas surreal, naja, vor allem das Ende. Das Drehbuch wartet mit einigen kuriosen Einfällen auf, die gut zu Unterhalten wissen. Leider zünden nicht alle Dialoge. Wenn sich Valentin und Oskar beim Autofahren über den Einfluss des Kochens auf die Kultur unterhalten, und Amerika deswegen als kulturlos bezeichnen, merkt man dem ganzen zwar an, dass es gerne ein Pulp Fiction sein möchte (Stichwort Quarterpounder with Cheese), aber das kommt ein wenig unvermittelt und wird auch nicht auf eine ganz so coole Weise rübergebracht. Auch Marias Entschluss, ihren ehemaligen Peiniger unbedingt essen zu wollen, wirkt ein wenig zu abgehoben und wirkt auch nicht wie ein nachvollziehbarer Charakter-Turn. Immerhin stand sie ja immer für eine gewaltfreie Lösung ein. Gut, wer sich mit einem Mafiosi einlässt und sich dann beschwert, dass er das verbrecherische Tun nicht sein lassen kann, hat vielleicht ohnehin einen an der Waffel.
Das heißt jetzt nicht, dass der Film unlustig ist. Es gibt gute Pointen, vor allem wenn der österreichische Humor und der wienerische Dialekt in den Vordergrund treten, aber man merkt oft, dass der Film gerne noch ein wenig mehr wäre.
Das liegt nicht unbedingt an den Schauspielern. Henry Hübchen (bekannt aus „Alles auf Zucker“, „Commisario Laurenti“ und mehr) gibt den Mafiosi Oskar, dem kochen über töten geht. Er ist eher ruhig und gesetzt. Beides Eigenschaften, die nicht unbedingt zu Mafiosi oder Koch passen, aber immerhin ein Sympathieträger.
Corinna Harfouch (Maria) hat im Prinzip nicht zu tun. Am Anfang ist sie friedliebend, gerät dann in die Fänge eines Folterknechts und möchte ihn daraufhin essen. Wie gesagt, mit diesem seltsamen Umschwung tu ich mich schwer. Jemanden zu essen wirkt schon arg übertrieben. Dafür kann Frau Harfouch selbst ja nichts, aber sie kann eben auch nur wenig zeigen, wird sie ja hauptsächlich gefoltert. Als Magda Göbbels in „Der Untergang“ hat sie mir deutlich besser gefallen.
Zu Moritz Bleibtreu (Valentin) muß ich ja wohl nicht mehr viel sagen. Hier wirkt er routiniert, aber er glänzt nicht auf. Dennoch ist es immer wieder nett, ihn auf der Mattscheibe zu sehen.
Und Nadeshda Brennicke (Diana) sieht nicht nur ziemlich gut aus, sondern spielt auch richtig gut. Schade, dass sie nicht in größeren Produktionen spielt, sondern größtenteils für TV-Produktionen arbeitet. Ein Film in ihrer Vita interessiert mich dann aber dennoch, nämlich „Der Bär ist los! Die Geschichte von Bruno“, aber mehr aus kuriositätischen Gründen.
Noch ein Wort zur Musik. Diese klingt oftmals balkanesk, was ja verständlich ist, ob der osteuropäischen Mafia. Allerdings fehlt ein Lied, das im Ohr hängen bleibt. Das hätte die eine oder andere Szene vielleicht zusätzlich aufgepeppt.
Den Film darf man ruhig einmal anschauen. Und auch zweimal. Auch wenn nicht alles unbedingt so funktioniert, wie sich die Macher das vielleicht gedacht haben, kann man nicht sagen, dass es schlecht ist, oder nicht zu unterhalten weiß.

 
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Verfasst von - November 14, 2019 in Filmtagebuch

 

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